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Fotomontage: Konzert der Band "Goatmen" und Utopia-Theater-Szen aus "Der Diener zweier Herren" mit Schriftzug Bezriksmuseum wird Kulturzentrum
Fotomontage: Konzert der Band "Goatmen" und Utopia-Theater-Szen aus "Der Diener zweier Herren" mit Schriftzug Bezriksmuseum wird Kulturzentrum
22.08.2021

Von Theater bis zu (Rock)-Konzerten im Museum

Bezirksmuseum Brigittenau (Wien) öffnet vor allem den Hof für vielfältig Veranstaltungen.

Eine einfach aufgebaute Bühne auf Podesten, darauf ein paar flexible Wände und ein rasant gespielter Komödien-Klassiker: Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ (Bearbeitung: Peter W. Hochegger). Gespielt vom Utopia-Theater, das immer auf Tour ist, oft durch Höfe Wiener Gemeindebauten, aber auch außerhalb Wiens.

Witzig-mitreißend

Bei der Aufführung im Garten des Bezirksmuseums Brigittenau (Dresdner Straße) begeisterten Andreas Seidl als Pantalone de Bisognosi, Natalie J. Obernigg als Beatrice Rasponi, die ja zunächst verkleidet als ihr eigner Bruder auftritt, Stefan Ried als Florindo Aretusi, Helga Grausam sowohl als Rosaura, Brighellas Witwe als auch in der Rolle von Dottore Lombardi, Viktoria Weiner – ebenfalls in einer Doppelrolle (Smeraldina bzw. Pantalones Tochter Clarice und schließlich der Schlawiner Arlecchino Botacchio gespielt von Bernhard Horn mehr als 100 Zuschauer:innen, nicht nur aus der Brigittenau.

Ziegenmänner

Schon eine Woche später ein ganz anderes Programm: „Goatmen“. Die Band der fünf mittelalterlichen „Ziegenmänner“ spielt eine breite Palette von fast lyrischen Balladen über verspielte elektronische Nummern bis hin zu lärmigen metal-ähnlichen und Punk-Tracks oder (selbst-)ironischen Schmankerln wie einer Art Warteschleifennummer mit der Aufforderung ja nicht anzurufen. Übrigens nicht extra erfunden für die – nicht weit entfernt angesiedelte MA 35, aber wenige Tage nachdem ein anonymer Mitarbeiter in einem ORF-Radio-Interview erzählt hatte, dass das ganze Amt praktisch nie Telefonanrufe entgegennimmt.

Alle fünf sind in sogenannten bürgerlichen Berufen höchst erfolgreich, spielen aber dennoch nicht nur als Hobby-Band sondern auf professionellem Niveau: Architekt Markus Pillhofer war schon bei „Drahdiwaberl“ Keyboarder, spielt aber auch viel Free-Jazz. Schlagzeuger Gerhard Höffler arbeitet als Hoch- und Tiefbauingenieur in Führungsposition. Roman Stift am Bass entwickelt berufliche Roboter im Medizintechnikbereich. Florian Prix – Gitarre und elektronische „Spielzeuge“ – ist Geschäftsführer eines Unternehmens, das auf die Gestaltung (mediale) Ausstellungskunst spezialisiert ist (cat-x exhibitions). Mastermind, Erfinder, Solosänger und Schreiber der meisten Nummern ist Adam Wehsely-Swiczinsky. Auch Namensgeber. Vor mehr als zehn Jahren zum Gründungszeitpunkt hatte er einen sogenannten Ziegenbart. Er hat gleich zwei Jobs, sagt er Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … erfolgreicher Industriedesigner (awsdesign.at) und Gitarrenbauer (madaguitars.com). Seine eigene Linkshänder-Gitarre, aber auch die Bass-Gitarre von Roman Stift hat er gebaut. „Wir stimmen aber auch Gitarren. Wichtig ist, Jobs zu haben, die Spaß und Freude machen“, verrät der Frontman.

Mit Schmäh

Auf Nachfrage so der Ur-Goatman: „Die Songs sind bis auf zwei von mir. Bei ein paar hat der Florian auch mit geschrieben. Texte sind alle von mir. Text schreiben ist bei mir meist so eine Art Therapie: Von depressiven Ansätzen über Verlangen und politische Beobachtungen. Manchmal ist da aber auch ein bisserl ein Schmäh Ansatz dabei. Oft ist der Text mit Melodie der Ausgangspunkt, manchmal auch die Musik, die ich meistens auf Akustik-Gitarre oder am Klavier „schreibe“.“

Zum Schmäh gehört auch die Rotkäppchen-Nummer, die Vorsicht vor dem Wolf thematisiert „Beware of the Wolf“. Auch der Wolf habe seine Existenzberechtigung kündigt der Leadsänger die Metal-Nummer an, die den Vorgang der Erleichterung des Hunde-Verwandten von den in den Bauch gefüllten Steinen besingt und -spielt 😉

Nächste Veranstaltungen in diesem Bezirksmuseums-Garten: Die legendäre Band „The Untoucables“ (9. September) und im Oktober spielt Andreas Roder den berühmten Text von Carl Merz und Helmut Qualtinger: „Der Herr Karl“.

Viele Bezirksmuseen machen auf

Bezirksmuseen beherbergen so manch Spannendes zur regionalen und lokalen Geschichte. Viel wenden sich aber auch darüber hinaus mit diversen Veranstaltungen an die Öffentlichkeit – nicht nur ihres Bezirkes. In der Veranstaltungsübersicht der Wiener Bezirksmuseen finden sich rund die Hälfte, die zu Spaziergängen durch die jeweiligen Bezirke einladen oder Spezialführungen anbieten, etwa in Neubau (7. Bezirk) barrierefreie oder spezielle für Kinder.

(Ex-)Pädagoge

In der Brigittenau (20. Bezirk) hat vor rund zwei Jahren ein neuer Leiter das Museum übernommen: Der pensionierte Pädagoge Richard Felsleitner. In seiner Laufbahn hatte er unter anderem eine Sonderschule geleitet, war später einige Jahre engagierter Fachinspektor für Sonderpädagogik und hat in seiner Freizeit die mobile Jugendarbeitseinrichtung Backbone in diesem Bezirk mitinitiiert. Dort hatte vor mehr als zehn Jahren die mittlerweile sehr bekannte Rapperin und Pop-Fest-Kuratorin EsRap ihre ersten Tracks aufgenommen. In seiner „Amtszeit“ als Museums-Leiter hatte er au schon legendäre Größen wie Karl Ratzer und Harri Stojka zu Konzerten hier bewegt.

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