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Inszeniertes Foto für die Ankündigung der Werkstatt-Präsentation "Damals. Heute. Wir. – Unsere Stadt – unsere Geschichten"
Inszeniertes Foto für die Ankündigung der Werkstatt-Präsentation "Damals. Heute. Wir. – Unsere Stadt – unsere Geschichten"
11.05.2026

Was hätte ich damals gemacht?

Kinder und Jugendliche einer der Theaterwerkstätten im Dschungel Wien gingen von ihrem Hier und Heute aus und beschäftigten sich auch mit Erinnern – und dank Interviews mit Geschichte, vor allem der Nazizeit; Bericht über eine weitere der Werkstätten-Präsentationen; Teil 2.

Von eigenen liebsten Freizeitbeschäftigungen, Haustieren und Lieblingsorten in der Stadt bis zu dunkelsten, menschenverachtenden Momenten in der Geschichte spannen elf Kinder bzw. junge Jugendliche einen szenischen Bogen. Sie haben sich in einer der Theaterwerkstätten im Dschungel Wien von ihrem eigenen Heute über „damals“ – vor allem dank Interviews mit zwei Theaterfrauen, die sich mit der Nazi-Herrschaft auseinandersetz(t)en – bis wieder zur Gegenwart beschäftigt. Und daraus Szenen für die derzeit gespielten Präsentationen ihrer Theaterwerkstatt „Damals. Heute. Wir. – Unsere Stadt – unsere Geschichten“ erarbeitet.

Mit eingeflochten haben Lina Fritz, Sophie Hosopf, Güven Köksal, Lea Marie Nowack, Vita Parsini, Emil Reis, Aurel Sczilinski, Hanna Sczilinski, Lilian Wallmüller, Max Weber-Unger, Wanda Wuschitz sowie Lilia Trautendorfer (nicht auf der Bühne, aber bei der Stückentwicklung mit dabei) – begleitet von Anja Sczilinski (künstlerische Leitung) und Elodie Steiner (Hospitanz) auch Interviews mit Passant:innen. Die führten sie vor allem auf der Mariahilfer Straße, die am MuseumsQuartier vorbeiführt, wo das Theaterhaus für junges Publikum, Dschungel Wien, steht.

Knieender und straßenwaschener Jude - Teil des Mahnmal-Ensembles gegen Krieg und Faschismus von Alfred Hrdlicka auf dem Wiener Albertinaplatz; diesem Teil des Mahnmals musste nachträglich Stacheldraht hinzugefügt werden, weil sich immer wieder Menschen auf diesn Teil des Mahnmals gesetzt haben!
Knieender und straßenwaschener Jude – Teil des Mahnmal-Ensembles gegen Krieg und Faschismus von Alfred Hrdlicka auf dem Wiener Albertinaplatz; diesem Teil des Mahnmals musste nachträglich Stacheldraht hinzugefügt werden, weil sich immer wieder Menschen auf diesn Teil des Mahnmals gesetzt haben!

Jüdisches Leben

So manche der aufgenommenen Antworten werden aus dem Off eingespielt bzw. textlich auf den durchscheinenden halbrund den Hintergrund der Bühne umspannenden Vorhang projiziert – ebenso wie Auszüge aus den ausführlichen Interviews mit der Theater- und Film-Schauspielerin Inge Maux (1944 geboren) und Cordula Nossek. Beide haben sich auch in ihrer künstlerischen Arbeit mit dem Faschismus auseinandergesetzt sowie jüdisches Leben – und Sterben (die Nazis ermordeten rund sechs Millionen Menschen, „nur“, weil sie Jüd:innen waren) auseinandergesetzt. Nossek hat dazu vor allem das Stück „Das Kleid – Theater zum Erinnern“ über die „Nähstube“ im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau geschrieben und spielt es immer wieder – Stückbesprechung von der Premiere vor rund zwei Jahren unten verlinkt.

Was wäre, wenn…

Was und wie hätte ich reagiert? Das stellten sich die jungen Werkstätten-Mitglieder und setzten eine der bekannten symbolträchtigen Niederträchtigkeiten in Szene: Juden, die von den Nazis gezwungen wurden mit Zahnbürsten den Gehsteig zu putzen. Die erste spontane Reaktion – „auf jeden Fall helfen –, wird dabei relativiert: „Aber was, wenn ganz viele Polizisten rundum stehen würden…“ Wobei es weniger Polizisten als glühende Anhänger:innen der Nazis, auch ganz „normale“ Bürger:innen waren…

Von der bitteren Geschichte – wobei es gut gewesen wäre, wenigsten zu erwähnen, dass auch rund eine halbe Million Angehörige von Roma und Sinti sowie politische Gegner:innen von den Nazis verfolgt und ermordet worden sind – springen die jungen Theaterleute wieder ins Hier und Heute. Immer wieder machen sie Ausflüge ins Publikum und fragen die eine oder den anderen zu den jeweils angerissenen Themen. Und sie appellieren an „liebe Erwachsene, hören Sie auf, unsere Welt zu zerstören! …“

In diesem Aufruf fällt unter anderem der Satz „Frieden sollte normal sein!“

kijuku_heinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Damals. Heute. Wir. – Unsere Stadt – unsere Geschichten

Werkstätten-Präsentation; Schauspiel mit Tanz + Musik; 9 bis 14 Jahre; ca. 40 Minuten

Stückentwicklung und Performance: Lina Fritz, Sophie Hosopf, Güven Köksal, Lea Marie Nowack, Vita Parsini, Emil Reis, Aurel Sczilinski, Hanna Sczilinski, Lilian Wallmüller, Max Weber-Unger, Wanda Wuschitz sowie Lilia Trautendorfer (nicht auf der Bühne, aber bei der Stückentwicklung mit dabei)

Künstlerische Leitung: Anja Sczilinski
Hospitanz: Elodie Steiner
Beratung Raum und Licht: Peter N. Schultze
Kreatives Schreiben: Susanne Gregor
Video: Nina Kraus
Umsetzung Licht: Jana Resetarits

Wann & wo?

Bis 12. Mai 2026
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
dschungelwien –> damals-heute-wir

Festival der Werkstätten

Bis 13. Mai 2026
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
dschungelwien –> festival-der-theaterwerkstaetten-25-26