Der preisgekrönte Jugendroman von Saša Stanišić über Außenseiter und Mobbing derzeit auch in Wien im Theater der Jugend in einer Bühnenversion.
Wolf – sinnbildliches Tier für das Böse. In Märchen. Und in so manch österreichischer Bundesland-Politik, wo die erst mühsam nach fast-Ausrottung wieder angesiedelten Tiere gern dem Abschuss freigegeben werden. Mittlerweile auch schon ohne, dass sie das eine oder andere Schaf gefressen haben.
„Wolf“ hat Saša Stanišić in seinem – auch preisgekrönten – Jugendroman zu einem Albtraumbild zweier Außenseiter und zum Symbol für deren – unterschiedliche – Ängste gemacht. Da ist zum einen ein klassisch Gemobbter: Jörg (Jonas Graber), der gern wandert und einen völlig uncoolen uralten Rucksack schleppt.
Und zum anderen die Hauptfigur, ein 13-Jähriger, der nur widerwillig und mütterlicherseits zwangsweise auf dieses Ferienlager im Wald mitgekommen ist. Seinen Namen gibt sowohl der Roman-Autor als auch die Stück-Textversion demgemäß erst ganz am Ende Preis. Blöderweise nennen ihn sowohl das Theater der Jugend als auch das NÖ-Landestheater, wo das Stück schon vor mehr als einem Jahr in einer anderen Version lief, gleich in den Infos – und damit auch die meisten Kritiker:innen. Hier wird er gar nicht verraten, selbst in den Infos unten verheimlicht.
Mino Dreier spielt diese Figur, die auf ur-cool und lässig tut, alles in Frage stellt, selbst an den Rand gedrängt wird, sich aber im Außenseiter-Tum eigentlich meist ganz wohl fühlt. Dann aber doch zunächst nicht gerade angetan ist, ausgerechnet mit Jörg die Unterkunft teilen zu müssen. Aber doch recht froh ist, dass der noch „andersiger“ ist.
Erst spät, als er doch mit Jörg mehr redet, kommt er drauf, dass der ebenfalls immer wieder von einem gefährlichen Wolf träumt.
Und dennoch steht ein und derselbe Wolf für unterschiedliche Ängste. Sind es für Jörg die auch ganz real erlittenen Attacken vor allem von Marko (Valentin Späth), so bei der Hauptfigur eher jene, kaum bis nichts zu tun, wenn er die Gemeinheiten anderer erlebt. Obwohl er nicht nur vom Kopf weiß, sondern es auch spürt: Jetzt müsstest du doch endlich was sagen, was tun…
In der Bühnenversion (Claudia Waldherr), die bis fast Ende Juni im kleineren Haus des Theaters der Jugend in Wien, siehe Info-Block – läuft wird Wolf immer wieder äußerst lebendig: Eine große Puppe aus den Händen von Soffi Povo, die hier auch schon grandios gespielt hat und nun Figuren vor allem für das Schubert Theater baut und dort spielt, taucht immer wieder wie fast aus dem Nichts auf. In Bewegung gesetzt wird dieser Wolf von bis zu drei Schauspieler:innen, die gerade nicht in ihren Rollen agieren.
Der schon genannte Valentin Späth als Obermobber Marko schlüpft auch in die Rolle des ganz auf lässig tuenden „Piet“, der sich als Betreuer genauso wenig um die Jugendlichen schert wie seine Kollegin Bella, die auf esoterisch angehauchte dauerfröhliches Hippie-Girl macht, gespielt von Sascia Ronzoni. Sie verkörpert auch die Mutter, die den Jungen auf das Wald-Camp schickt und dort aber auch Benisha, ein Mädchen, auf das der 13-Jährige irgendwie steht. Und letztlich dann doch das Kletter-Duo mit ihr sausen lässt, weil er Angst hat, dass Makro als dem Jörg zugeteilter Kletterpartner dabei etwas Ernsthaftes antun könnte.
Als fünfter auf der Bühne agiert Frank Engelhardt als mehr als grantelnder Koch, der aber als einziger der Erwachsenen ein Herz für die Jugendlichen hat, das er allerdings mehr als zu verbergen weiß. Außerdem gibt er noch den Kletterlehrer Axel und eine bitterböse satirisch-autoritäre Waldlehrerin Beate.
Das Theater roch zumindest in den ersten Tagen in den vorderen Reihen stark nach Wald, da „wir frisch geschnittene Bäume bekommen haben“, wie Bühnenbildner Daniel Sommergruber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… anvertraute.
von Saša Stanišić
in einer Bühnenfassung von Claudia Waldherr
ca. 2 Stunden (inklusive Pause); ab 11 Jahren
Hauptfigur, die ihren Namen erst ganz zum Schluss verrät: Mino Dreier
Jörg: Jonas Graber
Piet / Marko / Hirsch Dietmar: Valentin Späth
Mutter / Bella / Benisha: Sascia Ronzoni
Koch / Beate / Kletterlehrer Axel / Wolf: Frank Engelhardt
Regie: Claudia Waldherr
Bühnenbild: Daniel Sommergruber
Kostümbild: Nina Holzapfel
Licht: Barbara Zukal
Puppenbau: Soffi Povo
Dramaturgie: Sebastian von Lagiewski
Assistenz und Inspizienz: Natalie Ogris
Hospitanz: Emma Hirt
Bis 21. Juni 2026
Theater im Zentrum: 1010 Liliengasse 3
Telefon: 01 521 10
tdj.at –> wolf
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen