Eine dichte, kurze, aber nicht verkürzte Fassung der Lebensgeschichte von Ada Christen, der in Wien-Favoriten eine wichtige Gasse gewidmet ist, und dies in der neuen Inszenierung mit einem Live-Gebärden-Schauspieler brachte der zweite Vormittag des aktuellen Gehörlosentheaterfestivals Visual. Mit dem Festival gastiert Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater – seit vielen Jahren im Wiener Theater Spielraum. Und die Premiere dieser Version von Ada Christen – mit Gebärdensprache – von Ensemble 21 fand – nicht zufällig – am 19. Mai statt, dem (heuer, 2026) 125. Todestag von Christi(a)na von Breden, geborene Christiane Rosalia Friederik (6. März 1839 – 19. Mai 1901).
Ada Christen war der Künstlerinnen-Name einer Schriftstellerin aus armen Verhältnissen, die durch Zufall mit einer Schauspieltruppe durch die österreichisch-ungarische Monarchie tourte, einen reichen ungarischen Adeligen kennenlernte, heiratete, in Wohlstand lebte, nach dessen frühen Tod wieder in die Armut zurückkehrte. Und in ihren Texten vor allem eigenes und anderes notdürftiges Auskommen mit spärlichem Einkommen in realitätsnahe fiktive Geschichten verpackte. Daraus hat Ensemble 21, namentlich die Schauspielerin Rita Luksch, ein Stück geschrieben, der Musiker Georg O. Luksch erzeugt dazu live, atmosphärisch Klänge, Töne, Melodien und Geräusche und im Hintergrund unterstreichen alte Fotos und moderne Videotechnik bildhafte passende Impressionen des Experimentalfilmers Erich Heyduck. Mehr zu dieser Inszenierung in einer Stückbesprechung anlässlich der Premiere von „Ada Christen – die Stimme der Verlorenen“ vor eineinhalb Jahren in einem Link am Ende des Beitrages.
Neu für das Festival ist nun ein weiterer Schauspieler auf der Bühne, Markus Pol, hörend mit gehörlosen Eltern und damit Gebärdensprache aufgewachsen, übersetzt er nicht nur die von seiner Bühnenkollegin gesprochenen Texte. Er setzt so manches davon in Szene. Am eindrücklichsten, wenn er in die Rolle eines italienischen Buben schlüpft, der wächserne Kanarienvögel verkauft. Einen solchen wünscht sich die sechsjährige Ich-Erzählerin einer der Ada-Christen-Sozialreportagen sehnsüchtig. Als sie eines Tages von einem sonst knausrigen Kunden, dem sie Handschuhe, die ihre Mutter näht, ausliefert, einen Groschen mehr kriegt, glaubt sie, dem Buben einen solchen abkaufen zu können. Doch die kosten weit mehr. Nachdem ihr der kaum ältere Italiener erzählt, dass er zu Hause Prügel bekommt, wenn er nicht alle Wachs-Vögel verkauft, nimmt sie auch Geld von den Handschuh-Erlösen.
Markus Pol lässt diesen Jungen äußerst lebendig werden, kommt hinter dem Notenständer, auf dem der Text liegt, hervor, ganz nah an die erste Publikumsreihe, der er die unsichtbaren kleinen künstlichen Vögel anbietet…
Am Freitag wird – in ähnlicher Zusammensetzung, erweitert um die Bratschistin Amelie Persché, die bekannte Geschichte „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry gespielt.
Zwischen den vielen von der Decke baumelnden Mobiles mit riesigen Bienen-Bildern (Bühnenbild: Kinder und Jugendliche aus der Volksschule 20 Klagenfurt-Viktring, MS (Mittelschule) 5 Klagenfurt-Wölfnitz und des BIG – Bundesinstituts für Gehörlosenbildung) hängen auch in einer Szene versteckt zwei Bananen. Lena Frießnegger von der Mittelschule 5 in Klagenfurt-Wölfnitz (Kärnten) steht in der Mitte der Bühne im Theater Spielraum (Wien-Neubau, 7. Bezirk) und will die sichtlich haben. Das sagt sie in Gebärdensprache. Für jene, die sie nicht verstehen, spricht Alfred Aichholzer den knappen Text in deutscher Lautsprache.
Da entdeckt die Spielerin eine Kiste am Rande der ansonsten – unten – leeren Bühne, holt sie her, steigt in die offene Kiste. Hilft nix, also umdrehen, draufsteigen – viel höher. Aber die Bananen hängen immer noch zu hoch. Weitere Kiste. „Der Affe und die Banane“ ist eine von drei kurzen „Bildergeschichten aus Ostjerusalem“, die im Vormittagsprogramm des 27. Gehörlosentheaterfestivals Visual gespielt wurden, das von „Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater“ seit mehr als einem ¼ Jahrhundert organisiert wird. Diese kleine Fabel über die Weisheit von Affen wurde – wie auch die anderen am ersten Vormittag des aktuellen Festivals (noch bis 22. Mai, Details siehe Info-Box) in die Österreichische Gebärdensprache übertragen vom gehörlosen Schauspieler und Gebärdensprachcoach Werner Mössler sowie von ihm und Herbert Gantschacher inszeniert – und mit Perkussion (Adi Schober) untermalt.
In einer weiteren kurzen Fabel schlüpfen Schülerinnen aus Klagenfurt in die Rolle von Bienen bzw. abwechselnd auch von Blüten, auf denen erstere „Staub“ holen, um die Pollen in ihrem „Haus“ zu Honig zu verarbeiten; und so „nebenbei“ Pflanzen zu bestäuben… Hier steuert die Schauspielerin Rita Luksch die (deutsche) Lautsprache bei, tritt aber auch als Bienen-jagender Junge auf der Bühne in Erscheinung, der aber bald die Wichtig- und Nützlichkeit der Bienen begreift.
Den Bogen dieser Bildergeschichten (in Zusammenarbeit mit dem Educational Bookshop und dem American Colony Bookshop in Ostjerusalem) schloss ein einsames Küken das verzweifelt nach Mama und Papa sucht und alle anderen Tiere, die ihm begegnen, nach den Eltern fragt. Lena Frießnegger war auch das suchende Küken. Ihre Schulkolleg:innen Leonie Schocklitsch-Kometter, Jana Hollauf, Oskar Wiesenreiter, Arun Gutleb und Maximilian Greile wechselten von befragten Schwänen zu Hunden, Schafen, Eseln, Kamelen… doch stets mussten sie – ebenfalls in ÖGS (Österreichischer Gebärdensprache) bedauernd verneinen. Selbst ein Mensch (Rita Luksch) hatte nur (Trost-)Pflaster zur Verfügung.
Den Auftakt spielten Kinder und Jugendliche mehrerer Klassen des BIG (BundesInstitut für Gehörlosenbildung) in Wien. Sie trommelten im Rhythmus der Einwortgedichte von der gehörlosen Dichter Odeau Rasmussen und George Kanapell „Mit dem Zug – Echt, Echt, Toll, Toll, Toll“. In der Mitte der im Halbrund auf dem Boden knieenden musizierenden Schüler:innen – kräftige Trommelschläge sind von nicht-Hörenden körperlich zu spüren – standen Schulkolleg:innen, die den Text gebärdeten während Herbert Gantaschacher (Arbos-„Vater“) ihn sehr laut sprach. Den Trommel-Takt gab Musiker Adi Schober vor, der mit den Schüler:innen in Workshops die Performance erarbeitete.
Eine kleine – anfangs mit weißem Vorhang verschlossene – Puppen- auf der großen Bühne. Links und rechts davon Notenständer. Fünf Mitwirkende verneigen sich wortlos, zwei gehen ab, eine verschwindet hinter der Puppenbühne. So beginnt der Besuche einer letzten Durchlaufprobe für das Eröffnungsstück des Gehörlosentheaterfestivals Visual von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
Zum 27. Mal bringt Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater – von 16. Bis 22. Mai 2026 durchgängig zweisprachige Stücke – in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) und Deutscher Lautsprache auf Wiener Bühnen, seit vielen Jahren im Theater Spielraum in der Kaiserstraße – Programm-Details in der Info-Box am Ende des Beitrages, einer der Links führt auch zu Videos mit den Informationen in Gebärdensprache. Mittlerweile setzen auch andere Theater(gruppen) auf diese Bilingualität, gleichsam zwei Mal ums Ecke vom Festival-Haus läuft seit einigen Tagen eine erlebenswerte Dramatisierung von Helena Adlers poetisch-bitterbösem Roman „Fretten“ von makemake Produktionen mit hörenden und gehörlosen Akteurinnen, durchgängig laut und gebärdend gesprochen – Stückbesprechung folgt demnächst.
Am Montagvormittag startet die Programmschiene für junges Publikum mit zunächst drei Bildergeschichten aus Ostjerusalem – „Der Affe und die Banane“, „Die Bienen“, „Das einsame Küken“ gespielt von der inklusiven Schauspielklasse der Mittelschule 5 aus Klagenfurt-Wölfnitz. Und gleich anschließend „mit dem Zug – echt, eht, toll, toll“ sowie „ich sehe was, was du nicht siehst“, gespielt von gehörlosen und hörbehinderten Schüler:innen des BIG (BundesInstituts für Gehörlosenbildung) in Wien.
Zurück zu den Proben im Spielraum, wo am Samstag, 16. Mai, um 20 Uhr „Am Rande der Wüste“ von Dževad Karahasan Premiere hat. Wie auch die drei ersten Stücke für Kinder und Jugendliche handelt es sich bei Karahasans „Am Rande der Wüste“ (ins Deutsche übertragen von Herbert Gantschacher, dem Motor des Festivals und in die Österreichische Gebärdensprache übertragen vom gehörlosen Schauspieler Werner Mössler) um eine – in dem Fall abendfüllende – Fabel.
Konstantin und Sibila sind Mäuse-Eltern mit den drei Kindern Paulina, Mitridat und Jugurtha (Bühnenbild, Kostüme und Puppen: Burgis Paier). Im Loch, sprich Haus dieser dunkelgrauen Mäuse beginnt die durchaus komplexe Geschichte. Während Anna Russegger nicht nur die fünf Stabpuppen-Mäuse in Bewegung versetzt, spielt sie auch mit ihrem Gesicht und ihrer Körperhaltung die jeweilige Stimmung. Hinter den Notenständern stehend gebärdet Mirjam Peterschovsky den sehr umfangreichen, dichten Text, den gleichzeitig Alfred Aichholzer in (deutscher) Lautsprache zu Gehör bringt. (Die beiden weiteren zu Beginn erwähnten Akteure sind Gantschacher und Mössler, die nur selten auftreten – um die jeweils nächsten Szenen zweisprachig anzukündigen.)
Der Autor lässt die Mäuse viel über hochphilosophische und Glaubensfragen diskutieren. Während der Vater meint, sie sollten alle dankbar sein, weil alles Gottesgeschenke seine, wagt es Paulina zu fragen, wie das mit Überflutungen sei. Bei einer solchen sei immerhin ein Bruder ums Leben gekommen. Wozu der Mutter einfällt, dass einer der ärgsten Flüche lautet: „Möge dein Leben aufregend verlaufen!“
Am frechsten und vorwitzigsten ist der jüngste Mäuserich Joghurta, der sich auch nicht mit Vaters Abhandlung über Ängste zufriedengibt.
In weiteren Szenen spielen ein verführerischer Tiger als große blau-weiß-gestreifte Handpuppe – blau ist in der Stadt Merv, Handlungsort der Story, wichtig – und der Färber Hakim, in den sich die Puppenspielerin verwandelt, sowie die Löwin Elisabetha große Rollen.
Tiger schwärmt dem Färber von Freiheit vor, von einer utopisch anmutenden demokratischen Zukunft freier vor allem Tiere. Und … – nein, sein Trick und alles weitere sei hier nicht gespoilert.
Verraten seien aber noch aus dem umfangreichen, spannenden Programm des Festivals, Gastspiele bzw. Kooperationen mit Ensemble 21. Unter anderem nicht zuletzt aus leider aktuellen weltpolitischen Anlässen „Verweigert den Krieg!“ von Helen Keller und Wilhelm Jerusalem, aber auch „Der kleine Prinz“ in der Version mit dem CoDa-Schauspieler Markus Pol (child of deaf adult – hörende Kinder gehörloser Eltern) und neu auch die Geschichte über „Ada Christen“.
Am internationalen Frauentag spielen – dieses Mal vor der Bühne am Bodensee (Bregenz, Vorarlberg) – der gehörlose Schauspieler Werner Mössler in Österreichischer Gebärdensprache und parallel Markus Rupert in deutscher Lautsprache den zweiten Abschnitt der auf insgesamt fünf Jahre angelegten „5 Schritte Frieden“, einem Projekt der Visuellen Theaterbibliothek und des Theaters im Urbanen Raum. Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater inszeniert – seit dem Vorjahr – jeweils einen von vier Texten Dževad Karahasans (1953 – 2023), der fünfte stammt von diesem in Bosnien geborenen, in Österreich Zuflucht gefunden habenden Schriftsteller – gemeinsam mit Herbert Gantschacher, der alle fünf inszeniert.
Als bosnischer Moslem wurde er im Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina mit Ermordung bedroht, weil er mit einer Frau serbischer Herkunft verheiratet war. Die Flucht aus Sarajevo führte den Schriftsteller 1993 nach Österreich und da bald zu einer engen Zusammenarbeit mit ARBOS mit vielen gemeinsamen Produktionen. Die „5 Schritte Frieden“ durchaus auch als eine Art Vermächtnis des 2023 in Graz verstobenen Schriftstellers begannen im Vorjahr am Klagenfurter Hauptbahnhof mit „Privileg Sterben“. Heuer folgt „Auf der Akademie“, ebenfalls als Uraufführung – live gespielt und online in alle Welt ausgestrahlt.
„Ihre Aufgabe ist das Einzige, was Sie für einen Augenblick von der Angst befreien kann, was Ihnen hilft, die Menschenwürde zu bewahren, was Ihnen die Empfindsamkeit und den Verstand erhalten kann“, schrieb er im Text „Auf der Akademie“. Eine Szene, die im belagerten, dauernd unter Beschuss liegenden Sarajevo spielt – und leider für viele Orte der Welt, erst jüngst brandaktuell wieder, gilt.
„Die Menschen haben uns den Rücken gekehrt, das Glück hat uns verlassen, diese Welt hat sich von uns losgesagt. Noch schützt uns die Kunst vor der Gleichgültigkeit, der Mensch aber lebt, solange er nicht gleichgültig ist. Sie sind besser als die Herren vom Westen, die uns nicht helfen, obwohl sie es könnten. Sie sind besser, denn Sie sind lebendig, und jene sind gleichgültig. Sie fühlen Schmerz, Angst, Hunger und Durst. Sie fühlen Liebe und Zorn. Dienen Sie Ihrer Kunst, sie wird Sie gegen alles schützen, was gegen Sie anstürmt, wie ein warmer und dunkler Mutterleib.“
Und weiter schreib Karahasan, dass er den Studierenden diese „pathetische Rede“ gar „nicht zu halten“ brauchte. „Ich musste ihnen überhaupt nichts sagen. Sie arbeiteten besser als je zuvor. In weniger als zwei Monaten studierten sie vier Vorstellungen ein, die in der ganzen Stadt gespielt wurden. Ohne elektrische Beleuchtung, ohne eine vom Zuschauerraum getrennte Bühne, ohne Dekoration. Einfach ohne alles, außer mit spieldurstigen Schauspielern, einem Text und theaterhungrigen Zuschauern. Bei den ersten Proben wurden sie durch Granaten gestört, die in der Nähe einschlugen. Da verloren sie noch die Konzentration, machten Pausen, hörten einen Moment auf. Mit der Zeit gewöhnten sie sich so sehr daran, dass sie einfach nicht mehr auf die Granaten reagierten, ja, manche sogar die Möglichkeit fanden, die Granaten ins Spiel einzubinden, als einer ihrer Ausdrucksmittel. Ähnlich war es mit den Zuschauern – am Anfang achteten sie auf die Granaten, doch dann überließen sie sich der Vorstellung mit mehr Genuss als seinerzeit im Frieden.“
Den Text „Auf der Akademie“ begann der Schriftsteller mit der Schilderung „Zehn Tage nach dem großen Bombardement versammelten wir uns auf der Akademie, meine Studenten und ich. Da der Haupteingang dem Trebević zu gekehrt, einem ehemals beliebten und oft besungenen Ausflugsziel, und deshalb gefährlich ist, schlugen wir ein Loch in die Hofmauer und erhielten so einen Durchgang zum Keller. Wir verabredeten, dass unsere erste Arbeit den Exams-Auftritten der Studenten gelten solle, die im vierten Schauspieljahr sind. Einen normalen Unterricht für jüngere Studenten können wir nicht organisieren, aber wir können den Absolventen helfen, das Examen zu machen.“
Das Programm, das am Frauentag – 8. März, in dem Fall 2026, ab 20 Uhr live online gestreamt wird – begann wie schon erwähnt im Vorjahr, damals am Klagenfurter Hauptbahnhof., 2025 mit „Privileg Sterben“. Nach „Auf der Akademie“ (Frauentag, 8. März 2026) folgen in den kommenden Jahren „Die einen und die anderen“ (2027), „Eine alte orientalische Parabel“ (2028) sowie als Teil 5 der „Friedensschritte) „Gespräch als Kunst“ (2029) – ebenfalls von Dževad Karahasan, aber wie schon oben erwähnt gemeinsam mit Herbert Gantschacher.
Noch nicht so traditionsreich wie das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, aber auch nicht zum ersten Mal, strahlt Radio Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater – am 1. Jänner 2026 das Musiktheaterstück „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“ aus; und zwar in einer Inszenierung für Puppentheater, die vor einem Jahr im Salzburger Breloque Theater produziert worden ist – mehr dazu in einem Link zum vorjährigen Beitrag auf dieser Seite, unten am Ende des Beitrages.
Anlass ist die Wiederkehr des Geburtstages des Komponisten dieser im Konzentrationsalge Theresienstadt geschriebenen Antikriegsoper, Viktor Ullmann (1.1.1898 in Teschen).
Rund vier Wochen später, am 27. Jänner, dem 81. Jahrestag der Befreiung des Nazi-Massenvernichtungslagers Auschwitz, in dem auch Ullmann ermordet wurde (18.Oktober 1944) strahlt Arbos auf seiner Website dann einen Live-Mitschnitt jener Fassung der genannten Antikriegsoper aus, die am 23. Mai 1995 im tschechischen Terezín (Theresienstadt) 50 Jahre nach Faschismus und Krieg erstaufgeführt wurde – in der rekonstruierten Originalfassung Ullmanns von Karel Berman, Paul Kling und Herbert Thomas Mandl. Alle drei waren am Prozess der Fertigstellung von Ullmanns Anti-Kriegsoper im Rahmen der „Freizeitgestaltung“ im Konzentrationslager Theresienstadt beteiligt. Im KZ Theresienstadt wurde Ullmanns Antikriegsoper ja „nur“ geprobt, nie gespielt.
Karel Berman probte die Partie des Todes in Theresienstadt. Bermans Rollenbuch des Todes von Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“ war die wichtigste Quelle zur Rekonstruktion der Originalfassung, neben den Berichten des Konzertmeisters der Theresienstädter Proben, dem Geiger Paul Kling, und den Berichten von Herbert Thomas Mandl, der bei allen in Theresienstadt statt gefundenen Proben anwesend war. Musik und Libretto zur Anti-Kriegsoper stammen von Viktor Ullmann, die auf den eigenen Kriegserfahrungen im Ersten Weltkrieg basiert.
Die Tschechische Erstaufführung fand am 24. September 1993 im Národní památník na Vítkově im Prager Bezirk Žižkov – gegenüber der Prager Burg und Symbol für den Kampf um Freiheit der Tschechoslowakei – statt durch „ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater“ und war die Opernaufführung des Jahres 1993 in der Tschechischen Republik.
Auch heuer scheint es -nicht einmal zu Weihnachten – einen kurzen Waffenstillstand in den Kriegen in der Ukraine, im Sudan und auch nicht in dem darauf zusteuernden von Donald Trumps USA gegen Venezuela geführten zu geben.
Vor mehr als 90 Jahren gab es einen solchen im ersten Winter des ersten Weltkrieges. Im Ersten Weltkrieg gab es an der Front zu Weihnachten 1914 am Heiligen Abend und am Ersten Weihnachtsfeiertag einen Weihnachtsfrieden. Und am Heiligen Abend, am 24. Dezember 1914 gab es die Weihnachtsbotschaft von Kaiser Franz Joseph I, dem Herrscher der Donaumonarchie an die Eingeschlossen der von russischen Truppen belagerten Stadt Przemyśl. Anstatt Krieg zu führen, wurde ein Friedensfest gefeiert, am Heiligen Abend und am Ersten Weihnachtsfeiertag.
Dies ist auch in diesem Jahr wieder Anlass für „Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater“ online „Musik aus dem Großen Krieg zu übertragen (Link am Ende des Beitrages) – u.a. mit Johann-Strauss-Melodien, aber vor allem von Kompositionen Viktor Ullmanns: „Präzision, meine Herren, ist die Hauptsache“, dadaistische Komposition aus dem Ersten Weltkrieg arrangiert für Klavier, Sopran und Bassbariton, „Marsch“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Theodor Kramer arrangiert für Violine, Cello, Klarinette, Saxophon, Horn, Klavier und Schlagwerk, Gebärdensprache und Stimme „Wendla im Garten“ nach dem Gedicht von Frank Wedekind, jeweils arrangiert von Herbert Gantschacher vom genannten Verein Arbos.
Weiters zu hören sein werden ebenfalls Ullmanns „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Rainer Maria Rilke, Nr. 2 aus Teil I in der Originalfassung des Komponisten für großes Orchester rekonstruiert von Elmo Cosentini und Herbert Gantschacher, „und nicht zuletzt Viktor Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ (Musik und Libretto in der Originalfassung des Komponisten rekonstruiert in Zusammenarbeit mit Karel Berman, Herbert Thomas Mandl, Paul Kling, Ingo Schultz, Alexander Drčar und Herbert Gantschacher im Auftrag von „Gesellschaft für Musik und Theater)
Eine Produktion aus dem Projekt „krieg=daDa“ von ARBOS gesungen und gespielt vom Kronthaler Saxophonquartett, Markus Rupert, Christoph Traxler, Rupert Bergmann, Katrin Koch, „ensemble kreativ“, Werner Mössler, Projekt-Chor, „arbos ensemble“ Stephen Swanson, Stefani Kahl, Ingrid Niedermair und Johannes Strasser Sendung auf ARBOS-Radio
Über den Weihnachtsfrieden im ersten Weltkrieg berichteten „The Daily Mirror“, „The Sphere“ und die „London Illustrated News“ auch mit Bildern. Die Soldaten kamen aus den Schützengräben heraus und feierten gemeinsam an der Frontlinie, spielten Fußball, es war ein Friedensfest von kurzer Dauer, denn danach wurden sie von ihren Kommandeuren bei Todesstrafe gezwungen, den Kampf fortzusetzen. Dieser Weihnachtsfrieden war lange Zeit nur von der Westfront im Ersten Weltkrieg zwischen britischen, französischen, belgischen und deutschen Soldaten bekannt. Einen Weihnachtsfrieden gab es aber auch im Osten zwischen den Truppen des Russischen Reiches und der Habsburgermonarchie im belagerten Przemyśl. Darüber berichtete die Krankenschwester Ilka Michaelsburg, deren Buch „Im belagerten Przemyśl“ 1915 erschien, dies geschah am Heiligen Abend 1914. Ebenso am Heiligen Abend, dem 24. Dezember 1914, übermittelte Kaiser Franz Joseph I., der Herrscher der Donaumonarchie aus dem Erzhaus Habsburg die Weihnachtsbotschaft via einer Radiostation, die in Wien aufgebaut war, und an die Radiostation im belagerten Przemyśl übermittelt wurde. In dieser Botschaft wünschte er den Eingeschlossenen zum Weihnachtsfest alles Gute und bat die Bevölkerung und Soldaten auszuharren. Am Neujahrstag 1915 und zum russischen Weihnachtsfest Anfang Jänner 1915: „Im Vorfeld schwenkte der Feind die weiße Fahne und schickte eine Deputation von zwei russischen Offizieren zur Weihnachtsbeglückwünschung in unser Lager herüber. Sie brachten russischen Tabak und Zigaretten als Weihnachtsgabe … daß am russischen Weihnachtsabend österreichische Offiziere die russische Beglückwünschung erwidert haben, indem sie gleichzeitig als Gegenleistung für die Zigaretten der Belagerungsarmee – Sardinen und Salami überreichten.“
arbos-radio –> Musik aus dem Großen Krieg zum Weihnachtsfrieden
Am Wochenende begann der erste Stopp des Stationentheaters von „Arbos – Gesellschaf für Musik und Theater“ auf der Sella Prevala, dem früheren südwestlichsten Pass Kärntens.
Ab dem 6. September 2025 gibt es dann Vorstellungen mit Direktübertragungen im Internet, wobei die Vorstellungen am 6. September und 18. Oktober 2025 auch in Zusammenarbeit mit der Kulturhauptstadt Europas, Nova Gorica / Gorizia 2025 stattfinden. Am 21. November wird dann mit Dževad Karahasans „Privileg Sterben“ gespielt am Klagenfurter Hauptbahnhof abgeschlossen.
Szenen gegen Krieg und für Frieden, immer wieder auch in Gebärdensprache sind zu erleben. Details in der ausführlichen Info-Box.
Mittlerweile schon fast zur Tradition geworden sind diesen besonderen Salzburger Festspiele – nicht in der gleichnamigen Landeshauptstadt, sondern im kleinen Hüttschlag (rund 900 Einwohner:innen) im Bezirk St. Johann im Pongau: Bilingual in Österreichischer Gebärden- sowie deutscher Lautsprache findet nun zum fünften Mal ein visueller Musiktheaterabend im Turnsaal der örtlichen Volksschule statt.
Schauspieler:innen und Musiker:innen gestalten ein vielschichtiges, inhaltsreiches Programm, das sich vor allem gegen Krieg(slust) richtet. In diesem Jahr wird unter anderem „Kriegsschweine“ mit Szenen und Gedichten von August Stramm (Patrouille, Sturmangriff, Kriegsgrab), „Schwarzer Sabbath“ mit Szenen und Gedichten von Giuseppe Ungaretti (Veglia / Nachtwache); Musik von Ozzy Osbourne, Terence Michael Butler, Willaim T. Ward, F. Frank Iommi, „Sabbath blutiger Sabbath“ mit Szenen und Gedichten von Paul Scheerbart (Kriegstheater) und den schon Genannten inszeniert.
Ferner wird unter dem Titel „Wir genießen die himmlischen Freuden“ visuelles Theater und Musik in Bewegung nach Gustav Mahlers vierter Symphonie bearbeitet für Stimme, Kammerensemble und Gebärdensprach-Chor komponiert von Werner Raditschnig gegeben – mit Werner Mössler, Markus Rupert, Markus Pol und Rita Luksch; für die Musik sorgt das arbos-ensemble: Thomas Trsek (Violine), Nicola Vitale (Klarinette, Saxophon und Bass-Klarinette), Bojana Foinidis (Akkordeon) und Adi Schober (Schlagwerk); Kostüme und Objekte: Burgis Paier; Regie: Herbert Gantschacher.
„5 Schritte Frieden“ – ein Projekt der Visuellen Theaterbibliothek und des Theaters im Urbanen Raum mit vier Szenen von Dževad Karahasan, gespielt in Österreichischer Gebärdensprache von Werner Mössler und in deutscher Lautsprache von Markus Rupert (Regie: Herbert Gantschacher) wurde am Klagenfurter Hauptbahnhof gespielt – und ist am Abend (20 Uhr) des internationalen Frauentags – 8. März 2025 – online zu sehen; Link am Ende des Beitrages.
Als bosnischer Moslem wurde Dževad Karahasan im Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina mit Ermordung bedroht, weil er mit einer Frau serbischer Herkunft verheiratet war. Die Flucht aus Sarajevo führte Karahasan in Österreich im Jahr 1993 zu ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater und der Produktion der Österreichischen und der Tschechischen Erstaufführung der Originalfassung der Anti-Kriegsoper „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ von Viktor Ullmann (Musik und Libretto) in der Inszenierung von Herbert Gantschacher. So begann die langjährige Zusammenarbeit. Karahasan war dann Dramaturg für die Österreichische Erstaufführung der Kinderoper „Brundibár“ von Hans Krása (Musik) und Adolf Hoffmeister (Libretto). Diese Kinderoper wurde im Konzentrationslager Theresienstadt im Rahmen der Freizeitgestaltung 52 Mal gespielt. Karahasan war Garant der authentisch in Szene gesetzten Schicksale von Jugendlichen und Kindern unter den Bedingungen eines Konzentrationslagers.
Es folgten die künstlerischen Zyklen „Begegnungen an der Grenze“, „Geschichten vom Reisen“ und „Krieg = daDa“. Dafür schrieb Karahasan Dramen, Szenen und dramaturgische Texte, machte Klassikerbearbeitungen von Hölderlin und Büchner gemeinsam mit Herbert Gantschacher. Die Titel der einzelnen Szenen sind somit auch Programm des Projektes beginnend mit „Privileg Sterben“, fortgesetzt mit „Auf der Akademie“, „Die einen und die anderen“ und „Eine orientalische Parabel“ und fokussierend im gemeinsamen Text von Dževad Karahasan und Herbert Gantschacher „Gespräch als Kunst“.
Am 27. Jänner 2025 jährt sich die Befreiung von Auschwitz, des berüchtigsten Vernichtungslagers der Nazis, durch die sowjetische Rote Armee, zum 80. Mal. Vor 20 Jahren wurde der 27. Jänner zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Neben vielen Gedenkveranstaltungen streamt Arbos (Gesellschaft für Musik und Theater) online die Originalfassung von „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ von Viktor Ullmann – Details und Link am Ende des Beitrages in der Info-Box.
Der Komponist und Librettist schuf diese Antikriegs-Oper im Konzentrationslager Theresienstadt 1943/44. Am 18. Oktober 1944 wurde Ullmann – nach Auschwitz-Birkenau verfrachtet dort ermordet.
Am 23. Mai 1995 wurde die Oper zum ersten Mal in Theresienstadt aufgeführt. Eine Aufnahme dieser Aufführung sendet Arbos über seine Website, nachdem diese Vereinigung Viktor Ullmanns Werk zu Jahresbeginn schon als Puppentheater aus dem Salzburger Breloque-Theater online übertragen hat.
Im Sommer 1944 wurde die Oper erstmals im Konzentrationslager Theresienstadt im Rahmen der Freizeitgestaltung geprobt. Karel Berman probte die Partie des Todes, Paul Kling war als Violinist Konzertmeister des Kammerorchesters, an allen Proben nahm auch der Geiger Herbert Thomas Mandl teil als Sekretär der jüdischen Selbstverwaltung dieses Konzentrationslagers. An diesen Proben war Viktor Ullmann nicht beteiligt. Und in Theresienstadt wurde auch nicht die Originalfassung des Komponisten geprobt, sondern eine den Bedingungen von Aufführungen im Kaffeehaus angepasste verkürzte Fassung probiert. Ullmanns Oper war für eine Aufführung im Kaffeehaus zu lang, und wurde durch den Dirigenten Rafael Schächter in der Musik gekürzt und vom Dichter Peter Kien mit Texten für diese Fassung versehen. Deshalb existieren zwei Fassungen von Ullmanns Anti-Kriegsoper.
Danach dauerte es Jahrzehnte, bis Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“ wieder gespielt wurde. Am 24. Sepember 1993 gab es in der Tschechischen Republik im Národný Pamätník im Bezirk Žižkov in Prag die Tschechische Erstaufführung durch ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater. Die Inszenierung wurde zur Operninszenierung des Jahres 1993 in der Tschechischen Republik gewählt. Der Prozess der authentischen Rekonstruktion des Originals der Oper geschah in Auftrag und Mitarbeit von Herbert Gantschacher ab Jänner 1993 in Zusammenarbeit mit den überlebenden Zeitzeugen Karel Berman, Paul Kling, Herbert Thomas Mandl und dem Musikwissenschaftler Ingo Schultz. Musikalisch betreut wurden diese Arbeiten durch den Dirigenten Alexander Drčar im Auftrag des Regisseurs und Produzenten Herbert Gantschacher. Alexander Drčar leitete als Dirigent die Studioaufnahme der Originalfassung Ullmanns Anti-Kriegsoper und dirigierte am 23. Mai 1995 die Erstaufführung in Theresienstadt.
Das berühmte im Hessischen Landboten veröffentlichte Manifest „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ von Georg Büchner – und dem weniger bekannten Ludwig Weidig – wird immer wieder als „retro“ abgewertet. Soziale Gerechtigkeit und Solidarität wurden sozusagen zeitgeistig ins Abseits, ins Out, gedrängt. Sind aber tatsächlich aktuell, vielleicht sogar angesichts der aktuellen Weltlage und der im Land noch mehr.
Wie auch immer, Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater – hat das Manifest immer wieder in seinem Programm – und dies inklusiv, auch in gleichzeitiger Gebärdensprache.
Damit eröffnet diese Initiative ein mehrtägiges inklusives Musiktheaterfestival in der Neuen Bühne Villach (22. und 23. Jänner 2025 – Details siehe ausführliche Info-Box am Ende des Beitrages.
Schon als Vorprogramm wird am Tag davor startet bei PIVA (Projektgruppe Integration von Ausländerinnen und Ausländern) ein kurzes Stück Musiktheater: „Kriegsschweine“ / „War Pigs“ mit Szenen nach Gedichten von August Stramm. Im Titel-gebenden heißt es unter anderem:
„Generäle versammelten sich in Massen
Genau wie Hexen bei schwarzen Messen.
Böse Geister, die Zerstörung planen
Genau wie Zauberer die Baustellen des Todes.
Auf den Feldern brennen die Leichen.
Während die Kriegsmaschine sich weiter dreht und dreht,
Tod und Hass der Menschheit bringen.
Sie vergiften mit ihren gehirngewaschenen Gedanken …
… Nie mehr dürfen Kriegsschweine über Macht verfügen.“
Diese ¼-stündige Performance eröffnet dann auch zwei der Abende mit mehreren kurzen Produktionen im Theater am Hauptplatz der Drau-Metropole. Die genannte so wie „Schwarzer Sabbath“, „Sabbath blutiger Sabbath“ sind drei neue Produktionen aus dem Stationentheater von Arbos, das im Sommer in den Bergen Italiens (Montasio, Sella Nevea), Österreichs (Kärnten, Wildbachtal, Karnische Alpen) und Sloweniens (Prevallascharte) gespielt wird – in 2100 Meter Seehöhe.
Zusätzlich wird an den beiden genannten Abenden (24. und 25. Jänner 2025) noch „Wir genießen die himmlischen Freuden“ von Werner Raditschnig nach der 4. Symphonie von Gustav Mahler bearbeitet für Stimme, Kammerensemble und Gebärdensprachchor sowie „Alma und Arnold Rosé“ (inklusives visuelles Musik- und Theaterprojekt in Österreichischer Gebärdensprache und Deutscher Lautsprache mit Musik von Johann Sebastian Bach – „Konzert für zwei Violinen“ in vier Sätzen für kleines Kammerorchester unter Verwendung der Originalaufnahme des Konzertes für zwei Violinen gespielt von Alma und Arnold Rosé, arrangiert und inszeniert von Herbert Gantschacher) zu hören und sehen sein.
Für all jene, die nicht in der Kärntner Stadt oder ihrer Umgebung wohnen, überträgt Arbos diese Aufführungen – wie recht oft – in Live-Streams über die eigene Homepage – Link in der detaillierten Info-Box am Ende dieses Beitrages.
Weihnachten war in – früheren – Kriegen oft Anlass für wenigstens einen kurzzeitigen Waffenstillstand. Berühmt sind etwa die Bilder von Soldaten im ersten Weltkrieg, die aus den Schützengräben kamen und gegeneinander Fußball spielt und miteinander feierten. Einen solchen Waffenstillstand gab es nicht nur an der Westfront 1914, sondern auch im Osten – wie hier schon vor zwei Jahren berichtet wurde. Dieser Absatz sei im folgenden hier wiederholt, sozusagen ein Eigen-Zitat:
Es gab eine solche Unterbrechung des Krieges auch im Osten zwischen den Truppen des Russischen Reiches und der Habsburger-Monarchie im belagerten Przemysl. Darüber berichtete die Krankenschwester Ilka Michaelsburg, deren Buch „Im belagerten Przemysl“ 1915 erschien. Drei Mal gab es solchen Waffenstillstand, berichtet sie: Am Heiligen Abend 1914, am Neujahrstag 1915 und zum russischen Weihnachtsfest Anfang Jänner 1915. „Im Vorfeld schwenkte der Feind die weiße Fahne und schickte eine Deputation von zwei russischen Offizieren zur Weihnachtsbeglückwünschung in unser Lager herüber. Sie brachten russischen Tabak und Zigaretten als Weihnachtsgabe … daß am russischen Weihnachtsabend österreichische Offiziere die russische Beglückwünschung erwidert haben, indem sie gleichzeitig als Gegenleistung für die Zigaretten der Belagerungsarmee – Sardinen und Salami überreichten“, heißt es in dem Buch.
In beiden Fällen ging der Krieg danach jedoch unvermindert weiter. Aktuell gibt es nicht einmal solche Waffenstillstände – egal wo und egal zu welchen Feiertagen. An diese kurzfristigen Unterbrechungen der Kampfhandlungen einerseits und generell an die Frage Krieg oder Frieden möchte auch dieses Jahr Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater (veranstaltet unter anderem das internationale Visuelle Theater-Festival vormals Gehörlosentheater-Festival) erinnern. Online wird erneut ein Konzert mit thematisch passender Musik gestreamt – im Wesentlichen die selben Stücke wie in den vergangenen Jahren u.a. „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ von Viktor Ullmann (Libretto und Musik), aber mit einigen wenigen Abweichungen (gespielt von anderen Ensembles) bzw. Ergänzungen – Liste in der Info-Box am Ende des Beitrages.
Während auf dem Domplatz der Stadt Salzburg das bekannte Stück „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ (von Hugo von Hofmannsthal) – über die Bühne geht, spielt sich in Hüttschlag, das ebenfalls im Bundesland Salzburg liegt, „Friede den Hüten! Krieg den Palästen!“ als visuelles Musiktheater ab. Dieser berühmte Text von Georg Büchner wurde von Werner Raditschnig vertont.
Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater – spielt – in deutscher Laut- und Österreichischer Gebärdensprache -, singt, musiziert in einer Inszenierung von Herbert Gantschacher dieses Stück über Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit. Die Schauspieler:innen Werner Mössler, Markus Pol, Rita Luksch und Alfred Aichholzer setzen das Stück in Szene. Für die Musik sorgt das „arbos-ensemble“: Thomas Trsek (Violine), Gregor Narnhofer (Klarinette, Saxophon und Bass-Klarinette), Bojana Foinidis (Akkordeon) sowie Adi Schober am Schlagwerk.
Details – siehe Info-Box!
Die 718.373 Einwohner:innen des Großherzogtums Hessen mussten insgesamt 6 Millionen und 363.363 Gulden an direkten und indirekten Steuern, Strafen und anderem zahlen. Und wurden mit einem Gutteil dieses Geldes unterdrückt. Das und so manch anderes in Sachen Herr-schaft der Fürsten über das Volk prangerte der berühmte Dichter Georg Büchner (1813 – 1837; u.a. „Leonce und Lena“, „Woyzeck“; „Dantons Tod“) in seiner „Flugschrift „Der Hesssiche Landbote“ an.
In der Kampfschrift rief er die Bürger:innen dazu auf, sich gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen und für Demokratie zu kämpfen. Daraufhin wurde er steckbrieflich gesucht und musste aus dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt flüchten – nach Straßburg.
Der bekannteste Spruch aus diesen rund zehn Seiten hat sich bald danach verselbstständigt, kaum wer weiß, dass „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ aus diesem kurzen Werk Büchners stammt. Und obwohl fast 200 Jahre alt finden sich so manch aktuelle Anklänge. Fällt einem beim Satz „Ihr seid wie die Heiden, die das Krokodil anbeten, von dem sie zerrissen werden“ nicht ein, wie es sein kann, dass Massen rechtsextreme Populisten wählen, die mindestens einen Tag Diktator sein wollen?
„ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater“ machte aus dem gesamten „Landboten“-Text eine rund eineinhalbstündige visuelle, musikalische Performance mit der das aktuelle, 25. Visual-Festival am Wochenende im Wiener Theater Spielraum eröffnet wurde.
In der hintersten Bühnenreihe sitzen die Musiker:innen Thomas Trsek (Violine), Gregor Narnhofer (Klarinette, Saxophon, Bassklarinette), Bojana Foinidis (Akkordeon) und Adi Schober (Schlagwerk). Sie entlocken ihren Instrumenten nicht nur bekannte Töne. Auch Winseln, Wehklagen oder Schnaufen erzeugen die Musiker:innen.
Vor ihnen warten vier Schauspieler:innen – Markus Rupert, Werner Mössler, Markus Pol, Rita Luksch – auf ihre Einsätze. Dazu erheben sie sich und treten an das Notenpult im Vordergrund. Georg Büchners Text sagen sie in Österreichischer Gebärdensprache. Abschnittsweise wiederholt Alfred Aichholzer die jeweiligen Textpassagen in deutscher Lautsprache, wobei er jeweils zu Beginn und am Ende auf eine Riesentrommel schlägt.
Komponiert haben die Musik, die nicht nur zu hören, sondern auch stark zu sehen ist, Werner Raditschnig und Herbert Gantschacher, der auch Regie führte. Und der „Vater“ von Arbos ist, das „Visual“ veranstaltet, das in den ersten Jahren noch Gehörlosentheaterfestival hieß.
Das Festival – mit Vormittagsvorstellungen für Schüler:innen und Abendvorstellungen – läuft noch bis 17. Mai 2024 – Details zu allen Aufführungen, Performances und einer Stationenwanderung in der Infobox unten.
Die Lehrerin Sarah Harvey Porter (1856-1922) brachte zusammen mit anderen Lehrkräften Musik in die Gehörlosenpädagogik ein. Porter lehrte u.a. an der Gallaudet University in Washington D.C., der einzigen Universität der Welt für Gehörlose, an der Vorlesungen in Gebärdensprache gehalten werden.
Berühmt wurden Sarah Harvey Porters „Musikalische Schwingungen für Gehörlose“. Bei fast jeder Übung für die gesamte Klasse werden in jedem Unterrichtsraum des New Yorker Instituts für Gehörlosenbildung folgende Elemente verwendet: Rhythmus der Augen, der Ohren, des Körpers und der Bewegung, sie werden gebraucht als Lehrbehelfe im Unterricht. Insbesondere wird dabei vom musikalischen Rhythmus Gebrauch gemacht.
1912, am rechten Ufer des Hudson im großen liberalen Staat New York in hübschen, perfekt ausgestatteten Gebäuden, umgeben von einer attraktiven und wunderschönen Landschaft, leben und lernen täglich rund 500 gehörlose Buben und Mädchen und stimmen sich – im wahrsten Sinne des Wortes – „rhythmisch auf ihr Leben ein“.
Diese „musikalischen Schwingungen für Gehörlose“ werden am diesjährigen internationalen Frauentag video-gestreamt. Der gehörlose Schauspieler Werner Mössler und sein hörender Kollege Markus Rupert, der auch die Gebärdensprache beherrscht, spielen diese Aufführung, die Herbert Gantschacher (Gesellschaft für Musik und Theater) für die Friedenswerkstatt des Visuellen Theaters inszeniert (und auch vom Englischen ins Deutsche übertragen) hat.
Die Vorstellung wird am 8. März 2024 um 20 Uhr online gestreamt; Link zum Stream hier
Am Samstag, 22. Juli, steigen im Turnsaal der Volksschule Hüttschlag in Salzburg besondere Salzburger Festspiele. Am Tag der Eröffnung der großen, weltberühmten Festspiele in der Landeshauptstadt, findet zum dritten Mal ein visuelles Konzert mit Übersetzung in Österreichische Gebärdensprache statt.
Nach „Störung“ bei der Premiere im Jahre 2021 und „In Ewigkeit amen“ von Anton Wildgans als bilinguale Inszenierung in Österreichischer Gebärdensprache und Deutscher Lautsprache, organisierte „Arbos – Gesellschaft für Musik und Theater“ für dieses Jahr „Dududerdudu“ als visuelles Musiktheater in Österreichischer Gebärdensprache. Es sind dies Kompositionen von Otto M. Zykan – Details was gespielt wird, wann und wo in der ausführlichen Info-Box unten.
„Ich bin zum Scheiterhaufen verurteilt und folglich werde ich verbrennen. Aber das ist nur ein Ereignis, kein Argument. Wir werden uns also in der Ewigkeit wieder begegnen und dort die Diskussion fortsetzen.“ Diesen Satz lässt Dževad Karahasan in seinem Minidrama „Die einen und die Anderen“ den in einem Calvinistenprozess in Genf Verurteilten sagen. Anlässlich des am Samstag bekannt gewordenen Todes des 70-jährigen Schriftstellers aus Sarajevo, der Hauptstadt Bosnien-Herzegovinas hob „Visual 2023, das 24. Europäische und Internationale Visuelles Theater Festival“ dieses kurze so aussagekräftige auf den Punkt gebrachte und so aktuelle Stück ins Programm.
Werner Mössler, Markus Pol, Rita Luksch und Markus Rupert setzten den Text in Szene, die beiden zuletzt Genannten in deutscher Lautsprache; Ersterer in österreichischer Gebärdensprache, die dann als „Echo“ vom Zweitgenannten im Hintergrund verstärkt wurde. Alfred Aichholzer, Gregor Narnhofer und Thomas Trsek spielten – ebenfalls im Hintergrund – begleitende, unterstützende Musik zu dem Stück um einen seines Glaubens wegen Verurteilten. Auf der Seite der Eine – und andererseits jene, die meinen, im Besitz der Wahrheit zu sein und sich damit das Recht herausnehmen über das Leben anderer zu entscheiden, heißt es doch unter anderem bei Karahasan: „Diese Situation ist sehr kennzeichnend für die Politik (und leider auch für die Geschichte) als Theater: auf der einen Seite stehen jene als Figuren beziehungsweise Protagonisten, die über die Macht verfügen, Ereignisse hervorzurufen und zu gestalten, auf der anderen stehen als Antagonisten beziehungsweise Gegenfiguren jene, die an die Wahrheit glauben und über Argumente verfügen. Zwischen Ihnen – als Basis ihrer Beziehung – steht der Tod. Der Tod verknüpft diese Figuren in zweifacher Weise:
1. dadurch, dass erstere ihn den Zweiten zufügen (sie töten)
2. dadurch, dass er beider gemeinsames Kennzeichen ist, denn zum Glück sind beide sterblich.“
… hatte Romane, Dramen, Essays und theoretische Schriften verfasst, mit denen er sich immer wieder als Vermittler zwischen Kulturen und Religionen verstand. Geboren 1953 in eine muslimische Familie in Bosnien, besuchte er eine christliche Schule (Franziskaner). Er studierte in Sarajevo Literatur- und Theaterwissenschaft, lehrte auch dort an der Akademie für szenische Künste. Als Sarajevo belagert wurde, konnte er flüchten – nach Österreich und wurde Gastdozent an verschiedenen europäischen Universitäten u.a. in Salzburg.
Zu seinen wichtigsten Werken zählen „Sara und Serafina“ (2000), „Der Trost des Nachthimmels. Roman in drei Teilen“ (2016) und 2019 der Erzählungsband „Ein Haus für die Müden“. Vor wenigen Monaten erschien „Einübung ins Schweben: Eine ethische und existentielle Grenzerfahrung vom literarischen Chronist Sarajevos“. Nach Ende der Kriege im vormaligen Jugoslawien wurde Karahasan Dramaturg am Nationaltheater von Sarajevo. Zugleich fand er in Graz eine zweite Heimat, wo er von 1996 bis 2003 als Stadtschreiber tätig war. Dabei empfing ihn die neue Heimat auch mit entsprechenden Auszeichnungen. So erhielt Dzevad Karahasan etwa 1995 für „Tagebuch der Aussiedlung“ den Bruno-Kreisky-Preis, 1999 den Wiener Herder-Preis, 2017 den Grazer Franz-Nabl-Preis. Und 2020 wurde Dževad Karahasan mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt geehrt.
Weniger in der breiten Öffentlichkeit bekannt ist, dass Dževad Karahasan ist seit seiner Flucht vor dem Krieg auch Dramaturg und Dramatiker von „ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater“ war. „Ich werde nie vergessen, wie er im Feber 1993 in Klagenfurt vor dem Probenraum stand nur mit den Sachen, die er bei sich trug. Also hab ich die Tür aufgemacht … Und daraus wurde eine sehr schöne Zusammenarbeit, die den Tod überdauert“, schreibt Herbert Gantschacher, der „Vater“ von ARBOS in einer eMail an Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… Er führte bei vielen Stücken, die Karahasan für ARBOS schreib, Regie und übersetzte viele seiner Theatertexte. Dem oben genannten Monodrama „Die Einen und die Anderen“ fügte die Gruppe aus gegebenem Anlass einen Satz am Ende hinzu: „Wir werden uns in der Ewigkeit wiedersehen und die Diskussion dort fortsetzen“.
Nach dem aktuellen Einschub begann das Festival Visual 2023 wie geplant mit einer Inszenierung von Anton Wildgans‘ „Kain“. In der Regie Herbert Gantschachers spielten Werner Mössler, Markus Pol, Rita Luksch, Alfred Aichholzer, Markus Rupert, Gregor Narnhofer und Thomas Trsek.
In „Kain“ verbindet Anton Wildgans die biblischen Geschichten von der Vertreibung aus dem Paradies (Adam und Eva) und den bekannten Brudermord (Kain und Abel). Bei ihm ist die Titelfigur gehörlos. Damit war aufgelegt, diese Figur in der ARBOS-Version mit einem gehörlosen Schauspieler zu besetzen – und natürlich bilinguale zu inszenierne und spielen – Laut- und GebärdenspracheInszenierung.
Das 24. Europäische und internationale visuelle Theater-Festival läuft noch bis 17. Juni – live und analog im Theater Spielraum in der Wiener Kaiserstraße (siehe Info-Bos) UND vieles auch als Online-Streams – siehe Info-Box.
Sie ist – wie viele Frauen (nicht nur) in der Kultur – in Vergessenheit geraten: Die Dichterin Mary Ann Moore (1843-1918). Sie verfügte über Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn. Ihr vierter Sinn, das Hören, war beeinträchtigt. Und sie hat nichts gesehen. Zu ihrer Zeit war sie als Dichterin recht bekannt. Ihren literarisch größten Erfolg landete sie als Autorin des Buches „Musings“, ins Deutsche zu übersetzen mit „Träumereien“ oder „Grübeleien“ oder „Nachsinnen“ oder „Überlegungen“ oder „Sinnieren“.
Um sie der heutigen Vergessenheit zu entreißen, inszenierte Arbos, die Gesellschaft für Musik und Theater eine Performance auf der Basis des eben genannten Buches. In dieser spielen der gehörlose Schauspieler Werner Mössler und sein hörender Kollege, der auch die Gebärdensprache beherrscht, Markus Rupert Texte der genannten Dichterin (Regie und Produktion: Herbert Gantschacher).
Vergangen, Vergangenes ist vorbei für immer,
Ob mit Bedacht verbracht oder nicht;
Die Zukunft ist nicht, vielleicht nie,
Gebunden an unser irdisch Leben.
Vergangenes war voller Eindrücke
Gedacht zum Erneuern;
Die Zukunft, sollten wir sie erleben,
Kann uns Benachteiligten das beweisen.
Vergangenes war durchsetzt Freud und Leid,
Gut und Böse, Hoffnung und Furcht;
Die Zukunft wird gleich vermischt
Mit anderen Änderungen da.
Vergangenes können wir nicht mehr zurückholen,
Unser Tun können wir jedoch bereuen;
Die Zukunft kann Geschehenes nie ersetzen,
Fehler aus der Vergangenheit bleiben.
Vergangenes ist vorbei, und vorbei für immer,
Verbunden mit verbrauchter Macht;
Die Zukunft ist für uns unsicher,
Die Gegenwart allein ist unser.
(Ins Deutsche übertragen von Herbert Gantschacher)
Neujahrskonzerte gibt es mehrere – nicht nur das berühmte der Wiener Philharmoniker aus dem Musikvereinssaal, das in rund 100 Länder übertragen wird. Im Volkstheater spielen Slavko Ninić und die Wiener Tschuschenkapelle unter dem Titel „Mir sann et nur mir“ im Wiener Volkstheater (18 Uhr). Und ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater überträgt ab 20 Uhr live und online „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“ in der Inszenierung für Puppentheater aus dem Museum Grad Kromberk in Nova Gorica (Slowenien).
Über das Philharmoniker-Konzert, heuer dirigiert von Franz Welser-Möst, mit fast nur Strauß-Nummern, die zuvor noch nie beim Neujahrskonzert gespielt worden sind, braucht nicht viel geschrieben zu werden – praktisch alle Medien sind voll damit (gewesen).
Das Repertoire der „Wiener Tschuschenkapelle“ mit Band-Leader Slavko Ninić als Moderator, die mittlerweile auch schon zum 23. Mal zum frühabendlichen Neujahrskonzert im Wiener Volkstheater einladen, umfasst traditionelle sowie selbstkomponierte Lieder aus Balkanländern, Serenaden des Mittelmeeres, türkisch-arabisch-orientalen Weisen, griechischen Rembetiko, bosnische Sevdalinka und vieles mehr. Und bringt immer wieder (neue) Gäste dazu, Bühne und Saal zum Schwingen zu bringen – Details siehe Info-Box.
Auch nicht zum ersten Mal überträgt ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater am Abend des 1. Jänner die Oper „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“ live und online in einer Inszenierung für Puppentheater aus dem Museum Grad Kromberk im slowenischen Nova Gorica. Anlass: die 125. Widerkehr des Geburtstages von Viktor Ullmann, der diese Oper geschaffen hat – Im Konzentrationslager Theresienstadt.
Viktor Ullmann wurde als Soldat im Ersten Weltkrieg Zeuge des Giftgasangriffs an der Isonzofront am 24. Oktober 1917. Als Person jüdischer Herkunft wurde er von den Nazis erst ins KZ Theresienstadt verfrachtet – wo er trotzdem die Antikriegsoper schreiben und komponieren konnte. Am 16. Oktober 1944 wurde er ins Vernichtungslager Auschwitz gebracht, wo er zwei Tage später mit dem Giftgas Zyklon B – wie viele andere – ermordet wurde.
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