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Szenenfoto aus "Fräulein Braun" von THEO - TheaterOrt für junges Publikum Peerchtoldsdorf
Szenenfoto aus "Fräulein Braun" von THEO - TheaterOrt für junges Publikum Peerchtoldsdorf
12.05.2026

Monolog des „Tschapperls vom Führer“

Ulrich Hubs Theater-Text in einer Inszenierung von THEO – TheaterOrt für junges Publikum Perchtoldsdorf.

Hinter einem vollen Kleiderständer auf offener Bühne – kurzfristig in den Veranstaltungssaal eines Gasthauses mit Uralt-Requisiten (Grammophon, kiloschweres Telefon…) verlegt – zieht sich die Schauspielerin Rebecca Richter gut ein Dutzend Mal im Verlauf der Stunde um (Regie, Bühne, Kostüme, Produktionsleitung: Birgit Oswald). Wechselt dabei aber keineswegs Rollen, sondern bleibt immer dieselbe, „Fräulein Braun“ oder wie sie gegen Ende stolz ausruft, „Sie können jetzt Frau Hitler zu mir sagen!“

Eva, die gern Schauspielerin, vor allem im Film geworden wäre, arbeitet in einem Fotostudio, wo sich ein Mann ablichten lässt, den sie – angeblich – gar nicht gleich erkennt. Auf der Leiter stehend sieht sie nur einen Filzhut mit Schnurrbart darunter.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Fräulein Braun“ von THEO – TheaterOrt für junges Publikum Peerchtoldsdorf

Fiktiver Monolog

Ulrich Hub, Autor vieler vor allem bekannter Kinderbücher und -Stücke, unter anderem des Allzeitklassikers „An der Arche um Acht“, hat vor mehr als 30 Jahren den fiktiven Monolog „Fräulein Braun“ geschrieben – für eine Schauspielerin und Regieanweisungen für einen deutschen Schäferhund – Uraufführung im Thalia Theater, Hamburg (17. Februar1995).

Biographisch ist wenig über die mehr oder minder geheim gehaltene Geliebte Adolf Hitlers bekannt, die als „Privatsekretärin“ ausgegeben wurde. Geboren 1912 in München, zwei Schwestern – Ilse und Gretl; am 29. April 1945 durch Heirat zu Eva Hitler geworden und tags darauf mit ihm durch Suizid aus dem Leben geschieden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Fräulein Braun“ von THEO – TheaterOrt für junges Publikum Peerchtoldsdorf

Die Schauspielerin spielt und erzählt in dem Monolog die Geschichte der Beziehung zum Ober-Nazi – vom ersten Kennenlernen bei dem Münchner Fotografen über die regelmäßigen Treffen, die Übersiedlung nach Obersalzberg und schließlich Heirat und Zyankali – da aber die Giftmorde von Magda Goebbels an sechs ihrer Kinder.

Der Monolog wird dann und wann ergänzt wird um Video-Einspielungen. In diesen kommen neben der Protagonistin männliche Figuren aus der Erzählung vor, die von Thomas Bammer gespielt werden (Filmaufnahmen: Luca Horak). Zusätzlich hat das Team einen kurzen Erklärtext über Hitler und die Nazis – eingesprochen vom Schauspieler – aufgenommen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Fräulein Braun“ von THEO – TheaterOrt für junges Publikum Peerchtoldsdorf

Zugewiesene Frauenrollen

„Ich bin das Tschapperl von dem Führer“, die noch immer gern Schauspielerin, Filmstar geworden wäre. Aber jetzt das – oder vielmehr den – hat, den Millionen von Frauen anhimmeln. Auch wenn sie immer brav verschwinden, sozusagen unsichtbar sein muss. Und ihren Geliebten noch dazu gar nicht allein für sich hat, denn seine Liebe gehört vor allem Deutschland. Und nicht einmal das, was er und die seinen so propagieren, Frauen müssten vor allem Mütter sein, dem Reich reinrassige Kinder schenken, darf sie sich von ihm erwarten…

Oberflächliches Zurechtkleiden und schminken, da sein, wenn er will und genauso wieder weg, wenn die Anwesenheit stört… – die, nicht nur von Nazis, Frauen zugewiesenen Rollen, siehe Revival von Tradwives, (re)präsentiert „Fräulein Eva“, mit Ausnahme der einer Mutter, die sie die ja liebend gern, aber siehe oben…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Fräulein Braun“ von THEO – TheaterOrt für junges Publikum Peerchtoldsdorf

„Ahnungslos“

Und mit Politik – ach, da will sie rein gar nichts zu tun haben. Selbst als sie einen Anruf erhält, aufgrund ihrer Nähe zum Führer vielleicht ihren Einfluss geltend zu machen, dass eine Verwandte des Anrufers, die in ein KZ gesteckt wurde… – ach, da könne sie gar nichts tun, und Einfluss als Sekretärin, als eine seiner Sekretärinnen habe sie nichts zu sagen und außerdem …

So nah dran am Kreis der obersten Entscheider für massenhafte Menschenvernichtungen, Krieg, Terror… – und rein gar nichts mitkriegen wollen?! Das und – wie schon erwähnt – das Frauenbild, aber eben nicht nur des Faschismus, macht dieser Monolog deutlich. Ein bisschen mehr Variationen an Emotionen der Solospielerin würden der dichten Stunde nicht schlecht anstehen.

„Ach Eva, wo mag sie jetzt wohl sein“, sagt Stefano Bernardin in „Er ist wieder da“ im Theater der Jugend in Wien, wo er nach dem Erfolgsroman von Timur Vermes den nach Jahrzehnten in Berlin wieder erwachten Führer spielt, mit verklärtem Blick nach oben und ziemlich entrückt.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Fräulein Braun

von Ulrich Hub
Ab 12 Jahren; ca. eine Stunde
THEO – TheaterOrt für junges Publikum Perchtoldsdorf

Regie, Produktionsleitung, Bühne, Kostüme: Birgit Oswald
SchauspielerInnen:
Fräulein Braun: Rebecca Richter
Männliche Charaktere aus Evas Leben – als Filmeinspielungen: Thomas Bammer

Dramaturgische Beratung: Joachim Henn
Filmaufnahmen: Luca Horak
Regieassistenz: Fabian Tastel

Wann & wo?

Bis 12. Mai 2026
Restaurant Alexander: 2380, Marktplatz 10
Tickets
Telefon: 01 866 83-400
shop.eventjet.at/de/theo

ulrichhub –> fraeulein-braun

Trailer rund um eine Aufführung der Theaterakademie Mannheim im Wiener Volkstheater

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Trailer zu einer Aufführung des Theaters Oldenburg

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