Bilderbuch über Ohnmachtsgefühle von Kindern angesichts von Kriegen, Klima-Katastrophen und Perspektivlosigkeit – und dennoch mit Mut zum (Über-)Leben.
Der Buchtitel samt Cover mag vielleicht aufs erste irritieren: „Warum ist der Kakao so grau?“ – in kräftig roter Farbe und irgendwie schwungvoll in Schreibschrift, vormals oft Lateinschrift genannt. Auch das zentrale Bild: bunt – entsprechend dem Untertitel „Wie Oma mein Leben bunter machte“.
Doch dann die erste Doppelseite: Ein sehr trauriges Kind mit Schal um den Hals im Zimmer – alles grau in grau.
Krank?
Die ersten Sätze: „Zuerst ist das Lachen gegangen.“ GroßerAbstand zur zweiten Zeile: „Dann sind die Farben verschwunden.“
Jutta Treiber fasst in kurzen, knappen Sätzen die Stimmung eines recht jungen Kindes ein. Und liefert, so viel darf, ja soll sogar, verraten werden nach dem Umblättern auch die Erklärungen für die Niedergeschlagenheit, die Perspektivlosigkeit des namenlos bleibenden und damit für viele (nicht nur) Altersgenoss:innen des erzählenden Kindes, warum alles grau ist: „Krieg, Klimakrise, Naturkatastrophen, Wie soll die Welt für uns Kinder einmal aussehen?, höre ich…“
Die Aussichtslosigkeit, Verzweiflung, Hilflosigkeit zeichnet Nadine Kappacher diesem Kind ins Gesicht und in graue, bedrohliche Wolken.
Und dann schaut Oma bei der Tür herein – und bringt die ersten Farbtupfer mit.
Wie und warum? Wischt oder redet sie alles weg? Ignoriert, was das Kind so aus Medien über den Zustand der Welt aufschnappt, mitkriegt, bewegt?
Gar nicht.
Aber sie hat / nimmt sich Zeit. Hört zu, auch wenn das ich-erzählende Kind nur zögerlich über die eigenen Ängste spricht.
Und macht Mut, die doch auch schönen Dinge im Leben dieses Kindes im friedlichen Hier zu sehen und spüren. Samt (Wort-) und (Gedanken-)Bildern: „Überleg einmal… Welcher Blumenstrauß würde ich mehr erfreuen, wenn du traurig bist? Ein frischer, satter, strahlender, mit Blüten, die ihre Köpfe stolz in die Höhe recken, oder ein verwelkter mit hängenden Blütenköpfen? Siehst du? Deine Trauer hilft niemandem. Sie schadet nur dir selbst! die Zukunft ist die einzige Zeit, die wir gestalten können!…“
Gute, schöne, richtige Worte, aber „ich bin trotzdem traurig!“, lässt die Autorin das Kind sagen. Das Buch aber mit diesem Satz nicht enden. Wie es Oma doch gelingt, ihrem Enkelkind Lachen, Fröhlichkeit und Farben ins Gesicht und den Körper zu „zaubern“ – ohne das empathische Gefühl auslöschen zu wollen – das zeigen Autorin und Illustratorin auf den dann folgenden drei Doppelseiten.
Text: Jutta Treiber
Illustration: Nadine Kappacher
Warum ist der Kakao so grau? Wie Oma mein Leben bunter machte
24 Seiten
Edition Nilpferd im G & G Verlag
18,90 €
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