Vielseitiges, anregendes (Kinder-)Buch über „Superkraft“ in der Welt, im Klassenzimmer, im Internet und in dir selber.
Wahrscheinlich hat es in der Geschichte der Menschheit nur ganz wenige Tage gegeben, an denen nicht irgendwo irgendwer gegen irgendwen Krieg geführt hat. Dennoch scheint es derzeit so zu sein, dass an vielen Ecken und Enden der Welt insgesamt ziemlich viele Waffen eingesetzt werden. Da kann das demnächst erscheinende spannende, interessante, vielseitige, leicht und flüssig lesbare mit großen und kleinen anschaulichen Beispielen – und bunten Zeichnungen und anderen Illustrationen – gefüllte Buch wenigstens ein bisschen Mut machen: „Frieden ist unsere Superkraft“, Untertitel: „Stark ist, wer füreinander da ist – für ein besseres Miteinander in der Welt, der Klasse und im Netz“.
Der Grazer Autor Omar Khir Alanam, der schon so witzig-(selbst-)ironische Bücher geschrieben hat wie „Sisi, Sx und Semmelknödel“, „Feig, faul & frauenfeindlich“, „Gspusis, Gspür und wilde Geschichten“, schreibt hier zwar auch von großen, weltweit bekannten und weniger bekannten Menschen, die sich für Frieden einsetz(t)en. In erster Linie aber setzt er auf durchaus alltägliche Konflikt-, Streit- und / oder Gewalt-Szenen – mit (selbst) erlebten oder möglichen Auswegen. Oder auch dem Gegenteil.
Dafür baut er so manche (eigene) Erfahrung aus seiner ersten Heimat Syrien ein, die er fluchtartig verließ als er – wie viele andere junge Männer – vor der Frage stand: Einrücken zum Militär des Diktator Assad und im Bürgerkrieg töten oder getötet werden.

Beispielsweise schildert er Beispiele aus der Kindheit, wo in der Schule Lehrer:innen mit Stöcken auf die Hände der Kinder schlugen. Aber auch wie er sich eines Tages nach einem Foul beim Fußballspiel mit einem Kicker prügelte, der seine Mutter tiefst beleidigt hatte. Eher stolz berichtet er zu Hause, der Mama, wie er sie verteidigt hatte. Was die Mutter aber traurig machte… Aber auch, wie der kleine Omar Khir verstehen lernte, warum die Mutter so reagierte und wie er selber dann den richtigen Schluss zog und … – nein kein Spoilern.
Neben den berühmten und weniger berühmten Friedensbotschafter:innen brauche Frieden viele kleine, große, alte, (sehr) junge „Heldinnen und Helden“ wie er in einem Abschnitt schreibt. Die Texte sind übrigens immer wieder, meist bunt von Amir Abou Roumié illustriert. Als Beispiel für so eine Heldin beschreibt er – noch aus Syrien – seine „lustige Tante“, die mit dem ganzen Körper lachte. Freundlich, nett, aber durchaus bestimmt für eine Regel bei Familienfesten sorgte: Davor mussten alle Streitigkeiten geklärt sein. „Die Aussage meiner Tante war immer dieselbe: Man muss einander nicht immer lieben. Man muss nicht alles vergessen. Aber man kann Frieden schließen.“

Frieden heiße aber gar nicht Gefühle wie Wut, Ärger über Ungerechtigkeiten oder was auch immer runterzuschlucken oder wegzudrücken. Der Autor spricht den jungen Leser:innen zu, zu ihren Gefühlen zu stehen, sie vor allem wahrzunehmen. Möglichst mit Vertrauenspersonen darüber zu reden. Auch solche, für die du dich vielleicht schämst. Noch dazu, wenn es wie im Fall von sexuellen Übergriffen ganz sicher nicht deine, sondern die Schuld des Täters ist – auch dafür beschreibt er ein Beispiel.
Mobbing, Grooming und anderen Formen von hass im Internet ist ein eigenes Kapitel gewidmet, ebenso wie eines über Frieden im Klassenzimmer und in dir selber.

Dass selbst fast inmitten von Krieg friedliche „Inseln“ möglich sind, schildert Alanam anhand eines kaum bekannten Beispiels. Als im Juni 1967 der „Sechstagekrieg“ zwischen Israel und den arabischen Ländern Ägypten, Jordanien und Syrien begann, waren ab da 15 und später 14 Schiffe im Suez-kanal sozusagen gefangen. Und das nicht nur sechs Tage, sondern letztlich rund acht Jahre. Die Besatzungen der Schiffe aus der Bundesrepublik Deutschland, Schweden, Frankreich, der Tschechoslowakei, Großbritannien, Polen und den USA – obwohl aus den verfeindeten Blöcken West und Ost – verbrüderten sich sozusagen. Gründeten eine eigene Vereinigung (Great Bitter Lake Association; Bittersee ist die breiteste Stelle im Kanal), malten Briefmarken – die von der ägyptischen Post anerkannt wurden, feierten gemeinsam Weihnachten, veranstalten sportliche Bewerbe und schrieben eine gemeinsame Hymne – mit der Melodie des Beatles-Song „Yellow Submarine“; weil sie aufgrund des Wüstensands auf ihren Schiffen „Gelbe Flotte“ genannt wurden.

Im Nachwort bekundet der Autor unter anderem, Interesse an praktischen, konkreten Friedensgeschichten und bittet, ihm solche zu senden. Die eine oder andere wird vielleicht in einen seiner Workshops einfließen, andere vielleicht in ein weiteres Buch?
Und schon im gesamten Buch bittet dich der Autor bei einzelnen Abschnitten, deine eigenen Ideen zu den Beispielen oder Themen aufzuschreiben, oder dir zu Fragen Gedanken zu machen.
Unter dem Titel „Please Peace“ findet übrigens diesen Sonntag (23. August 2026) wieder ein Friedensfest in Wien am Sobieskiplatz (Alsergrund; 9. Bezirk) statt, organisiert vom „Verein Theater in Aktion“ des Musicaldarstellers und Theatermachers Gernot Kranner – Details in der Info-Box unter den Buch-Infos.

Titelseite des Buches „Frieden ist unsere Superkraft“

Text: Omar Khir Alanam
Illustration: Amir Abou Roumié
Frieden ist unsere Superkraft – Stark ist, wer füreinander da ist – für ein besseres Miteinander in der Welt, der Klasse und im Netz
116 Seiten + 2 Seiten Nachwort – mit der Einladung des Autors, ihm deine kleinen, großen eigenen Friedensgeschichten zu senden
Ab 8 Jahren
Leykam Verlag
25,50 €
Zu einer kleinen Lese- und Schauprob geht es hier
„Frieden“ – in vielen Sprachen: wiktionary –> Frieden
Sonntag, 23. August 2026
11 – 13 Uhr: Kinderprogramm
13 – 15 Uhr: „Sprungbrett-Konzert“: Junge Talente
15 – 18 Uhr: Die ganze Welt ist Bühne
18 – 20 Uhr: Setareh & Friends – best of Musical, Pop and More
1090, Sobieskiplatz
Infos: 0676 32 69 289
gernot.kranner@aon.at
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