Arbeit einer weiteren der Theaterwerkstätten im Dschungel Wien; Teil 5.
Zweifeln und unglücklich sein, bis die Ärztin kommt? Würde der catchy Titel eines der Stücke im Rahmen des Theaterwerkstätten-Festivals im Dschungel Wien fast nahelegen: „AKH: Hauptbahnhof – Wenn unsere Gefühle ins Krankenhaus müssen“. Die Krankenhaus-Komponente hat sich im Verlauf der Arbeit an dem Stück, das gemeinsam von Regie bzw. Co-Regie und den Schauspieler:innen im Verlauf von mehreren Monaten entwickelt wurde, stark reduziert, spielt nur mehr eine ganz untergeordnete Rolle.
Umso mehr der Bahnhof als Art Symbol für die Reise des Lebens. Viel mehr um einen wichtigen Teilaspekt des Lebens, die Liebe.
„Kann Liebe, wie wir sie kennen, heute noch die Lösung für unsere Probleme sein? Oder ist dieser Zug bereits abgefahren?“, heißt es im Ankündigungstext.
Protagonist:innen von (vermeintlichen) „Liebesgeschichten“ sind ein Gitarist:innen-Duo. Paul (Fabian Ziegler) und Nina (Viktoria Ginzel), die zumeist All-Time-Hits zum Besten geben, spielen einfach „nur“ gemeinsam in einer Band, auch wenn viele mehr hineingeheimnissen. Maurizio (Lukas Novoszel) und Gabriel (Yannic Schober) leben in einer offensichtlich toxischen Beziehung miteinander, gekennzeichnet durch ein Band, das sie ständig verbindet, bzw. an dem ersterer seinen Partner bis mit fast aus Klo zerrt. Schließlich landet Jana (Sonja De Vos) wider Willen am Bahnhof, weil ihre (imaginäre?) Freundin sie überfallsartig zu einer gemeinsamen Zugreise nach Italien „einlädt“. Auf den Vorhalt, gar nicht gefragt worden zu sein, kriegt sie nur zu hören, weil sie sonst nein gesagt hätte.
Am Hauptbahnhof, einem der viele Szenen bestimmenden Spielort – einige Video-Einspielungen unterstützen die Behauptung – fällt der besagte Zug laaaange, oder dauerhaft (?) aus. Die ÖBB organisieren als Entschädigung einen Bahnsteig-Rave. Janas Freundin tauch nicht auf, dafür Ferdi (Jonathan Prett-Pinteritsch), der irgendwie unzufrieden mit seinem Leben, Ablenkung sucht und Jana sehr übergriffig anbaggert – klassisch toxische Männlichkeit.
Soweit der Kern des Settings der Spieler:innen. Zu den genannten Figuren gesellen sich vor allem noch zwei weitere Gruppen. Vier – im Ankündigungstext „Jury“ genannte Charaktere, die Handlungen der Protagonist:innen bewerten. Sozusagen das vierfach personifizierte „Über-Ich“ aus Sigmund Freuds 3-Instanzen-Modell (verkürzt: triebhaftes Es, vom Intellekt bestimmtes Ich sowie als moralische Wertekontrolle eben Über-Ich). Wobei sie arbeitsteilig mit genauen Zuständigkeiten agieren: Einsamkeit (Janina Lenauer), Frust (Milena Scheibler), Sex (Cosima Wimberger), Urteil (Parmida Pourkarami). Teils bewerten sie auch räumlich von oben herab – auf einem Baustellengerüst; nachdem sie zu Beginn des Stücks eher todmüde, ziemlich fertig auf Art Matratzen am Boden herumkugeln.
Und dann tanzen zwischen Protagonist:innen und den „Juror:innen“, die selber auch gern mal ihre Triebe walten lassen würden, zwei Liebesengel, empathische Wesen, die hin und wieder gern ins Geschehen eingreifen (würden), um den handelnden Figuren zu helfen, oder sich selbst gut zu fühlen: Glowie (Zoé Sehn) Und Flowie (Florentina Suchy).
In den fast eineinhalb Stunden lassen die jungen Schauspieler:innen, die auf der Basis des Konzepts von Max Melo, der auch Regie führte (Co-Regie: Olga Psenner, künstlerische Mitarbeit: Jonathan Prett-Pinteritsch), in Improvisationen einen Gutteil der Szenen und des Textes mit erarbeitet haben, ihr „Liebesgeschichten“ und viel mehr die Suche nach sich selbst immer wieder Humor als Würze einfließen. Womit den schweren Lebensthemen doch eine gewisse Leichtigkeit anhaftet.
Schauspiel mit Musik; ab 16 Jahren; 80 Minuten
Künstlerische Leitung und Regie: Max Melo
Co-Regie: Olga Psenner
Künstlerische Mitarbeit: Jonathan Prett-Pinteritsch
Text: Max Melo & Ensemble
Schauspiel:
Jana: Sonja De Vos
Gitarristin Nina: Viktoria Ginzel
„Jury“ – Einsamkeit: Janina Lenauer
Maurizio: Lukas Novoszel
„Jury“ – Urteil: Parmida Pourkarami
Ferdi: Jonathan Prett-Pinteritsch
„Jury“ – Frust: Milena Scheibler
Gabriel: Yannic Schober
Glowie, Tanz: Zoé Sehn
Flowie, Tanz: Florentina Suchy
„Jury“ – Sex: Cosima Wimberger
Gitarrist Paul: Fabian Ziegler
Musik: Fabian Ziegler, Viktoria Ginzel
Dramaturgie: Lukas Novoszel
Bilder am Beamer: Lukas Novoszel, Parmida Pourkarami
18. Mai 2026
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien –> akh-hauptbahnhof
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