Präsentation einer weiteren Theaterwerkstatt im Dschungel Wien, die allerdings noch weiterarbeitet; Teil 4.
Für einen Laufsteg ist dieser – aus Bühnenpodesten gebaute – bei der Präsentation von „Catwalk for Future“ im Rahmen des Festivals der Theaterwerkstätten im Dschungel Wien, wobei daran noch bis zur Premiere beim „Wild & schön Festival“ in einem Monat weitergearbeitet wird. Die knapp mehr als ¾-stündige Performance beginnt mit einer an der Kante balancierenden Jugendlichen. Womit schon die ersten Momente mit Widerspruch beginnen.
In den folgenden Szenen symbolisieren die acht Jugendlichen dieser Werkstatt entfernt Fließbandarbeit – mit Kleiderbügeln und danach mit fertigen Jeans, die sie – am Rand dieses „Catwalks“ stehend von Hand zu Hand weiterreichen. Bis es jeweils reicht und sie zuerst die Bügel, dann die Kleidungsstücke vom Podest zu Boden schleudern.
Es folgt eine Szene, in der Emilia Beer-Gschweitl, Selina Berger, Demian Ivanov, Matteo Lusher, Pauline Meitz, Mascha Miko, Alea Neuwirth, Hannah Stangl, Sophie Kristian Szakasits Schachteln unterschiedlichster Größe transportieren, weitergeben, zu Türmen bauen. Bestellen, probieren, oft auch zurückschicken… taucht da sofort als gedankliche Assoziation auf.
Mit wenigen Worten – und die vor allem gesungen bzw. gerappt – setz(t)en sich die acht Jugendlichen dieser Theaterwerkstatt (künstlerische Leitung und Komposition: Sylvi Kretzschmar; Komposition und musikalische Beratung: Rahel Kraft; Bühne und Kostüme: Albert Gitschthaler, Veronika Müller-Hauszer) mit Fast Fashion auseinander. Nehmen sich selber aufs Korn. Einen Song lassen sie beginnen mit der Großzügigkeit, Gewand zu spenden, bis sie zu den Zeilen kommen: „Mein einziges Elend ist Gottseidank ein viel zu voller Kleiderschrank!“
Billig eingekauft, doch entspricht der Preis dem Wert? Einen Teil der nicht berücksichtigten Kosten wie den durchschnittlichen Zehn-Jahres-Verbrauch eines Menschen an Trinkwasser für die Herstellung einer einzigen Jeans nennen sie unter anderem neben weiteren Faktoren, Mikroplastik in Synthetik-Kleidung und die Menge, die davon in den Weltmeeren landet, nennen sie ebenso. Auch, dass ein Gutteil des so pseudosozial gespendeten Gewandes auf Müllhalden, zu einem Schlechtteil in afrikanischen Ländern, landet, baut das Team ein. Ausgeklammert bleiben Arbeitsbedingungen derer, die das Gewand herstellen, nicht selten noch immer Kinder, vor allem in Südostasien.
Im letzten Teil werden die Podeste dann doch zum Laufsteg – mit kreativen Gewändern, die einen Hauch von Recycling vermitteln. Dies spielt übrigens seit einigen Jahren bei vielen der kreativen Design-Entwürfe Hunderter Kinder und Jugendlicher beim sicher größten Modekunst-Nachwuchsbewerb (Kids in Fashion der Wiener Jugendzentren) eine immer größere Rolle.
Der Samstag des Werkstätten-Festivals Jugendlicher endet – am Abend des Songcontest-Finales mit zwei kleinen Konzerten, die sich doch mehr Besucher:innen verdient hätten. Übrigens – unabgesprochen – hat die nach eigener Bezeichnung queer-feministische Kitsch-Punk-Band „Hals Maul“ (Pauli, Tino, Leonie und Carlotta) einen Song zum Konsumieren im Repertoire: „Haben, haben, müssen, müssen…“
Davor spielte „Mænic Pan!c“ (Lisa, Mika, Miomi, Milena) ihre beiden eigenen sowie einige Cover-Songs – mit dabei Hard-Core-Fans, die ei „Toxic“ dieses Wort auch tänzerisch performten.
Musiktheater + Performance; ab 14 Jahre; ca. ¾ Stunde
Künstlerische Leitung und Komposition: Sylvi Kretzschmar
Komposition und musikalische Beratung: Rahel Kraft
Stückentwicklung und Performance: Emilia Beer-Gschweitl, Selina Berger, Demian Ivanov, Matteo Lusher, Pauline Meitz, Mascha Miko, Alea Neuwirth, Hannah Stangl, Sophie Kristian Szakasits
Bühne und Kostüme: Albert Gitschthaler, Veronika Müller-Hauszer
Assistenz: Yahirwa-Stella Biziyaremye
Hospitanz: Tizia Gulz
20., 21. und 22. Juni 2026
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien –> catwalk-for-future
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