Der bekannte Markenname für viele fahrbare Hebebühnen wird – im Zusammenwirken mit einer performenden Theatertechnikerin /theatertechnischen Performerin – zur con-genialen „Mitspielerin“ eines Making-Of.
Die Bühne – Im Stadium des Her- oder Wegräumens. Kübel, Besen, Kabel hängen, stehen, hängen, liegen und lehnen irgendwo am Rand herum. Und dann kommt sie. Die seufzende, stöhnende Technikerin als Performerin. Oder genau andersrum. Schleppt Zeug wie Ventilator, Nebelmaschine, Discokugel herbei, unter anderem eine Rolle Tanzboden.
Clownesk mit artistischen Verrenkungen versucht sie slapstickartig nach dem Ausrollen des Stücks Tanzboden diesen mit DEM Utensil aller Theater- und Musik-Leute – Gewebeband, meist Gaffa nach der bekanntesten Marke genannt, festzukleben.
Ach ja, und da ganz oben die Scheinwerfer lechzen nach Farbfiltern. Aber wie da raufkommen. Selbst die Leiter ist zu kurz.
Dafür gibt’s ja sie, die fahr-und lenkbare Hebebühne. Und zu zweit arbeiten ist ohnehin viel einfacher, spannender und abwechslungsreicher als allein. Und so holt die performende Technikerin Jana Resetarits sie, die titelgebende „Genie“, auch wenn die aktuell im Dschungel Wien verwendete von einem anderen Unternehmen stammt und damit einen anderen Namen trägt. Und kaum präsentiert sie diese Arbeits-Lift dem Publikum, gibt’s – zumindest bei der Premiere – spontanen Szenen-Applaus für sie, die Maschine.
Wobei Genie hier nicht wie das Wort für besonders schlaue Menschen ausgesprochen, sondern eher wie der englische weibliche Vorname Jeannie. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem 1966 gegründeten US-Unternehmen „Genie“ für „Teleskop-Arbeitsbühnen“ und der schon davor gestarteten US-TV-Serie „Bezaubernde Jeannie“ (1965 – 1970) gibt, die wiederum ihren Namen der weiblichen Gestalt eines befreiten orientalischen Flaschengeistes (Dschinn) verdankt? Noch kam keine Antwort auf diese Frage an die Presseabteilung der Firma Genie.
Tut aber auch nichts zur Sache rund um das knapp mehr als ¾-stündige mitreißende Stück „Genie“, einer Art Making of. (Ein-)Blicke in die Licht- und Raumgestaltung einer Bühne – in dem Fall für ein Konzert. Zusammenspiel zwischen Mensch und technischen Hilfsmitteln. Die in Gestalt der zentralen Techno-Protagonistin in deren Fahrkorb mühelos die Höhen überwunden werden können, zu so etwas wie eine vertraute
Arbeits„kollegin“ wird. Die Performerin – und später auch die Musiker:innen – wechseln szenenweise in roboterähnliche Bewegungen, passen sich sozusagen den maschinellen Moves an.
„Genie“ wird auch ein gewisses Eigenleben angedichtet, zugestanden wird. Dann doch nicht immer auf Knopfdruck so funktioniert wie erwartet. Die Maschine, das technische Werkzeug wird personifiziert, wie andere das mit ihrem Computer, Auto oder im Gespräch mit KI-Tools machen.
Mit all dem spielt die Performerin, die die Bühne mit einer unglaublichen Präsenz, Körperlichkeit und (selbst-)ironischem Charme richtiggehend rockt. Im Übrigen hat sie,
die Ausbildungen in modernem und zeitgenössischem Tanz ebenso absolviert hat wie eine Lehre als Veranstaltungstechnikerin und diesen Bereich im Dschungel Wien nun co-leitet, das Stück mit Regisseurin Sarah Gaderer (theater.nuu) mitentwickelte (künstlerische Assistenz und Dramaturgie: Mika Tacke; Ausstattung: Laura-Lee Jacobi).
Ach ja – das anfangs angekündigte Konzert, für das die Bühne ja vorbereitet werden soll, findet gegen Ende dann kurz doch statt. Auch wenn Aurora Hackl Timón und Pete Prison IV ihre Instrumente (Schlagzeug, E-Gitarre und E-Bass) selber über die Hindernisse schleppen bzw. die „Genie“ erst aus dem Weg fahren müssen. Und da reiht sich Jana Resetarits auch noch einmal ein, hängt sich die e-Gitarre um und macht aus dem Duo ein Trio – für das es, ebenso wie für das Team hinter den „Kulissen“ dann doch noch mehr Applaus gab als bei der oben genannten Szene zwischendurch für die „Genie“ 😉
theater.nuu
Performance; ab 3 Jahren; ca. ¾ Stunde
Regie und Stückentwicklung: Sarah Gaderer
Künstlerische Assistenz und Dramaturgie: Mika Tacke
Performance und Stückentwicklung: Jana Resetarits
Musik: Aurora Hackl Timón, Pete Prison IV
Ausstattung: Laura-Lee Jacobi
Produktion: Julia Haas
Bis 7. Oktober 2026
20. bis 24. Februar 2027
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20 20
dschungelwien –> genie
theaternuu –> genie
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