Ausstellung „Down Syndrom“ im Wien Museum wurde mit Expert:innen aus der Community gemeinsam erarbeitet und gestaltet.
„Über uns, mit uns!“ Das ist nicht nur der Untertitel der jüngsten Ausstellung in einem Teil des Wien Museums am Karlsplatz, der Community Galerie. Es ist die ins Positive umgedrehte Forderung und der Leitspruch aus der Gemeinschaft von Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen: Nicht(s) über uns ohne uns!
Nach jahrhundertelangem Wegsperren und Aussonderung bis hin zur Ermordung in der Nazizeit folgte im besten Fall fürsorgliche Betreuung. Der Ruf nach Selbstbestimmung, die Umsetzung derselben sind erst die jüngsten Meilensteine im Umgang mit Menschen mit Behinderungen.
Inklusion – egal ob von Menschen mit oder ohne Behinderung – ist zwar der Grundsatz der Behindertenrechtskonvention der UNO (13. Dezember 2006 von den Vereinten Nationen verabschiedet, in Österreich seit dem Nationalfeiertag, 26. Oktober, 2008 in Kraft), aber nach wie vor nicht immer überall umgesetzt oder auch nur in den Köpfen verankert.
„Ich setzte mich für Inklusion in Bildung, Arbeitsmarkt und Freizeit ein – von Anfang an“, sagte auch Simon Couvreuer, Präsident von Down Syndrom Österreich, in seiner Eröffnungsrede.
Der eingangs zitierte Grundsatz durchzog hingegen schon die Entstehungsgeschichte der oben genannten Ausstellung „Down Syndrom“. Fotos, Texte, Plakate, Videos entstanden in enger Zusammenarbeit von Profi-Gestalter:innen und den wahren Expert:innen – Menschen mit Down-Syndrom. Aufgrund des begrenzten Raumes konnten nicht alle Aspekte des Lebens mit Trisomie 21 dargestellt werden. Der Fachbegriff kommt daher, dass Chromosom 21 bei diesen Menschen dreifach und nicht wie meist üblich nur doppelt vorhanden ist. Und „Down“-Syndrom geht auf den britischen Arzt John Langdon Down zurück, der dieses Syndrom 1866 erstmals ausführlich beschrieben hat.
In Fotos, Videos und kurzen Texten geben einige dieser Menschen Einblicke in ihre Lern-und / oder Arbeitswelt, (kreative) Freizeit-Vorlieben, Freundschaften, Beziehungen, Talente usw. Aber auch in ihre Wünsche und Forderungen – an Mitmenschen ebenso wie an Gesellschaft und Politik. letztere lassen sich – kürzest zusammengefasst – auf Begegnung auf Augenhöhe, Inklusion und Teilhabe zusammenfassen.
Was sie – und die meisten Menschen – überhaupt nicht ausstehen können: Mitleid und Ausgrenzung. „Wir können arbeiten und möchten Lohn statt Taschengeld!“, brachte der schon genannte Down-Syndrom-Österreich-Präsident eine weitere wichtige Forderung auf den Punkt. Wofür es mehr als heftigen Applaus gab.
Begleitet werden die persönlichen Geschichten von wichtigen Informationen und Fakten, die Einblicke in Bildungsangebote, Freizeitmöglichkeiten, den Arbeitsmarkt oder das selbstständige Wohnen geben.
Im Zuge der Gestaltung der Ausstellung tauchte auch die Frage auf, wie könnte sozusagen in einem gedanklichen und optischen Bild Down-Syndrom auf den Punkt gebracht werden. Da am Welt-Down-Syndrom-Tag, dem 21. März (21. 3.!) seit fast zehn Jahren zwei verschiedenen Socken – als Symbol für Vielfalt und Einzigartigkeit – getragen werden, entstand eine Erweiterung: Drei verschiedene Socken. Die gibt es nun als Wien-Museums-Edition – für 21 €.
Am Abend der Eröffnung zeigten einige der immer wieder auch bei internationalen Bewerben erfolgreichen Tänzer:innen von „ich bin O.K. (schon 1979 gegründet) ganz unterschiedliche Choreografien – auf der Bühne des Veranstaltungssaals, teilweise aber auch inmitten der Publikumsreihen:
Versteckt im Publikum begannen Maria Naber und Niklas Kern „Verspielt“ zu tanzen und brachten in der Choreografie von Hana Zanin neben tänzerischer Perfektion mit spürbaren Emotionen auch Humor in ihre Bewegungsabläufe.
Moderiert von Antonia Bögner, die sich um Social Media Auftritte von „ich bin O.K.“ kümmert, „stritten“ tänzerisch ebenfalls mit einer Portion Humor Claudia Lima und Sina Stamberg um die Behauptung „Ich bin Carmen“.
Schließlich „rockten“ Simon Couvreuer, Alina Bertha und Niklas Kern die Bühne mit einem Mix aus Street-, Urban- und Break-Dance (Choreografie: Naima Rabinowich). Mit „Celebration“ (Kool & The Gang) animierten die drei Tänzer:innen viele im Publikum auf und vor der Bühne mitzutanzen – bevor’s in die Ausstellung ging.
Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Menschen mit Down-Syndrom: von der grafischen Mitgestaltung, über inhaltliches Feedback bis hin zur Umsetzung gemeinsamer Workshops.
Kuratorisches Team: Philipp Horak, Mischa Kirisits, Frauke Kreutler, Ümit Mares-Altınok
Workshops/Zeichnungen: Alexander Streicher (Organisation), Maria Clara Horvath, Emma Lou Faye Horak, Niklas Kern, Franziska Neumayer, Cathrin Sedhoum, Alexander Stuchlik
Ausstellungsgestaltung: Cati Krüger
Ausstellungsproduktion: Jennie Schellenbacher
In Zusammenarbeit mit: Verein Down Syndrom Wien, Verein ich bin aktiv – Lebensbegleitung für Menschen mit Behinderung
Video- und Fotoporträts: Philipp Horak
Interviews: Mischa Kirisits
Bis 24. Januar 2027
Community-Galerie im
Wien Museum
1040 Wien, Karlsplatz 8
wienmuseum –> down-syndrom
Ich bin O.K.
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