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Doppelseite aus "Marie und die Wolke"
Doppelseite aus "Marie und die Wolke"
03.09.2026

Maries Herzenswunsch – und das Unverständnis Erwachsener

Christine Nöstlingers letztes – nach ihrem Tod erschienenes – Buch, illustriert von einer ihrer Töchter.

Ob Geburtstag, Weihnachten, Namenstag – wann immer die Eltern Marie fragen, was sie sich beim kommenden Fest wünsche, sagt das Kindergartenmädchen: „Ich will eine Wolke, eine dicke, weiße Wolke zum dran Kuscheln, zum drin Verstecken und zum drauf Herumfliegen!“

Mama und Papa versuchten zu erklären, dass … – na du kannst sicher ahnen, was sie erklären, warum das nicht geht. Dazu schicken sie den Stoßseufzer nach: „Grundgütiger, das Kind ist vielleicht stur!“

Die Oma probiert es mit ihrer Meinung nach Wolkenähnlichem: Weißen offensichtlich mit Helium gefüllten Ballons, einem kuscheligen, weißen Polster oder ganz viel Zuckerwatte.

Ent-täuscht

Doch Marie entgegnet nur, dass dies natürlich alles keine Wolke sei – sie ist ent-täuscht. Aber weder im Text noch in den Bildern niedergeschlagen, sondern eher kopfschüttelnd und zwischen Zeilen und Illustrationen: Die Erwachsenen verstehen Kinder wie mich einfach nicht wirklich, sie können’s halt nicht besser. Was ein wenig an Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ erinnert, wo der Autor im ersten Kapitel – rund um die berühmte Zeichnung der Riesenschlange, die einen Elefanten im Ganzen verschlungen hat und Erwachsene dies für einen Hut halten, schreibt: „Von selbst verstehen die Großen rein gar nichts, und für die Kinder ist es anstrengend, ihnen immer und immer wieder Erklärungen geben zu müssen…“

Doppelseite aus "Marie und die Wolke"
Doppelseite aus „Marie und die Wolke“

Nöstlinger-Nachlass

Soweit die ersten Stationen des Bilderbuchs „Marie und die Wolke“, geschrieben von der bekannten vor allem Kinder- und Jugendbuch-Autorin Christine Nöstlinger, die gemeinsam mit Kolleg:innen (nicht nur) die österreichische Literaturszene für junge Leser:innen vor Jahrzehnten aufzumischen begann – mit realistische(re)n Geschichten, konsequent aus der Sicht von (oft benachteiligten) Kindern.

„Waunsd Lust hosd“

Die allererste Trägerin des nach Astrid Lindgren (u.a. Pippi Langstrumpf) benannten Preises (2003) starb zwar schon 2018 (geboren 1936), aber zwei Jahre davor hatte sie den Text für das hier besprochenen Bilderbuch einer ihrer Töchter, Barbara Waldschütz, gegeben und dazu gesagt: „Moch wos draus, oiso waunsd Lust hosd!“

Die hatte sie, begann zu malen. War damit aber nicht zufrieden. Ließ Text und ihre ersten Entwürfe liegen – und stieß vor Monaten wieder auf diese, behielt die Grundidee – einer durchgängigen Landschaft über alle Buchseiten hinweg – bei, änderte aber die Technik (Aquarell) und reduzierte die Gegenden, um die Figuren deutlicher sichtbar zu machen…

Nun ist das Buch kürzlich veröffentlicht worden. Ein ausführliches – per eMail geführtes Interview, weil die Künstlerin derzeit länger im Ausland weilt -, ist unten verlinkt.

Wolken am blauen Himmel
Wolken am blauen Himmel

Hinein in eine Wolke

Wie Marie doch an eine Wolke kommt und wie sie daraufhin reagiert … – wird hier nicht gespoilert.

Übrigens: Der Erfinder der „Sendung mit der Maus“, Armin Maiwald hat einmal in einem Interview gesagt, eine der schwierigsten Recherchen war die Suche nach der Antwort auf die Frage eines Kindes „wie schwer ist eine Wolke“. Leider ist diese Folge – derzeit – nicht (mehr) online verfügbar. Trotz vieler Rechnerei, Gesprächen mit Fachleuten, Vermessungen mit Hubschraubern… ist die Redaktion vor Kurzem auf Fehler draufgekommen und hat die Sendung (Folge 2021) vom Netz genommen, wie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auf Nachfragen erklärt wurde.

Theater, Ausstellung, Fest, Film…

Christine Nöstlinger wäre heuer (2026) am 13. Oktober 90 Jahre geworden. Rund um diesen Geburtstag gibt es – in Niederösterreich (St. Pölten und Wr. Neustadt) eine Iszenierung ihres Buches „Die Sache mit dem Gruselwusel“ (ab 26. September), Buchpräsentationen, eine Ausstellung („Fliegende Katzen im Gemeindebau“, Literaturmuseum, ab 8. Oktober), ein Fest im Rabenhoftheater (Wien), den Film „Sowieso und Überhaupt“ in den Kinos (ab 16. Oktober)

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Hier unten geht’s zum Interview mit Illustratorin Barbara Waldschütz

Titelseite des Bilderbuchs "Marie und die Wolke"
Titelseite des Bilderbuchs „Marie und die Wolke“
BUCH-INFOS

Text: Christine Nöstlinger
Illustration: Barbara Waldschütz
Marie und die Wolke
32 Seiten + 2 Seiten Nachwort zur Entstehung des Buches + 3 Seiten über Christine Nöstlinger bzw. Zitate von ihr

christine-noestlinger.at