Christine Nöstlingers Tagebuch-Einträge eines schüchternen, gemobbten Buben, für den ein außerirdischer Winzling zum Freund wird, nun als eigenes Buch.
Mitte dieser Woche (letzte Juliwoche 2026) sprechen Jugendliche beim internationalen Amateurfunker:innen-Camp YOTA vom Salzburger Wagrain aus mit Astronaut:innen der – ebenfalls internationalen – Raumstation ISS (International Space Station). Seit mehr als einem ¼ Jahrhundert beherbergt dieser rund 100 mal 50 mal 70 Meter große künstliche Satellit den ständigen Arbeitsplatz und gleichzeitig die Wohnung für Weltraumfahrer:innen aus bisher 16 Ländern. Knapp mehr als 1½ Stunden dauert es bis sie mit der ISS die Erde einmal umrunden – ungefähr in 400 Kilometern Höhe. Obwohl sie außerhalb der Erde arbeiten, sind die Forscher:innen natürlich keine „Außerirdischen“.
Einen wahrhaft fantasievollen Außerirdischen aber ließ die bekannte Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger (13. Oktober 1936 – 28. Juni 2018) zum zurückhaltenden, in der Schule gemobbten Marcel fliegen. PX-012, ein kleiner Winzling, den er als Maskottchen sehr oft bei sich trägt – wenn der sich nicht gerade in seiner kugelförmigen Raumkapsel aufladen muss – wird zu seinem Freund. Urschnell saugt das kleine Lebewesen alles Wissen auf. Außerdem verfügt er über einen Minimini-Computer – ein schwarzer Fleck auf seinem silbrigen Jackenärmel. Und so schlau wird er immer wieder auch zum Einsager für Marcel, vor allem in Mathe. Deutsch versteht der Gast von einem anderen Stern sofort, mit Rechtschreibung, Satzstellung und so weiter tut er sich bis zum Schluss nicht ganz so leicht.
Klar dachte Marcel am Beginn, er hätte geträumt, aber … und so beginnt der Bub, der nicht besonders gern schreibt, doch Tagebuch zu führen über die Erlebnisse – und auch so manches seiner Gefühle. Vor allem die Angst, PX-012 könnte sich, wenn er den Zwilling PX-013 findet, der gleichzeitig mit einer ebenso kleinen Kugelkapsel auf die Erde zuraste und verschollen ist, auf den Heimatplaneten vertschüssen.
Diese Geschichte – in Form der Tagebucheinträge – hat Chrstine Nöstliknger noch zu Lebzeiten (2014) für das Buch „Ein und Alles“ – 365 Gedichte, Sprüche und Kürzestgeschichten – geschrieben. Nun im Jahr, in dem die vielfach ausgezeichnete Autorin 90 Jahre geworden wäre, haben vor allem ihre beiden Töchter Christiana und Barbara eine Reihe von Neuauflagen bzw. Sammelbänden bei verschiedenen Verlagen herausgebracht bzw. veröffentlichen sie noch.
Marcels Tagebuchnotizen zwischen 6. Jänner und 14. Dezember – nun mit neuen Zeichnungen von Horst Hellmeir – sind ein eigenes Buch geworden. „Aus Aufzeichnungen, gefunden im Briefkasten der Sternwarte von Popelburg“ hatte die Autorin die kurzen Passagen betitelt. Töchter und Verlag fanden, es bräuchte einen griffigeren Haupttitel. Und weil „Außerirdisch“ oft auch für besonders gut verwendet wird, heißt dieses Buch über eine außerordentliche Freundschaft, bei der später noch eine gewisse Eva eine große Rolle spielt, auf die PX-012 und Marcel bei der Suche nach PX-013 treffen, nun „Außerirdisch gut!“
Text: Christine Nöstlinger
Illustration: Horst Hellmeier
Außerirdisch gut! – Aus Aufzeichnungen, gefunden im Briefkasten der Sternwarte von Popelburg
80 Seiten plus 2 Seiten Glossar – Erklärungen österreichischer Wörter-, und weitere 2 Seiten Nachwort von Christine Nöstlingers Töchtern Christiana und Barbara
G & G Verlag
Zu einer Lese- und Schauprobe geht es hier
christine-noestlinger
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