Ein Teil der Entstehung der Kinderrechte in die eine abenteuerliche Geschichte verpackt – als Broschüre für Schulen gratis.
Die Kinderrechte – oder vielmehr eine Variante wie es zu ihnen gekommen ist, gemixt mit erzählerischen Momenten wie es gewesen sein könnte, verpackt in eine spannende Geschichte. Das gibt es nun als Broschüre: „Abenteuer Kinderrechte“ – und (nur) für Schulen sogar gratis (auch versandkostenfrei) – siehe Info-Box am Ende des Beitrages.
Mia Kirsch und Wolfgang Hartl, die Autor:innen, haben das „Abenteuer“ rund um eine der – viel zu wenig bekannten – Vorreiterinnen der Kinderrechte gebaut, Eglantyne Jebb (1876 – 1928). Die englische Lehrerin und ihre Schwester Dorothy Buxton setzten sich für den Schutz von Kindern ein und gründeten 1919 – im Jahr nach dem ersten Weltkrieg, die später international gewordene NGO (Nichtregierungs-Organisation) „Save the Children“ (Rettet die Kinder), die vor allem nach dem Krieg Kinder vor Hunger retten wollten.
Für die abenteuerliche Geschichte haben die Autor:innen die Figur der Egi geschaffen, die mit einem Heißluftballon in einer Stadt landet. Den „Fahr“-Korb – für diese Luftgefährte wird nie das Wort fliegen, sondern immer nur fahren verwendet – baute sie eine Hütte um. Und begann ein rotes Papierband zu spannen. Irgendwie klappte das allein nicht. Zum Glück ließen sich die Buch-Macher:innen drei Kinder einfallen – Pia, Lara und Deniz – die ihr halfen.
Sie und ihre Schwester seine dabei, Wünsche der Kinder für eine bessere Welt zu sammeln, erklärte Egi ihr Vorhaben. Und nicht nur die drei genannten, sondern auch ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Schule tanzten schon am nächsten Tag mit selbst geschriebenen Tafeln ihre Wünsche an. Die rechten von „sicher leben“, über „spielen, tanzen, lachen“, „gesund sein“, „mehr grün“, bis zu „genug zu essen“. Die hatten sie in der Schule mit ihrem Lehrer Janusz angefertigt.
Gleich auf der folgenden der gezeichneten und collagierten Doppelseiten (Illustration und Design: Wolfgang Hartl und Erika Friedl) flattert ein ebenfalls rotes Banner mit weißer Schrift und einem weiteren, ganz großen Wunsch vieler Kinder: „Macht unsere Erde nicht kaputt. Wir brauchen sie!“ Und entrückt die Story sozusagen aus der Geschichte in durchaus eher aktuellere Themen.
Einmal umgeblättert: „Das Recht, meine Talente zu entfalten“, „sauberes Wasser“, „das Recht auf Frieden – Menschen sind verschieden“…
Bevor Egi mit dem Ballon wieder abfuhr, um auch andernorts Kinder-Wünsche zu sammeln, sangen alle noch gemeinsam „Wir sind frei“ – und dieser Spruch steht in verschiedenen Sprachen und Schriften auf vielen weiteren roten Ballons.
Der Text des Liedes, ebenso wie zweier weiterer – „Recht auf Sternenlicht“ und „Löwenherz“, das Klein Leo und mit ihm auch dir Mut machen möchte – finden sich auf weiteren Seiten des broschürten Buches, das vom Verlag später auch in einer Hard-Cover-Version, dann allerdings nicht gratis, veröffentlicht wird.
In einem Anhang sind auch die wichtigsten Artikel aus der Kinderrechtskonvention kurz zusammengefasst. Und davor auf einer Doppelseite schon die Geschichte Eglantyne Jebbs und ihrer „Erklärung der Rechte des Kindes“ die 1924 als „Genfer Erklärung“ in „Völkerbund“ kam – das war zwischen den beiden Weltkriegen so etwas wie der Vorläufer der nach dem 2. Weltkrieg gegründeten Vereinten Nationen (UNO).
Ein bisschen zu kurz und nicht vollständig gezeichnet ist dann die Brücke von dieser „Genfer Erklärung“ zur von der UNO 1989 beschlossenen Kinderrechtskonvention.
Jebbs Kinderrechte beschränkten sich auf den wichtigen Schutz und die körperlichen Grundbedürfnisse. Sogar ein paar Jahre vorher hatte in Polen der Arzt, Schriftsteller und Pädagoge Henryk Goldszmit, besser aber hierzulange auch viel zu wenig bekannt unter seinem späteren Namen Janusz Korczak, auch das Recht von Kindern auf Mitbestimmung und -Gestaltung in seine kurze knappe „Magna Charta Libertatis“ (Großes Papier der Freiheit) geschrieben (1919). Und nicht nur das, in den von ihm geleiteten Waisenhäusern hat der diese Mitbestimmung der Kinder auch in der Praxis gelebt. Und dies sogar unter schwierigsten Bedingungen beibehalten – das letzte Waisenhaus lag während der Nazi-Besatzung Polens im Freiluftgefängnis Warschauer Ghetto.
Sein Wirken – und Sterben (als die Nazis die Kinder ins Vernichtungslager abtransportierten, ging er mit ihnen und wurde ermordet, obwohl sie ihn wegen seiner Berühmtheit und dem Einsatz ausländischer Regierungen freigelassen hätten) – war mitentscheidend, dass Polen 1959 in der UNO einen ersten Entwurf einer Kinderrechtskonvention eingebracht hatte. In den folgenden 30 Jahren wurde zwischen den Länder-Vertreter:innen sehr heftig diskutiert – Schutzrechte, darüber herrschte schnell Einigkeit, aber die Rechte auf eigene Meinung, gar Mitbestimmung … – das dauauauauerte.
Übrigens gab es auch einen – ebenfalls zu wenig bekannten – Wiener Reformpädagogen, der schon 1934 vor den Austrofaschisten flüchten musste und dann in Frankreich in einem Kinder-Flüchtlingsheim ebenfalls deren Mitbestimmung groß gehalten hatte. Und später aus den USA wohin er nach Besetzung ganz Frankreichs durch die Nazis flüchten konnte, viele Kinder aus der Diktatur retten konnte. Besprechung des Buches „Auf Wiedersehen, Kinder!“ über Ernst Papanek unten verlinkt.
Konzept und Text: Mia Kirsch und Wolfgang Hartl
Illustration und Design: Wolfgang Hartl und Erika Friedl
Songtexte und Musik: Die Donaupiraten – Nina und Alfons Bauernfeind
Historische Drucke: Archiv am Stein, Österreichische Nationalbibliothek
Asagan – Abenteuer Kinderrechte
36 Seiten
5Haus Edition
Herausgegeben im Auftrag des Außen- und Europaministeriums
Inhaltlicher Partner: Unicef Österreich
Broschüren-Version: kostenlos, und versandkostenfrei, nur für Schulen – zu bestellen hier
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