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Szenenfoto aus "Once upon tomorrow"
Szenenfoto aus "Once upon tomorrow"
13.06.2022

Jal Saheli – Wasser-Freund:innen und andere Klimakrisen-Kurzstücke

Ein Abend mit zehn dramatisierten Texten aus der Initiative „Climate Change Theatre Action“ beim Dramatiker:innen-Festival in Graz.

Wenn es regnet, füllt sich der Dorfbrunnen und Bewohner:innen stellen alle nur möglichen Gefäße vor ihre Hütten, um das Wasser einzusammeln. In Phasen der Trockenheit müssen die Menschen – nicht nur – in diesem kleinen Dorf in Mittelindien das flüssige Lebensmittel von weit her holen. Meist eine Aufgabe, die an Mädchen hängen bleibt. Die Regenwolken am Himmel lassen immer länger auf sich warten. Der Brunnen schon lange leer.

Da hat die 20-jährige Navya eine Idee: Wasser fließt doch. Warum nicht eine Leitung mit Pumpen bauen, um von dort wo sie es heranschleppen es bis in ihr Dorf rinnen zu lassen? Dieser realen kleinen und doch so großen Idee widmete Himali Kothari ihre kurze, starke Hoffnung gebende Geschichte als rund fünfminütiges Theaterstück. „Jal Saheli“ (für Wasser und Freunde) nennt sich die echte Geschichte, die mittlerweile in 200 indischen Dörfern aufgegriffen wurde – mit 700 mitwirkenden Frauen, die für diese Wasserleitungen gesorgt haben.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Once upon tomorrow“

Zehn aus 50

Die Autorin ist eine von insgesamt 50, die von der „Climate Change Theatre Action“ (mehr darüber in der Info-Box ganz unten) gebeten wurde, Texte Theatertexte zur Klimakrise zu schreiben. Alle zwei Jahre – seit 2015 – macht diese Initiative dies und stellt anschließend diese 50 Texte Theaterhäusern und anderen Veranstalter:innen zur Verfügung. Das Schauspielhaus Graz hat aus zehn dieser Texte den 1 ¼-stündigen Abend „Once upon Tomorrow“gestaltet, der auch beim jüngsten Dramatiker:innen-Festival zu erleben war. Himali Kothari und Camila Le-bert aus Chile (2079) waren bei der Aufführung dabei. Die letztgenannte wählte das genannte Jahr aus, weil sie dann 97 sein wird/würde – so alt wie ihr vor wenigen Jahren verstorbener Großvater. Aber, ob sie angesichts dessen, wie die Menschheit die Umwelt zerstört überhaupt erleben wird/will? Andererseits sei Veränderung möglich, wie gerade kürzlich ihr Heimatland unter Beweis stellt(e), wo nicht zuletzt die jahrzehntealte noch aus der Pinochet-Diktatur stammende Verfassung durch eine demokratische ersetzt wurde.

Schon am Vortag sorgte ein weiterer der zehn ausgewählten Autor:innen, der Brite Nathan Ellis mit „Us In The Past“ beim Vernetzungsdiskurs für einen „We“- Moment. Er ließ Auszüge aus seinem Text über eine Brücke – betrachte aus der Gegenwart und aus der perspektive in 3000 Jahren – in verteilten Rollen lesen. Das Schaffen eines Gemeinschaftsgefühls war/ist ihm ein Anliegen.

Sehr junge Schauspieler:innen

Inszeniert von Rachel Müller, erweckten die sehr jungen Schauspieler:innen Adele Emil Behrenbeck, Aron Eichhorn, Irem Gökçen, Jenny Groß, Anke Helen Hoffmann, Charlotte Kaiser, Alicia Peckelsen, Max Rehberg, Magdalena Julia Simmel und Edgar Wolfgang Sproß die geschriebenen Texte zu szenischem Leben. Manchmal blickten sie vom Heute auf die Gegenwart und die (mögliche) Zukunft, dann wieder aus letzterer auf uns im hier und jetzt.

Autor:innen aus allen Weltgegenden

Die in einen dramaturgischen Bogen gegossenen Texte stamm(t)en neben den genannten drei Autor:innen von Chris Thorpe, Elena Eli Belyea, Whiti Hereaka, Nicolas Billon, Mwendie Mbugua, Pat To Yan, Carla Zúñiga Morales, Angela Emurwon aus Chile, Großbritannien, Hong Kong, Indien, Kenia/USA, Kanada, Neuseeland und Uganda.

Die Bandbreite reichte von schrägen witzigen bis zu dystopischen und dann wieder Mut-machenden sowie faktenreichen Geschichten, die sich in der Mitte der Bühne zwischen dem rundherum sitzenden Publikum abspielten. Zentral stand ein Kühlschrank inmitten eines Hügelchens aus schwarzem Mikroplastik – zum Leidwesen der barfuß auftretenden Schauspieler:innen. Und ein bisschen irritierend, weil der Kühlschrank am Ende symbolisch begraben wird. Wofür Erde nicht nur naheliegender, sondern auch im Sinne der Botschaft gegen Klimakrise naheliegender gewesen wäre.

Grüne Theater-Pipeline

Unter dem Titel „The Drama of the Climate Crisis – New Narratives and Tools for the Future“ (Das Drama der Klimakrise – Neue Erzählungen und Werkzeuge für die Zukunft) diskutierten während des Dramatiker:innen-Festivals Nachhaltigkeitsexpert:innen der europäischen Theater Konferenz (ETC) Green Theatre Committee über die Schaffung eines neuen Bewertungsinstruments zur Verringerung des CO₂-Fußabdrucks des Theaters. Die Diskussion befasst sich mit praktischen Maßnahmen, wie Fortschritte bei nachhaltigem Handeln am besten gemessen und das übergeordnete Ziel eines klimaneutralen Theatersektors erreicht werden können.

Diese Diskussionen vernetzten sich mit dem ETC-Projekt „Pipelines“, ein europaweites Theaterprojekt über Ölpipelines, Korruption und fossile Brennstoffe. Die teilnehmenden Autor:innen aus Albanien, Belgien, Österreich, Malta und Luxemburg setzten sich mit Stücken und Herausforderungen des Schreibens über die Klimakrise auseinander.

Follow@kiJuKUheinz

Compliance-Hinweis: KiJuKU wurde zur Berichterstattung über das Dramatiker:innen-Festival nach Graz eingeladen.

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INFOS: WAS? WER?

Once upon Tomorrow

Geschichten über das Klima und einen Global Green New Deal
Koproduktion mit dem Institut für Schauspiel der Kunstuniversität Graz
Teil von Climate Change Theatre Action

Autor*innen und Stücke
Nathan Ellis, Us In The Past (Großbritannien)
Chris Thorpe, Not Because We‘re Good (Großbritannien)
Elena Eli Belyea, Affirmations (Kanada)
Whiti Hereaka, A Window (Neuseeland)
Nicolas Billon, The Penguin (Kanada)
Himali Kothari, Friends for Life (Indien)
Mwendie Mbugua, Small but Mighty (USA/Kenia)
Pat To Yan, The last bee is flying over the sky (Hong Kong)
Carla Zúñiga Morales, The Eternity of Diapers (Chile)
Camila Le-bert, 2079 (Chile)
Angela Emurwon, Initiation (Uganda)

Regie: Rachel Müller

Es spielen: Adele Emil Behrenbeck, Aron Eichhorn, Irem Gökçen, Jenny Groß, Anke Helen Hoffmann, Charlotte Kaiser, Alicia Peckelsen, Max Rehberg, Magdalena Julia Simmel, Edgar Wolfgang Sproß

Ausstattung: Karoline Bierner
Dramaturgie: Hannah Mey

Climate Change Theatre Action

2015 von Elaine Ávila, Chantal Bilodeau, Roberta Levitow und Caridad Svich nach einem Modell der NoPassport Theatre Alliance gegründet, hat es sich zu einer Zusammenarbeit zwischen The Arctic Cycle und dem Centre for Sustainable Practice in the Arts aus den USA und Kanada entwickelt. Alle zwei Jahre werden 50 professionelle Dramatiker:innen aller Kontinente sowie unterschiedlicher Kulturen und indigener Nationen beauftragt, fünfminütige Stücke über einen Aspekt der Klimakrise zu schreiben.
Diese Sammlung von Theaterstücken steht in der Folge produzierenden Mitarbeiter:innen und Einrichtungen zur Verfügung, die daran interessiert sind, Veranstaltungen daraus zu erstellen – von . Lesungen, Inszenierungen, aber auch Radiosendungen, Podcasts, Verfilmungen und so weiter.
Um den „Action“-Teil von CCTA zu betonen, werden Mitwirkende gebeten, über eine Aktion nachzudenken – pädagogisch, sozial oder politisch / zivilgesellschaftlich -, die in ihre Veranstaltung integriert werden kann.

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