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Szenenfoto aus "Rita" von Bronks & Tuning People aus Belgien
Szenenfoto aus "Rita" von Bronks & Tuning People aus Belgien
27.06.2022

Sehr witziger Widerstand gegen Helikopter-Pflege

„Rita“ aus Belgien beim neunten spleen*graz begeisterte das Publikum – ob jung oder alt.

Eine schrullige, demente Alte und ihr Pfleger – nicht unbedingt die Ausgangslage, die ein spannendes Theaterstück für junges Publikum verspricht. Ist es aber. Und zwar nicht im Sinne von pädagogisch wertvoll für das Verständnis zwischen den Generationen. „Rita“ von Bronks & Tuning People aus Belgien, das nun bei spleen*graz gastiert, ist ein Feuerwerk an Spielfreude, die sich in der Sekunde auf das Publikum überträgt. Und die 1 ¼ Stunden dauernde Vorstellung anhält. Mit vielen sehr, sehr witzigen Szenen, aber auch leisen, sehr berührenden Momenten. Und doch trotz gekonnter Slapstick-Szenen nie und nimmer oberflächlicher Klamauk. Und der entsprechenden Reaktion: sehr viele herzhafte Lacher sowohl von Kindern als auch Erwachsenen sowie standing ovations und fast nicht enden wollender Applaus am Ende im Next Liberty, einem der Spielorte des neunten internationalen Theaterfestivals für junges Publikum in der Mur-Metropole.

„Nein, wir tun das jetzt nicht tun …“

Die Beziehung zwischen Rita (Randi De Vlieghe) und ihrem Pfleger im Senior:innenheim Martino (Jef Van Gestel) mutet äußerlich durchgängig wie ein Autoritätsverhältnis an. Nichts darf sie selber machen, nicht einmal Wasser ins Glas einschenken. „Ich mach das schon für dich“ sowie dieses komische „wir“ – „Nein, wir gehen jetzt nicht raus!“, wenn sie sich Mantel und Schal greift und mal alleine raus will. „Wir müssen uns jetzt waschen“ … Und das erinnert sowohl an so manche Helikopter-Eltern, die ihre Kinder unter einen Glassturz stellen oder an noch immer verbreiteten „Krankenhaus-Sprech“ („wir müssen jetzt Fieber messen“).

Immer wenn der Pfleger nicht auf der Bildfläche zu sehen ist, um scheinbar im Hintergrund anderes zu erledigen, lebt Rita auf. Die Opernliebhaberin performt zu eingespielten Opernarien, könnte im früheren Leben gar Opernsängerin gewesen sein. Und lässt deutlich erkennen, dass sie vielleicht gar ihre Demenz nur spielt. Und der Pfleger scheint seinen Job gar nicht wirklich zu lieben, auf sie eingehen, ihr zuhören? Nein.

Clownkunst auf höchstem Niveau

Gerade dieses vordergründige Nicht-Aufeinander eingehen spielen die beiden, der Rita-Darsteller, der auch – gemeinsam mit Jef Van Gestel – das Stück entwickelt hat, noch eine Spur mehr, sehr clownesk – im Sinne der hohen echten Clown-Kunst: Ernst(haft) eine scheinbar scheiternde und noch dazu widerständige Figur und zu spielen. Und auch ohne sie nur ansatzweise lächerlich zu machen. Die Routine – „wir haben das jetzt schon 135 Mal gespielt“, so Randi De Vlieghe zu Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … – ist höchstens in der höchst professionellen Präzision zu merken, das Spiel selbst ist äußerst frisch.

Die Vertrautheit – auch wenn Tomas Pevenage einwirft, „ich noch nicht, lange hat ein anderer Kollege meine Rolle gespielt“ – er beiden auf der Bühne ist riesengroß – nur so können selbst eigentlich grausliche Szenen nicht grausam, sondern höchst komisch rüberkommen. Etwa, wenn der Pfleger den geschnittenen Apfel, den Rita nicht und nicht essen will, sich selbst in den Mund stopft, kaut und anschließend … den Rest kannst du dir/können Sie sich sicher selbst ausmalen.

Follow@kiJuKUheinz

Compliance-Hinweis: Das Festival spleen*graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … – wie schon früher den Kinder-KURIER zur Berichterstattung nach Graz eingeladen.

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Rita

Bronks & Tuning People (Belgien)
Schauspiel/Tanz; ab 8 Jahren; 75 Minuten

Idee und Konzept: Randi De Vlieghe & Jef Van Gestel
Spiel: Randi De Vlieghe & Tomas Pevenage
Sound & Setdesign: Wannes Deneer
Ausführung: Simon Callens, Danny Vandeput & Tim Vanhentenryck
Lichtdesign: Thomas Clause
Technik: Jo Thielemans, Bram Waelkens & Marlies Jacques
Coaching: Veerle Kerckhoven & Natascha Pire
Kostümdesign: Maartje Van Bourgognie
Produktionsleitung: Ellen De Naeyer

Alle Infos zu spleen*graz gibt es hier

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!