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Sicher ist sicher - auch für das Gefühl von Fahrgäst:innen sitzt für den Notfall im Pilotbetrieb eine Person beim Lenkrad
Sicher ist sicher - auch für das Gefühl von Fahrgäst:innen sitzt für den Notfall im Pilotbetrieb eine Person beim Lenkrad
14.08.2026

Das Lenkrad dreht sich wie von Geisterhand bewegt

ÖBB stellten mit dem türkischen Bus- und Panzer-Hersteller Otokar vollautomatisierten elektrischen Mittelbus (für 32 Fahrgäste) vor; Pilot-Einsatz bei Forum Alpbach und danach am Campus Wolfurt (Vorarlberg).

Während zusätzlich zur sommerlichen Sperre der Wiener Stammstrecke der S-Bahn zwischen Floridsdorf und Praterstern am Donnerstag früh noch ein Kabelbrand zusätzlich die Strecke von dort aus lahmlegte und nun auch die Strecke zum Flughafen Schwechat erst ab der Geiselbergstraße befahrbar ist, präsentierten die ÖBB – gemeinsam mit dem türkischen Bus- und Panzerhersteller Otokar einen für den Pilotbetrieb einsatzbereiten vollautomatisierten elektrischen Bus für 32 Fahrgäst:innen.

Auf dem betriebseigenen Gelände zwischen Westbahnhof und Felberstraße fuhren Medienvertreter:innen teils mit und teils ohne die hohen Herren (Verkehrsminister Peter Hanke, ÖBB-Chef Andreas Matthä und dem Leiter der Abteilung Nutzfahrzeuge beim genannten Hersteller Otokar, Kerem Erman) mit dem Bus. Auf dem Sitz hinterm Lenkrad ein potenzieller Fahrer – zur Sicherheit, wie dies selbst im Testbetrieb gesetzlich vorgeschrieben ist. Das Lenkrad jedoch bewegte sich alleine, gleichsam wie von Geisterhand gesteuert. Auch die Bremsungen beim Zebrastreifen, den hin und wieder jemand querte, oder der improvisierten Haltestelle: autonom oder vollautomatisch.

„Unser Bus ist der einzige, der auch autonom rückwärts fahren kann“, verkündete stolz die aus Istanbul mitgekommene Leiterin der IT-Abteilung für diese Busse. „Wir haben dafür eine eigene Software entwickelt“, hatte zuvor Kerem Erman auf der Bühne neben dem ÖBB-CEO und dem Minister gesagt.

Chef-Entwicklerin

Auf KiJuKU-Nachfragen im Anschluss stellte der Top-Manager dann „unsere smarteste Mitarbeiterin vor“. Elif Tow leitet, wie sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schildert, „eine eigene Abteilung mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nur für die autonomen Busse. Insgesamt arbeiten bei Otokar 80 Menschen im Bereich IT und Software. „Schon ab der High-School hat mich IT und vor allem Innovation interessiert, ich habe dann in Istanbul Software-Entwicklung studiert und in Schweden einen Master draufgesetzt.“

Nummer 1 in der Türkei

„Bisher ist einer der Busse in Madrid in einem großen Markthallen-Areal unterwegs, wo viel los ist. Drei andere spanische Städte haben deshalb Busse bei uns bestellt. In der Türkei arbeiten wir seit ungefähr zehn Jahren an dieser Entwicklung“, so Kerem Erman zum Journalisten. „In der Türkei sind wir die Nummer 1 bei der Produktion von (bisher nicht autonomen) Autobussen mit einem Marktanteil von 33 Prozent. Seit mehr als 60 Jahren haben wir da Erfahrung und jetzt eben seit einigen Jahren mit der neuen Sparte. Gegen Ende des Sommers startet in Istanbul in einem Bezirk auf der asiatischen Seite ein Testbetrieb mit einem unserer autonomen Busse.“

Davor hatte er schon auf der Bühne angekündigt, „wir passen unsere Busse natürlich – nicht nur optisch – den jeweiligen Gegebenheiten des Verkehrs in der Auftragsregion an.“

Tirol und Vorarlberg

ÖBB Postbus wird diesen elektrisch betriebenen Bus mit vollautomatisierter Fahrfunktion nach SAE Level 4 für den Pilotbetrieb zunächst nach Alpbach bringen und ihn beim European Forum einsetzen. „In der Anfangsphase ist weiterhin eine Sicherheitsperson innerhalb des Fahrzeuges vorgeschrieben. Im Anschluss ist der Einsatz des vollautomatisierten E-Busses im Regelbetrieb am Campus Wolfurt (Bezirk Bregenz, Vorarlberg) vorgesehen“, heißt es von Seiten der ÖBB.

Steuerung bleibt im Bus

Noch kostet so ein Bus ungefähr das Doppelte eines vergleichbaren – nicht vollautomatisierten – Fahrzeuges. Das gelte für alle Typen – egal ob PKW, Groß- oder dieser Mittelbus, so technische Fachleute der ÖBB in verschiedenen Nachfragen. „Aber das ist letztlich eine Frage der Menge, mit dieser sinke der Preis. Was es schon auch braucht, ist eine Leitstelle, über die bei technischen Problemen geholfen werden könne. Die kann aber nicht den Bus von dort aus steuern oder lenken. Diese Hard- und Software sitzt im Bus – und das sei auch die Antwort auf die KiJuKU-Frage, ob Hacker damit von außen Unfug oder gar Verbrechen ausführen könnten.

Unter den Fachleuten des Unternehmens rechnet – oder hofft (?) man, in zwei Jahren die Pilotphase so weit abgeschlossen zu haben, dass am Aufbau des regulären ergänzenden Angebots gearbeitet werden könnt mit bis zu 100 vollautomatisierten Fahrzeugen so um 2030 herum.

„Erste und letzte Meile“

Rund um diesen nun vorgestellten Bus dreht sich die Zielstellung der ÖBB, wie autonome Mobilität den öffentlichen Verkehr sinnvoll ergänzen und weiter stärken kann. Künftige Einsatzmöglichkeiten reichen von klar definierten Strecken im regionalen Mobilitätsangebot bis hin zu Lösungen für die erste und letzte Meile. Mit diesem Projekt schaffen die ÖBB die Grundlage, um autonome Mobilitätslösungen schrittweise zu erproben und perspektivisch in weiteren Regionen sowie zusätzlichen Anwendungsfeldern einzusetzen.

„Automatisierte Busse können bestehende Angebote ergänzen und erweitern, wie etwa auf der ersten und letzten Meile, in ländlichen Regionen oder zu Zeiten, in denen ein klassischer Linienbetrieb nur schwer darstellbar ist“, meinte Mobilitätsminister Peter Hanke. „Österreich soll diese Entwicklung nicht nur beobachten, sondern aktiv mitgestalten, Wertschöpfung im Land halten und österreichisches Know-how international sichtbar machen.“

Potenzial und Zukunft

ÖBB CEO Andreas Matthä sagte: „Autonomes Fahren ist keine Zukunftsvision mehr, sondern eine Technologie mit großem Potenzial für den öffentlichen Verkehr. Unser Anspruch ist es, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten und frühzeitig Erfahrungen zu sammeln. So schaffen wir die Grundlage, um neue Technologien verantwortungsvoll einzusetzen und den Fahrgästen langfristig noch bessere Mobilitätsangebote zu bieten.“

„Seit vielen Jahren investieren wir umfassend in Technologien für autonome Mobilität, die die Zukunft des öffentlichen Verkehrs prägen. Heute bieten wir weit mehr als ein innovatives Fahrzeug – wir liefern eine vollständig integrierte, schlüsselfertige Mobilitätslösung, die vollständig auf Otokars eigener Engineering-Kompetenz und proprietärer Software basiert und nach höchsten internationalen Standards validiert wurde,“ freute sich Kerem Erman, „Head of Commercial Vehicles“.

kijuku_heinz

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