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KI-generierte Grafik auf der Basis einer Kürzest-Zusammenfassung des 2. Jugendmonitors der Arbeiterkammer
KI-generierte Grafik auf der Basis einer Kürzest-Zusammenfassung des 2. Jugendmonitors der Arbeiterkammer
15.07.2026

Teuerung trifft nicht alle gleich – das hat auch Folgen für den Blick in die Zukunft

2. Jugendmonitor der Arbeiterkammer unter 1506 jungen Menschen (16 – 29 Jahre) zu Sparzwängen, Lebenszufriedenheit, Optimismus, wahrgenommen werden und mitbestimmen wollen zeigt sehr große soziale Unterschiede je nach finanziellem Hintergrund.

Fast zwei Drittel der Jugendlichen (16 bis 29 Jahre) Österreichs (64 Prozent) blicken optimistisch in ihre persönliche Zukunft; ABER diese Zuversicht ist sozial ungleich verteilt: Während mehr als acht von zehn (82 Prozent) finanziell gut abgesicherten jungen Menschen hoffnungsfroh auf Kommendes blicken, sind es am unteren Drittel nur 38 %, also weniger als halb so viele wie bei den begüteteren Alterskolleg:innen. Dies ergibt der am Dienstag veröffentlichte zweite Jugendmonitor der Arbeiterkammer (er erste liegt zwei Jahre zurück).

1500 Befragte

Befragt wurden 1.506 junge Menschen (26 – 29 Jahre), die in Österreich leben (von 23. Februar bis 30. März); zur Hälfte telefonisch, die anderen 50 % online (Studienautorin: Martina Zandonella, Forschungsinstitut Foresight, bekannt unter anderem aus den Wahl-Hochrechnungen im ORF). Wonach sich die Grenzen für finanziell besser oder schlechter gestellt beziehen, lieferte die AK auf KiJuKU-Nachfrage diese Basis:

Grafik aus dem AK-Jugendmonitor 2026 über den
Grafik aus dem AK-Jugendmonitor 2026 über den „ungleichen Blick in die persönliche Zukunft“

Mehr als 3500, weniger als 2200 Euro

Die oberen 30 Prozent verfügen über ein äquivalisiertes Nettohaushaltseinkommen von mehr als 3.500 Euro, erhalten häufig finanzielle Unterstützung der Eltern und rechnen mehrheitlich mit einem Erbe. Die mittleren 40 Prozent kommen mit ihrem Einkommen grundsätzlich aus, verfügen aber über weniger finanzielle Reserven. Die unteren 30 Prozent leben mit weniger als 2.200 Euro Haushaltseinkommen, erhalten nur selten familiäre Unterstützung und sind häufig armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.

Teuerung

Ausgangspunkt für die Befragung war in erster Linie, wie sich die Teuerung auf die 16- bis 29-Jährigen auswirkt. Analysiert wurden sowohl die strukturellen Rahmenbedingungen als auch die konkreten Alltagserfahrungen junger Menschen. Wie bereits 2024 liegt ein Schwerpunkt auf den Folgen der Teuerung. Neu ist die detaillierte Analyse der Zukunftserwartungen junger. Dabei zeigt sich – siehe den ersten Absatz: Auch der Blick auf die persönliche Zukunft und die Zukunft Österreichs hängt wesentlich von der Klassenlage bzw. den finanziellen und sozialen Ressourcen ab und nicht von Geschlecht und ethnischer Herkunft (der Familien).

Grafik aus dem AK-Jugendmonitor 2026 mit den Antworten auf die Fragen, wo die Jugendlichen sparen müssen
Grafik aus dem AK-Jugendmonitor 2026 mit den Antworten auf die Fragen, wo die Jugendlichen sparen müssen

Inflation trifft auch ungleich

Und so ergeben detaillierter Fragen in Sachen Teuerung folgendes Auseinanderklaffen: beim Wohnen musste nur knapp weniger als eine Person bei den oberen 30 Prozent, aber mehr als ein Drittel im unteren Segment sparen. Bei Freizeit schränkte sich sogar fast ein Drittel (31 %) der reicheren Jugendlichen ein, aber fast acht von zehn (78%) der ärmeren mussten das tun. Besonders tief ist die Kluft ins Sachen Aus- und Weiterbildung: 2 von 100 jungen Menschen mit finanziell besserem Background mussten hier sparen, während dies fast die Hälfte der finanzärmeren betraf (44%).

Ungleiches Wohlbefinden

Einige weitere Details in den Grafiken – samt den Auswirkungen sozialer Ungleichheit nicht nur was die Zukunfts-Aussichten, sondern auch das eigene Wohlbefinden sowie die gegenwärtige Zufriedenheit mit dem eigenen Leben betrifft: Sehr zufrieden sind vier von zehn im oberen fast Drittel, aber nicht einmal ein/e von zehn im unteren Drittel. Dafür sind nur 14 Prozent der Finanzstärkeren wenig bis gar nicht zufrieden. Bei den ärmeren sind allein genauso viele gar nicht und weitere 33 Prozent wenig zufrieden.

Wahrgenommen werden

In der ausführlichen rund 100-seitigen Studie des zweiten AK-Jugendmonitors – Link dazu am Ende des Beitrages – finden sich noch viele interessante Fakten – nicht zuletzt zum Verhältnis der befragten 16- bis 29-Jährigen zur Politik. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… veröffentlicht hier die Grafik 56 zur Einschätzung der Jugendlichen, wie sie sich von der Politik wahrgenommen fühlen bzw. ob sie einschätzen, dass ihre und Meinung – in Schule / Ausbildung / am Arbeitsplatz gefragt ist sowie ob sie finden, die Gesellschaft „gibt mir die Möglichkeit, zu zeigen, was wirklich in mir steckt“.

Grafiken aus dem AK-Jugendmonitor 202: links übers Wahrgenommen werden und rechts auf die Frage, ob Jugendliche mitbestimmen wollen
Grafiken aus dem AK-Jugendmonitor 202: links übers Wahrgenommen werden
und rechts auf die Frage, ob Jugendliche mitbestimmen wollen

Mit ihren Sorgen ernst genommen fühlen sich knapp mehr als ein Drittel der finanzkräftigeren Jugendlichen, bei denen, die mit weniger materiellen Ressourcen auskommen müssen, sind’s weniger als halb so viele. Dass ihre Meinung gefragt ist, empfinden mehr als die Hälfte der reicheren und weniger als ein Drittel der ärmeren Jugendlichen. Fast die Hälfte des oberen Drittels kann zeigen, was in ihnen steckt, am anderen Ende sind’s nicht einmal ein Viertel – siege Grafik.

Mitbestimmen wollen…

Vielleicht das einzige – Geständnis: Nicht alle rund 60 Grafiken der 100 Seiten intensiv studiert – Ergebnis mit praktisch Gleichverteilung ergab sich bei der Frage „Stimmen Sie folgenden Aussagen sehr, ziemlich, wenig oder gar nicht zu? Für junge Menschen braucht es mehr Beteiligungsmöglichkeiten“.

Fasst drei Viertel (72 Prozent) aller 1506 Befragten stimmten sehr (27%) bzw. ziemlich (45%) zu. Bei den Finanzkräftigeren waren’s 33 plus 39, bei den weniger Begüteteren 28 plus 43 – siehe Grafik.

Forderungen

„Wer den grassierenden Politfrust stoppen und den Zulauf zu demokratiefeindlichen Kräften aufhalten will, muss die Zuversicht der Jungen stärken. Das gelingt nur, wenn auch in Zeiten klammer öffentlicher Budgets soziale Ungleichheit abgebaut und das finanzielle Fundament der Jungen saniert wird“, schlussfolgerte die Bereichsleiterin Bildung der AK Wien, Ilkim Erdost, aus den Ergebnissen.

Die daraus abgeleiteten Forderungen lauten:
* Faire Zukunftschancen für alle jungen Menschen schaffen – mit hochwertiger Bildung, guter Qualifizierung und ausreichend Ausbildungsplätzen.
* Soziale Sicherheit als Grundlage für Zuversicht sichern – mit leistbarem Wohnen, wirksamen Maßnahmen gegen Teuerung und guten Arbeitsbedingungen.
* Demokratie durch Beteiligung stärken – mit echter Mitbestimmung und besseren Möglichkeiten für junge Menschen, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.

Grafik aus dem AK-Jugendmonitor 2026 darüber, was zuversichtlich macht und was Sorgen bereitet
Grafik aus dem AK-Jugendmonitor 2026 darüber, was zuversichtlich macht und was Sorgen bereitet

Und für die Gewerkschaftsjugend, die bei der Studienpräsentation ebenfalls vertreten war, meinte deren Präsidiumsmitglied Laura Zandonella: „Es ist der Gipfel an Ungerechtigkeit, wenn sogar Zuversicht und Optimismus unter jungen Menschen ungleich verteilt sind. Wir wollen an der Lösung der großen Probleme unserer Zeit mitarbeiten und uns selbst etwas aufbauen. Dafür brauchen wir schon jetzt: leistbares Leben, gute Bildung, Ausbildung und Arbeit und echte Mitbestimmung!“

Kindergrundsicherung

„Die Ergebnisse des AK-Jugendmonitors zeigen eindeutig, dass finanzielle Unsicherheit Zukunftschancen nachhaltig einschränkt. Daher fordert die Volkshilfe eine Kindergrundsicherung. Sie schafft vereinfachten Zugang zu Infrastruktur-, Geld- und Sachleistungen, unterstützt die Erwerbstätigkeit von Eltern und lässt Kinder Teilhabe statt Mangel erleben, gerade auch im Bereich der Bildung“, heißt es in einer Aussendung der Volkshilfe an Medien. „Eine Kindergrundsicherung setzt dort an, wo diese Ungleichheiten entstehen, und verhindert, dass sich Armut über Generationen hinweg verfestigt. Zuversicht darf keine soziale Frage sein!“

kijuku_heinz

Zur ausführlichen Verrsion des 2. Jugendmonitors der Arbeiterkammer geht es hier