Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, hat gemeinsam mit anderen Organisationen in zehn Staaten – von Brasilien über europäische Länder bis Pakistan – jeweils rund 1000 Kinder und Jugendliche und Eltern repräsentativ zu Umgang mit Künstliche Intelligenz gefragt. 12- bis 17-Jährige spüren Gefahren; Regeln fehlen.
„KI ist da. Sie wird zu einem immer größeren Bestandteil unseres aller Lebens. Und sie prägt bereits heute die Kindheit auf der ganzen Welt – im Guten wie im Schlechten“, so leitet das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, eine Meldung für Medien anlässlich des ersten „Globalen Dialogs zur KI-Governance“, also des weltweiten Diskussionsprozesses zur Regelunge und zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz, ein
Unicef hat neue Daten aus zehn Ländern (Armenien, Brasilien, Dominikanische Republik, Jordanien, Kolumbien, Mexiko, Montenegro, Nordmazedonien, Pakistan und Serbien) aus einem Forschungsprojekt gemeinsam mit ECPAT International (Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen, das sich für die Beendigung der sexuellen Ausbeutung von Kindern einsetzt) und INTERPOL (internationale Zusammenarbeit von Polizeibehörden) analysiert. In jedem der genannten Länder wurden repräsentativ jeweils rund 1.000 internetnutzende 12- bis 17-Jährige sowie ihre Eltern bzw. Betreuungspersonen befragt.
Zu Österreich gibt es übrigens zwei Beiträge, einmal über eine Umfrage von Safer Internet und einen über die Erhebung eines gro0en Nachhilfe-Instituts – beide unten am Ende verlinkt. Auch bei der in der kommenden Woche beginnenden Kinderuni Wien wird es einige Lehrveranstaltungen rund um KI geben – vom eignen ersten KI-Modell über kreativen Umgang damit bis zu menschlichen Regeln dafür.
Eine der Schlussfolgerungen aus den Umfragen: Mehr als jedes zehnte Kind wandte sich mit Ratschlägen zu Themen, die ihnen Sorgen bereiten, an KI. Hochgerechnet aus den erhobenen Daten nutzt deutlich mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen der genannten Länder KI zur Unterstützung beim Lernen und bei den Hausaufgaben.
„Während sich die Nutzung von KI durch Kinder rasant beschleunigt, können die Regeln, die ihren Einsatz steuern – einschließlich der Schutzmaßnahmen für Kinder –, kaum Schritt halten“, so Unicef. „Kinder sind KI-Systemen stärker ausgesetzt – einschließlich ihrer Gestaltung, der zugrunde liegenden Geschäftsmodelle und der Art und Weise, wie ihre Daten verwendet werden. Gleichzeitig haben sie weitaus weniger Möglichkeiten, diesen Systemen auszuweichen oder sie anzufechten. Die Folgen unzureichender Regulierung treffen Kinder zuerst, und sie werden am längsten mit deren Konsequenzen leben müssen. Dennoch räumt die überwiegende Mehrheit der KI-Governance dem Wohl von Kindern keine Priorität ein.
Auch wenn KI das Potenzial hat, Kindern neue Möglichkeiten zum Lernen, Spielen und kreativen Gestalten zu eröffnen, befinden sich die Erkenntnisse über ihre Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung, emotionale Abhängigkeiten und die Exposition gegenüber Risiken noch in einem frühen Stadium. Tatsächlich wachse eine ganze Generation innerhalb eines globalen Experiments auf.
Die Kinder selbst erkennen die Risiken, auch das gebe die Untersuchung her, so Unicef. „In den zehn untersuchten Ländern äußerte ein Drittel der Kinder Bedenken darüber, dass KI eingesetzt werden könnte, um andere zu betrügen und zu täuschen oder Falschinformationen zu verbreiten. Ein Viertel befürchtete zudem, dass ihre Bilder oder Videos zu sexuell expliziten Deepfakes manipuliert werden könnten. Zu viele Systeme erreichen Kinder ohne ausreichende Schutzvorkehrungen, Sicherheit scheint dabei oftmals nur ein nachträglicher Gedanke zu sein.
Im Vorfeld des ersten Globalen Dialogs zur KI-Governance fordert UNICEF Regierungen, den Privatsektor und weitere Partner auf, Kinderrechte – insbesondere das Recht auf Sicherheit und Schutz – fest in der globalen KI-Governance zu verankern, indem sie:
· in Forschung zu den Auswirkungen von KI auf die Entwicklung und das Wohlergehen von Kindern investieren, insbesondere im Hinblick auf Risiken;
· Gesetze, Governance-Rahmenwerke und die Rechenschaftspflicht von Unternehmen stärken, um KI-gestützte sexuelle Ausbeutung und sexuellen Missbrauch zu verhindern;
· sicherstellen, dass KI-Systeme mit einem Höchstmaß an Sicherheit und Transparenz entwickelt werden, damit alle Kinder geschützt werden können und zugleich von den Chancen profitieren;
· die KI-Kompetenz fördern und Kinder sowie ihre Eltern oder Betreuungspersonen dabei unterstützen, sich erfolgreich in der digitalen Umgebung zu bewegen;
· in digitale Infrastruktur und eine sinnvolle digitale Anbindung für jedes Kind sowie dessen Eltern oder Betreuungspersonen investieren – zu Hause und in der Schule –, um die KI-Kluft zwischen und innerhalb von Ländern zu verringern.
„Die Entscheidungen, die heute im Zusammenhang mit KI getroffen werden, werden über Jahrzehnte hinweg die Sicherheit, Privatsphäre, das Wohlergehen und den gleichberechtigten Zugang von Kindern zu Chancen prägen“, weist Unicef auf die Dringlichkeit der Diskussionen um Regelungen hin.
Zur englischsprachigen Unicef-Studie
Kinderuni Wien –> Lehrveranstaltungen zu KI
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