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Alex Nowak und Andrea Brehm - zwei der Künstler:innen der Installation mit weißen Kartonwaffen
Alex Nowak und Andrea Brehm - zwei der Künstler:innen der Installation mit weißen Kartonwaffen
30.08.2026

Weiße Karton-Gewehre, -Pistolen, -Minen als Irritation

Kunst-Installation in Wiener U-Bahn-Passage will Diskurse über Kriege, Waffen und Aufrüstung anzetteln.

Du eilst von der U4 am Wiener Karlsplatz zur U2. Siehst vor dir eine Auslage mit Waffen. Gewehren, Pistolen und noch mehr so Zeugs. Leuchtend gelbe Sterne mit der Aufschrift „Sale“, also Ausverkauf mit markigen Werbesprüchen für Sonderangebote. Oben drüber in großen Lettern: „Waffen Nowak Outlet Store“.

Häääh, was für eine Sch… fährt dir durch den Kopf. Was soll das? Wieso wird an so einem noch dazu viel frequentierten öffentlichen Ort – hier geht’s neben den beiden schon genannten U-Bahnlinien auch noch zur U1 – Schießeisen beworben.

Dann irritiert aber doch etwas – alle diese Waffen sind komplett weiß.

Satire

Noch ist ein bisschen Zeit, also ein paar Schritte zurück. Und dann siehst du ein Plakat in der Auslage: „Die Ausstellung … des Künstlerkollektivs Nuclear Family regt zur kritischen Auseinandersetzung mit der Rüstungsindustrie an. Die aus Papier und Karton gestaltete Installation arbeitet mit Irritation und Satire…“

Ach so! Aber…

Und so kontaktiert Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… über den auf dem Plakat angegebenen Kontakt zum Instagram-Kanal die Künstler:innen. Vor der Auslage mit Karton-Kalaschnikows, -Uzis, Stinger-Raketenwerfern, Pumpguns… älteren Typs, eben Abverkauf so wie westliche Staaten der Ukraine ausrangierte Geräte überließen, trifft KiJuKU eine Woche später zwei der Künstler:inn: Die pensionierte Musiktherapeutin und Köchin Andrea Brehm sowie den Store-Namensgeber Alex Nowak, Bildhauer, Illustrator sowie Lehrer an der HTL Spengergasse für digitale Illustration, 2- und 3-D-Animation.

Illustration, Performance, Clownerie

Das Künstler:innen-Kollektiv „Nuclear Family“, vormals „My Sound of Music“ bestehe im Kern aus sieben bis zehn Kreativen verschiedener Sparten, bei einzelnen Projekten kommen zeitweise immer wieder neuen, andere Künstler:innen dazu. Die Anfänge gehen auf 2009 zurück mit zweijährlich organisierten Musikfilmfestivals.

Bildhauerei, Illustration, Performance, Clownerie sind Bereiche aus denen Mitwirkende kommen und Methoden mit denen Aktionen gemacht wurden / werden.

Mammutfleisch

Später kam die Konzentration bzw. Spezialisierung auf Installationen mit Kartonmaterialien. In einem leerstehenden Geschäftslokal am Ottakringer Yppenplatz etablierte das Kollektiv vorübergehend die „Metzgerei Mops“ (2020) mit bemalten Kartonteilen, die wie Fleisch von ausgestorbenen Tieren – Mammuts, Dodos, chinesischer Flussdelfin… – bestückt war. „Damit wollten wir Artensterben und generell Fleischkonsum thematisieren“, so Alex Nowak.

Aufrüstung gab den Anstoß

Mit dem Überfall Putin-Russlands auf die Ukraine, der sogenannten Zeitenwende, der Aufrüstung, Militarisierung sei rasch die Grundidee aufgekommen, dazu etwas Künstlerisches, aber ebenso wie bei der Fleischerei Irritierendes machen zu wollen. So richtig gedankliche Gestalt angenommen hat der Waffen-Abverkaufs-Laden aber erst vor rund eineinhalb Jahren. In seinem Sabbatical im vorigen Schuljahr fertigte der Lehrer viele der Waffen-Nachbauten in Originalgröße und Machart, allerdings unter Verzicht auf so manche Details (lowpoly modelling), an.

Diskurse anregen

Aber, wirft der Journalist ein, beim nur Vorbei-Hetzen ohne genaues Schauen, könne doch eher die Werbung für Waffen hängenbleiben. Bräuchte es nicht doch auch deutlicher erkennbare Signale, dass hier mit dieser Installation das Geschäft mit Waffen, Militarisierung, Gewalt und Kriege kritisiert werden?

„Wir wollen als Künstlerinnen und Künstler Diskurse anregen, den Leuten nicht unsere Meinung reindrücken“, entgegnet Andre Brehm. „Wir wollten ja ursprünglich auch vor der Auslage immer wieder Performances machen, aber das haben uns die Wiener Linien nicht genehmigt“, so Alex Nowak.

Closing Party

Was es aber gibt: eine „Waffen Nowak Closing Party“ mit einem Vortrag von Universitätsprofessorin Verena Winiwarter über Kriegsfolgen. „Krieg ist die größte vermeidbare Umweltbelastung, ein großer Verursacher von Treibhausgasen und langfristig vergifteten Landschaften“, heißt es in der Vorankündigung – siehe Info-Box.

Zusatz-Plakat mit der Info über die Closing Party
Zusatz-Plakat mit der Info über die Closing Party

Danach übersiedeln die Kartonwaffen in die Garage Grande in Wien-Ottakring und fast schon im Winter ins Jugendstiltheater auf dem Otto Wagner Areal rund um eine Produktion von sirene Operntheater, Details ebenfalls in der Info-Box.

Waffen plus psychologisches Gutachten

Übrigens: Selbst nach dem School-Shooting in Graz im Juni des Vorjahres mit zehn Ermordeten und elf Verletzten und dem danach angekündigten strengeren Waffengesetz, bieten Waffenhändler beispielsweise „Komforttermine“ an: „Waffenführerschein + psych. Gutachten finden hintereinander am selben Tag statt.“

Zwei Stunden E-Learning zu Hause + 30 Minuten Schießpraxis beim Händler und dazu noch Rabatt beim Waffenkauf… – und die – leider – nicht aus Karton, sondern echt todbringende Geräte.

kijuku_heinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Waffen Nowak Outlet Store

Bis 9. September 2026
Wien, Karlsplatz, U-Bahn-Passage – Zwischengeschoß Übergangsbereich U1 / U2 / U4

Closing Party
mit Vortrag von Unic.-Prof Verena Winiwarter „Explosives Erbe: Was bleibt vom Krieg“
9. September 2026
19 Uhr
Club U, Künstlerhauspassage, Karlsplatz

Essen aus der Gulaschkanone
Musik aus der Dose

***

10. bis 17. September
Garage Grande
1160, Deinhardstein-Gasse 12 – 14

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21. bis 27. November 2026
Installation am Rande von „Der schwedische Reiter. Grosse Oper“ von sirene Operntheater im Jugendstiltheater
1140, Baumgartner Höhe 1

instagram -> nuclear family

mysoundofmusic

Garage Grande

sirene.at