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Bei der Gemüse-Ernte
Bei der Gemüse-Ernte
09.08.2026

Nachhaltiger Gemüseanbau stärkt indigene Kleinbäuerinnen

Welttag der indigenen Völker: Jugend Eine Welt unterstützt in Ecuador Schutz des Lebensraums indigener Bevölkerung und schafft zugleich alternative Einnahmequellen.

Typische Andenpflanzen wie Papanabo, Oca, Melloco, dazu verschiedene auch bei uns bekannte Gemüsesorten wie Kohl, Mangold, Erbsen, Karotten, Salat, Zwiebeln, Radieschen, Gerste, Erbsen, Ackerbohnen, all das wird in der kleinen Ortschaft Cebadas im Anden-Hochtal von Zentral-Ecuador seit kurzem angebaut. Um diese Fülle kleinbäuerlicher Produkte zu erzielen, haben sich rund 250 indigene Frauen in neuen agrarökonomischen Anbaumethoden unterrichten lassen.

„Im Projekt wird partnerschaftlich gearbeitet und gemeinsam Neues entwickelt, also indigenes, an die lokalen Gegebenheiten angepasstes Wissen mit modernen, aus dem universitären Bereich kommenden agrar-ökologischen Methoden verbunden“, führt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt, anlässlich des „Internationalen Tages der indigenen Völker“ (9. August – dazu weiter unten) aus.

Neue ökologische Praktiken

In Cebadas (Kanton Guamote in der ecuadorianischen Provinz Chimborazo) haben die Menschen – überwiegend Angehörige der Kichwas / Ketschua / Quichua, eine der größten indigenen Bevölkerungsgruppen Ecuadors – bisher mit großer Armut und ökologischen Herausforderungen wie Ernteausfälle durch widrige, trockene Klimabedingungen zu kämpfen. Jetzt haben Kleinbäuerinnen aus neun lokalen Organisationen gemeinsam mit ihren Familien – insgesamt rund 1.000 Menschen – neue agrar-ökologische Praktiken mitentwickelt.

Sie bewirtschaften etwa die ihnen zur Verfügung stehenden Flächen mit organischem Dünger, aufbauend auf der lokalen Hühner- und Meerschweinchenzucht bzw. aus neu errichteten Familienkompost-Produktionen. Damit lässt sich eine neue Fülle an landwirtschaftlichen Produkten anbauen und ernten.

Aussaat auf Flächen mit organischem Dünger
Aussaat auf Flächen mit organischem Dünger

Umfassender Umweltschutz

Zugleich wird durch diese Anbaumethoden die Umwelt geschützt, etwa das natürliche Dauergrünland in den Hochanden. Strategien zur Abfallvermeidung und zum Recycling ergänzen das aktuelle Pilotprogramm. Hilfe bei der Vermarktung und dem teilweisen Verkauf der Produkte gibt es über den FEPP, der den Frauen etwa nötiges Wissen zur Unternehmensführung, den Anschluss an Vermarktungsgenossenschaften bis hin zur Vermittlung günstiger Kredite liefert.

Mehr als EU-Bürger:innen

Der internationale Tag indigener Völker findet am 9. August (seit 1994) statt und wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufenen. Damit soll auf die Situation, die Kultur und die Menschenrechte von Ureinwohnern:innen weltweit aufmerksam gemacht werden. Nach UNO-Schätzungen gibt es rund 5.000 indigene Völker in 90 Ländern, mit mehr als 476 Millionen Menschen, was ein wenig mehr ist als die Bevölkerung aller 27 EU-Staaten gemeinsam (ca. 450 Millionen). Zwölf Jahre zuvor war von der UNO eine Arbeitsgruppe „Indigene Bevökerung“ gegründet worden, der dann zum besagten internationalen tag und 2007 zu einer „Deklaration über die Rechte Indigener Völker“ führte, die von 144 Staaten beschlossen wurde.

Selbstbestimmungsrecht und Sprachenförderung

„Die Deklaration verankert das Selbstbestimmungsrecht von indigenen Gruppen und bildet den Rahmen für ein Leben in Würde – sie soll Wohlergehen und Lebensraum dieser Gruppen schützen. Langfristig sollen gleiche Bildungschancen, Mitbestimmung, Eigenverantwortung sowie eine Verringerung von Hunger und Armut erreicht werden.“ (Quelle: feiertage-oesterreich.at)

Übrigens läuft – bis 2032 – die „Internationale Dekade der indigenen Sprachen“ der UNESCO (Bildungsorganisation der Vereinten Nationen). Mehr als die Hälfte der rund 7000 weltweiten Sprachen ist vom Aussterben bedroht. Der 10-Jahes-Plan will „indigene Sprachen stärken – etwa durch vermehrte Verwendung indigener Sprachen im öffentlichen Bereich und eine Erhöhung der Sprecher*innenzahl. Gleichzeitig sollen andere Bereiche des Lebens der Sprecher*innen, wie der Zugang zu Nahrungsmitteln und Gesundheitsdiensten, verbessert werden“ (Unesco).

Natürliche Ressourcen

Unter dem Motto „Back 2 Nature“ bündelt Jugend Eine Welt seine weltweiten Initiativen zum Umweltschutz und zur Erhaltung natürlicher Ressourcen. Insbesondere in Regionen mit jeweils hohem indigenem Bevölkerungsanteil, wie im lateinamerikanischen Ecuador. „Der Bergbau, die Erdölförderung, die Abholzung des Regenwaldes, die Verkarstung der Andenhochregion, gepaart mit den immer drastischeren Auswirkungen des Klimawandels, all das bedroht deren Lebensraum und damit ihr wirtschaftliches Auskommen in ihrer traditionellen Umgebung“, so Heiserer. „Landflucht mangels Einkommensmöglichkeiten, die fehlenden Zukunftsperspektiven gerade der jungen Generation sowie in Folge die Entwurzelung und Verarmung in ungewohnter städtischer Umgebung ist oft das bittere Ergebnis“ des ist-Zustandes in vielen Weltgegenden.

Kleinbäuerinnen aus Cebadas verkaufen ihr Gemüse auf lokalen Märkten
Kleinbäuerinnen aus Cebadas verkaufen ihr Gemüse auf lokalen Märkten

Neben Bildungs- und Sozialprogrammen unterstützt Jugend Eine Welt daher in Ecuador mit bewährten Partnerorganisationen Projekte zur Stärkung indigener Volksgruppen und zum Schutz ihres Lebensraums, von der Aufforstung des Regenwaldes bis hin zur Schaffung neuer alternativer Einnahmequellen.

Wissen verbinden

„Bei Projekten wie im ländlichen Andenhochland rund um Cebadas geht es neben dem Naturschutz immer auch um die Schaffung nachhaltiger Produktionssysteme, die der lokalen Bevölkerung zukunftsfitte Einnahmequellen bieten“, sagt Martin Schachner. Er ist studierter Agraringenieur mit jahrzehntelanger Ecuadorerfahrung und begleitet seit einigen Jahren vor Ort die Projekte. Dabei arbeitet Jugend Eine Welt eng mit dem FEPP (Fondo Ecuatoriano Populorum Progressio) zusammen, der erfolgreich seit mehr als 50 Jahren mit Indigenen und Campesinos ländliche Entwicklungsprogramme unterstützt. Gemeinsames Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung in den ländlichen Gebieten der Anden und des Amazonas-Tieflandes, speziell durch Förderung agrarökologischer Praktiken und Agroforst-Systemen (= nachhaltige Landnutzungsformen, die etwa Bäume oder Sträucher auf derselben Fläche mit Ackerbau oder Tierhaltung kombinieren).

Beispielhaft

„Dieses Projekt zeigt beispielhaft, wie sich Umweltschutz, die Anpassung an den Klimawandel sowie soziale und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbinden lassen. Durch die Kombination von lokalem Wissen, agrarökologischen Methoden und dem Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten entstehen langfristig widerstandsfähigere Gemeinden und nachhaltige Lebensgrundlagen“, so der Jugend-Eine-Welt-Chef. Es trage „zu einer sicheren, verlässlichen und gesunden Ernährung bei und erschließt den Menschen neue Einkommensquellen. Das Projekt kann auch in anderen ländlichen Regionen mit ähnlichen Herausforderungen umgesetzt werden.“ Und natürlich verbindet der Geschäftsführer der Entwicklungsorganisation sein Statement mit der Bitte um Spenden für diese und andere Projekte samt Hinweis, dass Spenden steuerlich absetzbar sind.

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