Bilderbuch über einen Mann auf einer einsamen Insel, der nicht einmal einen Namen hat und kurzfristig zur medialen Sensation wird.
Hätte ihm die Illustratorin Lucia Carlini nicht eine gelbe, sondern eine rote Kapuzenjacke gemalt, könnte der titelgebende Typ auf dem Buchcover als klassischer Klischee-Weihnachtsmann durchgehen. Langer weißer Bart, freundlich lächelnde Äuglein, umgeben von einer hellen weißen Wolke bzw. Nebel.
Aber es sollte eben kein festlicher, gabenbringender Mensch werden, sondern das Bild, die Bilder zu dem gefühlvoll, nachdenklichen, streckenweise auch traurigen Text „Der Mann, der keinen Namen hatte“ von Davide Calì (Übersetzung aus dem Italienischen: Celine Eßlinger). Diese Titelfigur setzen er in Text und sie in Bildern auf eine einsame Insel. Mit sich und der Umwelt zufrieden und im Einklang lebend, gibt er Tieren, aber auch Bergen, Bäumen, ja sogar Steintürmen und -haufen Namen. Er selbst braucht hat, wie der Titel des Bilderbuchs ja schon vorweg besagt, keinen. Braucht er auch nicht. Es redet ja niemand mit ihm. Auch wenn er sich mit seiner Umwelt – belebt oder nicht – schon offensichtlich unterhält.
Und dann tauchen eines Tages doch Menschen auf der Insel auf, bringen ihn in einem kleinen Boot zu einem sehr großen Schiff und mit diesem in eine riesige Stadt. Schon auf dem schwimmenden Ungetüm, das an die Mega-Kreuzfahrtschiffe erinnert, geben sie ihm einen Namen. Sei hier nicht verraten, tut auch in der Folge wenig zur Sache.
Er wird zur Sensation, vor Kameras, in TV-Studios gezerrt, soll für einen Werbespot für Müslis posieren. „Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Müsli gesehen“, schreibt der Autor. Lässt seinen Protagonisten sich über alles wundern, nur seltsamerweise nicht über Geld, was auf seiner einsamen Insel wohl weniger Rolle spielen würde als Müsli ;(
Der mediale Rummel, die Aufmerksamkeit ist auch schnell wieder dahin, als eine neue Sensation auftaucht – und… nein, wie’s weiter- oder gar ausgeht, wird hier nicht verraten.
Nur so viel noch: Auch wenn die Story natürlich ein wenig am Bart herangezogen scheint – so wirkt die Kleidung des Mannes, zumindest auf der Titelseite, eher gekauft und nicht selbst handgefertigt, so vermittelt sie neben der Einsamkeit eher die Verbundenheit eines Menschen mit der Umwelt im Einklang zu leben und mit sich im Reinen zu sein. Allerdings scheint ihm jene mindestens genauso wichtige Komponente des Menschen, ein soziales Wesen zu sein, so gar nicht abzugehen.
Text: Davide Calì
Übersetzung aus dem Italienischen: Celine Eßlinger
Illustration: Lucia Carlini
Der Mann, der keinen Namen hatte
32 Seiten
Ab 3 Jahren
Carl-Auer Verlag, Kids
20,60 €
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