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BMX-Radler auf der Berg- und Tal-Bahn
BMX-Radler auf der Berg- und Tal-Bahn
25.06.2026

„Herzens-„Wünsche: BMX- und Scooter-Parcours, Jugendliche Chill-Zonen und eine Jugendkonferenz

Besuch in einer der – von Unicef zertifizierten – kinderfreundlichen Gemeinden – in Seitenstetten (Niederösterreich, Bezirk Amstetten).

Die niederösterreichische Gemeinde Seitenstetten (Bezirk Amstetten) zählt zu jenen, die von der Österreich-Abteilung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) als eine von rund 220 Gemeinden Österreichs als „kinderfreundlich“ zertifiziert wurde (2023). So ein „Zeugnis“ gilt immer nur für drei Jahre und dann müssen sich die Orte bzw. Städte jeweils neu darum bemühen – mehr dazu in der Info-Box am Ende.

Zu einem der Highlights, das zur Auszeichnung geführt hatte, nehmen drei Jugendliche der Mittelschule, in der Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… eine der monatlichen Vollversammlungen besucht hat – dazu eigene Berichte – sozusagen mit. Vielmehr düsen Paul Siegel, Anton Gelbnegger und Paul Großalber auf ihren fahrbaren Untersätzen zur Pumptrackstrecke; KiJuKu nimmt den Fußweg.

Pumptrack-Strecke

Der kurvenreiche Auf- und Ab-parcours für BMX-Radler:innen war ein großes Anliegen Jugendlicher des rund 3500 Einwohner:innen-Ortes. Leisten konnte sich die Marktgemeinde die Pumptrackstrecke, weil sie mit ihrem Plan einen Wettbewerb gewonnen hatte. Das Trio fetzt heran, saust auf und ab, warnt hin und wieder den Journalisten sowie den für Kinder und Jugend zuständigen Gemeinderat und eine Lehrerin, auch am Rand der Strecke aus dm Weg zu gehen, denn jetzt… – kommt der eine oder andere Sprung – auch auf die daneben angrenzende Wiese.

Das ist noch nicht alles. Vor dem Parcours reißen manchmal der eine, dann der andere und irgendwann auch all drei ihre Vorderräder hoch und balancieren nur auf den Hinterrädern. Dann wiederum legen sich zwei zwischen zwei der Ramps vor der hügeligen Strecke und der dritte springt mit dem Rad über sie.

„Wir fahren alle schon viele Jahre, sogar Motocross seit fünf, sechs Jahren“, verraten die drei Biker dem über die Kunststücke staunenden Beobachter.

Jugendliche bauten Chill-Zonen

Von der rasanten Rad-Strecke führt der für die Kinder- und Jugend-Agenden (und damit auch die Zertifizierung zuständige Gemeinderat Hubert Henickl KiJuKU zunächst zu zwei nahegelegenen Chill-Zonen mit zum einen gewellten hölzernen Sitz- bzw. Liegebänken und zum anderen herkömmlichen Holz-Tischen und -bänken. „Das haben Jugendliche von der Landjugend jeweils in ihren 42-Stunden-Marathons gebaut. Wir als Gemeinde haben die Flächen zur Verfügung gestellt.

Außerdem haben wir dafür auch ihre Räume, die sie von uns haben, so umgestaltet, wie sie das wollten.

Gegenüber jener Ruhezone mit den gewellten Bänken stand übrigens auch ein Kinder-Maibaum. Der blieb allerdings nicht verschont von der ländlichen Tradition, dass oft Menschen aus anderen Gemeinden den jeweiligen Maibaum stehlen. „Aber irgendwer hat ihn dann zurückgestohlen“, erzählt der „Tour-Guide“ für den Reporter.

Herzen, Birnen und Jugendkonferenz

Zwischen Pumptrackstrecke und den von der Landjugend gebauten Chill-Zonen liegt ein Spielplatz, das Haus in dem die Landjugend ihren Treffpunkt hat und eine Art Garage für Arbeitsfahrzeuge, Material und Werkzeug der Gemeinde. Hier zeigt der gewählte Mandatar (von der Minderheitsfraktion SPÖ) dem neugierigen Journalisten große hölzerne Herzen – von Schülerinnen und Schülern aller sieben Gemeinden (Aschbach-Markt, Biberbach, Ertl, Seitenstetten, St. Peter in der Au, Weistrach und Wolfsbach mit knapp mehr als 20.000 Einwohner:innen) gestaltet. Diese Region nennt sich „Herz des Mostviertels“, weshalb es die Idee zu den bemalten großen hölzernen Herzen gab, die nach und nach gut sichtbar aufgestellt werden sollen.

Großgruppenbild bei der Jugendkonferenz
Gemeinsames Großgruppenfoto bei der Jugendkonferenz mit einigen politisch Verantwortlichen der Region und ihrer Gemeinden

Herzens-Zukunftsprojekt

Die schon genannte (Klein-)Region möchte als gesamtes kindefreundlich(er) werden. Und dazu fand gegen Ende des Vorjahres eine eigene Jugendkonferenz mit jungen Teilnehmer:innen (3. und 4. Klassen der weiterführenden Schulen, also 7. und 8. Schulstufe) aus allen sieben oben genannten Gemeinden statt. Die zusammengekommen knapp mehr als vier Dutzend Jugendlichen teilten sich in Arbeitsgruppen auf, die den Ausschüssen in den gewählten Gemeindevertretungen entsprachen. So brachten die Jugendlichen Ideen zu Sport, Gesundheit, Mobilität, Zukunft, Umwelt und Klimaschutz usw. ein. Unter anderem gab es Vorschläge für bessere Busfahrpläne, versperrbare Rad-Boxen an Bahnhöfen und mehr digitale Grundbildungs-Schulstunden. KiJuKU traf zwei Teilnehmer:innen aus dem Gymnasium im Stift Seitenstetten – dazu ein eigener Beitrag, unten am Ende verlinkt.

Ärztliches Haus für alle Generationen

Stolz ist der besagte Gemeinderat, dass es auch – trotz mancher Skepsis – gelungen ist, ein leerstehendes Eckhaus gegenüber dem Stift Seitenstetten, das das Gymnasium beherbergt, von der Marktgemeinde anzukaufen und zu einem „Arzthaus“ herzurichten. Wobei es mehr als ärztliche Versorgung – mittlerweile drei praktische Kassen-Ärzt:innen (zwei pro Tag) für die Region – für alle Generationen bietet. Untergebracht ist hier auch eine Tagesbetreuung für Senior:innen sowie „Erdenlicht“, eine Einrichtung, die sich um Hebammen gruppiert, aber für alle Altersstufen auch Physio- und Ergotherapie, Diätologie, Yoga und noch etliches mehr als Gemeinschaftspraxis anbietet. Und vor allem jede Menge unterschiedlicher Geburtsvor- und -nachbereitungen, von individuellen Einzelstunden über Akupunktur bis danach zur Babymassage. Fehlen darf natürlich nicht die Beratung in Sache idealer Ernährung sowie Gesundheitspsychologie und Mentaltraining.

Das ist keine Neuerfindung, aber nun in diesem Haus ist endlich für viele der Angebote von „Erdenlicht“ unter dem Motto „Ein Ort für dich und deine Familie – vom Beginn des Lebens bis ins hohe Alter“ mehr und entsprechend Platz. Heute arbeiten rund 20 Fachpersonen aus unterschiedlichen Gesundheits- und Beratungsberufen interdisziplinär zusammen. Das gemeinsame Ziel ist es, Menschen in allen Lebensphasen kompetent, wertschätzend und individuell zu begleiten. Dazu zählen Hebammenarbeit, Physiotherapie, Ergotherapie, Diätologie, Psychotherapie, Yoga, Mentaltraining sowie weitere gesundheitsfördernde und beratende Angebote.

Stöpserltreffen

Speziell als wichtiger Beitrag zur kinderfreundlichen Gemeinde zu sehen ist das „Stöpserl-Treffen“ – das schon seit April 2007 im Bildungszentrum St. Benedikt – angeboten wird. Eltern mit ihren Kindern können sich in niederschwelligem Rahmen austauschen und bekommen vielfältigste nötige Informationen. Sie können eben ihre Kinder dabeihaben, müssen sich nicht Babysitter organisieren. Und das zu sehr familienfreundlichen Preisen“, so Bettina Schatzeder, eine der Gründerinnen und Leiterinnen sowohl des „Stöpserltreffens“ als auch der oben beschriebenen Einrichtung „Erdenlicht“ zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Das Stöpserltreffen fördert nicht nur den Wissensaustausch, sondern auch die Vernetzung von Familien und stärkt damit das soziale Miteinander in der Region.“

Schachtelstadt

Im Ferienprogramm lädt Seitenstetten Kinder auch ein, aus Kartons ihre eigene kleine Schachtelstadt zu bauen – zwischen Platz vor dem Bauhof und Spielplatz. Und am Ende ihr gebautes, meist natürlich bunt bemaltes mindestens kindergroßes Haus mit nach Hause zu nehmen.

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Mehr Informationen

Interview mit zwei Teilnehmer:innen der Jugendkonferenz

Bericht über die Vollvesammlung der Mittelschule Seitenstetten-Biberbach (Mai 2026)

Interview mit der Schulsprecherin und ihrer Kollegin

Weitere Fotos aus der kinderfreundlichen Gemeinde Seitnstetten (NÖ)

Mittelschule Seitenstetten-Biberbach

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

„Kinderfreundliche Gemeinden“

… sind Teil der UNICEF Initiative „Child Friendly Cities“ – in mehr als 40 Ländern der Welt.

  • UNICEF Österreich setzt die Initiative seit 2014 gemeinsam mit der „Familie & Beruf Management GmbH“ – siehe Link unten – um.
  • Beim Programm „Kinderfreundliche Gemeinde“ muss in der jeweiligen Gemeinde gemeinsam mit Kindern und/oder Jugendlichen die Lage für die jungen Menschen in diesem Ort untersucht werden. Auf dieser Basis müssen mindestens drei Maßnahmen namhaft gemacht werden, die es – in den folgenden drei Jahren – umzusetzen gilt.

Diese Maßnahmen müssen unter die sieben UNICEF-Themenbereiche fallen – Auflistung im Folgenden:
+ Kinderfreundliche Verwaltung/Politik
+ Partizipation
+ Gesundheit
+ Freizeit
+ Familien- und schulergänzende Betreuung
+ Sicherheit (Kinder- und Jugendschutz, Verkehr, Spielanalagen etc.)
+ Bildung

Um ein Zusatzzertifikat zu bekommen, muss ein Workshop mit Kindern- und Jugendlichen durchgeführt werden.
Aktuell sind rund 220 Gemeinden in ganz Österreich mit dem UNICEF-Zusatzzertifikat ausgezeichnet.

Unicef – > kinderfreundliche Gemeinde