Fußball als „Türöffner“ für zwei umfassende Bildungs- und Sozialprojekte in Mexiko – mit Unterstützung aus Österreich.
Jetzt geht’s los mit der längsten und größten Fußball-WM der Männer. Neben weltbekannten Stars – rücken auch die einen oder anderen jungen Talente in den Blickpunkt der (medialen) Öffentlichkeit. Manche starten so Karrieren unter Umständen mit Traumgagen.
Fußball kann aber mehr als nur ganz wenigen Stars Hoffnung geben. Anlässlich der beginnenden Weltmeisterschaft in den drei Ländern Kanada, USA und Mexiko erinnert die Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt an von ihr unterstützte Projekte in Ciudad Acuña und Mexiko City.
Diese beiden Projekte verknüpfen Fußball mit allen möglichen anderen Aktivitäten und bieten benachteiligten Kindern einen sicheren Ort, an dem sie spielen, trainieren, lernen und Gemeinschaft erleben können. Fußball dient als „Türöffner“ für Sozialarbeit, Bildung und Prävention und wird so für benachteiligte Straßen- und andere benachteiligte Kinder sowie junge Migrant:innen zu einem „Werkzeug“ gegen Gewalt, Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit.
Ciudad Acuña liegt direkt am Rio Grande, an der Grenze zu den USA. Die Stadt ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und wurde für viele Migrant:innen aus Mittel- und Südamerika zu einem Ort des Wartens und Strandens. Viele Familien leben in provisorischen Unterkünften, häufig ohne ausreichende Infrastruktur. Aufgrund der durch die Trump-Regierung praktisch unmöglich gewordenen Einreisemöglichkeiten in die USA ist die Situation noch trostloser geworden. Vor allem für Kinder und Jugendliche bedeutet das vermehrt: wenig Schutz, wenig Förderung, viel Zeit auf der Straße. Dort sind Gewalt, Jugendbanden, Drogenhandel und organisierte Kriminalität allgegenwärtig.
„In so gut wie allen von uns weltweit geförderten Don Bosco-Projekten gibt es einen Fußballplatz und die Möglichkeit, Fußball zu spielen. Straßenkinder, die sonst niemanden mehr haben, finden beim Fußball Spaß, Freunde und lernen Vertrauen zu fassen“, erklärt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt. „Der Fußball ist somit ein gewisser Eisbrecher. In einem weiteren Schritt erhalten die Kinder und Jugendlichen dann Angebote, zur Schule zu gehen oder eine Berufsausbildung zu machen. Das funktioniert und kann buchstäblich Leben retten.“
In Chimalhuacan, einer Vorstadt der Millionenmetropole Mexiko City, dient der Fußball benachteiligten Kindern ebenfalls als Chance für ein besseres Leben. Chimalhuacan entstand auf einem ehemaligen See, der in den 1950er Jahren mit Müll zugeschüttet wurde. Von 1996 bis 1998 bauten zwei Österreicher:innen – Pfarrer Martin Römer und Leopoldine Ganser – mit zahlreichen Spenden der privaten und öffentlichen Hand im Armenviertel das Projekt „Lehrwerkstätten, Jugend- und Sozialzentrum Chimalhuacan“ auf. Mit Fußball wird den Kindern und Jugendlichen dort eine sinnvolle und lehrreiche Freizeitgestaltung ermöglicht.
Schon 1997 wurde mit einer eigenen Fußball-Liga für die Kinder und Jugendlichen zwischen vier und 15 Jahren begonnen. Der Fußballplatz selbst wurde mit viel Eigeninitiative errichtet. „Das Grundstück für den Platz, im Besitz der Stadtgemeinde von Chimalhuacán, wurde mittlerweile für 99 Jahre kostenlos zur Pacht an die Salesianer Don Boscos übergeben. Somit ist eine gezielte und nachhaltige Kinder- und Jugendarbeit rund um den Fußballplatz möglich“, erzählt Leopoldine Ganser. Der Sportplatz wird von der pensionierten Oberösterreicherin und ihren Mitarbeiterinnen betreut und Instand gehalten.
Insgesamt trainieren 300 Buben und Mädchen in 20 Teams mehrmals wöchentlich auf dem Fußballplatz. Indirekt profitieren auch die Familien in den Armenvierteln von dem Projekt, denn deren Kinder gehen einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nach. „Für die Eltern ist es eine Wohltat und eine große Beruhigung, wenn sie wissen, dass ihr Kind seine Freizeit auf dem Fußballplatz oder bei der Nachhilfe im Jugendzentrum und nicht auf der Straße verbringt“, schildert Heiserer. „Eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung wie das Fußballspielen bringt die Kinder und Jugendlichen von der Straße weg, sie beugt Drogenkriminalität vor und lehrt die Kinder Rücksichtnahme, Verantwortungsbewusstsein, Teamgeist und andere wichtige Eigenschaften, die sie in ihrem Leben brauchen.“
Im Jugend- und Sozialzentrum gibt es weiters eine Bäckerei, eine Näherei und eine Tischlerei, ein Ärztezentrum, Lehrräume für ein offenes Schulsystem für Analphabeten und Schulabbrecher, eine Mehrzweckhalle sowie Sportplätze. Ein Schwerpunkt ist das weitreichende Angebot für Kinder und Jugendliche, damit sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten können. Das Programm umfasst sportliche und schulische, aber auch kulturelle Bereiche, wobei das Hauptaugenmerk dem Sport gilt.
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