Rote Karte gegen Ausbeutung von Kindern; weltweit müssen fast 140 Millionen Kinder arbeiten; davon deutlich mehr als die Hälfte unter 12 Jahren; am 12. Juni ist internationaler Tag gegen Kinderarbeit
Am 11. Juni wählt nicht nur der Stiftungsrat des ORF eine neue Chefin oder einen neuen Chef des öffentlich-rechtlichen größten österreichischen Medienhauses, es beginnt auch die größte Fußball-Weltmeisterschaft der Männer mit 48 teilnehmenden Nationen verteilt auf die drei Länder Mexiko, USA und Kanada. Dabei werden sicher so manche Rote Karten für schwere Fouls vergeben.
Einen Tag später, am 12. Juni, ist der internationale Tag gegen Kinderarbeit. Und diese verdient insgesamt eine riesige und viele, viele vielleicht kleinere Rote Karten. Dazu rufen verschiedene auch österreichische Initiativen unter dem Titel „Kinderarbeit stoppen“ auf – ein Bündnis aus Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Jugend Eine Welt, FAIRTRADE Österreich, Kindernothilfe Österreich und solidar Austria. Gemeinsam mit Partnerorganisationen im Globalen Süden setzt sich das Bündnis dafür ein, Kinder aus ausbeuterischer Arbeit zu befreien, ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen und die Rechte von Kindern zu stärken.
Denn immer noch müssen 138 Millionen Kinder auf der Welt arbeiten – mehr als die Hälfte übrigens unter 12 Jahren und mehr als ein Drittel in besonders gefährlichen Bereichen -, um sich und oft auch ihre Familien (mit-)ernähren zu können. Und das, obwohl die internationale Staatengemeinschaft sich vorgenommen hatte, Kinderarbeit bis 2025 (also dem Vorjahr) abzuschaffen.
Jetzt könnte es heißen, in Österreich ist das kein Thema, aber profitieren nicht viele von der Ausbeutung von Kindern im Globalen Süden – etwa durch den Kauf billiger Produkte. „Kinderarbeit findet vor allem dort statt, wo viele unserer alltäglichen Produkte ihren Ursprung haben. Also wo Rohstoffe abgebaut oder weiterverarbeitet werden“, weist eine der beteiligten Organisationen, Jugend Eine Welt, in einer Aussendung zum Aktionstag hin.
„Unser Wohlstand in Österreich darf nicht auf der Ausbeutung von Kindern im Globalen Süden beruhen. Aktionstage wie der ‚Internationale Tag gegen Kinderarbeit‘ sollen darauf hinweisen, dass Kinderarbeit – wie sie Anfang des 20. Jahrhundert auch in Österreich in Form der Schwabenkinder stattgefunden hat – in armen Ländern noch heute präsent ist. Daher bin ich auch der Überzeugung, dass Entwicklungszusammenarbeit bei uns in Österreich beginnt. Wir müssen unser Verhalten ändern: weniger ausbeuten, weniger zerstören, weniger wegnehmen“, meinte der Jugend-Eine-Welt-Geschäftsführer in einer Aussendung. Und er zitierte in der Folge den am Mittwoch verstorbenen Schweizer Soziologen, Autor und zeitweisen Politiker Jean Ziegler „Wir müssen den Menschen in Afrika nicht mehr spenden, es reicht, wenn wir ihnen weniger stehlen.“
Eine andere der Organisationen, die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar (bekannt durch Sternsinger:innen) fordert vor dem 12. Juni die Bundesregierung auf, der internationalen Allianz 8.7 (genannt nach dem entsprechenden Ziel der Nachhaltigkeitsziele) gegen Kinderarbeit beizutreten. In diesem internationalen Zusammenschluss arbeiten Staaten gemeinsam an konkreten Maßnahmen gegen Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel. Deutschland, die Niederlande und Frankreich sind sogenannte „Pathfinder Countries“ – Vorreiterländer.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene setzen selbst ein starkes Zeichen. Sie zeigen die Rote Karte gegen Kinderarbeit, machen ein Foto und teilen es in den sozialen Medien – unter dem Motto „Kinderarbeit ist ein Foul an den Rechten von Kindern!“
Für die Videoserie „Kinderstimmen gegen Kinderarbeit“ wurden rund 50 Kinder und Jugendliche aus Österreich, Kenia, Kolumbien, Nicaragua, Indien, den Philippinen und Südafrika gefragt, was sie von Kinderarbeit halten. Die Antworten: Stattdessen wollen sie einfach lernen, spielen, Freund:innen treffen und ihre Zukunft gestalten.
„Wenn ich eine Superkraft hätte, dann wäre es die Kraft der Verbindung, denn gemeinsam können wir sagen: Kinderarbeit stoppen“, sagt die 16-jährige Leyda Lisseth (Nicaragua). Lalita (Indien) fordert: „Sagt ‚Nein‘ zu Kinderarbeit. Jedes Kind hat das Recht, frei zu sein, zur Schule zu gehen und eine glückliche Kindheit zu genießen.“ Und Joseph (Kenia) bringt die Botschaft vieler Kinder auf den Punkt: „Lasst die Kinder Kinder sein!“
Zudem können Bürger*innen mit einer österreichweiten E-Mailaktion Bundeskanzler Christian Stocker, Sozialministerin Korinna Schumann und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger direkt zum Handeln auffordern und den Beitritt Österreichs zur Allianz 8.7 unterstützen.
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