„Licht ins Dunkel“-Dialogforum zu „Inklusive Bildung jetzt?! Lernwelten von morgen heute gestalten“.
Inklusive Bildung entscheidet mit darüber, wer dazugehört, wer gemeinsam lernen kann / darf und welche Chancen Menschen später im Leben haben. Denn Bildung ermöglicht es Menschen, ihre Fähigkeiten und Talente zu entfalten, und ist somit ein wichtiger Teil von Empowerment und Selbstbestimmung.
Sätze, denen in ihrer Allgemeinheit wohl kaum wer widersprechen würde. Was aber heißt das konkret in und für Österreichs Bildungslandschaft bzw. -politik. „Inklusive Bildung jetzt?! Lernwelten von morgen heute gestalten“, lautete das Motto des fünften Dialogforums von „Licht ins Dunkel“, das jahrzehntelang mit Inklusion selber wenig bis nichts zu tun hatte. Allerdings nach und nach Kritik von Organisationen und Aktivist:innen in diesen Fragen zunehmen aufgriff.
Rund sieben Dutzend Teilnehmer:innen am Forum kamen aus den Bereichen der Behindertencommunity, Selbstvertreter*innen, Pädagog:innen von der Elementarpädagogik bis zur Oberstufe, Expert:innen aus Forschung und Lehre, aus Politik und Verwaltung, von der Bildungsdirektion sowie nicht zuletzt auch Schüler:innen und Elternvertreter:innen disktuierten diese Woche (zweite Juniwoche 2026) im BG/BRG (Bundes(Real-)Gymnasium Kirchengasse in Graz. Themen waren, wie kann und muss inklusive Bildung gelingen, welche Hürden gibt es noch und müssen beseitigt oder überwunden werden, wird in einer Meldung für Medien von „Licht ins Dunkel“ berichtet.
Teilnehmer:innen wiesen darauf hin, dass inklusive Bildung und Förderung so früh wie möglich beginnen müsse. Wichtig seien aber auch inklusive außerschulische Angebote, um den Weg in Richtung einer inklusiven Gesellschaft weiterzugehen. Damit junge Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt lernen können, müssen sie zunächst einmal als Individuen mit ihren jeweiligen Stärken ebenso akzeptiert werden wie mit dem, was sie speziell brauchen. Gerade bei jungen Kindern dürfen die Eltern aber nicht außer Acht gelassen werden. Es fehlt etwa eine zentrale Anlaufstelle, an die sich Eltern eines Kindes mit einer Behinderung wenden können.
Eine Haltung, die alle Menschen willkommen heißt, ist eine Grundvoraussetzung für gelingende Inklusion. Aber es braucht auch die Bereitschaft, die „Extrameile“ zu gehen, denn Inklusion kostet mehr Anstrengung. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden: Inklusion ist ein Bildungsauftrag für alle, denn alle Kinder profitieren von einer inklusiven Haltung – und letztlich damit auch die Gesellschaft. Ein teilnehmender Schüler betonte, dass neben der Haltung auch die Räumlichkeiten wichtig sind. So bräuchte es Rückzugsorte für Menschen im Autismus-Spektrum wie ihn, aber auch Orte zum Austoben für andere Kinder. Mit Sorge blickten die Teilnehmenden auf die Ressourcenknappheit und den teilweise fehlenden politischen Willen, die notwendigen Rahmenbedingungen für Inklusion zu schaffen.
Die größte Hürde auf dem Weg zur inklusiven Bildung ist das „Mindset“ des Bildungssystems, das davon ausgeht, dass es Durchschnittsmenschen gibt. Dabei zeigt die Realität vielmehr, dass Kinder die Welt sehr unterschiedlich wahrnehmen und auch nicht alle mit den gleichen Rahmenbedingungen gut lernen können. Eine wichtige Rolle kommt hierbei den Pädagog:innen zu. Aber auch Schulassistent:innen sind wichtige Bezugspersonen und sollten entsprechend geschult sein. Eine weitere Barriere in den Köpfen ist die teilweise bestehende Angst vor Technologie. Dabei kann diese Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, etwa mit einer Sehbehinderung, hervorragend unterstützen.
Sonderschulen in ihrer jetzigen Form müssen auslaufen, inklusive Bildung ist angesagt, bei der alle gemeinsam mit- und voneinander lernen. Das Wissen darüber, wie Inklusion funktionieren kann, ist bereits vorhanden, es hapert jedoch an den Rahmenbedingungen – das verlangten die Teilnehmer:innen des Dialogforums. „Man kann es sich nicht leisten, auf die Talente von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen zu verzichten.“
Ein weiterer Punkt: Inklusion muss fixer Bestandteil der Ausbildung von Pädagog:innen werden, um zur Selbstverständlichkeit zu werden. Zudem braucht es mehr Lehrende mit Behinderung, die den Kindern als Vorbilder (Role Models) dienen (können). Auch das Mindset muss sich ändern: Inklusion sollte vom Wert her mit Demokratie gleichgesetzt werden. Denn beides funktioniert nur, wenn alle die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen.
Mit den Dialogforen will „Licht ins Dunkel“ – das in den Anfangsjahren wegen seiner Nicht-Inklusion oft auch als „Nicht ins Dunkel“ kritisiert wurde – einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung. Die Dialogforen selbst sind Beispiele gelebter Inklusion, finden an einem baulich barrierefreien Ort statt, es gibt Dolmetschung in Österreichischer Gebärdensprache, Live-Schrift-Dolmetschung, eine grafische Zusammenfassung in einfacher Sprache und einen Ruheraum. Vor allem aber werden Menschen mit Behinderungen aktiv eingebunden.
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