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Interview von KiJuKU-heinz mit Renate Welsh

Was der Mutmacherin Kraft gibt

Renate Welsh-Rabady hat bisher rund 90 Büchern für junge und erwachsene Leser:innen geschrieben, viele davon wurden mit preisen ausgezeichnet. Außerdem initiiert und leitet sie zahllose Schreib-Werkstätten mit Menschen aller Altersgruppen, oft an den Rand der Gesellschaft gedrängten wie beispielsweise Obdachlosen und nicht zuletzt ist sie Präsidentin der IG (Interessengemeinschaft) Autorinnen Autoren. Sie lud KiJuKU.at zum ausführlichen Gespräch in ihre Wohnung in Wien-Neubau.

KiJuKU: Zuallererst einmal, danke und Gratulation – für all deine Bücher, aber nicht zuletzt die jüngsten Bücher wie unter anderem „Ich ohne Worte“, die vielen Schreib-Werkstätten, den Film und die darin dir gegenüber selber auch schonungslose Offenheit; den Mut und die Kraft, aus dieser Sprachlosigkeit nach dem Schlaganfall dich zurückzukämpfen. Schwächen in Stärke zu verwandeln, die auch anderen Menschen Mut machen kann und wird.
Dennoch die sich aufdrängende Frage, woher nimmst du diese Kraft, was ist dein „Zaubermittel“? Ist es nicht mitunter frustrierend, wenn du – wie auch andere Autor:innen seit Jahrzehnten durch ihre Geschichten für (mehr) Mit- statt Gegeneinander, gegen Ausgrenzung, Diskriminierung, für eine bessere Welt schreiben – und dann schaut sie so aus wie eben jetzt?

Wählen vielleicht sogar nicht wenige, die die „Vamperl“-Bücher gelesen haben über den kleinen Vampir, der den Menschen ihre Giftigkeit raussaugt, Parteien, die Gift und Hass verbreiten?
Renate Welsh: Es sind nicht die großen Dinge, es sind die einzelnen Menschen, die diese Energie geben. Wenn ich merke, dass jemand aus meinen Büchern Kraft holt – und ich kriege immer wieder Briefe von heute Erwachsenen, aber auch von Kindern, die mir schreiben, dass das eine oder andere meiner Bücher ihnen Mut gemacht hat oder noch immer macht.
Vor 30 Jahren hat mir ein Bub aus Athen geschrieben: „Keiner versteht, dass ich traurig bin, dass meine Katze gestorben ist. Ich glaub, Sie können mich verstehen.“ Ich hab ihm zurückgeschrieben und seither schreiben wir einander immer wieder.

Das ist für mich die Bestätigung, dass das Zuhören, das aufmerksame Lesen von Briefen, Nachrichten… an das ich unbedingt glaube, funktioniert. Nicht, dass ich glaub, dass es so wichtig ist, was ich sage oder schreibe, dass dies eine Art Knöpferl bewegt und alles ist gut. Aber, solche Reaktionen zeigen mir, dass die eine oder der andere beim Lesen der Geschichten auf was Eigenes draufkommt.

Renate Welsh beim Gespräch mit KiJuKU in ihrer Wohnung
Renate Welsh beim Gespräch mit KiJuKU in ihrer Wohnung

Spaß am Selber-Denken fördern

KiJuKU: Wie der Bub, den du auch im Film zitierst, der dir geschrieben hat, dass er gar nicht gewusst hat, dass Nachdenken so viel Spaß machen kann. Und dass er nach dem Lesen eines deiner Bücher dieses jetzt öfter tun werde…
Renate Welsh: Genau, das war übrigens ein wunderbarer Brief in einer herrlichen Orthografie, dass ich drei Mal lesen musste, bis ich gewusst hab, was er meint 😉
Oder der Bub, der meine Geschichten mag, „weil in ihnen auch Platz für mich ist“. Das alles sind immer wieder Bestätigungen, die wir als Schriftstellerinnen und Schriftsteller so dringend brauchen, um nicht im echolosen Raum zu schreiben.

Wenn du nicht weißt, wo du das letzte Zipferl von Hoffnung heranziehst, du trotz alledem dranbleiben kannst, dann hilft die bloße Tatsache, dass dir immer wieder Menschen das Gefühl geben, dass sie froh sind, dass man einen Augenblick zweistimmig gedacht hat.
Oder dass die eine oder der andere durch einen deiner Text auf die Idee kommt, dass es vielleicht doch eine bessere Idee ist, selber zu denken. Das ist ein, nein DER Schritt in die richtige Richtung. Und ich glaub, nein bin fest davon überzeugt, dass die kleinen Schritte, die einzige Chance sind, die wir haben.

Die großen Entwürfe sind ja leider letztlich alle schief gelaufen, ob es das Heil im Osten, Modelle wie China waren, von denen viele meinten, sie würden die Welt retten – ich erinnere mich, wie wir mit roten Wangen „Arzt in China“ (J. S. Horn, 1972) gelesen haben -; letztlich haben die alle mit Denkverboten geendet.

Kreativität des „Blödsinns“

KiJuKU: Es gibt ja nicht „nur“ die Reaktionen auf deine Bücher bzw. die Lesereisen mit direktem Kontakt zu Leser:innen, sondern vor allem die dir sehr wichtigen Schreib-Werkstätten, wo es noch viel intensivere Begegnungen gibt, wo du Räume für Gedanken öffnest, bei Menschen, die sich solches vorher oft gar nicht zugetraut hätten.
Renate Welsh: Ich hab da dann immer wieder auch die eine oder andere Methode aus der Situation heraus entwickelt, was und wie gut passen könnte. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine dreiwöchige Werkstatt mit Jugendlichen vor viiiielen Jahren in Norddeutschland. Damals haben wir noch mit Tonband gearbeitet. Die Aufgabe, die ich ihnen gestellt hab: Sie sollten bei einer Geschichte die Stopp-Taste drücken, wenn sie an einem Punkt anders handeln könnten. Meistens haben sie dann davon erzählt, wie die anderen anders reagieren könnten. Das war ein schwieriger Lernprozess, zu sich selbst zu kommen. Aber es hat dann gut funktioniert, auch wenn ich mich zwischendurch mal anbrüllen lassen musste, Wir haben aber auch viele gelacht und Blödsinn gemacht. Ich glaube an die kreative Kraft des Blödsinns.

Interview von KiJuKU-heinz mit Renate Welsh
Interview von KiJuKU-heinz mit Renate Welsh

(Ur-)alte Textskizzen überarbeiten und „Aha“-Erlebnisse aus aller Welt

KiJuKU: Magst du unseren Leser: innen verraten, woran du aktuell schreibst und arbeitest?
Renate Welsh: Das Archiv der Zeitgenossen hat meinen Vorlass übernommen. Die haben nicht nur analoge Unterlagen, sondern auch alles Mögliche aus meinem Computer geholt. Sie wollen alte Texte oder Entwürfe, von denen ich von vielen gar nicht mehr gewusst habe – herausbringen. An deren Überarbeitung schreibe ich.

Außerdem an „Bruchstücken von Erinnerungen von diversen Lesereisen“, Impressionen von Begegnungen, zum Beispiel der fast unglaublichen Kommunikation mit der Mutter des Chauffeurs als ich in Teheran (Iran) war. Sie konnte weder Englisch noch Französisch noch Deutsch und ich außer „bitte“ und „danke“ nichts auf Farsi. Sie hat mir erzählt, dass sie drei Stunden vor Sonnenaufgang aufstehen muss, um für all ihre Familienmitglieder, die nicht mehr fromm sind, zu beten. Ich hab das alles verstanden, wie mir der Sohn später erklärt hat, aber nur, weil ich kein Wort verstanden habe. Wenn du wenige Wörter kannst, bleibst du bei dem einen oder anderen hängen. Wenn du gar nix verstehst, schaust du auf die Körpersprache, die Mimik.
Solche Aha-Erlebnisse aus verschiedenen Teilen der Welt will ich in diesen Impressionen aufschreiben.

KiJuKU: Hast du dir das alles aufgeschrieben?
Renate Welsh: Manches schon, vieles andere hab ich brühwarm Shiraz (Ehemann) erzählt, wenn ich nach Hause gekommen bin. Viele davon auch gut 1000 Mal und so erzählt er sie mir, dass ich sie aufschreiben kann.

KiJuKU: Jetzt läuft der Film „Renate“ über dich im Kino, wie war das, dich so groß auf der Leinwand zu sehen?
Renate Welsh: ich finde den Film sehr gelungen, der Martin (Nguyen, Filmemacher) hat mich da über Jahre hindurch sehr sanft begleitet, so dass oft die Kamera „verschwunden“ ist. Aber so groß, das ist nicht einfach, auch auf der Straße dem Plakat mit der Filmankündigung zu begegnen – da reißt’s mich jedes Mal.

Verfilmungen, Theaterstücke

KiJuKU: Du hast mir im Herbst geschrieben, dass auch „Vamperl“ verfilmt werden soll, wird es das – als Spiel- oder Zeichentrickfilm?
Renate Welsh: Ja, jetzt kann’s ich offiziell sagen, Verträge sind unterschrieben. Es wird ein Spielfilm. Beim Drehbuch will ich nix dreinreden, davon versteh ich nix. Aber die Dialoge will ich schon beeinflussen, Dialoge schreiben kann ich.

Außerdem wird ein altes Buch von mir „Alle Kinder nach Kinderstadt“ (Jugend & Volk, 1974) in Vorarlberg für die Bühne dramatisiert. Kinder kommen in die Kinderstadt, die Alten in die Seniorenstadt, alle Gruppen werden getrennt. Aber ein kleines Mädchen hat enge Verbindungen zu ihrem Großvater – die beiden beginnen zu buddeln und einen Tunnel zu graben, um diese Spaltungen zu überwinden.

Dann soll „Johanna“ (erstveröffentlicht 1984, zuletzt neu 2021 im Czernin Verlag) verfilmt werden und das „Theater Spielraum“ (Wien, Kaiserstraße) bringt „Die alte Johanna“ (ebenfalls 2021, Czernin Verlag) auf die Bühne (April, Mai 2026).

Interview von KiJuKU-heinz mit Renate Welsh
Interview von KiJuKU-heinz mit Renate Welsh

Angst nehmen

KiJuKU: Anknüpfend oder besser gesagt / geschrieben den Bogen zu unserem letzten Interview kurz vor deinem 80er im Jahr 2017: Damals war dein Wunsch ein „Spiegel, in dem sich groß und allmächtig gebende Männer, die oft nur von Speichelleckern und Kriechern umgeben sind und keine Kritik an sich heranlassen, sehen wie sie im Grunde genommen wirklich sind, oft lächerlich.“

Ein Spiegel, der sozusagen die Rolle des Kindes übernimmt, das in „Des Kaisers neue Kleider“ sagt: „Der Kaiser ist ja nackt!“ Reicht ein solcher Spiegel heute, sieben Jahre und zwei Monate später, noch?
Renate Welsh: Die Trumps, und es ist ja eben nicht nur er, es herrschen derzeit viele solcher Typen, sind furchtbar gefährlich, weil sie so von Angst zerfressen sind, irgendwann nicht (mehr) die Allmacht zu besitzen von der sie glauben, dass sie sie haben. Die meinen, die Rettung der Welt würde von ihren jämmerlichen Egos abhängen. Wenn man ihnen diese ihre Angst nehmen könnte, dann bräuchten die vielen, vielen anderen keine Angst mehr vor diesen angstdurchfressenen Gewaltmenschen haben.

Weniger vergleichen, mehr schätzen

KiJuKU: Sozusagen ein „Vamperl 2.0“?!
Renate Welsh: Ich glaube an die Klarheit und Ehrlichkeit. Im Grunde braucht es einen ehrlichen, konstruktiven Egoismus, einen der sich nichts vormacht. Der wäre eine bessere Form des Umgangs miteinander. Es kann mir nur gut gehen, wenn die Kluft zwischen mir und den anderen nicht größer ist als die Natur sie verlangt. Es gibt schon genug Ungerechtigkeiten in der Natur durch unterschiedliche Voraussetzungen und Lebensbedingungen. Menschen sollten diese Ungerechtigkeiten nicht noch vergrößern.

Dann muss der Mensch nicht so schrecklich Angst vor den Nachbarn haben. Nur, wenn’s den anderen gut geht, kann’s mir auch gut gehen.

Ein Grundübel sind die ständigen Vergleiche. Warum kann ich nicht einfach etwas schön, gut, wert… finden, sondern nur, wenn es größer, besser und so weiter sein soll?!
Wir müssten lernen, uns an der Vielfalt der Welt zu freuen, statt immer alles zu benoten, zu be- und abwerten.
Ich bin ja überzeugt, dass der Mensch im Grunde gut ist, oder zumindest gut sein möchte.

KiJuKU: Viiiiielen, herzlichen Dank, liebe Renate – auf noch viele Bücher, Schreibwerkstätten und Gespräche!

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titelseite des Buches
Titelseite des Buches „Ich fall mir selbst ins Wort“ von Renate Welsh, ca. 150 Seiten, Czernin Verlag, stark im Dialog mit sich selbst be- und überarbeitete Neufassung des Romans „Dieda“ aus 2002
Schreibwerkstatt von Renate Welsh-Rabady in der Integrativen Lern-Werkstatt Brigittenau

Zuhören, miteinander reden und schreiben

Wie viele Bücher sie genau geschrieben hat, weiß sie nicht. „Ich glaube so um die 80“ und diese Antwort ist nicht kokett. Und obwohl Schreiben seit Jahrzehnten ihr Beruf ist, strahlt jedes ihrer Bücher auch die Berufung aus, mitzuhelfen, Leserinnen und Leser mutiger, die Welt ein Stück besser zu machen.

Dieser Beitrag stammt übrigens aus dem Dezember 2017, ist also mehr als acht Jahre alt. Er ist noch im Kinder-KURIER erschienen, dem Vorläufer von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Ich durfte fast drei Jahrzehnte lang die auch von mir gegründeten Seiten für junge Menschen dieses großen Medienhaues betreiben und kurz vor dem 80er von Renate Welsh dieses Gespräch in ihrer Wohnung in Wien-Neubau führen. Schon vor dem Gespräch schenkte die Autorin, der nun ein berührendes, bewegendes, bewegtes filmisches Porträt gewidmet ist – dazu eigene Beiträge, unten verlinkt – über den Kinder-KURIER einer Wiener Schule einen Schreib-Workshop – aus dem diese Reportageteile und Fotos stammen.

Renate Welsh-Rabady bei ihrer Lesung, vor allem aber dem Gespräch mit den Kindern
Renate Welsh-Rabady bei einer ihrer Lesungen, vor allem aber dem Gespräch mit den Kindern, denen sie aufmerksam zuhört

Vier Säulen

Schreiben ist „nur“ eine von vier Säulen des Schaffens von Renate Welsh-Rabady.

Die tiefgreifende Begründung für ihr Engagement in Schreibwerkstätten formuliert sie selbst am Treffendsten in der Eröffnungsrede für einen internationalen Psychologie-Kongress, wo sie unter dem Titel „Der Phantasie ein Fenster öffnen“ u.a. sagte: „… war ich immer davon überzeugt, dass Sprachlosigkeit die gemeinsame Wurzel vieler Übel ist, die mir Angst machen… Wer sich selbst nicht achtet, kann anderen kaum auf Augenhöhe begegnen, er braucht jemanden, den er verachtet, aber ebenso dringend jemanden, dem er aus welchen Gründen auch immer Gefolgschaft leisten kann…“

Die Titelseiten der Vamperl-Bücher
Fünf Buchcover der „Vamperl“-Reihe von Renate Welsh, illustriert von Heribert Schulmeyer

Neugier

Und bei der Begegnung mit Kindern erfreut sich Renate Welsh-Rabady vor allem an deren Neugier, der Lust zu fragen und in den Werkstätten deren Fantasie – wenn sie noch nicht zerstört wurde. Denn hin und wieder muss sie erleben, „dass Kinder mich mit sooo großen Augen anschauen und ganz ungläubig feststellen: Das interessiert sie ja wirklich, was wir denken!“

Partei ergreifen, aber nie plakativ

Partei ergreifen für Außenseiter:innen, Ausgegrenzten Mut machen, Vorurteile zumindest in Frage stellen – Themen ihrer Bücher baut die Autorin in glaubhafte Geschichten samt dazugehöriger Charaktere ein, klar und virtuos geschrieben und nie vordergründig oder plakativ. Geschichten erzählen und schreiben zu können, hat ihr als sehr junges Mädchen in der Volksschule zunächst einmal sozusagen das (Über-)Leben ermöglicht. Sie sei ein kleines, aber neugieriges, aufgewecktes und schlaues Kind gewesen, aber eher so „ein aufg‘stellter Hühnerdreck“. In der Schule hätten ein paar deutlich größere und stärkere Buben sie immer wieder verdroschen. Bis, ja bis eines Tages der größte und stärkste von denen der kleinen Renate einen Deal angeboten hätte: Sie schreibe für ihn die Hausübungen und müsse ihm obendrein auf dem Heimweg Geschichten erzählen und die dann aufschreiben – und dafür würde er dafür sorgen, dass Renate von allen in Ruhe gelassen würde. Dieser Junge brüstete sich dann mit den geschriebenen Geschichten – „was ich schon ungerecht empfunden habe, aber dafür musste ich keine Angst mehr haben.“

In Geschichten „stolpern“

In ihre Geschichten „stolpere ich oft“, vertraut sie dem Journalisten an. Der „Renner“ unter ihren Kinderbüchern sind die vom „Vamperl“. Dieser kleine Vampir saugt Gift aus der Galle. In einem Verkehrsstau habe sie diese verärgerten, oft eben richtig giftigen Menschen erlebt und sich „gedacht, da müsste man was erfinden, das dieses Gift aus den Menschen saugt“. So kam’s zu diesem kleinen Vampir. Eine 2-Seiten-Fassung habe sie ihrem Vater, mit dem sie oft heftig darüber streiten konnte, ob eher die Gene oder mehr das Umfeld für unser Verhalten verantwortlich wäre, zu dessen 80. Geburtstag geschenkt. „Du bist mit deinen 40 Jahren noch ein genauso frecher Fratz wie als Kind“, quittierte der die Story. Aus der 2-Seiten-Version schreib die Autorin später ein Hörspiel fürs Radio und auf Anraten eines Redakteurs im Rundfunk ein ganzes Buch – und in der Folge Fortsetzungen. Mindestens die 42. Auflage ist mittlerweile vom „Vamperl“ erschienen.

Neben dem „Stolpern“ gibt es auch Bücher, die auf Anregungen von Kindern zurückgehen – „Drachenflügel“ oder „Schneckenhäuser“.

Einige der titelseiten von damals - 2017 - schon veröffentlichten Welsh-Bücher für Erwachsene
Einige der titelseiten von damals – 2017 – schon veröffentlichten Welsh-Bücher für Erwachsene

Alte Briefe statt Ring

Ihr erstes Buch, das sie für Erwachsene geschrieben hat (das aber erst später veröffentlicht wurde) ist „Lufthaus“. In das stolpert sie über die Frage ihres Vaters, ob sie als Geschenk lieber einen Ring oder eine Schachtel alter Briefe hätte. Na was wohl?

Die Briefe stammten von einem Vorfahren der Familie, von Maximilian Joseph Gritzner und der war bei den Aufständen von 1848 führend beteiligt. Briefe und Zettelchen waren der Anfang, intensive Recherchen erfolgten, „doch dann war er mir in seiner Selbsteinschätzung zu selbstgefällig und darum habe ich die von seinem Sohn entführte Frau, also seine Schwiegertochter Pauline zur Hauptfigur des Romans gemacht“. Die Lektorin des Verlags fragte die Autorin allerdings, ob sie sich nicht vorstellen könnte, über Constanze Mozart zu schreiben, wo sie sich doch so gut im 19. Jahrhundert auskenne. Die wäre doch eher fad, meinte Welsh. Wie wäre das mit Vorurteilen und ihrer Haltung, solche in Frage zu stellen, wollte die Lektorin wissen. Das war Anreiz genug für Welsh, sich in die Geschichte der Ehefrau des berühmten Komponisten zu vertiefen – „ihre Entwicklung vom jungen Ganserl zur gestandenen Frau hat mich dann doch interessiert“.

Geburtstagswunsch zum damals 80er

Was sie sich zu ihrem 80. GEburtstag wünsche (heuer wird sie am 22. Dezember 89), wollte damals KiKu (Kinder-KURIER) wissen.
Renates Antwort: Einen Spiegel, in dem sich groß und allmächtig gebende Männer, die oft nur von Speichelleckern und Kriechern umgeben sind und keine Kritik an sich heranlassen, sehen wie sie im Grunde genommen wirklich sind, oft lächerlich.“ Ein Spiegel, der sozusagen die Rolle des Kindes übernimmt, das in „Des Kaisers neue Kleider“ sagt: „Der Kaiser ist ja nackt!“

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https://www.schule.at/lernwelt/lesen-mit-edi/detail/das-vamperl

Erstveröffentlicht im Kinder-KURIER hier

Bericht über eine Lesung von Renate Welsh-Rabady damals im Kinder-KURIER

Das informative Büchlein über das Werk von Renate Welsh-Rabady
Das Cover von „libri liberorum“ Jahrgang 18, Sonderheft 2017, zeigt eine Illustration mit Renate Welsh.
Bildmontage aus einem Szenenbild aus dem "Tafiti"-Kinofilm und zwei Screenshots aus dem Online-Video-Interview

Schockverliebt in Erdmännchen

Julia Boehme hat – neben vielen anderen Büchern (insgesamt rund 200) vor mehr als einem Dutzend Jahren die „Tafiti“-Reihe erfunden und für den nun startenden Kino-Film – gemeinsam mit Nicholas Hause – das Drehbuch verfasst. Wie es zu den Erdmännchen-Abenteuern kam und wie sie arbeitet erzählt sie im (Online-Video-)Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – Buch- und Filmbesprechung sind schon erschienen und am Ende des Beitrages verlinkt.

KiJuKU: Ich hab gelesen, Sie haben schon als Kind gern Geschichten geschrieben, ab welchem Alter ungefähr?
Julia Boehme: Bevor ich noch schreiben konnte, hab ich mir Geschichten ausgedacht und erzählt. Bei Bildern in Märchenbüchern auch. Und war dann enttäuscht, wenn sie mir vorgelesen wurden und ganz anders waren. Manchmal war ich auch überrascht.

KiJuKU: Sind manche der Geschichten, die Sie damals erfunden haben, in das eine oder andere Ihrer rund 200 Bücher eingeflossen?
Julia Boehme: Ich glaube nicht. Was aber natürlich schon einfließt, sind Erinnerungen an Gefühle, die du als Kind hast: Wenn dir gesagt wird, dass du zu klein für etwas bist, dir nichts zugetraut wird. Oder Allein-Sein, Gerechtigkeit, Angst, keine Freunde zu haben…

Autorin Julia Boehme
Autorin Julia Boehme mit Büchern im Hintergrund (rechts) und einer großen „Tafiti“-Figur (links)

Lieblingstiere der Kinder

KiJuKU: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Erdmännchen zum Titelhelden einer Serie – oder war es anfangs gar nicht als Serie gedacht – zu machen?
Julia Boehme: Die Erdmännchen verdanke ich der Illustratorin Julia Ginsbach. Sie hat mir damals ein Mail mit lauter Erdmännchen geschickt, das waren die Lieblingstiere ihrer Tochter. Ich war sofort schockverliebt, weil sich da viele Möglichkeiten ergaben – sie könnten in einem Zoo irgendwo auf der Welt leben oder da, wo sie in freier Natur zu Hause sind.

Dafür ist übrigens das Pinselohrschwein das Lieblingstier meines Sohnes gewesen. Wir wohnen in Berlin in der Nähe des Zoos und er wollte immer zu diesen Tieren.

KiJuKU: War’s von Anfang an als Serie gedacht?
Julia Boehme: Zunächst bin ich von einem Buch ausgegangen, als der Verlag mehr wollte, hab ich zuerst gedacht, da ist ja schon alles erzählt. Aber dann hab ich mich vertieft, recherchiert, welche Tiere noch in der Savanne im südlichen Afrika leben und welche noch nicht vorgekommen waren. Und so kamen nimmer mehr Geschichten zustanden, in die ich Eigenheiten dieser Tiere , die mitunter lustig und spannend sind, einbauen konnte.

Das war auch irgendwie eine Reise zurück in meine Kindheit, in der ich im Fernsehen viele Tierdokus geschaut habe. Ich bin dann auch in die Region gereist, habe viele dieser Tiere auf einer Safari gesehen, nur leider bisher noch keine Erdmännchen. Die sind mir und auch der Illustratorin längst ans Herz gewachsen.

Der Verlag hat sich auch früh in das Projekt verliebt – neben der Buchserie gibt es Sonderbände, Malbücher, Spiele, eine Lieder-CD und sogar eine App (kostenpflichtig, Anmerkung der Redaktion).

KiJuKU, Heinz Wagner
Fragender Journalist Heinz Wagner, KiJuKU.at

Ganz neues Abenteuer, eigene Welt

KiJuKU: Nachdem sie ja lange auch fürs Kinderfernsehen gearbeitet haben, war die Umsetzung in einem Film wahrscheinlich nicht so schwierig, aber wie war die Auswahl welcher Abenteuer fürs Kino?
Julia Boehme: Die Idee für einen Film gab’s schon früh, 2016 – 2013 hat die Buchserie begonnen – gemeinsam mit Nicholas Hause. Und klar war, es muss ein eigenes Abenteuer, eine eigene Welt sein. Die Bücher spielen ja im Lebensraum der Erdmännchen, in der Savanne. Und weil die namibische Wüste gleich nebenan liegt, soll’s eben durch diese und ihre Tiere und diesen Lebensraum gehen. Ich liebe die Realität und so kommt die thermisch tanzende Eidechse vor und die Käfer, die Kopfstand machen, um Tautropfen zu trinken, das Meer das an die Wüste grenzt…

Das Drehbuchschreiben war dann eine tolle Abwechslung.

KiJuKU: Weil sie erwähnt haben, dass der Anstoß zu den Erdmännchen von der Illustratorin gekommen ist, wie ist Ihre Zusammenarbeit? Schreiben Sie erst das ganze Buch und dann bekommt Julia Ginsbach den Text oder erzählen Sie ihr schon vorher einzelne Szenen?
Julia Boehme: Ich schreibe zuerst den ganzen Text, wobei wir schon auch vor allem über die Grundgeschichte des jeweiligen Bandes sprechen; vor allem für das Cover, weil der Verlag das ja oft schon für Vorschauen braucht, bevor das Buch fertig ist.

KiJuKU: Wie arbeiten Sie? Haben Sie dann immer die ganze Geschichte schon im Kopf? Machen sich zwischendurch, wenn Ihnen was einfällt Notizen? Diktieren den Text oder tippen Sie ihn?
Julia Boehme: Beim Brainstormen skizziere ich oft mit Stift auf Papier, beim Spazierengehen tippe ich Ideen ins Handy, andere Überlegungen oder Träume notiere ich handschriftlich. Und den Text selber tippe ich in den Computer. Gehe aber 1000 Mal drüber, achte dabei auch auf den Rhythmus. Der Klang spielt für mich eine große Rolle. Drum lese ich gegen Ende den Text laut. Im letzten Durchgang lese ich ihn meinem Sohn, der mittlerweile erwachsen ist, vor. Er ist äußerst kritisch und sagt mir, wenn er etwas zu langweilig oder zu pädagogisch findet.

KiJuKU: Da Sie ja viel schreiben, unter anderem die zwei großen Serien, geht das parallel?
Julia Boehme: Und noch andere wie „Magic Lilly“ mit vielen Comic-Elementen. Und ich mach – seit dem Vorjahr – noch die Serie „Flip, der Einhornfisch“ mit einem sehr hohen Bildanteil. Ich arbeite aber nie parallel an zwei Projekten. Ich schreibe jeden Tag viel. Ich könnte mir auch gar nicht vorstellen, einen Tag nicht zu schreiben. Ich hab keine Büro-, sondern sozusagen Gleitzeit.

Szenenbild aus dem Kinofilm
Szenenbild aus dem Kinofilm „Tafiti – Ab durch die Wüste“

„Zauberkiste“

KiJuKU: Ich nehme an, Sie haben noch viele anderen Ideen, haben Sie da so etwas wie eine Schatztruhe, Sammelkiste oder Lade?
Julia Boehme: Ja, ich hab digital so eine „Zauberkiste“, gerade greif ich da nicht rein, weil ich relativ ausgebucht bin mit den bestehenden Reihen.

KiJuKU: zurück zum Anfang, Sie haben schon als Kind Geschichten ausgedacht und dann, sobald sie schreiben konnten, auch aufgeschrieben, war Ihnen bald auch klar, dass Sie Autorin werden wollen?
Julia Boehme: Als junges Kind war ich davon überzeugt, habe aber dazwischen den Glauben daran verloren. Wenn dir alle sagen, davon kannst du nicht leben, das schaffst du nicht… So hab ich dann gedacht, ich will wenigstens was Ähnliches machen, hab Literatur und Musikwissenschaften studiert, für Zeitungen und Radio, später fürs Fernsehen gearbeitet – in der Redaktion und als Producerin. Und dann gemerkt, ich glaub, ich kann das doch und seit gut 25 Jahren klappt das ganz gut.

KiJuKU: Vielen Dank
Julia Boehme: Ich danke auch.

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Zur Filmbesprechung geht’s hier unten

Zu einem Interview mit der Regisseurin des Tafiti-Kinofilm geht es hier unten

Weitere Tafiti-Buchbesprechungen

Szenenbild aus dem Kinofilm "Tafiti - Ab durch die Wüste"

Animationsfilm braucht viel Geduuuuuld

Wenngleich „Tafiti – Ab durch die Wüste“ im Kino erst am 4. September 2025 anläuft, kann Regisseurin Nina Wels im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – sie will keine Fotos aus dem Online-Video-Gespräch – schon auf Publikumsreaktionen zurückblicken. Weltpremiere hatte der Film – Besprechung sowie die einiger „Tafiti“-Bücher am Ende des Beitrages verlinkt – beim bekannten Festival in Zlín (Tschechische Republik) Anfang Juni. Knapp ein Monat später beim Filmfest München gab’s den CineKidl-Publikumspreis für die animierten Erdmännchen-Abenteuer. Film- und Buchbesprechungen sowie Interview mit Autorin Julia Boehme am Ende des Beitrages verlinkt.

KiJuKU: Laienhafte Frage des Journalisten: Wie funktioniert Regie bei einem Animationsfilm?
Nina Wels: Gar nicht so anders. Als Regisseurin lese ich das Drehbuch, mach mir Gedanken, wie kann ich das in bewegten Bildern auflösen, wie spielen die Charaktere – intro- oder extrovertiert… ähnlich wie bei Realverfilmungen.
Aber vom Ablauf aber dann schon anders: Erst wird grob gezeichnet, dann werden die Sprachaufnahmen gemacht, in dem Fall auf Englisch wie bei den meisten Animationsfilmen für den internationalen Markt. Dieser ist schon in 100 Länder verkauft – europa- und weltweit.

Dann zeichnen und bewegen die Animator:innen die Figuren, das Licht, die Welt drumherum, in dem Fall Wüste, Felsen…
Danach wird die Musik drübergelegt. Alles in allem hatte dieser Film eine Produktionszeit von drei Jahren.

Szenenbild aus dem Kinofilm
Szenenbild aus dem Kinofilm „Tafiti – Ab durch die Wüste“

Als Kind Stopp-Motion-Trickfilme

KiJuKU: Wie sind Sie zum (Animations-)Film gekommen? Haben Sie schon als Kind Trickfilme gedreht?Nina Wels: Bevor ich Regie führ(t)e hab ich selber animiert, unter anderem „Lissi und der wilde Kaiser“. Ich habe als Kind Animationsfilme geliebt, hab gern und gut gezeichnet, wollte dann Grafikdesign studieren, wurde nie angenommen und hab dann vom Diplomstudium Animation an der Film- und Fernseh-Hochschule Babelsberg (bei Berlin) erfahren, mich beworben und wurde genommen (1994). Gar nicht so einfach: Aus vielen, vielen Bewerberinnen und Bewerber werden pro Jahr nur ungefähr sieben bis acht Leute genommen.

Ja schon, als Kind habe ich auch erste Trickfilme gedreht – mit Freunden Sets gebaut und Stopp-Motions-Filme gemacht. Und in der Schule hatte ich den Kunstunterricht immer gerne. Aber da wusste ich noch gar nicht, dass man das studieren kann.

KiJuKU: In diesen 30 Jahren seit Sie mit Ihrem Studium begonnen haben, hat sich ja gerade auf diesem Sektor auch technisch sehr viel verändert.
Nina Wels: Klar, Tafiti wurde komplett im Computer 3D-animiert, angefangen hab ich klassisch mit 2d und handgezeichnet. Das haben wir auch im Studium noch so gelernt. Aber als Computer aufkamen, wollt ich schon immer darauf arbeiten und 3D animieren, darauf hab ich mich bald spezialisiert. Auf diesem Sektor ist derzeit gerade sehr viel in Bewegung.

KI?

KiJuKU: Killt Künstliche Intelligenz (KI) dann viele Jobs in diesem Bereich?
Nina Wels: Es verändert sich sehr viel. Vor allem Entwürfe werden verstärkt mit KI-Einsatz designt, aber Ideen müssen immer noch Menschen einbringen. Die KI kann ja ncihts erschaffen, was sie noch nicht kennt.
Aber es ist schwer vorauszusehen, wie schnell sich diese Tools entwickeln.

Szenenbild aus dem Kinofilm
Szenenbild aus dem Kinofilm „Tafiti – Ab durch die Wüste“

KiJuKU: Zurück zu Tafiti: Wenn es drei Jahre dauert bis so ein Film fertig ist, wird das dazwischen nicht irgendwann langweilig?
Nina Wels: Ich hab den Film total gerne gemacht und kann sagen, in diesen drei Jahren gab es nicht eine einzige Minute wo ich den Film doof fand. Ich schmeiß mich in ein Projekt immer voll und ganz rein. Mindestens einmal in der Woche hab ich angeschaut, was bis dahin entstanden ist. Zwei Mal in der Woche rede ich mit dem Team. So ein Animationsfilm braucht sehr viel Zeit. In der Woche entstehen wenn’s gut geht, acht Sekunden vom Film.

Schon immer gut versinken

KiJuKU: Das erfordert aber ganz schön viel Geduuuuld. Sind Sie grundsätzlich sehr geduldig?
Nina Wels: Ich konnte schon als Kind beim Spielen in Sachen versinken und mit gut allein mit Dingen beschäftigen.

KiJuKU: Wenn pro Woche „nur“ acht Sekunden entstehen, gibt’s da während der Produktion das eine oder andere Mal die Sorge, dass de Film nicht rechtzeitig fertig werden könnte?
Nina Wels: Ich hab davor schon in so vielen Produktionen gearbeitet, eben auch selbst als Animatorin. Daher kenn ich die Abläufe und weiß wie lange es dauert und wann was fertig werden muss. So kann ich da ganz entspannt damit umgehen, weil ich das gut einschätzen kann. Es hat auch super geklappt, wir konnten alle Deadlines einhalten. Das ist alles eine Frage guter Planung.

KiJuKU: Dürfen Sie schon über Ihre nächsten Filme etwas verraten?
Nina Wels: Parallel zur Produktion des Tafiti-Films hab ich natürlich schon neue Projekte vorbereitet. Aber alles kann immer erst in Angriff genommen werden, wenn die Finanzierung abgeschlossen ist. „Tafiti“ wurde schon vor vielen Jahren angetragen, aber es hat gedauert, bis die Finanzierung stand.

Als nächstes habe ich vor, einen Originalstoff, eine Geschichte, die ich geschrieben habe, zu verfilmen. Beim Trickfilmfestival in Stuttgart hat die dritte Fassung von „Rat Kind“ (gemeinsam mit Kristina Yee), eine Geschichte für ältere Kinder so ab 10 Jahren, eine Fantasy-Geschichte, die in der Zukunft spielt, eine lobende Erwähnung beim Animations-Drehbuchpreis bekommen.

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Zur Filmbesprechung geht’s hier unten

Hier unten geht’s zum Interview mit der Buchautorin sowie Drehbuch-Co-Autorin

Weitere Tafiti-Buchbesprechungen

Regisseur und Autor Henry Mason im Gespräch mit KiJuKU-heinz

Wollte Märchen zu einer Geschichte voller Geheimnisse und Überraschungen verbinden

KiJuKU: Der Ausgangspunkt für „Die sieben Wünsche“ war die Bearbeitung von Märchen, nur der Gebrüder Grimme?
Henry Mason: Ich wollte schon ganz lang was über Grimm’sche Märchen machen.

KiJuKU: Wie hast du dann ausgewählt, welche du einbauen willst, es gibt ja neben vielen weniger bekannten noch mehr sehr bekannte Märchen, als nun in dieser Inszenierung vorkommen?
Henry Mason: Ich hab dann tatsächlich die gesammelten Werke von vorne bis hinten gelesen, wollte bewusst auch die weniger bekannten lesen und ich wollte einen Geschmack kriegen für die Sprache und die Muster wie sie funktionieren.
Dann hatte ich die Grundidee von dieser Familie mit der Fabrik mit diesem Grundkonflikt zwischen Papierfabrik und Zauberwald. Von da ausgehend hab ich überlegt, welche Märchenfiguren können Figuren in dieser Familie entsprechen und welche Dynamiken entstehen dadurch. Dann hat es sich fast aufgedrängt, welche Märchen es sein müssen.

Und ich wusste, dass ich hauptsächlich die bekannteren verwenden will, obwohl Motiv und Muster auch von weniger bekannten Märchen im Stück drinnen sind. Dass zwei Geschwister einem Zauberwesen begegnen, das in Nöten ist und ein Geschwisterteil hilft nicht und geht weiter und das jüngere, empathische Kind hilft – das kommt in mehreren Märchen vor.

Regisseur und Autor Henry Mason im Gespräch mit KiJuKU-heinz
Regisseur und Autor Henry Mason im Gespräch mit KiJuKU-heinz

KiJuKU: Wie kamst du auf die Idee, dass die Fabrik eine für Papierherstellung ist?
Henry Mason: Ganz ehrlich, ich weiß es nicht mehr, wahrscheinlich aus der Konfrontation, dass der Wald irgendwie in Gefahr sein muss. Ich wollte den Wald spürbar machen, dass der auch eine Figur in diesem Stück ist, auch wenn der nie spricht oder zumindest für uns nicht hörbar. Bei der Papierfabrik ist’s am unmittelbarsten, dass die Bäume als Rohstoff dafür abgeholt werden.

KiJuKU: Dass es sieben Wünsche sind – kam das aus der vielfach magischen 7 so wie 3, manchmal auch 12; wobei 7 im in Ostasien als Unglückszahl gilt; bei Wünschen im Märchen sind’s meistens drei – waren das zu wenige?
Henry Mason: Ja, aber die sieben haben sich aus der Besetzung ergeben – ich wollte, dass jedes Familienmitglied einen Wunsch hat und ich wollte drei Generationen haben, also doch auch irgendwie 3, aber eben Kinder, Eltern, Großeltern und ein (vermeintlicher) Bösewicht. Außerdem gibt es natürlich auch viele Märchen mit sieben – Schwäne, Raben…

KiJuKU: … und Zwerge bei Schneewittchen…
Henry Mason: … genau. Dann war die Titelfindung schwierig, komplizeirt. Und eines Tages war’s klar, wenn die Familie Wunsch heißt, kann ich „Die sieben Wünsche“ machen.

Regisseur und Autor Henry Mason im Gespräch mit KiJuKU-heinz
Regisseur und Autor Henry Mason im Gespräch mit KiJuKU-heinz

KiJuKU: Ach, ich dachte, es war umgekehrt, dass die Familie eben Wunsch heißt wegen der 7 Wünsche…
Henry Mason: … ich weiß nicht mehr genau, in welcher Reihenfolge das entstanden ist.

KiJUKU: Dass der Wald so eine zentrale Rolle spielt, war von Anfang an klar?
Henry Mason: Das war einer der zentralen Ausgangspunkte neben Grimm’s Märchen und drei Generationen. Ich bin ein halber Neuseeländer, meine Mutter ist Neuseeländerin. Ich war vor 1½ Jahren wieder dort und da gehst du in sehr unberührte Wälder. Diese Stille, diese Unberührtheit und diesen Zauber, den die auch haben, das hat mich sehr berührt und inspiriert. Du merkst halt, wie wahnsinnig schön, aber auch fragil diese Landschaft ist und dennoch, welche Kraft solche Wälder haben. Gleichzeitig kräftig und doch zerbrechlich, das wollt ich irgendwie schreiben.

Regisseur und Autor Henry Mason im Gespräch mit KiJuKU-heinz
Regisseur und Autor Henry Mason im Gespräch mit KiJuKU-heinz

KiJuKU: Das war auch gut wahninnig schön zu erleben bei „Ich bin der Wald“ vom VRUM Kunst-Kollektiv gemeinsam mit dem Dschungel, einer interaktiven Hörspiel-Tour in einem magischen fast Urwald, ganz in der Nähe der Prater Hauptallee – Link zur Besprechung dessen, weiter unten.
Cool ist ja, dass die Bühnenelemente (Bühne und Puppenbau: R
ebekah Wild), die wie Stahlträger der Fabrik aussehen, aus Holz sind.
Dass diese Botschaft über den schützenswerten Wald fast „versteckt“ daher kommt, finde ich auch ganz gelungen.

Henry Mason: Natürlich ist es auch ein ökologisches Stück, ein Thema, das immer wichtiger wird – diese Fragilität der Natur und die menschliche Verantwortung dafür, ohne es vordergründig zu machen. Also nicht mit Zeigefinger, sondern lustvoll und durch diese Märchen. Es wissen’s ja ohnehin (fast) alle, aber du kannst es so ganz anders nehmen, wenn’s charmant gefiltert ist – durch die Märchen und dieses sehr charmante Ensemble.

Regisseur und Autor Henry Mason im Gespräch mit KiJuKU-heinz
Regisseur und Autor Henry Mason im Gespräch mit KiJuKU-heinz

KiJuKU: Auch diese Verwandlungsfiguren finde ich sehr gut.
Henry Mason: Ja, aber bitte verrat nicht zu viel. Ich wollt eine Geschichte schreiben, die viel mit Geheimnissen und Überraschungen arbeitet. Da hab ich auch bei den Fotos gebeten, dass nicht zu viel schon vorweg verraten wird. Eine Lust bei diesem Stück ist, dass auch manches wie ein Krimi funktioniert.

KiJuKu: Lieber Henry, eine sehr schöne, runde Geschichte geworden und danke für deine Zeit so unmittelbar nach der umjubelten Premiere.
Henry Mason: Gerne!

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Autor und Regisseur Peter Lund im leeren Publikumsraum vor der Bühne von "Mitten im Gesicht"

„Musste in jugendliche Seelen reinkrabbeln und hab viel auch vom jungen Ensemble gelernt“

KiJuKU: Gab es eine reale Ausgangsgeschichte – aus deinem Umfeld oder dem Netz für diese Story?
Peter Lund: Nein, Aufgabe vom Theater der Jugend an mich war, nach „Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer“ (nach dem Roman von Mario Fesler) wieder etwas für diese Altersgruppe (ab 11 Jahren) zu schreiben. Mich ärgert das schon seit 15 Jahren, dass das wieder so auseinandergeht mit Barbie für die Mädchen und Krafttraining für die Jungs. In meiner Jugend und auch bei Frau Nöstlinger, da war alles nicht so geschlechtermäßig getrennt. Auf das Thema Schönheits-Operationen bin ich gekommen, weil ich das von vielen gehört habe; vielleicht nicht unbedingt mit 15, aber mit 18 geht das richtig los mit sich beschnippeln lassen. Eltern schenken das zum Geburtstag… Und die Jungs rennen ab 15 ins Gym und pumpen. Was da abgeht hat mich sehr interessiert und dann hab ich da sehr lange recherchiert. Als älterer Mensch versteht man das zunächst nicht, und da musste ich erst mal reinkrabbeln in jugendliche Seelen. Da hab ich viel gelernt – auch während der Produktion, das Ensemble ist ja auch recht jung, die haben mir digital auch etliches gezeigt.

KiJuKU: Bist du dann eingetaucht in die TikTok-Welt?
Peter Lund: Ja, so viel ich musste, um’s zu verstehen.

Autor und Regisseur Peter Lund im leeren Publikumsraum vor der Bühne von
Autor und Regisseur Peter Lund im leeren Publikumsraum vor der Bühne von „Mitten im Gesicht“

KiJuKU: Und dann war der Plot gleich klar?
Peter Lund: Das war dann eine Art journalistischer Arbeit. Zuerst einmal war die Frage, ob Nase oder Brust. Nur da wäre wohl schnell klar, „du bist bescheuert“, bei der Nase ist zumindest halbe / halbe. Dann kam schnell die Idee mit der Oma. Ich wollte auf jeden Fall die alte Generation drinnen habe. Dann bau ich das so, wen braucht man dafür – den schönsten Jungen, einen besten Kumpel, der nicht ganz so schön ist. Und ich brauchte auch ein Mädchen, das mit ihren Brüsten unzufrieden ist, weil das ja eines der Hauptthemen ist, oder Hintern oder was weiß ich. So kam die Personage zusammen und davon ausgehend entwickle ich dann den Plot. Das ist dann so ein bisschen Heimarbeit.

KiJuKU: Wie kam’s zum Trick, der hier natürlich nicht gespoilert wird, dazwischen mit der veränderten Nase?
Peter Lund: Nun ja, das war recht rasch klar, dass es dazwischen eine längere Passage braucht, wo sie nicht die dicke Nase hat und wie sie sich dadurch verändert.

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Zu einer Besprechung des Musicals geht es hier unten

Szenenfoto aus dem Musical "Die Omama im Apfelbaum" im Wiener Raimund Theater

„Habe selbst bis 11 an Weihnachtsmann, Christkind und Osterhase geglaubt“

KiJuKU: Haben Sie als Kind das Buch von Mira Lobe und Susi Weigel gelesen?
Paul Clementi: Ich hab’s auf jeden Fall gelesen, aber es war nicht eines dieser Bücher, die ich mehrmals pro Woche oder jedenfalls öfter gelesen habe. Aber ich kannte es auf jeden Fall.

KiJuKU: Als Sie dann gehört haben, dass Sie die Hauptfigur Andi hier spielen, singen und tanzen dürfen, kam da die Erinnerung hoch oder mussten Sie es noch einmal neu lesen?
Paul Clementi: Ich hab’s auf jeden Fall direkt noch einmal neu gelesen, weil ich wusste nur mehr so das Grundgerüst. Mich hat dann natürlich vor allem sehr interessiert, was der Andi in dem Buch für einen Weg geht.

KiJuKU-Interview mit Musical-Darsteller Paul Clementi
KiJuKU-Interview mit Musical-Darsteller Paul Valentin Clementi

KiJuKU: Haben Sie Anknüpfungspunkt zu diesem Andi in Sachen ausgedachter Figuren in der Kindheit?
Paul Clementi: Ich persönlich hab bis ich elf Jahre alt war an Weihnachtsmann, Osterhasen und so geglaubt. Ich war wirklich so ein Fantasiekind. Deswegen kann ich mich in den Andi total reinversetzen. Ich war immer in der Schule der, der gesagt hat: Nein, ich sag’s euch Leute, das Christkind gibt’s. Alle wussten schon seit Jahren, dass es diese Figuren nicht gibt. Ich aber hab immer noch dran festgehalten.

KiJuKU: Haben Sie’s auch wirklich geglaubt oder wollten Sie’s glauben?
Paul Clementi: Ich wollt’s so sehr glauben, dass ich’s auch geglaubt hab. Ich hab’s n nicht nur erzählt und wusste es insgeheim, dass es anders ist, ich hab einfach sehr lang sehr intensiv dran festgehalten und konnt’s auch schwer gehen lassen, als es so weit war.

KiJuKU: Ist dies mit ein Ausgangspunkt, dass Sie Schauspieler geworden sind, weil’s da ja meistens darum geht, dass du wen anderen spielst und den glaubhaft verkörpern musst?
Paul Clementi: Ja bestimmt. Mir hat das schon immer ganz viel gegeben, mich in andere Figuren rein zu begeben.

Szenenfoto aus dem Musical
Szenenfoto aus dem Musical „Die Omama im Apfelbaum“ im Wiener Raimund Theater

KiJuKU: Haben Sie also schon sehr früh gewusst, dass Sie Schauspieler werden wollen?
Paul Clementi: Schon sehr früh, mit drei Jahren hab ich den kleinen Sohn von Amadeus Mozart in Klagenfurt gespielt und stand das erste Mal auf der Bühne. Und danach stand ich gefühlt nie nicht auf der Bühne.

KiJuKU: Und Musical kam auch bald dazu oder ein neues Metier?
Paul Clementi: Ich hab Schauspiel studiert und war früher im Festspiel-Chor und hatte so auch schon Erfahrung im Musiktheater, in der Oper halt. Dann nur mehr Schauspiel. Und nach dem Studium war das totaler Zufall und Glück, dass ich diese Erfahrung im Musiktheater machen durfte – erst im Theater an der Josefstadt in „Alpenkönig und Menschenfeind“, jetzt hier im Raimund Theater und ab der nächsten Spielzeit darf ich dann als Jean Michel in „La Cage aux Folles“ (Ein Käfig voller Narren) im Gärtnerplatztheater (München) spielen. Das ist alles Musiktheater, das zu mir gefunden hat.

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Hier geht’s zu einer Besprechung des Musicals „Die Omama im Apfelbaum“ im Raimund Theater (Wien)

Hier geht’s zu einer Besprechung des Buches von Mira Lobe und Susi Weigel

Der Regisseur von "Fußball am Dach" bei den Drehareiten

Sich bewegen ist ein natürliches kindliches Bedürfnis

KiJuKU: Handelt es sich bei der Geschichte in Ihrem Film „Fußball am Dach“ – im chinesischen Original „Wu ding zu qiu“ (die beiden ersten Wörter für Dach, die beiden weiteren für Fußball) um eine wahre oder ist sie ausgedacht, oder ein Mix von beidem?
Feiyu: Ich war schon als Kind ein großer Fußballfan. Die Eingebung für diesen Film kam mir bei einem unvergesslichen Erlebnis, als ich 2018 in Yunnan auf der Suche nach Inspiration unterwegs war. Ich beobachtete, wie die Dorfkinder die Granatäpfel und Walnüsse, die auf den Boden gefallen waren, herumschossen; dieses einfache Vergnügen machte ihnen großen Spaß. Auch ich konnte nicht umhin, mitzumachen und kickte mit den Kindern um die Wette.

Diese Szene hat mich tief berührt und plötzlich wurde mir bewusst, dass dieser Inbegriff kindlicher Unschuld auch die ursprüngliche Motivation war, Fußball zu spielen. Da schoss mir eine kühne Idee durch den Kopf: Wie wäre es, wenn ich den Fußball durch eine Pomelo ersetze?

Interview des Regisseurs Feiyu mit Heinz Wagner von KiJuKU.at - Übersetzer: Nick Yang Ungerböck
Interview des Regisseurs Feiyu mit Heinz Wagner von KiJuKU.at – Übersetzer: Nick Yang Ungerböck

KiJuKU: Und wird dort wirklich auf dem Dach gespielt?
Feiyu: In den Dörfern von Yunnan entdeckte ich ein weiteres faszinierendes Phänomen. Die Dächer dort sind miteinander verbunden und bilden eine einzigartige Kulisse. Eigentlich verwenden die Dorfbewohner die Dächer, um Mais und Getreide zu trocknen, mich aber inspirierten sie visuell. Die Struktur der Gebäude der ethnischen Minderheiten wie auch das stufenartige Gelände bieten unvergleichliche Bedingungen, um Sportszenen zu drehen.

Ich stand auf dem Dach eines Dorfhauses, schloss die Augen und lauschte dem Rauschen des Windes im Tal, dem Fließen des Flusses und dem fröhlichen Treiben der Kinder… Es war als hauchten diese Klänge den Fußballszenen auf dem Dach in meinem Drehbuch Leben ein. Ich habe diese sinnlichen Eindrücke in die Dreharbeiten einfließen lassen, und ich hoffe, dass ich diese reinen und schönen Kindheitserlebnisse durch Bilder an ein größeres Publikum weitergeben kann.  

Der Regisseur von
Der Regisseur von „Fußball am Dach“ bei den Drehareiten

KiJuKU: Waren Sie als Kind „nur“ Fan oder haben Sie auch selber Fußball gespielt?
Feiyu: Ich hab nur geschaut, aber ich kann mich erinnern, mit so ungefähr zehn Jahren haben wir mit Freunden, wenn wir am Ende des Unterrichts nach Hause gegangen sind, mit Steinen, Plastikflaschen und allem möglichen, das auf dem Boden herumgelegen ist, gekickt. Das war der Grund für die Filmidee, dass es zum Fußballspielen nicht unbedingt einen Ball braucht.

KiJuKU: Sind Sie auch in einem kleinen Dorf aufgewachsen?
Feiyu: Nein, ich stamme aus der großen Stadt Chengdu (20 Millionen Einwochner:innen, Hauptstadt der Provinz Sichuan). Da ich die Provinz Yunnan sehr schön finde, wollte ich dort meinen Film drehen.

KiJuKU: Haben Sie selber auch Mädchen nicht mitspielen lassen?
Feiyu: Die Geschichte im Film ist fiktiv und hat mit meiner eigenen Kindheit nichts zu tun.

Anna Hofmann, Co-Leiterin des Kinderfilmfestivals, die beim Interview dabei ist, bringt die Frage eines Mädchens aus einem Filmgespräch nach „Fußball am Dach“ ein. Dieses Mädchen wollte wissen, warum der Regisseur als Mann einen Film über Fußball spielende Mädchen gemacht hat.
Feiyu: Ursprünglich wollte ich einen Film über Jungs machen, aber das chinesische Frauen-Fußball-Nationalteam ist viel besser als das der Männer, darum hab ich mich dann umentschieden. Außerdem möchte ich, dass der Frauensport mehr Beachtung findet; der Frauensport braucht mehr Menschen, die ihn unterstützen, deswegen habe ich beschlossen, von Frauenfußball zu erzählen.  

Interview des Regisseurs Feiyu mit Heinz Wagner von KiJuKU.at - Übersetzer: Nick Yang Ungerböck
Interview des Regisseurs Feiyu mit Heinz Wagner von KiJuKU.at – Übersetzer: Nick Yang Ungerböck

KiJuKU: War das vielleicht auch eine Verarbeitung von schlechtem Gewissen, weil Sie selber als Kind Mädchen nicht mitspielen haben lassen?
Feiyu: Lächelt verschmitzt.

KiJuKU: Zurück zum Film, funktioniert das Kicken mit Pomelos wirklich oder zergatschen die nicht sehr schnell?
Feiyu: Ja, es funktioniert. Alle Bewegungen der Kinder im Film, wenn sie Pomelo und Granatapfel kicken, sind echt und wurden tatsächlich von ihnen ausgeführt, es gab keine Stuntleute. Damit will ich dem Publikum vermitteln, dass die Kinder im Film wirklich Fußball spielen können und diesen Sport besonders gern haben.

Das Kicken von Früchten zu drehen ist eine besondere Herausforderung, da die Früchte nicht wirklich rund sind – daher ist die Richtung des Schusses schwer kontrollierbar. Wir mussten immer und immer wieder drehen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

Der Regisseur von
Der Regisseur von „Fußball am Dach“ bei den Drehareiten

KiJuKU: Waren die Darsteller:innen Profis oder Laien oder gemischt?
Feiyu: Ursprünglich wollte ich mit Kinder-Schauspieler:innen arbeiten, aber das war nicht so leicht, weil den meisten die natürlichen Bewegungen der Kinder aus Yunnan fehlen. Und so hab ich mich entschieden, dann alles mit Laien-Darsteller:innen zu drehen. Sie hatten keinerlei Dreherfahrung und spielten das erste Mal in einem Film mit. Selbst der Begriff Laienschauspieler war ihnen fremd, weil sie noch nie an Dreharbeiten beteiligt waren. Aber sie vertrauten mir als Regisseur. Das lag daran, dass ich sie wie Freunde behandelte. Ich erklärte ihnen genau, wie sie spielen sollten, wie sie sich zur Kamera stellen sollten und so war der Dreh sehr entspannt. Es war nicht schwer.

KiJuKU: Wird in diesem Dorf wirklich auf dem Dach gespielt?
Feiyu: Das war eine Idee von mir. Aber ansonsten hab ich mich im Film schon grundsätzlich an dem Leben in diesem Dorf orientiert.

Der Regisseur von
Der Regisseur von „Fußball am Dach“ bei den Drehareiten

KiJuKU: Haben alle Kinder des Films auch schon vorher Fußball gespielt?
Feiyu: Manche von ihnen spielten bereits Fußball, manche konnten es aber nicht. Zum Beispiel Ayiduo (Tan Xinyu), die im Film die Rolle der älteren Schwester übernahm: Als sie zum Filmteam kam, konnte sie den Fußball nur zwei oder drei Schläge in der Luft halten, sie konnte gar nicht Fußball spielen. Wir fanden die besten Fußballtrainer für die Kinder, die mit ihnen übten. Als der Film abgedreht war, konnte Ayiduo den Fußball mehrere Hundert Mal mit Fuß und Knie in die Höhe schießen, ohne dass er die Erde berührte. Mit ihrer Teilnahme an der China Youth Football League 2024 ist sie nun professionelle Athletin. Das ist etwas, was keiner von uns erwartet hätte. Ayiduo (Tan Xinyu) entdeckte ihre Liebe zum Fußball bei den Dreharbeiten zu dem Film „Fußball am Dach“ und wurde schließlich zu einer erfolgreichen Jugend-Fußballspielerin. 

KiJuKU: Haben alle mit Dorf dabei mitgespielt, auch wenn die Pomelos in die Schüssel mit Lebensmittel fallen…?
Feiyu: Ja, alle haben uns bei den Dreharbeiten sehr unterstützt.

Manche Antworten sprach der Regisseur auf Mandarin-Chinesisch ins Smartphone udn ließ sie digital übersetzen
Manche Antworten sprach der Regisseur auf Mandarin-Chinesisch ins Smartphone udn ließ sie digital übersetzen

KiJuKU: Wie sind Sie zum Filmen gekommen, haben Sie schon als Kind Videos gedreht?
Feiyu: Seit meiner Kindheit bin ich von Film begeistert. Da mein Vater im Kulturbereich arbeitete, konnte ich oft ins Kino gehen und kostenlos Filme anschauen. Seit ich fünf oder sechs Jahre alt war, habe ich Filme angeschaut, ich liebe diese Kunst von Licht und Schatten. Es war immer mein Traum einmal selbst Regie zu führen. „Fußball am Dach“ ist mein erster Langfilm, mit 21 habe ich meinen ersten professionellen Kurzfilm gedreht.

KiJuKU: Worum ging der?
Feiyu: Es ist ein Science-Fiction-Film über einen Außerirdischen, der in seine Heimat zurückwill.

KiJuKU: eine Art E. T. (Steven Spielberg, 1982) sozusagen?
Feiyu: Mein Film ist ganz anders, mein Außerirdischer ist menschenähnlicher.

KiJuKU: Wie lange haben Sie an „Fußball am Dach“ gearbeitet?
Feiyu: Ich habe drei Jahre für das Drehbuch recherchiert und daran geschrieben, dann hatten wir 50 Drehtage 2020.

Interview des Regisseurs Feiyu mit Heinz Wagner von KiJuKU.at - Übersetzer: Nick Yang Ungerböck
Interview des Regisseurs Feiyu mit Heinz Wagner von KiJuKU.at – Übersetzer: Nick Yang Ungerböck

KiJuKU: Da war doch Pandemie?
Feiyu: Es war eine große Herausforderung, während der Pandemie einen Film zu machen, und die Dreharbeiten zu diesem Film waren voller Schwierigkeiten.  Wenn ich jetzt zurückblicke, sind das alles wertvolle Erfahrungen, die es mir ermöglichten, schneller zu wachsen. Wir hatten 50 Drehtage und drehten insgesamt 213 Szenen; es waren an die 1.300 Darsteller:innen und Crew-Mitglieder an den Dreharbeiten beteiligt, was für einen solchen Film mit geringem Budget sehr hart war. Mein Team und ich haben jedoch dem Druck standgehalten und gemeinsam an der Überwindung der Schwierigkeiten gearbeitet. Ich möchte ihnen allen auch auf diesem Weg meinen aufrichtigen Dank für ihre Unterstützung und ihr Engagement aussprechen. Leider kam die Postproduktion des Films aufgrund von Finanzierungsproblemen für eine Weile ins Stocken und wir mussten unsere Arbeit unterbrechen.

Glücklicherweise hatte ich die Chance, Ende Dezember 2021 an der Filmentwicklungs- und Investitionskonferenz des chinesischen Golden Rooster Film Festivals teilzunehmen. Von Regisseur Huang Jianxin und anderen Expert:innen erhielt ich Anerkennung und Ermutigung. Regisseur Huang Jianxin war bereit, mir zu helfen. Im Mai 2022 arbeitete Huang Jianxin mit mir bis spät in die Nacht hinein im Postproduktionsraum:  Wir überprüften das gesamte Filmmaterial sorgfältig und er half mir, den Schnitt neu zu machen. Huang Jianxin führte mich durch den gesamten Prozess der Filmproduktion, vom Dreh über Schnitt, Musik, Tonmischung, Lichtmischung zu Farbkorrektur und Color Grading. Schließlich schloss ich mit Hilfe von Huang Jianxin die Produktion des Films ab. 2023 war er fertig.

Manche Antworten sprach der Regisseur auf Mandarin-Chinesisch ins Smartphone udn ließ sie digital übersetzen
Manche Antworten sprach der Regisseur auf Mandarin-Chinesisch ins Smartphone udn ließ sie digital übersetzen

Mein Dank gilt der Filmentwicklungs- und Investitionskonferenz des chinesischen Golden Rooster Film Festivals dafür bedanken, dass sie mir diese Plattform zur Verfügung gestellt und mir die Möglichkeit gegeben hat, so hervorragende Mentoren zu treffen und meinen Filmtraum zu verwirklichen. Ich danke allen Expert:innen, Freunden und Kollegen, die diesen Film unterstützt haben. Ganz besonderer Dank geht an die liebenswerten Kinder in dem Film für ihre hervorragende Leistung. Ich wünsche mir, dass dieser Film in Europa und an anderen Orten gezeigt werden kann, damit mehr Kinder diese inspirierende Geschichte sehen können.

KiJuKU: Ab 2023 ist er in chinesischen Kinos und bei internationalen Festivals gelaufen?
Feiyu: Naja, in China wurde er in einigen Kinos gespielt, jetzt da in Wien und Graz beim Festival ist er zum ersten Mal in Europa öffentlich, im Vorjahr war er in Cannes sozusagen auf dem Markt, wo ihn Interessierte von Festivals sehen konnten, zum Beispiel auch von diesem hier.

KiJuKU: Was ist Ihr nächstes Filmprojekt?
Feiyu: Mir schwirren ein paar Ideen durch den Kopf. Gern würde ich wieder einen Science-Fiction-Film, aber auch einen Kinderfilm drehen.

KiJuKU: Von dem Kurz- und dem jetzigen Film können Sie wahrscheinlich ja nicht leben, haben Sie noch einen sogenannten Brotjob, mit dem Sie Ihren Lebensunterhalt finanzieren können?
Feiyu: Viele Regisseur:innen in China haben entweder einen anderen Job nebenbei oder schreiben Drehbücher für andere Projekte. Bei mir ist Zweiteres der Fall.

KiJuKU: Xie Xie für das Interview
Feiyu: Bukeqi

Übersetzung während des Interviews: Nick Yang Ungerböck
Für nachträgliche Korrekturen und Veränderungen: Isabella Wolte

kijuku_heinz

Hier unten geht’s zu einer Besprechung des Films „Fußball am Dach“

Gewinnerfilme nochmals zu sehen: 1. Dezember

Alle Preisträgerfilme sind am 1. Dezember nochmals auf der großen Leinwand zu erleben – Details siehe Info-Box.

Mehr über den Film „Grüße vom Mars“

Beitrag über die Filme des Festivals – mit Infobox auch zu den noch verbleibenden Terminen in der Steiermark

Interview mit dem Hauptdarsteller des Eröffnungsfilms, Theo Kretschmer, (links) und KiJuKU-Heinz (rechts)

Macht Spaß in andere Rollen zu schlüpfen, der Dreh war aber ganz schön anstrengend

Am Samstag zur Eröffnung des 36. Internationalen Kinderfilmfestivals im Wiener Gartenbaukino – mit dem Film „Grüße vom Mars“ kam der 12-jährige Hauptdarsteller Theo Kretschmer aus Berlin. Es war / ist sein erster Wien-Besuch, aber nicht der erste eines internationalen Filmfestivals. Bei dem vielleicht bekanntesten im deutschsprachigen Raum, dem Festival „Goldener Spatz“ (seit 45 Jahren), das  in den Städten Gera und Erfurt (Bundesland Thüringen) stattfindet, wurde er mit dem Preis als bester Darsteller ausgezeichnet – von Kinder-Juror:innen.

Übrigens, trotz der wirklich überzeugenden schauspielerischen Leistung war es Theo Kretschmers erster und (bisher) einziger Film – zu einer Besprechung des Films geht es im Link unten am Ende des Beitrages.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte diesen Darsteller in diesem großen, ehrwürdigen Wiener Kino zum Interview treffen.

KiJuKU: Zuerst einmal Gratulation zu deinen sehr gelungen darstellerischen Künsten.
Theo Kretschmer: Danke.

KiJuKU: Wie kam’s überhaupt dazu, hast du vorher schon mit Freunden Filme gedreht oder Theater gespielt?
Theo Kretschmer: Das nicht, aber ich hatte schon immer Spaß daran, in Rollen zu tauchen, auch Theater. Dann hab ich gedacht, Film wäre was für mich und dann hab ich’s halt ausprobiert.

KiJuKU: Theater hast du in der Schule gespielt?
Theo Kretschmer: Nein, so zwischendurch, es hat einfach Spaß gemacht.

Bild aus dem Film
Bild aus dem Film „Grüße vom Mars“

Viel darüber gelesen und angeschaut

KiJuKU: War das schwierig, in die Rolle eines Jungen zu schlüpfen, der ganz anders tickt, als man’s meistens gewohnt ist?
Theo Kretschmer: Wir haben viel darüber geredet über Autismus, ich hab mir viel dazu angeguckt und gelesen. Vor Ort beim Dreh wurde mir auch vieles dazu gesagt, was ich wie vielleicht anders machen oder spielen sollte. Dann ist das schon wie von alleine gekommen.

KiJuKU: Hattest du vorher schon einmal etwas von Autismus gehört?
Theo Kretschmer: Nee, eigentlich gar nicht.

KiJuKU: Und bei der Vorbereitung auch niemanden mit Autismus getroffen?
Theo Kretschmer: Nee, aber beim letzten Filmfestival, dem in Zürich, war ein Mädchen mit Autismus im Publikum. Die hat mir gesagt, dass der Film sehr gut bei ihr angekommen ist. Das war die erste betroffene Person, die ich getroffen habe.

KiJuKU: Das ist ja dann die größte Auszeichnung.
Theo Kretschmer: Ja, das war ganz cool.

KiJuKU: Als du das Drehbuch gelesen hast, war für dich klar, dass du das schaffst?
Theo Kretschmer: Dadurch, dass ich bis dahin nichts von Autismus wusste, war’s schon aufregend. Und auch generell, weil’s ja der erste Film war. Aber ich hab mich halt ausprobiert, mir eine Chance gegeben und mit der Zeit ging’s immer besser.

Drei Casting-Runden

KiJuKU: Wurdest du gleich ausgewählt oder hattest du mehrere Casting-Runden?
Theo Kretschmer: s gab zuerst ein eCasting, also digital und dann ein Live-Casting und noch eines. Beim letzten Live-Casting wäre ich eigentlich Zweiter gewesen, aber weil der Erste schon davor gedreht hatte und Kinder nur höchstens 30 Tage im Jahr drehen dürfen, konnte er diese Hauptrolle nicht übernehmen.

KiJUKU: Was hattest du beim eCasting eingeschickt?
Theo Kretschmer: Ich bin bei einer Frau, die hilft mir dabei (eine Art Schauspiel-Trainerin), gibt mir professionelle Tipps.

KiJuKU: Waren das schon Szenen aus dem Film?
Theo Kretschmer: Ja schon, aber die und auch aus dem Drehbuch wurden beim dreh Szenen immer wieder auch umgeändert.

KiJuKU: Wie viele Drehtage hattest du?
Theo Kretschmer: Ich glaub, es waren sechs Wochen – die ganzen Sommerferien im Vorjahr.

Bild aus dem Film
Bild aus dem Film „Grüße vom Mars“

Ganz schön durch ohne Ferien

KiJuKU: War das schwierig, dann gar keine Ferienzeit zu haben, Dreh ist ja sicherlich zumindest teilweise ganz schön anstrengend?
Theo Kretschmer: Ja, schon. Wir haben teilweise auch sehr spät gedreht. Das war schon recht anstrengend. Ich hatte dann nur diese zwei Tage, das Wochenende frei. Da sind wir dann immer von Hamburg nach Berlin gefahren, das dauert nicht so lange. Aber trotzdem waren es auf jeden Fall ganz andere Ferien als ich sonst gehabt habe.

KiJuKU: Ist dir das dann abgegangen, als das nächste Schuljahr begonnen hat?
Theo Kretschmer: Nach den Ferien war ich schon sehr durch, weil ich keine wirkliche Erholung gehabt habe. Es war dann schon ein bisschen schwierig, wieder in die Schulzeit reinzukommen.

KiJuKU: Was sind deine Vorlieben in der Schule und was magst du gar nicht?
Theo Kretschmer: Ich mag ganz gerne Kunst, Sport mag ich auch. Mathe, Physik oder Chemie ist nicht so mein Ding.

KiJuKU: Also nicht so wie beim Tom im Film, eher so, wie dessen Bruder Elmar.
Theo Kretschmer: Ja so ungefähr.

KiJuKU: Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?
Theo Kretschmer: Ich treff mich natürlich gern mit Freunden. Ich zeichne gern, ich male viel.

Cooles Hobby

KiJuKU: Ist Schauspiel so etwas wie eine Perspektive, dass das einmal ein möglicher Beruf für dich werden könnte?
Theo Kretschmer: Ich weiß halt nicht, wie das weitergeht. Es wär schon ganz cool. Als Hauptberuf wäre es halt schon recht schwierig. Du bist halt dann darauf angewiesen, was machst du, wenn du keine Rollen hast?! Aber so nebenbei als Hobby wär’s schon ganz cool.

Theo Kretschmer (rechts) und KiJuKU-heinz (links) vor dem Plakat zum Film
Theo Kretschmer (rechts) und KiJuKU-heinz (links) vor dem Plakat zum Film „Grüße vom Mars“…

KiJuKU: Zurück zum Film. War der Dreh hauptsächlich anstrengend oder mitunter schon auch witzig?
Theo Kretschmer: Es war schon ganz schön, aber es gab dann auch so manche Szenen, wo’s anstrengend wurde. Umso mehr in einer Szene spielen, umso schwieriger wird es halt. Alle müssen dann alles richtig machen. Wenn auch nur eine oder einer etwas falsch macht, müssen’s halt alle wieder und immer wieder machen. Manches war schon sehr anstrengend. Und nach ein paar Stunden Dreh am Tag, ist manchmal auch die Konzentration draußen. Es gab aber auch ein paar Szenen, die haben voll Spaß gemacht. Aber auch einige, die ich gar nicht mochte.

Kein Apfelkuchen mehr!

KiJuKU: Und zwar welche?
Theo Kretschmer: Eine ganz am Schluss, die sah gar nicht so schwer aus, aber… Auf der Mauer, wo meine Mutter zurück aus China war, wo ich Apfelkuchen bekam. Die musste oft wiederholt werden und ich musste so oft Apfelkuchen essen, dass mir schlecht geworden ist. Und dann waren da im Sommer überall die Bienen. Das war so nervig und anstrengend. Am Ende hatte ich gar keinen Bock mehr auf Apfelkuchen.

Aber was sehr viel Spaß gemacht hat, war die Szene auf dem Schulhof. Da hat auch mein Bruder mitgespielt. Die ganze Familie war da, auch mein Hund.

KiJuKU: Deine echte Familie, nicht die aus dem Film?
Theo Kretschmer: Ja, mein Bruder hat da eben mitgespielt in der Szene. Dieser Drehtag hat auch nicht lange gedauert, so dass wir danach gemeinsam Zeit hatten.

KiJuKU: Wie oft hast du den Film selber schon gesehen?
Theo Kretschmer: Ich glaub drei Mal. Das erste Mal hab ich ihn erst bei der richtigen Premiere gesehen, weil ich so eine Überraschung haben wollte.

Nicht abgehoben

KiJuKU: Wie ist es dann ihn, beim zweiten, dritten Mal zu sehen? Wird das dann langweilige, weil du ja alle schon kennst?
Theo Kretschmer: Es ist schon noch ganz cool. Mir wird da nicht wirklich langweilig, es ist ja ein ganz guter Film.

KiJuKU: Wie haben Klassenkolleg:innen oder Freund:innen reagiert?
Theo Kretschmer: Meine engsten Freunde haben sich schon mit mir gefreut. Niemand war so richtig eifersüchtig. Aber ich häng das ja auch nicht so an die große Glocke, weil am Ende ist es ja auch nur ein Film. Was heißt nur, aber nur weil ich einen Film gemacht hab, bin ich ja nicht anders als andere Kinder.

KiJuKU: Danke sehr, thank you very much, dziękuję – nachdem im Agenturprofil von Theo Kretschmer steht: Englisch und Polnisch Grundkenntnisse.
Theo Kretschmer: Naja, eigentlich kann ich’s nicht. Meine Mutter wurde in Polen geboren, meine Eltern sind auch ein bisschen traurig, dass ich die Sprache nicht gelernt habe, ich find’s auch schade, aber vielleicht kommt das ja noch.

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Tim-Becker-Auftrittsfoto - bei früherer Show und andernorts als in Schwechat

„Donut, Hase und Ratte sind meine Dauergäste“

In der Pause des Eröffnungsabends des diesjährigen Satirefestivals im Theater Forum Schwechat durfte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… den Bauchredner Tim Becker interviewen.

KiJuKU: Wieweit ist die Geschichte über die du erzählst echt?
Tim Becker: Natürlich sind ein paar Gags gebastelt, aber dass ich Einzelhändler gelernt und in einer Zoohandlung gearbeitet habe und das Tagebuch, natürlich auch ein bisschen interpretiert, aber die Story ist im Grunde genommen echt.

KiJuKU: Wie kamst du dann dazu, Bauchredner zu werden und Zauberei? Oder war das schon vorher dein Traum und deine Eltern haben gesagt, lern zuerst einmal etwas wo du davon leben kanst?
Tim Becker: So ähnlich. Ich hab als Kind immer Zaubertricks gemacht aus einem gekauften Zauberkasten. Ich hab bald Auftritte auf Hochzeitsfeiern und so gehabt, das hat sich dann immer weiter entwickelt. Dann hab ich den Beruf Einzelhandelskaufmann erlernt und nebenher immer Auftritte als Zauberer gehabt, irgendwann kam auch Bauchreden dazu.

KiJuKU: Wie kamst du auf diese Idee?
Tim Becker: Ich fand das sowieso schon immer cool. Als Kind hab ich Muppets-Show geguckt. Dann gab’s so Anleitungen, die man kaufen konnte. Dann hab ich das ausprobiert und mir nach und nach zum größten Teil selber beigebracht. Bald haben Leute angerufen und mich gebucht, aber sie wollten weniger die Zauberei, sondern mehr mich mit den Puppen sehen.

Tim-Becker-Auftrittsfoto - bei früherer Show und andernorts als in Schwechat
Tim-Becker-Auftrittsfoto – bei früherer Show und andernorts als in Schwechat: Mit sprechender Schnecke, die damals auch noch anders aussah als nun beim Satirefestival

KiJuKU: Das war schon mit Puppen, die wir heute gesehen haben und noch sehen werden?
Tim Becker: Nein, das waren andere, ein Papagei und andere, die ich in einem Spielzeugladen gekauft habe. Die jetzigen sind ja eigene Anfertigungen. Irgendwann hat mir das mehr Spaß gemacht und war erfolgreicher, so hab ch den Fokus in meinen Shows verlegt. Irgendwann war’s so viel, dass ich gesagt hab, ich mach mich selbstständig.

KiJuKU: Das heißt, du hast dann im Zooladen gekündigt?
Tim Becker: Ja, das ist jetzt zehn Jahre her. Davor hab ich nur mehr halbtags dort gearbeitet, um Shows zu spielen. Aber mir hat dann ein befreundeter Zauberkünstler, der schon gut im Geschäft war und ist, gesagt: Du musst dich entscheiden – so halb und halb, das geht nicht gut, du hast Talent; Entweder du machst das jetzt richtig, oder es wird nie wirklich was. Dann hab ich’s gemacht!

KiJuKU: Du hast deine Show immer selber entwickelt – oder gemeinsam mit anderen?
Tim Becker: Die Gags denk ich mir selber aus, ab und zu schreibt ein Freund von mir noch mit. Wenn ich dann so ein Grundgerüst hab, dann geh ich zum Regisseur – Archie Clapp bei diesem Programm.

KiJuKU: Die Puppen fertigst du selber an?
Tim Becker: Nein, lass ich machen.

Tim-Becker-Auftrittsfoto - bei früherer Show und andernorts als in Schwechat
Tim-Becker-Auftrittsfoto – bei früherer Show und andernorts als in Schwechat – mit dem Tagebuch

KiJuKU: Aber du hast die Idee, ich will so eine schräge Ratte, so einen nicht ganz so sympathischen Hasen…
Tim Becker: Genau und mit meinen Ideen geh ich erst mal zu einem Comic-Zeichner, weil man da noch besser Änderungen vornehmen kann. Ich hab ja so Bilder der Figuren im Kopf, ich kann aber nicht gut zeichnen. Diese Bilder hat der andere ja nicht. Nach meinen Änderungswünschen geht’s zum professionellen Puppenbauer.

KiJuKU: Arbeitest du mit verschiedenen oder immer denselben und sollten die nicht auch genannt werden, die Puppen sind ja weit mehr als Requisiten?
Tim Becker: Das ist momentan Dirk Heimes aus Oberhausen.

KiJuKU: Wie bist du für diese Show genau auf diese Charaktere gekommen?
Tim Becker: Das sind mein drittes Soloprogramm…

KiJuKU: … aber es sind ja vielleicht nicht immer die selben Figuren?
Tim Becker: Es ist so ein bisschen ein Best of plus was Neues. In den anderen war’s immer mehr Story drumherum, jetzt wollt ich mal ein persönlicheres machen, quasi die große Tim-Becker-Show mit meinen Gästen. Wobei ich für meine Shows immer Vorpremieren habe mit noch mehr Puppen und schau, was gut funktioniert und dann lass ich die eine oder andere weg.

KiJuKU: Wie lange spielst du dann ein Programm?
Tim Becker: Meist so zwei, drei Jahre, je nachdem wie Theater das dann buchen wollen.

KiJuKU: Spielst du manches Mal auch noch das eine oder andere der älteren Programme?
Tim Becker: Das hab ich eine Zeitlang gemacht, aber jetzt dann nicht mehr.

Tim-Becker-Auftrittsfoto - bei früherer Show und andernorts als in Schwechat
Tim-Becker-Auftrittsfoto – bei früherer Show und andernorts als in Schwechat mit dem alten Klischee-Hippie

KiJuKU: Du sagst am Anfang, dass das zwar deine erste Show in Österreich ist, aber du schon vorher hier Auftritte hattest?
Tim Becker: Das war so im Rahmen von Mixed-Shows mit anderen Künstler:innen mit Teilen aus Programmen also zum Beispiel der Donut, der Hase und die Ratte. Die drei sind auch in jedem meiner Soloprogramme dabei. Das sind die Publikumslieblinge.

KiJuKU: Das sind sozusagen die Dauergäst:innen?
Tim Becker: Meine Signature-Acts.

KiJuKU: Wie bist du auf den Donut gekommen?
Tim Becker: Das ist eine Puppe aus Amerika, so ein Spielzeug. Das hab ich gesehen und sofort Ideen dazu: Das ist ja super, ein sprechendes Lebensmittel. Im vorigen Programm hatte ich ein Ei, das sich mit dem Donut unterhalten hat.

KiJuKU: Du sagst am Anfang, dass du sehr nervös bist. Ist das echt oder gespielt?
Tim Becker: Schon gespielt.

KiJuKU: Und der Fehler, wo du im Gespräch mit dem bösen Hasen den Witz versemmelst und dann vor lauter Lachen fast nicht mehr weiterkommst, ist das auch gespielt?
Tim Becker: Naja, wenn das so rüber kommt, ist’s ja gut.

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Zur Story über Beckers Auftritt und Infos zum Satirefestival im Theater Forum Schwechat geht’s hier unten

Texte 2023-Dritter Philip Pecoraro mit "Hurghada"

Die Texte kommen meistens einfach so

Mit „Hurghada“, einem Text, in dem sich der Jugendliche beeindruckend in die Gefühls- und Gedankenwelt einer 80-jährigen Frau einfühlt, gewann Philip Pecoraro den dritten Platz im aktuellen Schreibbewerb „Texte. Preis für junge Literatur“. Stefanie Kadlec, Schülerin im Maturajahr und Praktikantin bei Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, bat ihn nach der Preisverleihung zum Interview.

KiJuKU: Was hat dich zu deinem Text außer dem Motto inspiriert?
Philip Pecoraro: Das kam eigentlich einfach so. Ich fange an und meistens wird es dann fertig. Es war in dem Fall auch so. In Workshops haben wir auch ein bisschen was geschrieben und da habe ich ein paar Einflüsse hergenommen.

KiJuKU: Ich habe gelesen, du bist im Karl-Popper-Gymnasium, was keine gewöhnliche Schule ist. Wie ist es dort?
Philip Pecoraro: Es ist ein spezieller Schulzweig des Wiedner Gymnasiums und ist eine sehr freie Schulform mit viel Wahlmöglichkeiten. Das ist sehr angenehm.

KiJuKU: Gibt es auch einen Fokus auf Sprachen?
Philip Pecoraro: Den Fokus kann man selbst legen. Man kann ansetzen, wo man ansetzen möchte.

KiJuKU: Welchen Fokus hast du gewählt?
Philip Pecoraro: Eher die Sprachen.

KiJuKU: Welche Sprachen sprichst du noch?
Philip Pecoraro: Spanisch, Französisch, Englisch und Latein.

KiJuKU: Schreibst nur auf Deutsch?
Philip Pecoraro: Hauptsächlich. Ich finde es auf Deutsch am einfachsten und weiß es auch am besten.

KiJuKU: Hast du irgendwelche AutorInnen, von denen du dich inspirieren lässt?
Philip Pecoraro: Ich finde Robert Gernhardt ganz gut. Weiß nicht, ob man den kennt. Das ist ein deutscher Humorist. Uwe Timm lese ich in letzter Zeit ganz gern. Ich finde, die haben einen lustigen lockeren Stil. Sehr angenehm zum Lesen.

Stefanie Kadlec, 18

Zum Bericht über den Bewerb Texte 2023 geht es hier unten

Zu Interviews mit weiteren Preisträger:innen geht es hier unten

Making-of-Foto für den Kinofilm „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“

In der größten Höhle in Vietnam und auf dem höchsten Turm im Amazons-Regenwald…

Mitten im Sommer, zweieinhalb Monate vor dem Start des Kinofilms „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“ (5. Oktober 2023) durfte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… – wie andere Medienvertreter:innen – den Film in einem digitalen Sichtungslink am Computer anschauen, um danach DEN Protagonisten, Tobias Krell alias Checker Tobi, seit zehn Jahren Wissenserklärer (nicht nur) für Kinder im TV, per Onlinevideo zu interviewen. Hier die verschriftlichte Form.

KiJuKU: Xin chào, sain baina, bom dia – ich find gut, dass ihr Begrüßungen und Dankes in den Sprachen der Hauptdrehorte eingebaut habt, leider nicht in der der Jupaú im brasilianischen Regenwald. Die ersteren kannte ich schon, das zuletzt genannte hätte mich brennend interessiert, weil ich das auch nirgends im Internet gefunden habe.
Tobias Krell: Das haben wir bestimmt auch gedreht, aber es ist offenbar dem Schnitt zum Opfer gefallen. Wenn ich es im Rohmaterial finde, lass ich es dir zukommen.

Tobias Krell alias Checker Tobi
Tobias Krell alias Checker Tobi

KiJuKU: Den Medieninformationen entnehme ich, dass durch die Pandemie einiges am Drehplan durcheinander gekommen ist. Gab’s dazwischen Überlegungen, Drehorte auszulassen oder wie die im Weltraum digital zu produzieren?
Tobias Krell: An dem Film haben wir jetzt insgesamt viereinhalb Jahre gearbeitet, und klar, auch, weil die Pandemie dazwischen kam und wir eine Menge ungeplanter Pausen einlegen mussten. Aber für die Naturaufnahmen haben wir nie daran gedacht, digital nachzuarbeiten. Die haben wir bewusst für die Kinoleinwand groß gedacht, und die sollten wirklich vor Ort entstehen, da gab es nie Zweifel. Mit Johannes Obermaier hatten wir dafür außerdem einen meisterlichen Dokumentarfilmer an der Kamera. Aber ja, eigentlich hätte der Film schon vor zwei Jahren in den Kinos sein sollen, nach dem ursprünglichen Zeitplan.

KiJuKU-heinz
KiJuKU-heinz

KiJuKU: So manches wurde mit Drohnen oder von Hubschraubern aus gefilmt?
Tobias Krell: Nein, kein Hubschrauber gab es keine. Aber wir hatten immer zwei Drohnen dabei. Was gut war, weil in der Mongolei in der Kälte die große Drohne schlichtweg nicht gestartet ist. Dort und in manchen anderen Situationen dann haben wir dann mit der zweiten, kleineren gedreht.

KiJuKU: Wieweit warst du selbst in die Konzeption eingebunden oder „nur“ Protagonist? Die Freundschaftsgeschichte mit Marina, die du suchst und findest und mit der du dann gemeinsam reist, hat ja – laut Presseheft – einen realen Hintergrund?
Tobias Krell: Wie in der TV-Sendung bin ich ja Teil der Redaktion und bringe auch Ideen mit ein. Ich bin nicht derjenige, der die Folgen schreibt und recherchiert, aber ich bin derjenige der sie am Ende umsetzt und deshalb muss da sehr viel von mir drinstecken. Das Format heißt ja so wie ich und deswegen wäre es komisch, etwas zu schreiben, was nicht aus mir selbst kommt. So war das erst recht bei dem Film, bei dem ich von der ersten Idee an das mit Johannes Honsell (Buch und Regie) zusammen entwickelt habe und wir uns – noch gemeinsam mit der Regie-Assistentin Judith Issig – die Geschichte ausgedacht haben. Da haben wir viele Wochen zusammengesessen, überlegt, was könnte noch passieren, wo wollen wir noch hin.

Die Recherche der Orte und Protagonistinnen und Protagonisten war dann wieder bei den beiden. Einiges ist teilweise meiner Biografie entlehnt, es gab diese Kindheitsfreundin und auch diese Ersatzoma, die gegenüber gewohnt hat. Die hat zwar keine Schnitzeljagden mit uns veranstaltet, aber sie hat mir beispielsweise beigebracht, wie ich meiner Mama zum Geburtstag als Überraschung einen Kuchen backen kann.

Making-of-Foto für den Kinofilm „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“
Making-of-Foto für den Kinofilm „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“ Im Studio für die Weltraum-Trickaufnahmen

KiJuKU: Zur Kindheitsfreundin gleich eine Frage, die wahrscheinlich viele Kinder – abseits des Inhalts und der beeindruckenden Bilder stellen würden: Habt ihr – du und Marina – euch eigentlich verliebt?
Tobias Krell: Nee, aber wir haben uns angefreundet. Wir haben uns schon vor dem Dreh bewusst viel getroffen und sind Freunde geworden und durch den Dreh auch in extremen Situationen noch mehr Freunde geworden, treffen uns auch immer noch ab und zu. Aber spannend ist, du bist der dritte erwachsene Journalist, der diese Frage stellt, ich hab aber auch schon Kinderreporterinnen und -reporter getroffen, die haben diese Frage noch nicht gestellt. Aber ich hab auch oft schon gedacht, mal gucken, wieviel Kinder denken >aha, aha…<“

KiJuKU: Wie kam die Auswahl der Drehorte zustande? Ich kann mir vorstellen, es gäbe ja Dutzende spannende mögliche Schauplätze wie zum Beispiel den großen Wald auf einer Sandbank im Brahmaputra (Indien), der vor 40 Jahren mit dem Pflanzen von einigen Bambusstauden durch Jadav Payeng begonnen hat…?
Tobias Krell: Für diesen Film war zuerst das Überthema Luft da. Also haben wir nach spannenden Orten, Phänomenen gesucht, die damit viel zu tun haben. Wir haben dann entschieden mit einer Mischung aus >Uuuuh, da wollten wir unbedingt schon mal hin< und was ist das Beeindruckendste und hat man vielleicht noch nie oder selten gesehen. Was kennen Kinder, vielleicht auch Erwachsene noch nicht. Ich glaube nicht, dass viele Leute in Österreich und Deutschland den ATTO-Tower (Amazon Tall Tower Observatory, 325 Meter hoher Forschungsturm im Amazonas-Regenwald) in Brasilien kennen. Also ein idealer Ort, um dort das Finale des Films zu erzählen.

Making-of-Foto für den Kinofilm „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“
Making-of-Foto für den Kinofilm „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“

KiJuKU: Apropos zu diesem Turm, vielleicht aber auch zur Höhle: Hat man bei ersterem, selbst wenn man angegurtet ist, nicht doch Schiss, in dieser Höhe, wo der Turm doch sicher auch stark schwankt?
Tobias Krell: Ja, tut er.

KiJuKU: Raufklettern und gar dann nach unten schauen, wie ging’s dir da?
Tobias Krell: Tatsächlich hatte ich enorme Höhenangst als ich vor zehn Jahren als Checker anfing. In diesen Jahren hab ich so viel mit Höhen zu tun gehabt, dass ich das komplett überwunden hab. Mir war das angeleint sehr recht, ich konnt da hochlaufen und es einfach nur genießen. Es war zwar anstrengend in den Oberschenkeln und im Popo, aber ansonsten war das da oben fantastisch!
Marina hat echt Höhenangst, hat das aber erst dort gemerkt, die musste sich sehr überwinden. Teile auf dem Turm haben wir mit einem Double nachgedreht, weil sie sich nicht noch einmal dieser Angst stellen konnte.

Da gab’s schon echt Herausforderungen, die an die Substanz gegangen sind. Auch die Höhle war mit Abstand das Strapaziöseste, was ich in den zehn Jahren Checker Tobi je gemacht habe. Wir waren vier Tage unter der Erde, mussten drei Nächte dort verbringen. Wir mussten klettern und schleppen. Es war heiß und es war nass und es war kalt und alles fast gleichzeitig – echt anstrengend.

Making-of-Foto für den Kinofilm „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“
Making-of-Foto für den Kinofilm „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“

KiJuKU: Und Angst vor Schlangen, Tieren, die in der Höhle kriechen, fliegen…?
Tobias Krell: Das nicht, ich bin da angstfrei, oder sagen wir eher neugierig. Das einzige was ich wirklich unangenehm fand: Auf dem Weg zu dieser Höhle in Vietnam muss man ja durch Flüsse laufen, dann wieder durch den Urwald, wieder Flüsse… Da ist alles voll mit Blutegeln. Jede und jeder von uns hatte die überall. Ich hatte welche am Bauch, am Arm, sogar am Kopf festgesaugt. Die sind zwar nicht besonders groß, aber ich fand das so widerlich.

KiJuKU: War von Anfang an geplant, dass nach dem Schwerpunkt Wasser im ersten Film, im zweiten Luft und später vielleicht noch die anderen Elemente Erde und Feuer kommen? Oder war der Erfolg des ersten Films dann erst der Start für den zweiten und hängt ab, ob der auch viele Zuschauer:innen hat, bevor entschieden wird, ob’s weitergeht?
Tobias Krell: Zweiteres. Wasser war ein naheliegendes Thema. Nach dessen Erfolg hat der Redaktionsleiter gesagt: >Hej, Leute, denkt über einen zweiten Film nach!< Dann haben wir über ein ganz anderes Thema nachgedacht und sind erst beim Recherchieren draufgekommen, lass uns doch einen Film über Luft machen, was dann auch die Möglichkeit einer Reihe offen lässt. Und da war die Herausforderung, dass man Luft nicht sehen und damit auch nicht als solches gut zeigen, aber trotzdem erlebbar machen kann. Und das haben wir ja versucht.

Es ist aber nicht so, dass in der Schublade jetzt die Konzepte für Feuer und Erde liegen, sondern wir schauen mal, ob die Leute diesen Film sehen wollen und dann gucken, wie wir damit weitermachen.

Making-of-Foto für den Kinofilm „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“
Making-of-Foto für den Kinofilm „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“ Im Studio für die Weltraum-Trickaufnahmen

KiJuKU: Für den Fall, dass der jetzige ungefähr gleich erfolgreich ist, wird fortgesetzt?
Tobias Krell: Haben wir tatsächlich noch nicht darüber gesprochen – weder im Sender noch mit der Filmproduktion. Aber wenn, dann wäre ich gern dabei.

KiJuKU: Du hast vorhin erwähnt, ihr hattet auch durchaus eine andere Idee, was war die?
Tobias Krell: Ein Film, der sich geographisch mit Asien beschäftigt hätte, Ländern, Kulturen, insbesondere China wollten wir einen genaueren Blick widmen. Aber das war kein ausgereiftes Konzept, sondern nur so eine Art erster Idee.

KiJUKU: Wenn Fortsetzung mit den Elementen, dann nehm ich an, sollten auch andere Weltgegenden drankommen, zum Beispiel Afrika, oder?
Tobias Krell: Wenn wir bei diesem Konzept bleiben, dann finde ich, dass wir wenigstens in Teilen davon unbedingt den afrikanischen Kontinent und Kontext miterzählen sollten. Es gibt ja bei uns immer noch viele Leute, die oft Afrika so nennen als wäre es nur ein Land und nicht so viele unterschiedliche Länder.

KiJuKU: Als Klammer der beiden Filme geht’s doch auch darum, Rücksicht auf unseren Planeten, auf die Natur zu nehmen, gibt es dann aber bei solchen Filmen auch so etwas wie Flugscham? Einerseits zu vermitteln, passt auf die Natur auf, leistet jede und jeder einen Beitrag zum Erhalt der Welt, und wir fliegen jetzt mit Teams kreuz und quer um die Welt?
Tobias Krell: Total wichtiger Punkt, über den wir auch total viel nachgedacht und gesprochen haben. Wir machen einen Film, der sich zu großen Teilen mit der Klimakrise beschäftigt. Und um den Film zu machen, fördern wir durch krasse Flugreisen ans Ende der Welt die Klimakrise. Das ist ein Dilemma, das wir aushalten, aber natürlich thematisieren müssen. Natürlich haben wir die Flugreisen ausgeglichen und überlegt, so grün wie möglich zu produzieren was in weiten Teilen noch eine Illusion ist.

Aber, wenn wir es schaffen mit dem Film, der von einem Team von sieben Leuten produziert wurde, Hunderttausende zu erreichen, die dann anders oder umdenken, dann lässt sich das für mich erklären und ein Stück weit rechtfertigen. Und dann gehört dazu, dass wir uns in der ganzen Klimadebatte aus diesem Dilemma nicht ganz wegbewegen kann. Also, jede und jeder sollte und kann darauf achten, den eigenen ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Aber erstens sind es oft dann doch sehr große Entscheidungen, die unbedingt auf politischer Ebene getroffen werden müssen. Und wenn wir mit unserem Film erreichen, dass einige mehr sich aktiv engagieren, mit den Fridays auf die Straße gehen und Umdenken von der Politik einfordern, dann haben wir schon was geschafft.

Auch die Klimaforschenden müssen immer wieder in den Flieger steigen, um nach Brasilien zu kommen und dort ihre Untersuchungen durchzuführen. In diesem Spannungsverhältnis bewegen wir uns ja alle irgendwie.

KiJuKU: Gab’s aber Überlegungen, anders zu reisen als zu fliegen, sozusagen wie Greta Thunberg dann mit dem Segelboot über den Atlantik gefahren ist? Oder ist so etwas völlig unmöglich?
Tobias Krell: Wir haben darüber nachgedacht und auch im Team nachgefragt, wer wenn es geht den Landweg nehmen würde. Aber, abgesehen davon, dass für den Dreh in der Mongolei in der Zwischenzeit ja Russland schon die Ukraine überfallen hatte, und daher das nicht in Frage gekommen ist, hätte man 14 Tage in eine Richtung gebraucht. Dann sind die Leute für diesen Dreh eineinhalb, zwei Monate weg – und dann erst die Kosten dafür!? Aber tatsächlich haben wir darüber nachgedacht.

KiJuKU: Aber selbst, wenn – also kein Krieg und schnellere Verbindungen am Landweg, ist ja das Absurde, dass Bahnreisen unheimlich viel teurer sind als Flugreisen.
Tobias Krell: Absolut, und da sind wir eben bei den Entscheidungen, die auf politischer Ebene in die Wege geleitet werden müssten. Wenn man immer noch mehr Geld ausgibt für den Ausbau von Autobahnen als für die Infrastruktur der Bahn, dann läuft meiner Meinung nach grundsätzlich was schief. Das ist dann auch etwas, das nicht Michael, 12 Jahre, und seine Familie verändern können, wenn sie sagen, sie wollen nicht mehr in den Urlaub fliegen.

KiJuKU: Apropos Kinder und Aktivismus. In dem Film kommen Kinder ja nur sehr am Rande vor. Ist daran gedacht, in möglichen Folgefilmen, (aktivistische) Kinder stärker bzw. überhaupt zu Wort kommen zu lassen und nicht nur als hustende Opfer wegen der schlechten Luft oder Fußball Spielende im Hintergrund?
Tobias Krell: Wir haben schon darüber nachgedacht, Jugendliche als Protagonist:innen noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Wir haben auch bei dem Film zum Beispiel in der Mongolei mit der Familie und damit auch mit den Kindern viele Gespräche geführt. Im Endeffekt sind viele Dinge im Schnitt irgendwie entschwunden. (Anmerkung: In der Medieninformation steht, dass es 51 Stunden gefilmtes Material gibt.) Aber, ja, berechtigter Punkt. Ich dreh sehr gern mit Kindern und lass mir deren Welt zeigen. Das würd‘ ich mal mitnehmen in dieses mögliche nächste Kinoprojekt.

KiJuKU: cảm ơn, bayarlaa, obrigado – und hoffentlich irgendwann auch in der Sprache der Jupaú.

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Die Autorin und Illustratorin mit ihrem ersten gedruckten Buch

Schimpfroboter, Fehler bewusst zeigen und Reisen in Unbekanntes

Auf dem Schreibtisch steht eine Staffelei mit einem großen bespannten Rahmen – noch komplett weiß. Auf dem Schubladen-Kastl daneben viele Gläser und ein paar Dosen mit gut 100 Stiften in verschiedensten, meist pastelligen Farbtönen, ein Glas mit Pinseln und zwei mit Filzstiften. Auf dem Schreibtisch liegen noch etliche Notizbüchlein und viele kleine, bemalte Zettel.

Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … ist zu Gast in der Wohnung, die gleichzeitig Atelier von Tessa Sima ist. Die (jetzt) 29-jährige Dixi-Kinderliteraturpreisträgerin des Jahres 2018, die damals – noch zum Kinder-KURIER – gesagt hat „ich seh die Welt durch Pinsel und Stift“, hat vor wenigen Wochen ihr erstes ganzes Buch veröffentlicht: „Wär‘ Verantwortung ein Hut“ – zu einer Buchbesprechung geht es hier unten.

KiJuKU: Wie kamst du zu dem Vergleich von Verantwortung und Hüten?
Tessa Sima: Zuerst war das Thema Verantwortung da. Wer trägt die wofür. Kinder, die sich bei Klimademos engagieren, übernehmen große Verantwortung für die Zukunft des Planeten. Andere, die Riesengehälter beziehen würden viel größere Verantwortung tragen, aber übernehmen sie die wirklich?

KiJuKU: Und wie kam’s dann zu den Hüten?
Tessa Sima: ich habe lange nachgedacht, zuerst wollte ich Steine zeichnen – wie bei Sisyphos (aus der griechischen Mythologie, der schwere Steine den Berg raufrollt und kaum ist er oben, rollen sie wieder runter, Anm. d. Red.), weil Steine gleich große Last(en) symbolisieren. Dann habe ich angefangen zu zeichnen, aber das war zu erdrückend. Manchmal hab ich Geschichten ein Jahr im Kopf bis ich draufkomm: Das ist es. So war’s dann mit den Kopfbedeckungen – die oft ja auch sehr symbolisch und bedeutungsvoll sind wie bei Bischöfen oder Königinnen und Königen.

KiJuKU: Auf vielen, sogar auf der Titelseite gibt es bei den Texten, die ausschauen als wären sie mit der Hand geschrieben, immer wieder Durchgestrichenes. Ist das – fast – überall absichtlich eingebaut oder wirklich so passiert?
Tessa Sima: Ich hab die Texte zu den Bildern drunter notiert und dann in den Scans mitgenommen und gelassen. Die Texte hab ich dann schon noch einmal sauberer geschrieben, aber auch da Fehler gemacht, ich bin Legasthenikerin. Als Kind schon hab ich gern und viel geschrieben, dann aber wegen der Fehler aufgehört damit. Erst auf der Uni hab ich mir selber die Freiheit gegeben damit zu spielen. Fehler passieren. Und die wollte ich herzeigen, um auch anderen Mut zu machen. Außerdem schaut’s auch lustig aus.

KiJuKU: Wenn du dich so lange mit einem Thema beschäftigst, gibt es wahrscheinlich 1000e Ideen, wie hast du dann genau diese für das Buch ausgewählt?
Tessa Sima: Auch wenn es noch 100 Themen geben würde, du musst irgendwann sagen: jetzt ist es aber genug, du musst es gehen lassen. Ich finde auch, wenn du auf die eigene Arbeit zurückschaust, oder halt wenn ich das tue, dann sag ich nie: Das hätte ich besser machen können oder müssen, sondern wenn: Was könnte ich in Zukunft anders oder besser machen.

Und ich find’s auch cool, dass es noch viele weitere Beispiele geben kann – beim Kinderliteraturfestival (21. bis 27. Juni 2023, Theater Odeon) darf ich gleich am ersten Tag einen Workshop mit Kids machen und da möchte ich sie animieren, ihre eigenen Gedanken und Geschichten zu Hüten und Verantwortung zu zeichnen und malen.

KiJuKU: In so manchen deiner Kombinationen aus Bild und Wort schwingt auch Ironisch-Widersprüchliches mit – zum Beispiel in vielen deiner „Ein Blattgeschichten“ von denen du nach dem Dixi-Kinderliteraturpreis einige dem Kinder-KURIER, dem Vorläufer von KiJuKU, zur Verfügung gestellt hast, etwa wenn die Waschmaschine schmutzige Gedanken hat oder der Schreihals keinen Ton rauskriegt, weil er auch ein Geizhals ist.
Tessa Sima: Humor spielt für mich eine große Rolle, auch um Dinge zu kritisieren, zum Beispiel – und sie zeigt auf ein großformatiges gerahmtes Bild, das an einer Tür lehnt – wenn wer so viel von Natur spricht und sich in der aufhält und dann einen Fast-Food-Burger isst.

Tessa Sima mit einem Bild - einmal miniklein, das andere Mal sehr groß

KiJuKU: In der Kurz-Biographie auf der Website des Verlags steht, dass du deine „kreative Karriere im Alter von sieben Jahren“ begonnen hast, „als sie einen Roboter baute, der Schimpfwörter zu ihren Lehrer*innen sagte“. Stimmt das?
Tessa Sima: Ich hatte eine Freundin in der Schule (Kreamont – kreatives lernen nach Montessori in St. Andrä Wördern/NÖ) und wir haben gemeinsam immer wenn es Verbote gab, Auswege gesucht, wie wir das trotzdem machen konnten was wir wollten. Wir sind also kreativ mit Problemen umgegangen. So haben wir aus Karton einen „Roboter“ gebaut, der Schimpfwörter sagen konnte. Viele Kinder haben sich angestellt, um sich beschimpfen zu lassen.

KiJuKU: Kinder haben sich beschimpfen lassen?
Tessa Sima: Naja, nicht arge, sondern so Kinder-Schimpfwörter, die dann ausgesprochen werden durften, ja einmal sind sie sogar in einer langen Schlange angestanden. Wir beide haben viel Schabernack getrieben, immer wieder auch Grenzen ausgetestet. Und wir waren dabei sehr kreativ. Wir haben auch einmal eine Zeitung gemacht „Räuber und Gendarm“. Sie war sehr schlau, hat mir schon im Kindergarten vorgelesen und ich hab viele Fehler gemacht. Dann hab ich vorgeschlagen, ob wir nicht in der Zeitung lauter Fehler machen könnten, also gar nichts richtig schreiben.

KiJuKU: Auf dem Tisch steht diese Staffelei mit dem großen noch leeren Bild, was wird das?
Tessa Sima: Ich hab bisher immer klein, oft sogar sehr klein gezeichnet, habe immer in kleines Notizheft und Stifte bei mir. Jetzt wo ich umgezogen bin und mehr Platz zur Verfügung steht, habe ich begonnen auch groß zu malen und zeichnen – auch wenn anstrengender ist – ich male ja trotzdem nicht flächig mit großen Pinseln an, sondern meistens mit den Polychromos-Stiften (Buntstifte mit höherem Öl-Anteil in den Minien, so dass sie fast wie ein Mix aus Buntstift und Ölkreide wirken). Wenn die Sonne draufscheint, leuchten die Farben richtig. Aber wenn die großen Bilder ge-scant werden (im Copy-Shop) ergibt das auch im dann verkleinerten, gedruckten Format ein anderes, dichteres Ergebnis.

KiJuKU: Woran arbeitest du gerade?
Tessa Sima: An einer Ausstellung für die Kabinett Passage für Comic und Artverwandtes im MuseumsQuartier (Wien, bei dem Eingang von der Mariahilfer Straße).

KiJuKU: Was wird das Thema sein?
Tessa Sima: Das darf und mag ich noch nicht verraten.

Weit gereist

KiJuKU: Du bist viel in der Welt unterwegs – hast du auch damals schon im KiKu gesagt und in der Zwischenzeit war’s noch mehr wie die kurze Notiz auf der Verlagsseite besagt?
Tessa Sima: Ja, zuletzt – vor der Pandemie und den Lockdowns – während meines Studiums an der Angewandten war ich ein halbes Jahr im Iran, in Shiraz. Ich dachte, hier kenn ich schon alles, ich will und muss raus und zwar in etwas Unbequemes, wo es mich aus eingefahrenen Gleisen raushaut und ich mein eigenes Ding machen muss. Zur Wahl standen für mich Israel oder der Iran. Dann bin ich auf ein ironisches Internet-Video gestoßen: „Don’t go to Iran“. Und wollte es gerade deswegen.

Dort hab ich Teppich-Knüpfen und Grafikdesign studiert, hauptsächlich Ersteres – und sie holt aus einer Lade zwei kleine eigenhändig geknüpfte Woll-Teppiche hervor. Dieses Lama trägt einen Hijab – und das Bild wurde sogar auf der Homepage der Uni veröffentlicht, im andern hab ich Bilder von Frauen geknüpft, die ihre Mittagspause auf Verkehrsinseln verbringen. Die Erfahrung in diesen Monaten war urcool, so viele so offene so freundliche Menschen – und das unter diesen schwierigen Bedingungen eines autoritären Regimes, das die Leute niederdrückt. Wir hatten an der Uni übrigens mehr Frauen als Professorinnen als an der Angewandten!

Schon in der Schule

KiJuKU: Du war schon in der Schulzeit in Estland?
Tessa Sima: Ja, an der Graphischen (in Wien, berufsbildende höhere Schule in diesem Bereich) wollte ich ein Jahr im Ausland verbringen, im Norden solle es sein. Ich hab ein junges Land gesucht, mich informiert und gelesen, dass die Sprache 14 Fälle hat. Das hat mich interessiert und so hab ich ein Semester bei einer Gastfamilie gelebt und damit auch die Sprache gut gelernt.

Außerdem war ich ein halbes Jahr in Dänemark und ein Monat in Shanghai und zuletzt – schon nach den Lockdowns und der Pandemie in Island Jungpferde zureiten.

KiJuKU: Die nächste Destination?
Tessa Sima: Weiß ich noch nicht, vielleicht Korea.

KiJuKU: Ein afrikanisches Land würde doch noch fehlen?
Tessa Sima: Stimmt, wäre mehr als eine Überlegung wert.

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Mehr Informationen
Tessa Sima bei der Verleihung des Dixi-Kinderliteraturpreises 2018
Tessa Sima bei der Verleihung des Dixi-Kinderliteraturpreises 2018

Story über die Dixi-Kinder-Literaturpreisverleihung 2018 – damals noch im Kinder-KURIER

Besprechung des Buches und Online-Projekts „Klimapiratin, für die u.a. Tessa Sima gezeichnet hat – auch noch im KiKu

Interview mit den Darstellerinnen Elisa Perlick, Wanda Gessl und der Regisseurin von "Bambi & die Themen" im Burgtheater-Vestibül, Mia Constantine

Bambi-Darstellerin, ??? und die Regisseurin im Interview

Vor der Premiere traf KiJuKU.at die Regisseurin Mia Constantine sowie zwei der Laien-Darsteller:innen, die an diesem Abend nicht auf der Bühne zum Einsatz gekommen sind, Wanda Gessl (26) und Elisa Perlick(24); erstere spielt – wenn sie drankommt – Bambi und ihre Kollegin die alle immer wieder verwirrende Figur, die im Stücktext ??? genannt wird, im Schauspiel namenlos bleibt.

Elisa Perlick studiert Gender Studies – Themen spielen stark ins Stück rein, aber es ist noch nicht der unmittelbare Zusammenhang zu Theater, daher ergab sich natürlich die erste Frage an sie:

KiJuKU: Wie sind Sie zum Schauspiel gekommen?
Elisa Perlick: Ich hab in meiner Kindheit und Jugend sehr viel getanzt und erste Erfahrungen auf der Bühne gesammelt und bin dann über Schulproduktionen und Uni-Theater im Bachelor-Studium immer mehr zum Schauspiel gekommen. Als ich neu nach Wien gekommen bin, hab ich mich bewusst umgeschaut nach Schauspielgruppen, wo Laienschauspiel betrieben wird und bin da auf das Casting hier aufmerksam geworden und dachte, ich probier’s mal.

KiJuKU: Sie sind dann schon für die Rolle der drei Fragezeichen gecastet worden, oder zunächst einmal für das Team für dieses Stück?
Elisa Perlick: Es wurde uns zwar das Stück vorgestellt, wir haben dann als Team dazu gearbeitet, die Rollen wurden uns erst am Ende der beiden Casting-Runden bei der ersten Leseprobe zugeteilt.

KiJuKU: Sind Sie zufrieden mit der Ihnen zugeteilten Rolle?
Elisa Perlick: Sehr, ich find diese Rolle sehr spannend, weil sie sich ein bisschen was rausnimmt und zwischen allen Figuren agier, aber auch mit dem Publikum interagiert. Und sie hat in den jeweiligen Szenen ein eigenes Vorhaben und spielt damit.

Interview mit den Darstellerinnen Elisa Perlick, Wanda Gessl und der Regisseurin von
KiJuKU-Interview mit den Darstellerinnen Elisa Perlick, Wanda Gessl und der Regisseurin von „Bambi & die Themen“ im Burgtheater-Vestibül, Mia Constantine

KiJuKU: Wobei, Bambi nimmt sich ja auch ganz schon viel heraus und damit zu Ihnen, die sie ja – zwar nicht heute -, aber bei anderen Vorstellungen eben Bambi spielen: Wie sind sie von ihrem Studium Biotechnologie zum Theater gekommen?
Wanda Gessl: Bei mir hat es so am Ende der Schulzeit begonnen mit Musicalproduktionen, dann hab ich einmal in diesem Haus hier beim offenen Spielclub in der Burg mitgemacht und das hat Riesen-Spaß gemacht. Dann immer wieder mal so ein bisschen Impro mit Musik und Gesang und dieses Jahr hat’s dann geklappt mit dem Studio-Ensemble.

KiJuKU: Soll das später einmal mehr werden oder neben Biotechnologie (das sie in München studiert) ein Hobby bleiben?
Wanda Gessl: Im Moment genieße ich es sehr, dass ich das noch nicht so trennen muss. IM Studium hab ich diese zeitliche Freiheit, mir auch die Zeit für Schauspiel nehmen zu können. Die sieben Wochen, wo wir hier geprobt haben, konnte ich die Uni hintanstellen. Aber eigentlich ist Theater für mich schon ein Hobby.

KiJuKu: Nun zur Regisseurin: Wie haben Sie aus diesem Text, der doch einigermaßen schwierig, kompliziert phasenweise fast ein bisschen verwirrend wirkt, – alle Fragen dieser Welt auf ein und demselben Niveau behandelt – ein Stück inszeniert?
Mia Constantine: Ich glaube, in dem man den Text sehr ernst nimmt, fast ein bisschen zu ernst. Und das hab ich, glaube ich vor allem mit den nicht-professionellen Spieler:innen, gemacht. Dazu haben wir versucht, erst einmal alles was da steht für uns zu erobern. Da gab’s dann schon immer wieder so Momente: Huch, was ist das, wie geht jenes?
Aber da wir versucht haben, dahinter zu steigen, alles ernst zu nehmen, ist es dann relativ schnell gegangen. Zum Schluss hat sich dann alles fast wie eine Komposition angefühlt, die aber schon vom Autor eigentlich so vorgegeben war. Wir haben uns ziemlich genau ans Original gehalten, glaube eine größere Regie-Anweisung gestrichen, aber das war’s dann auch schon.

Interview mit den Darstellerinnen Elisa Perlick, Wanda Gessl und der Regisseurin von
KiJuKU-Interview mit den Darstellerinnen Elisa Perlick, Wanda Gessl und der Regisseurin von „Bambi & die Themen“ im Burgtheater-Vestibül, Mia Constantine

KiJuKU: Sind alle Schauspieler:innen nicht professionell, oder gibt es einen Mix?
Mia Constantine: Diese Produktion ist bewusst ausschließlich mit Laien-Darsteller:innen, ich fin das gerade für dieses Stück sehr passend, weil die noch viel näher dran sind an all diesen Figuren und deren Fragen – neu in der Stadt, erste WG beziehen, mit Internet, mit Überforderungen …

KiJuKU: Wobei ich ja beim Lesen des Stücks eher den Eindruck hatte, dass diese Überforderung durch Internet und Social Media eher etwas ist, das der erwachsene Autor (Bonn Park) den jungen Figuren überstülpt, und weniger ein Problem Jugendlicher?
Elisa Perlick: Ich erleb’s selber schon auch immer wieder. Regelmäßig de-installiere ich Instagram, weil ich merk, ich geh da automatisch drauf und auf einmal bin ich dann stundenlang von einem zum anderen gescrollt.

Wanda Gessl: Ja, wenn du mit ganz schlimmen realen Dingen konfrontiert bist, dann rettest du dich halt manchmal in so ein Scrollen leichter, ablenkender Videos oder Fotos oder Nachrichten.

KiJuKu: Aber hat das nicht die Generation davor genauso nur vor dem TV-Monitor gemacht, durch viele Programme zappen?
Alle drei fast im Chor: Ja, absolut.
Elisa Perlick:Und ich würde natürlich auch nicht wirklich auf Instagram verzichten wollen, weil ich darüber doch wieder wichtige Informationen bekomme, darum installiere ich sie dann ja auch immer wieder neu. Außerdem ist es gerade für marginalisierte Gruppen schön, über Social Media Communities bilden zu können. Aber ich finde, das Stück zeigt das halt auch sehr gut von beidem – von Informationen und Energie, die du da draus bekommen kannst und oft gleichzeitig einer Überforderung.

KiJuKU: Noch eine Frage zum Stücktitel und damit, ob Sie oder alle oder die meisten im Hinterkopf die bekannte „Bambi“-Geschichte hatten?
Wanda Gessl: Die meisten hatten als Kind den Disney-Film gesehen und bei einer der ersten Proben haben wir ihn gemeinsam angeschaut und (wieder) gemerkt, dass der schon auch sehr grausam ist.
Mia Constantine: Dieses Gefühl, das der Film transportiert, hat der Autor auch ins Stück gepackt. Wir lernen die drei – Bambi, Klopfer und Blume – kennen, als sie jetzt erwachsen geworden sind, der Wald brennt, sie landen in der Stadt. Dieses Gefühl zwischen niedlich sein und der grausamen Familienstory hat er gut getroffen.
Wanda Gessl: Wir haben uns auch mit den einzelnen Figuren auseinandergesetzt, aber nicht nur den Tieren, sondern auch wie sie hier als unterschiedliche menschliche Typen agieren.

KijuKU: Für die Figur ??? gibt es ja kein Vorbild, oder spielte die Kinderkrimiserie der drei Fragezeichnen eine Rolle?
Elisa Perlick:Nein, war aber meine erste Assoziation. Diese Rolle ist auch doppelbesetzt, Henriette Bayer (die bei der Premiere diese Verwirrungs-Figur spielte) und ich hatten wie auch die anderen Doppelbesetzungen den Vorteil, dass wir nicht nur miteinander an der Entwicklung der Figuren arbeiten, sondern uns sozusagen gegenseitig auch beobachten konnten.
Wanda Gessl: Ich fand’s schon cool, dass du einmal die Figur spielst und einmal dich hinsetzen kannst, um zuzuschauen, wie die/der andere diese Rolle spielt (in dem Fall ist es Simon Haslauer, der auch Bambi darstellt). Wir konnten gegenseitig voneinander lernen, aber dennoch hat jede/jeder Eigenheiten, die auch bleiben (sollten).
Mia Constantine: Ja, das sollte auch so sein, dass jede und jeder einen eigenen Zugang einbringt. Die Doppelbesetzungen waren zunächst einmal aus organisatorischen Gründen geplant, weil das auch Druck rausnimmt, entspannt, weil doch viele dann auch auf den Unis auch Prüfungen haben… aber es ist schon auch Konzept.

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Der Autor und sein jüngster Gedichtband

König und Gesandter – Gedichte über die Welt, das Leben, Gefühle und Verstand

Auch wenn das Buchcover eine Dornenkrone in er Wüste unter dem Himmel mit leuchtendem Mond zwischen kräftigen Wolken ziert und das erste Gedicht mit den beiden Zeilen „König der Guten und Reifen/ Gesegnet sei dein Name“ beginnt, ist es kein religiöser Gedichtband. In „König“ fasst der Autor Ibrahim Rahimi, der auch gar nicht religiös ist, tiefschürfende, teils bis in die persönliche Verletzlichkeit reichende Gedanken über sich und die Welt in poetische Miniaturen von unglaublicher Größe.

Die 20 Gedichte – von „König“, „Gesandter“, „Pflicht“ über „Wunder“, „Vergangenheit“ und „Kosmos“ bis zu „Gebrochene Schicksale“, „Hauptstadt der Harmlosen“ … – ergeben wie Puzzleteile ein Gesamtbild eines hochsensiblen Menschen, der ein wenig daran (ver-)zweifelt, dass ihn die Welt kaum bis nicht versteht.

Rück- und Titelseite des Gedichtbandes
Rück- und Titelseite des Gedichtbandes „König“ von Ibrahim Rahimi, Gestaltung des Gesamtbildes Rück- und Vorderseite mit Spurn im Sand zur Leserin/zum Leser: Patricia Mustafić

Düstere Gedichte – fröhlicher Autor

Der Autor selbst strahlt – mehr noch als in einem früheren Gespräch vor mehr als sechs Jahren – praktisch das genaue Gegenteil aus: Fröhlichkeit, Optimismus, Freude am Leben und der Welt – auch wenn er einige von deren Schattenseiten mehr als zur Genüge kennt. Der 27-Jährige war vor rund sieben Jahren zum zweiten Mal in seinem Leben auf der Flucht. Als er zwei Jahre jung war, floh die Familie aus Afghanistan in den Iran, wo Afghan:innen als Bürger:innen zweiter Klasse, oft sklavenähnlich behandelt werden. Ab dem jungen Alter von acht Jahren musste er zu arbeiten beginnen und konnte nur so das Geld aufbringen, um dann ein Gymnasium zu besuchen. Nach der Matura begann er als Buchhalter zu arbeiten. Aber mit seiner Leidenschaft, Gedichte zu verfassen, in denen er sich kritisch mit allem Möglichen auseinandersetzte – von Religion bis zu weltlichen Herrschern, die sich auf erstere berufen – sah er keine Chance auf Veröffentlichungen in seiner zweiten Heimat. Nicht nur das, er sah sich sogar körperlicher Bedrohung gegenüber. So sah er sich gezwungen – diesmal allein – zu flüchten, landete in Österreich.

Der Deutschkurs allein war ihm zu wenig. „Ich wollte mehr verstehen und sprechen. Mich interessieren Menschen und deswegen wollte ich so schnell und gut wie möglich Deutsch lernen“, erzählt er im aktuellen Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… im Dschungel Café, dem Restaurant im Foyer des Kinder- und Jugendtheaterhauses im Wiener MuseumsQuartier.

Der Autor und sein jüngster Gedichtband
Der Autor und sein jüngster Gedichtband

Erst Buchhalter, jetzt künftiger Kindergärtner

Seit vier Jahren ist er anerkannter Asylwerber, hatte bald nach seiner Ankunft einen WiFi-Kurs für Buchhaltung absolviert. „Das kannte ich ja schon und ich wollte möglichst schnell arbeiten und mein eigenes Geld verdienen.“ Rund vier Jahre arbeitete er als Buchhalter. „Das war mir aber irgendwann zu langweilig und deswegen mach ich jetzt die Ausbildung zum Elementarpädagogen an der BAfEP (BundesAnstalt für Elementarpädagogik) im 21. Bezirk von Wien (Floridsdorf). Ich wollte was Sinnhaftes machen. Diese Arbeit ist sehr wichtig – für die Kinder und die Gesellschaft. Und ich kann ganz gut umgehen mit Kindern. Die ersten Praxistage haben mir auch sehr viel gegeben und noch dazu Spaß gemacht. Du kriegst von den Kindern so viel zurück – Freude, Lachen … Ab dem nächsten Semester darf ich dann fast drei Tage in der Woche in einem Kindergarten arbeiten.“

Daneben schrieb er weiter – an seinem umfassenden Roman, der dennoch in poetischer Form verfasst, (fast) fertig ist. Von dem erzählte er schon im ersten kurz erwähnten Interview – damals noch für den Kinder-KURIER – siehe Link hier unten.

Interview und Porträt des Autors anlässslich eines Preises für ein Gedicht – damals im Kinder-KURIER

Schlimmes so am besten zu verarbeiten

Zurück zu den jetzt veröffentlichten 20 Gedichten: „Ehrlich, zuerst hatte ich die Geschichte, diesen ganzen Bogen, dann hab ich neue Gedichte geschrieben, aber auch ältere, die ich schon hatte, verändert. Dann alle Gedichte nebeneinander gelegt, hin und her geschoben, so dass sie nun die jetzige Form bekommen haben. Der König ist übrigens nur ein Teil einer Persönlichkeit und der Gesandte die zweite Hälfte. Es schaut am Anfang zwar religiös aus, ist aber nicht so, wenigstens nicht so gemeint. Natürlich hat einiges davon mit mir zu tun. Das gilt aber doch wohl für jede Autorin und jeden Autor, dass es eine persönliche Verbindung zu den eigenen Texten gibt. Aber ich selber bin recht glücklich, baue aber immer wieder auch Erlebnisse von Freundinnen und Freunden ein. Außerdem passieren in der Welt um uns herum so viele schlimme und schlechte Sachen und ich finde, die für mich beste Art damit umzugehen, ist darüber zu schreiben.“

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Homepage des Autors

Titelseite des Gedichtbandes
Titelseite des Gedichtbandes „König“ von Ibrahim Rahimi
Die beiden jungen Schauspieler, die als Kasperl und Seppel überzeugen

Neuer Räuber-Hotzenplotz-Film: Zwei vielseitige, junge Darsteller

Frisch aufgemotzt – und doch in good old style – das ist die neue Verfilmung von „Der Räuber Hotzenplotz“ (ab 8. Dezember 2022 in den Kinos), gedreht von den jener Filmfirma, die auch schon „Die kleine Hexe“, „Das kleine Gespenst“ und „Krabat“ – alles Bücher von Otfried Preußler – fürs Kino produzierten. Und auch wenn ein so berühmter Theater- und Film-Schauspieler wie Nicholas Ofczarek in die Titelfigur des Bösewichts mit dennoch einem Schuss Selbstironie schlüpft, die eigentlichen Hauptrollen spielen Benedikt Jenke als Seppel und Hans Marquardt als Kasperl. Sie spielen sehr überzeugend.

Wer ist jetzt wer?

Die heute 13- und 14-Jährigen – gedreht wurde allerdings vor eineinhalb Jahren – trafen Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … zu einem Online-Video-Interview. Und beginnen gleich mit einem Schabernack. Wie sie den Räuber verwirren als sie ihre Mützen tauschen und für Hotzenplotz damit die Identitäten, so stellen sie sich sozusagen kreuzweise vor. „Ich bin Hans und ich habe den Kasperl gespielt“, sagt – genau Benedikt und das gleich nur mit umgekehrten Vorzeichen. Das heißt, bitte nicht „Vorzeichen“ – Mathe mag Hans Marquardt (Kasperl-Darsteller) so gar nicht. Aber dazu später ein bisschen mehr.

Nach dem kleinen Verwirrspiel drängt sich natürlich die erste Frage auf: „Seid ihr in den Szenen, wo ihr jeweils – für den Räuber – in die Rolle des anderen schlüpft, durcheinandergekommen?
„Nein, gar nicht, ich war ja auch mit der Kasperlmütze noch immer der Seppel“, so Benedikt Jenke und sein Kollege Hans Marquardt empfand das genau so.

Sehr gute Freunde geworden

So wie sie hier Wort- und Satz-Ping-Pong spielen, so strahlen sie im Gespräch das aus, was sie bald nach Beginn auch verraten: „Seit dem Dreh sind wir echt gute Freunde“, so Jenke. „Wobei, kennen gelernt haben wir uns beim zweiten Casting“, ergänzt Marquardt.

Beide schwärmen auch vom guten Teamgeist während der Dreharbeiten und auf die Frage, ob Film nicht sehr oft aus langen Wartezeiten besteht, schildert Seppel-Darsteller: „Das Gute ist, dass wir noch Kinder sind, da dürfen wir nicht so lange drehen und deswegen schaut die Regie, dass wir in der Zeit, wo wir da sind und arbeiten dürfen, möglichst viel von unseren Szenen drehen können.“

„Und wenn wir warten musste, dann haben wir oft auch mit Erwachsenen gespielt, meistens Stadt – Land -Fluss. Das kennt jede und jeder“ (Hans Marquardt). „Ich habe seither immer Stifte und Papier dabei. Das macht Spaß und so haben wir uns auch alle im Team besser kennen gelernt“, meint Benedikt Jenke.

Mögen die Geschichte auch jetzt noch

Ob sie sich jetzt als Jugendliche schon zu „groß“ für die im Vorjahr gedrehten Rollen fühlen“, verneinen beide im Brustton der Überzeugung. Sie haben auch schon vor dem Dreh nicht nur Hotzenplotz, sondern auch viele andere der Otfried-Preußler-Geschichten gekannt und geliebt, selber die Bücher gelesen, als Hörspiele gehört und Filme angeschaut.

Tanz, Musik, Basketball

Benedikt Jenke tanzt zeitgenössischen Ausdruckstanz. „Und in einer Aufführung saß ein Mann von einer Filmproduktionsfirma, der mich danach gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte in einem Film mitzuspielen. Da habe ich zugesagt und dann in „Dogs of Berlin“ für Netflix mitgespielt. Und dann habe ich mir eine Agentur gesucht. Vor Räuber Hotzenplotz habe ich schon in weiteren Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt – insgesamt in bisher zwölf.“

Sein Kollege rutschte über den Dreh für einen Werbespot ins Schauspielgeschehen vor der Kamera. „Und in der Schule hab ich in der Theater-AG gespielt. Das hat großen Spaß gemacht.“

Mit heftigem Kopfnicken und einem fast jubelnden „Ja“ beantworten beide (fast) gleichzeitig die Frage: Können Sie sich vorstellen, Schauspiel auch zum Beruf zu machen?“

Neben Tanz, den Jenke weiter betreibt und Schauspiel, liebt Benedikt Jenke in der Schule Erdkunde und Geschichte. Letzteres mag auch Hans Marquardt „und ich spiel Basketball, Schlagzeug und Gitarre“ – „er macht wirklich gut Musik“, lobt ihn sein Hotzenplotz-Kollege, die sich natürlich am Ende aus des Räubers Gefangenschaft befreien und der Großmutter die geraubte zauberhafte Kaffeemühle zurückbringen können.

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