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Fotos aller fünf Sustainability-Finalist:innen

Von e-Milchpumpen über Nebelfanggeräte bis zu Holzschaum, Solar-Energie-Austausch und verwenden statt deponieren

Nachhaltigkeit oder mit der englischen Bezeichnung Sustainability ist vielfach zu einer Art Modebegriff geworden. Auch wenn es um diese Idee wieder ein wenig ruhige geworden ist, wie überhaupt Umwelt(schutz) in Zeiten von Krisen und Sparbudgets weniger Rolle spielen. Auch wenn gerade und insbesondere nachhaltige Projekte und Ideen auch ganz schön viel Sparpotenzial haben.

Bei Jugend Innovativ wurde es vor vielen Jahren zu einer eigenen Kategorie, nachdem es zunächst aus einem gesponserten Sonderpreis Klimainitiative hervorgegangen war. Wobei Nachhaltigkeit nicht nur in den Finalprojekten der so betitelten, sondern quer durch praktisch alle Kategorien seit Jahren eine große Rolle der Erfindungen und Entwicklungen der Schüler:innen spielt.

Platz 1 – und obendrein das Ticket zum internationalen Bewerb EUCYS (obwohl von der EU weit darüber hinaus, nahezu weltweit), gemeinsam mit zwei anderen JI-Finalprojekten – siehe Überblick im ersten Bericht „And the winners are…“ ging an zwei Schüler aus der HTL Ried im Innkreis (Oberösterreich). Leonhard Hauser und Cedrik Thalbauer (beim Finale erkrankt) haben die Milchsammelpumpe auf Elektro-LKW auch elektrifiziert.

Während die Milchsammel-Lastwägen schon elektrisch unterwegs sind, laufen die Pumpen, die Milch auf den Bauernhöfen ins Fahrzeug bringen, noch hydraulisch und müssen dazu von einem Dieselmotor angetrieben werden. Laut und alles andere als sauber.

Problem: Der sperrige Milchtank-Aufbau am LKW bietet kaum Platz für Akkus. Es gelang den genannten beiden Jugendlichen in Zusammenarbeit mit einem großen LKW-Produzenten die Akkus neu anzuordnen.

Obendrein entschied sich das Duo, gegen einen aufwändigen Total-Umbau. Die bisherigen Pumpen werden weiter genutzt, der hydraulische Antrieb erfolgt nun allerdings durch einen Elektromotor (4 kW). Dafür erfanden die HTL-Schüler ein eigenes Verbindungsteil zwischen der bisherigen Pumpe und dem neuen Motor.

Die Neukonstruktion ist nun aber nicht nur sauberer und umweltfreundlicher – Jahr für Jahr werden so pro Milchsammel-LKW rund 7.300 Liter Diesel und damit 20 Tonnen CO₂ eingespart. Die Entwicklung mit dem megalangen Projekttitel „E-Mobilität in der Milchlogistik-Elektrifizierung eines Milchtankaufbaus“ ist sogar effizienter: Der Wirkungsgrad der Pumpen stieg von 60 Prozent (und damit weniger als zwei Drittel) auf 90 Prozent.

Wasser aus fast Nichts

Ein Käfer inspirierte den nunmehrigen Abendschul-HTL’er der Mössingerstraße (Klagenfurt Kärnten) Dario Periša zu seiner Tüftelei, Forschung, dem Bau von mehreren Versionen von Modellen für Prototypen, um Wasser dort zu gewinnen, wo es (fast) nicht vorhanden ist.

Der schwarze, rund zwei Zentimeter kleine oder große (?) „Nebeltrinker-Käfer“ (Onymacris unguicularis) steckt seinen Kopf fast in den Sand, reckt das Hinterteil seines Panzers nach oben, um feine Nebeltröpfchen und damit Wasser aufzufangen. Ob aus Beobachtung dieses Käfers oder anderer Tiere oder schlicht der eigenen Natur-Wahrnehmung machen auch Menschen in sehr trockenen Weltgegenden sich – mit einfachen Hilfsmitteln – Nebel zunutze, um doch an das überlebenswichtige Nass zu kommen: In Chile, Marokko oder dem Oman, so Periša, „spannen Bewohner:innen großflächige Stoffnetze auf, um Nebelwasser zu sammeln. Das Problem: Die Ausbeute liegt bei zwei bis zehn Prozent.“

„Nebelnetze“ aus Metall einerseits und diese sozusagen unter Strom setzen, können durch Korona-Ionisierung Tropfen ihrerseits aktiv anziehen. Diese Technik gibt es im Labor bereits. Der Schüler, der übrigens schon vor zwei Jahren mit einem ganz anderen – auch eigenständigen Solo-Freizeit-Projekt im Finale war („Universal-Switch“ – Link zum Beitrag mit dem Bericht darüber am Ende unten verknüpft) – baute einen eigenen Nebelwindkanal: Ultraschall-Nebelerzeuger, Lüfter mit 3D-gedrucktem Strömungsgleichrichter, Hochspannungstransformator.

In seinem „Hobby“-Projekt, wie er es gegenüber Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… nannte, jenseits aller schulischen Aufgaben, testete er verschiedene Drahtnetz-Konstruktionen bei unterschiedlichen Spannungen – samt jeweiligen Messreihen. Das beste Ergebnis: 38 Prozent Effizienz bei 10,5 Kilovolt.

Dann entwarf Periša eine eigene Hypothese: Was, wenn er die Drähte gegen Blechstreifen tauschen würde – die Oberfläche ist dann ja deutlich größer. Erstaunt und enttäuscht nahm er die Messungen zur Kenntnis: Blechnetze schnitten schlechter ab als die Drahtnetze.
Dennoch gab er nicht auf und fand heraus, worin der Grund lag: Das elektrische Feld zwischen den Blechen verhält sich grundlegend anders als zwischen Drähten, ein einzelner Blechstreifen hingegen sammelt doppelt so viel Wasser wie ein einzelner Draht.
Und so baute der Schüler einen zylindrischen 360-Grad-Filter, der Nebel aus jeder Windrichtung einfangen kann, und konstruierte per 3D-Druck das Modell eines autonomen Kollektorturms: Photovoltaikanlage, UV-Wasseraufbereitung, ESP32-Steuerung.

In der Originalgröße könnte ein solcher Turm mehr als 300 Liter Wasser in fünf Stunden sammeln!
Das würdigte die Jury mit Platz zwei in der Kategorie Sustainability.

Holzschaum

Holz spielt die zentrale Rolle in ihrer Schule, besuchen Lois Oberacher und Michael Wagner doch das Holztechnikum im Salzburger Kuchl, eine HTL mit eben dem Schwerpunkt um diesen nachwachsenden Rohstoff. Doch während alle Schüler:innen nachhaltigen Holzbau lernen, wird nach wie vor mit Styropor gedämmt – ein Produkt aus fossilem Erdöl, das letztlich zu Mikroplastik zerfällt und kaum recyclebar ist.

Das muss doch anders auch gehen. „Hilfe“ holten sich die beiden durch eine Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Salzburg – und experimentierten daran, aus Holz eine Art Schaum zum Dämmen zu machen.

Ihre – fünf – Zutaten: Paulowniafasern (immergrüne Bäume), Stärke, Ligninsulfonat (einem Nebenprodukt der Zellstoffindustrie), Leinöl und Wasser. Wasserstoffperoxid treibt den chemischen Schäumprozess, ganz ohne synthetische Polymere.

„Wir haben verschiedene Zusammensetzungen dieser Materialien getestet, fast drei Dutzend Varianten“, erzählen die beiden und zeigen angreifbare Würfel aus mit Schaum gefüllten Holzstücken. „Am Ende stand ein formstabiler Schaum mit einer Rohdichte von rund 150 Kilogramm pro Kubikmeter und einem Feststoffgehalt von sieben Prozent, homogene Porenstruktur, ausreichende mechanische Stabilität“, heißt es in einer Kurzfassung der Projektbeschreibung. Diese Masse „lässt sich bearbeiten wie ein fester Schaumstoff. Feine Fasern unter 0,5 Millimeter ergeben glatte, dichte Oberflächen; gröbere Fasern bis 1,5 Millimeter eine offene, faserige Struktur. Je nach Anwendung lässt sich der Schaum gezielt anpassen – Dämmstoff, Verpackungsmaterial oder Kern einer „Sandwichplatte“.

Alle Inhaltsstoffe sind nachwachsend, die Rohstoffe kostengünstig und regional verfügbar. Und am Ende: Alles kompostierbar!
Bevor der Holzschaum zum Einsatz kommen kann, „muss er jedenfalls noch auf seine Brandbeständigkeit geprüft werden und ganz ausgereift ist er noch nicht“, gestehen die beiden Schüler, „aber wir wollen auf der FH studieren und selber weiter dran arbeiten“, zeigen sie sich optimistisch was die Verwirklichung der Praxistauglichkeit ihrer Vorarbeiten angeht.
Platz 3 im 39. Bundesfinale in dieser Kategorie – entschied die Jury.

Verwenden statt wegführen

Bei so manchen Jugend-Innovativ-Projekten stellt sich spontan die Frage „Häääh, warum gibt’s das nicht längst???“ Das trifft beispielsweise ganz stark auf das Prinzip auf die Entwicklung von Jakob Ferbar, Dorian Galler und Jakob Huss aus der HTL Leoben (Steiermark) zu. Was vielleicht ein bisschen kompliziert „Entwicklung eines Estrichsystems unter Einsatz von Bodenaushubmaterial“ benamst ist, bedeutet „nichts“ anderes als:

Statt beim Hausbau tonnenweise Material, das für die Baugrube ausgehoben wird wegzuführen, um es zu deponieren und andererseits wiederum Unmengen an Sand für den Boden des Hauses heranzukarren…
… genau: Schauen, prüfen, was und wie viel vom Aushub kann für den Estrich, den Untergrund für Fußbodenbeläge, verwendet werden!

In Zusammenarbeit mit einem – international tätigen, österreichischen Baustoffhersteller – brachten die drei Schüler unterschiedlichstes Aushubmaterial ins Labor, um Mischungen für Estrich zu erstellen und zu testen – mehr als fünf Dutzend. Dabei verwendeten sie übliche, bekannte Testverfahren – in Sachen Verformung unter Feuchtigkeit, Beige- und Druckfestigkeit.

Der vom Trio entwickelte neue Estrich besteht nun zu rund einem Drittel aus Aushubmaterial plus Wasser plus speziellem Bindemittel. Neben ersten Kleinversuchen im Labor ließen die HTL-Schüler bereits 200 Kilo in einem Mischer mixen, um das Ergebnis auf Praxistauglichkeit zu testen. Noch, so gestehen sie, mache die Zähigkeit von Ton aus dem Aushubmaterial Probleme beim Mischen, doch das Partnerunternehmen will mit den Jugendlichen weiter daran arbeiten „und auch Wiener Wohnen ist an unserer Grundlagenforschung sehr interessiert“, verkünden sie gegenüber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Sonnen-Energie automatisch verteilen

Gehen sprichwörtlich die Speicher der empfangenen Solar-Energie in einem Haus über, und würde gerade im Nachbarhaus mehr Strom gebraucht, so scheitere derzeit der mögliche Austausch oft an unterschiedlichen technischen Systemen – vereinfacht und laienhaft ausgedrückt. Dagegen haben Lukas Österbauer, Florian Thaler und Jonas Schöppe aus der HTL im oberösterreichischen Braunau (übrigens eine Schule, die seit Jahrzehnten fast Dauergast mit Projekten im Finale ist) „Universal EMS“ (Energie-Managment-Software) entwickelt. Wobei sie nicht nur Soft-, sondern auch ein Hardwareteil erdacht und gebaut haben.

Was am Ende vielleicht einfach klingen mag, war kein leichter Weg, wie die drei Schüler in der Projektbeschreibung berichten: „Wochenlang verstrickte sich das Team beim Versuch, die Kommunikationsprotokolle in Java zu programmieren. Erst ein Strategiewechsel hin zu einer flexiblen Vermittler-Software brachte den Durchbruch.“

Entwicklung einer passgenauen Aufsteckplatine, die den kostengünstigen Raspberry Pi fit für den Schaltschrank macht: Spannungswandlung, industrielle Schnittstellen, Sicherheitsanforderungen – einerseits.
Und andererseits eine Software, die Gerätedaten sammelt, Node-RED „übersetzt“ diese OpenEMS optimiert die Energie-Flüsse.

„Wir wollten jedenfalls alles mit Open Source machen, um Erzeuger und Verbraucher auch so einfach verbinden zu können, damit – welche Hard- oder Software verwendet wird, technologieoffen diese automatisch mit unserer verknüpft werden kann“, erklären sie dem Journalisten den dahinter liegenden Gedanken. „Der lokale Manager erfasst jede Kilowattstunde und funkt die Werte an einen zentralen Server. Dort übernimmt eine KI die Regie“, ist das Erfolgsrezept des Trios.

Die drei Schüler wollen übrigens dran bleiben und Hard- und Software bis zur Marktreife weiterentwickeln: Einbaufertiges Starter-Kit samt Software-Abo ist das Ziel, damit der „Universal EMS“ dezentrale Erzeuger:innen und Verbraucher:innen analog einem virtuellen Kraftwerk ausgleichen.

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Fotos aller fünf Science-Finalist:innen

Gütesiegel für 42 Schulen und fünf Top-Top-Wissenschaftsprojekte

Am 8. Juni (2026) wurden 42 Schulen aus sieben österreichischen Bundesländern von Wissenschafts-/Forschungs-Frauenministerium und OeAD (Agentur für Bildung und Internationalisierung) mit dem Young-Science-Gütesiegel ausgezeichnet. Diese Schulen – aller Typen – haben entsprechende Schwerpunkte – in Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Forschungs-Einrichtungen.

Vor knapp eineinhalb Wochen stellten sich im – mittlerweile 39. – Bundesfinale von Jugend Innovativ auch wieder die fünf besten der besten Projekte in der Kategorie Science (Wissenschaft) vor. Die Jury würdigte sie mit Preisen.

Platz 1 ging an ein Projekt, mit dem zwei Jugendliche der HTL Bregenz den Rahmen der Schule praktisch sprengten. Eineinhalb Monate lang studierten Jonas Stadelmann und Julian Übelher an der Virginia Tech Uni in den USA, um weiter an einem internationalen Problem eines Tiefpunkt in einem Algorithmus eines Quantencomputers. Was fast unaussprechlich „Analyzing and Overcoming Optimization Obstacles in Adaptive Variational Quantum Algorithms“ und selbst in der Übersetzung „Analyse und Überwindung von Optimierungshindernissen in adaptiven variationalen Quantenalgorithmen“ für Laien „nur“ hochkomplex klingt, können die beiden auf praktische einfache Art andeuten:
„Die Entwicklung neuer Medikamente … scheitert oft an der Rechenleistung klassischer Computer, wenn es darum geht, komplexe Molekül-Strukturen zu simulieren. Quantencomputer versprechen hier die Lösung.“ Dabei gibt es einen „vielversprechender Algorithmus… doch er bleibt oft in … Phasen stecken, in denen die Berechnung stagniert und wertvolle Quantenressourcen verschwendet werden…“

Und siehe da, das Duo aus Vorarlberg machte sich auf den Weg, diesen Algorithmus (ADAPT-VQE) aus dieser bisherigen Sackgasse herauszubringen – und dies ist ihnen, nicht zuletzt dank ihres Forschungs-Aufenthalts in den USA gelungen. Ihre  Diplomarbeit ist dabei, als Peer Review-Papier veröffentlicht zu werden – Schüler im Kreis der internationalen Quantenforschung!

Neben dem Science-Sieg dürfen sich die beiden auf die Reise zum chinesischen Wissenschafts- und Technologie-Innovationsbewerb in Xi’an City in der Provinz Shaanxi freuen.

Mehr als nur unangenehm

Zu recht regelmäßigen Teilnehmer:innen im Jugend-innovativ-Finale zählen unter anderem Wissenschaftsprojekte aus dem (Real-)Gymnasium Schloss Wagrain im oberösterreichischen Vöcklabruck. Das diesjährige Team – Tim Schachinger, Elias Todjeras, Munachukwuso Chijioke, Jwan Rasheed sowie ihre Koordinatorin Salome Daniels, die in Wien verhindert war – aus dem Wahlpflichtfach Biologie legen nur die Forschungsfragen fest und koordinieren die Experimente rund um die sogenannte Quaggamuschel im Attersee.

Rund 100 weitere Jugendliche der Schule beteiligen sich an en Forschungen rund um diese invasive Art. Zum einen sind ihre scharfkantigen Schalen für Badende und Schwimmende höchst schmerzhaft – an Füßen und da sich diese Muscheln auch an Stegen ansiedeln, auch für Hände beim Festhalten, um den See zu verlassen.

Das ist aber bei Weitem noch nicht alles, Filteranlagen könn(t)en so nach und nach verstopft werden.

Auf
Auf „Spektakulär“ setzt das Team, einer demonstriert – mit Kunstblut und Verband – die Verletzungsgefahr durch die scharfkantigen Muschelschalen

Zum einen haben Schüler:innen Sedimentproben aus verschiedenen Tiefen entnommen und daraus die Belastung hochgerechnet. Fast eine halbe Million dieser Muscheln pro Quadratmeter errechneten sie. Eine andere Gruppe untersuchte, wer als Fressfeinde in Frage kämen. In Zusammenarbeit mit BirdLife gibt es erste Vermutungen, dass Blässhühner und Tauchenten Geschmack an Quaggamuscheln finden könnten. Eine andere Gruppe arbeitet mit Fischern zusammen, um den Magenhinhalt von Rotaugen und Karpfen zu analysieren – vielleicht…?

Eine weitere Gruppe versucht einen ganz anderen Weg zu erforschen: Gibt es Materialien, an denen sich diese Muschelart nicht festsetzen kann, dann…

Und neben den Vor-Ort-Proben im See kann fast ständig auch in der Schule beobachtet werden. Seit einigen Monaten steht in der Aula ein Aquarium mit Exemplaren der lebendigen Forschungsgegenstände der mehr als 100 beteiligten Schüler:innen. Die Quaggamuschel-Forschund der AHS läuft bis 2028.

Silbrig glänzte der Umschlag, den Mr. Cube samt Statue für den zweiten Science-Platz überreichte.

Wasserdicht ohne Ewigkeits-Chemie

Recht spektakulär ging’s zeitweise beim Stand von Johannes Schneider, Vanessa Moosmann und Robin Pregler aus der HTL Dornbirn (Vorarlberg) zu. Grad, dass nicht mit Spritzpistolen herumgeschossen wurde. Aber Wasser rann und floss – nicht nur auf einem kleinen Stück Stoff über einem Auffangbecken, sondern auf größeren regenmantelartigen blauen Stoffen.
So demonstrierte das Trio, dass alles unter dem Stoff trocken bleibt, wenn dieser mit ihrer Erfindung zuvor besprüht worden war – am Ende des Beitrages gobt’s auch ein Video dazu.

Und was ist das Neue, schließlich gibt es Imprägniermittel läääängst.
Die herkömmlichen verdanken ihre Fähigkeit allerdings sogenannten Ewigkeits-Chemikalien- PFAS – per- und polyfluorierten Alkylverbindungen. Da diese Chemikalien eben wie ihr Spitzname sagt, laaaaange nicht abgebaut werden können, ist eine EU-weite Regulierung zur Beschränkung derselben in Vorbereitung.

Gut, es gibt bereits PFAS-freie Imprägniermittel, gestehen die drei Schüler:innen zu, „doch im direkten Leistungsvergleich halten sie mit den fluorhaltigen Produkten meist nicht mit“. Das Trio setzt auf „eine Kombination aus Silikonöl (Polydimethylsiloxan) mit einem speziellen Silikonharz und Isoparaffin als Trägerflüssigkeit“.

Testete, testete und testete. Fast zwei Dutzend unterschiedliche Mischungen unterzogen sie verschiedenen Prüfungen, wieweit das Material Wasser abweist und nicht durchlässt – und verglichen dies mit dem PFAS-Testsieger.

„Ein vierstündiger Langzeit-Beregnungsversuch (beim Projekt „Aqua Shield – PFAS freier Imprägnierspray für Textilien“) machte den Unterschied sichtbar: Rezeptur 18 ließ kein Wasser durch, beim PFAS-Spray sickerten knapp 50 Milliliter hindurch. Und die Materialkosten sanken von anfänglich 6,32 Euro pro Liter auf 4,49 Euro, bei besserer Wirkung und ohne Ewigkeitschemikalien.“

Also besser und billiger – Die Schüler:innen denken – mit einer Partnerfirma – die Produktion über ein reines Wissenschaftsprojekt hinaus, in Angriff zu nehmen. Neben Platz 3 gewannen die drei Schüler:innen auch die Einladung zur Luxembourg International Science Expo 2026.

Strom aus organischem Abfall

Ein durchaus funktionierendes Kleinstmodell einer Brennstoffzelle aus Hefe und Zucker präsentierten Jana Pfeiffer und Max Schneeberger von der HTL im oberösterreichischen Braunau an ihrem Stand im Jugend-Innovativ-Finale. Die Computermessungen zeigten praktisch laufend – natürlich winzige, aber doch vorhandene Strommengen.

Hefe als Prototyp für einen Pilz und Zucker verwendeten sie aber „nur“ stellvertretend für ihre eigentliche wissenschaftliche Forschung, „weil wir aus gesundheitlichen und hygienischen Gründen hier nicht mit wirklichen organischen Abfällen arbeiten wollen / dürfen / können“.

Denn um solche kreist ihre Arbeit: In jeder Kläranlage braucht es viel Energie, um organisch Abfälle abzubauen. Könnten diese nicht eher genutzt werden, um Energie zu erzeugen?

Nicht viel, aber doch ein bisschen Strom zeigt die Messung am Laptop an
Nicht viel, aber doch ein bisschen Strom zeigt die Messung am Laptop an

„Mikroorganismen bauen organisches Material ab und geben dabei Elektronen frei. Leitet man diese Elektronen über eine Elektrode ab, fließt Strom. An der gegenüber liegenden Kathode reagieren sie mit Sauerstoff, und der Stromkreis schließt sich“, so die Überlegung des Duos. Die beiden Jugendlichen beließen es mit „Microbial Fuel Cell“ allerdings nicht „nur“ bei der theoretischen Überlegung und der Anfertigung des eingangs beschriebenen Modells, sondern bauten in der Schule unterschiedliche Versuchsanordnungen – die funktionierten und Strom erzeugten.

Neben einem der Anerkennungspreise gewannen sie damit vor allem – neben der Tremo-Cup-Erfinderin – die Reise zur Taiwan International Science Fair 2027 (TISF) in Taipei.

Wie wirkt Straßenverkehr auf Pflanzen

Hinterlassen Abgase Spuren in Böden und den darauf wachsenden Pflanzen? Dieser Frage sind Fabian Kaltenbrunner, Max Lehner und Timo Haydter aus der HLUW (Höherer Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft) Yspertal (Niederösterreich) auf den Grund gegangen.

An mehreren Punkten rund um ihren Schulstandort entnahmen sie vor mehr als einem Jahr Bodenproben, die Pflanzen unterzogen sie dem „Braun-Blanquet-Verfahren, einem etablierten Schätzsystem für Pflanzengesellschaften“. Wobei sie die Untersuchungsorte einteilten in nahe der Bundesstraße (B36), Güter- sowie Feldwege. Im schuleigenen Labor analysierten sie die Stichproben.

Über ihre Ergebnisse schreiben sie in der Kurz-Darstellung: „An der Bundesstraße beträgt die Naphthalin-Konzentration 2,8 mg/kg trockener Boden, deutlich erhöht gegenüber Feldwegen. Auch bei den Schwermetallen, insbesondere Barium und Zink, zeigt sich ein Gefälle mit abnehmender Entfernung zum Verkehr. … Überraschend positiv fielen die biologischen Tests aus: Trotz der verkehrsnahen Standorte fanden die Schüler keine Pflanzen, die auf Versalzung durch den Winterstreudienst hindeuten. Die Vegetation zeugt stattdessen von gut durchfeuchteten, nährstoffreichen Böden.“

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Fotos aller fünf ICT & Digital-Finalist:innen

Zitter-, Sicherheitssysteme-, Allergene-Checks sowie Hilfe für Blinde in der analogen und digitalen Welt

Sie war gleichsam die Abräumerin bei den Preisen im 39. Jugend-Innovativ-Finale: Alice Hristov mit ihrem digitalen Untersetzer eines Kaffee- oder Teehäferls. „Tremo-Cup“ war dabei für sie „nur“ ein eigenes zusätzliches Projekt zur Arbeit an der Diplomarbeit mit Mitschüler:innen in der HTL Spengergasse, verrät sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… so „nebenbei“.

Der Titel ihrer Tasse, vielmehr des unter ihr anzubringenden Zusatzes kann das Muskelzittern (Tremor) der Trinkenden messen – und damit erstmals genauer mögliche (beginnende) Parkinson-Phasen erkennen. In ein biegsames und doch festes 3D-gedrucktes Gehäuse hat die Schülerin einen Beschleunigungs-Sensor und einen Microcontroller eingebaut, der die Bewegung in Echtzeit auswertet.

Derzeit, so Hristov, könne das Zittern, selbst in Pflegeeinrichtungen, nicht regelmäßig und exakt überprüft werden, was sich auch auf die Dosierung von Medikamenten auswirkt.

Der Untersatz, der über den Boden der Tasse gestülpt wird, kann Tremor von „normalem“ Zittern bei Trinkbewegungen unterscheiden, indem ein Kalibrierungssystem zwei Referenzmuster misst. Dieses lernt ihr elektronischer und digitaler Untersatz anhand von sechs Sekunden Ruhe- und sechs Sekunden Trinkbewegung. In der Folge vergleicht der Algorithmus die Sensordaten live mit beiden Mustern und erkennt ob normale Bewegung, Ruhe-Tremor oder Aktions-Tremor.

Über Bluetooth landen die Messdaten in einer ebenfalls selbst entwickelten App, die den Verlauf als Diagramm zeigt. Ein Klick und schon kann daraus ein PDF-Bericht erstellt werden für das nächste ärztliche Treffen.

Der Prototyp läuft bereits, die Mustererkennung funktioniert. Erste Feldtests sind in Kooperation mit dem Wiener Gesundheitsverbund geplant.
Übrigens: Materialkosten liegen bei ca. 15 Euro.

Ach ja, Alice Hristov gewann damit die Kategorie ICT & Digital UND darf – wie zwei weitere Projektteams beim kommenden internationalen Bewerb EUCYS (European Contest for Young Scientists) antreten und wie ein anderes Projekt – siehe Award-Übersicht im ersten Teil der diesjährigen Jugend-Innovativ-Berichte, unten am Ende des Beitrages verlinkt – ihren Tremo-Cup bei der Taiwan International Science Fair im kommenden Jahr in der Hauptstadt Taipei vorstellen.

Damit der Lift nicht zum Einfallstor wird

Mit zu den auffälligsten Stand-Installationen zählte das Modell eines – noch dazu funktionierenden – Liftes samt Spielfiguren eines der vielen Teams aus der HTL Rennweg (Wien). „Der Aufzug ist aber nur ein Beispiel, sicher ein besonders auffälliges, wie OT und IT vernetzt und damit anfällig für Hacker-Angriffe sind“, beginnen Layan Al-Basha, Julia Dam, Eduard Smola, Mohammad Danesh und Tamara Marl den Sinn und Zwecke der Präsentation ihres eigentlich ICT & Digital-Projekts zu erklären.

Mit „Ascend“ (aufsteigen) programmierten die fünf Schüler:innen ein Werkzeug, das vernetzte digitale und vormals „nur“ analoge Technologie, die aber sehr oft bis meistens längst elektronisch gesteuert wird, überwacht. Mögliche Hacker-Angriffe erkennt, aber noch viel wichtiger, idealerweise auch vor solchen schützt.

Sehr oft erfolgen Attacken eben über die sogenannte OT (Operational Technology) also Betriebstechnik, die aber eben… siehe vorigen Absatz. Jetzt könnte so ein Angriff beispielsweise dazu führen, dass sich Lifttüren lange oder gar nicht mehr öffnen lassen – Horror. Oder auch genau über deren Steuerung über die Vernetzung obendrein auf die IT etwa eines Krankenhauses zugegriffen wird…

Genau in diese Schnittstellen Sicherungen einzubauen ist eines der Ziele. Das Modell – der Lift und die Steuerung, Überwachung, Sicherung via erstelltem Computerprogramm – des Quintetts zeigt das so gut, dass es als Muster für den Unterricht in der eigenen Schule zum Einsatz kommen wird. So lernen die Schüler:innen der nächsten Jahrgänge, „was die EU-NIS2-Richtlinie von industriellen Betrieben verlangt: Cybersicherheit geht heute weit über Passwortrichtlinien hinaus“, wie es in der Projektbeschreibung heißt.

Die Jury vergab dafür sozusagen die Silbermedaille in dieser Kategorie.

Superschneller Allergen-Check

Ausgangspunkt für „Allergen Guard“ – von der Jury mit „Bronze“ gewürdigt – von Lucas Lammer und Teoman Can Çivici war das Schock-Erlebnis eines Kollegen. Die beiden sind nicht nur Top-Schüler im Theresianum und somit eines der wenigen Projekte aus einer AHS, sondern auch Spitzensportler. Sie schwimmen knapp mehr als eine Woche nach dem Jugend-Innovativ-Finale bei den Österreichischen Meisterschaften 50 und 100-Meter Freistil, landläufig auch Kraulen genannt. Bei einem Trainingslager griff der erwähnte Kollege zu einem Müsli-Riegel mit Bananengeschmack. Allergische Reaktion, weil Spuren von Erdnüssen im Riegel sind. Zum Glück hatte er, Allergiker, einen EpiPen griffbereit.

Da müsste es doch was geben, das selbst Spuren eines Allergens schnell und verlässlich nachweisen könnte. Und so tüftelten und programmierten die beiden eine App. Mit dem Smartphone BarCode scannen, ebenso die kleinstgedruckte Zutatenliste über eine Foto-Text-Analyse und schon vorher das eigene persönliche Allergie-Profil eingeben. Egal worauf, in Sekundenschnelle, zeigt die App an, ob die betreffende Person das Lebensmittel gefahrlos essen kann oder lieber Hände weg davon.

Warnungen erfolgen in einer Art Ampel-System: Sicher / Vorsicht / Gefahr samt dazugehörender – kurzer – Begründung. Hinweise selbst auf Spuren des jeweiligne Allergens werden sicherheitshalber mit „Vorsicht“ angezeigt.

„Bei internen Tests erkannte die App bei fünf Produkten acht von acht Allergenen und Spurenhinweisen korrekt, darunter der Corny-Riegel, der den Anstoß gab“, heißt es in der Projektbeschreibung. Eine Beta-Version wird in der Allergie-Community getestet, mit Jahresende 2026 soll die App gekauft werden können.

Mehr Bildschirmzeit über Lernen

Übrigens: So „nebenbei“ erwähnen die beiden Schüler, dass sie schon eine ganz andere App – gemeinsam mit Eltern – entwickelt haben, die es bereits – im Apple-Store (iPhone, iPad) gibt: learn2play. Der Streit um Bildschirmzeit soll dabei spielerisch gelöst werden. Absolvierte Lernaufgaben bringen sogenannte Credits für weitere Screen-Time, so das Prinzip dahinter. „Beim Einrichten entscheidest du genau, was eingeschränkt wird. Einzelne Apps, ganze Kategorien wie Spiele oder Social Media, oder beides. Alles ist hinter einer PIN geschützt, damit deine Regeln auch deine Regeln bleiben. Ein automatischer Tages-Reset sorgt dafür, dass dein Kind jeden Morgen von vorne beginnt – die Lernroutine bleibt bestehen…“, heißt es in der Beschreibung im App-Store.

Alt Text Generator

Dieses Projekt wurde schon ausführlicher in einem anderen Beitrag gewürdgit, dem über Inklusion und Barrierefreiheit: „Alt Text Generator“ dreier Schüler:innen der HTL Mössingerstraße in Klagenfurt (Kärnten) überprüft die alternativen Bildtexte, die beschreiben (sollen), was auf Bildern oder Grafiken zu sehen ist, damit blinde und seh-beeinträchtigte Menschen diese vorgelesen bekommen können, auf ihre Aussagekräftigkeit statt allgemeiner Bezeichnungen wie bloß „Bild“.

Leopold Klocker, Stefan Ebner und Ana-Maria Frank haben in rund 600-stündiger Arbeit ein umfassendes, praxistaugliches Online-Werkzeug programmiert, das KI so nutzt und einbaut, dass es die alternativen Texte automatisch schafft. Solches machen große kommerziell Tools wie Google Gemini mit Bild-zu-Text-Modellen schon, aber das Werk des Kärntner Trios kann genauer beschreiben, die Texte direkt in die jeweilige Website einbauen. Und es können die bestehenden Texte auf ihre Aussagetauglichkeit und damit Barrierefreiheit mit Hilfe von KI überprüft werden. Übersichtlich wird dann ausgeworfen, wo es hapert und Bildtexte nachgebessert werden sollten. Ohne dass die Betreiber:innen selbst Bild für Bild einzeln durchforsten müssen.

Und der Generator kann die Bildtexte auch in verschiedenen Sprachen KI-gesteuert erstellen.

Brille mit Kamera, Bluetooth und Handy-App

Auch dieses Projekt wurde – nachträglich und damit verspätet, sorry dafür – schon ausführlich im Beitrag über Inklusion und Barrierefreiheit vorgestellt. Leist- und brauchbare Hilfen für blinde und seh-beeinträchtigte Menschen, die Hindernisse abseits des Bodens erkennen und den Träger:innen in Echtzeit übermittelt gab und gibt es seit Jahrzehnten bei Jugend Innovativ, auch solche, die es ins Finale schaffen – mehr im erwähnten Beitrag, der natürlich unten verlinkt ist.

Nun aber zum aktuellen, mit einem der Anerkennungspreise ausgezeichneten Finalprojekt, das Fabian Lindbauer, Liam Vendel und Manuel Zauner aus der HTL Braunau (Oberösterreich) „Ascenta – Guiding your Vision“ nannten.

Trotz auch schon früherer Jugend-Projekte fanden sie kein wirklich für jederfrau und jedermann erschwingliches Assistenz-System für Hindernisse nicht auf Bodenhöhe. Ständiges herumfuchteln mit einem Blindenstock in alle Richtungen und Höhen wäre ja nicht praktikabel.

Bald war die Idee da, die technische Lösung in eine Brille zu packen – eine Kamera, einen Mini-Microcontroller und KI, die Bilder der Kamera „übersetzt“. „Doch der winzige Arbeitsspeicher von nur einem Megabyte reichte nicht für Objekterkennung und Bluetooth-Übertragung gleichzeitig“, heißt es in der Kurzbeschreibung des Projekts.

Da die Erkennung auf dem Smartphone gut zehnmal genauer ist, lassen die Entwickler nun die Kamerabrille nur mehr aufnehmen und es in kleine Datenpakete zerlegen und so über Niedrig-Energie-Bluetooth an ein Smartphone  senden. Die vom Team entwickelte App analysiert es, wandelt die Bildinformation in Sprache um und sendet an die Trägerin / den Träger akustisch die Info, wo, in welcher Höhe sich welche Art von Hindernis befindet, das eben nicht vom Boden ausgeht – beispielsweise ein an der Hauswand offenstehendes Fenster oder was auch immer.

In die beiden Brillenbügel sind die Akkus eingebaut. Der – funktionstüchtige, „aber noch nicht marktreife“ (so das Trio zu KiJuKU.at) – Prototyp kommt bei derzeit rund 90-prozentiger Erkennung und einer etwa zwei- bis drei-sekündiger Latenzzeit (bis zur Sprachausgabe) auf rund 120 Euro Materialkosten. „Alles läuft offline, ohne Cloud, ohne Tracking. Die geplante Consumer-Edition soll rund 800 Euro kosten, ein Drittel des Marktstandards“, schreiben die Schüler in der Projekt-Info weiters. Und wollen – mit Hilfe des aws Incubater-Programms aus dem Schulprojekt ein Unternehmen gründen, um die „sprechende“ Brille zur Einsatztauglichkeit weiterzuentwickeln.

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Fotos aller fünf Engineering II-Finalist:innen

Schlaue (High-)Tech-Lösungen beim Sport, am Strand, im Haus, Bienstock und am Berg

Sie ist Mitglied des österreichischen Ultimate-Frisbee-Nationalteams, einer außergewöhnlichen Sportart, weil diese ohne Schiedsrichter:innen stattfindet. Das, worüber oft und viel geredet wird – fair play – wird hier einfach gespielt und gelebt. Und dennoch ist es längst über „Hobby“ hinausgekommen. Seit mehr als 40 Jahren gibt es Weltmeisterschaften, in zwei Jahren (2028) bei den nächsten Sommerspielen in Los Angeles soll es sogar erstmals olympisch werden.

Petra Palinkas, diese Top-Spielerin, ist Schülerin in der HTL Rennweg. Im Team mit Arpit Singh, Elias Vavra und Mohana Kovač haben sie das Sportgerät weiterentwickelt. Denn was fehlte, so Palinkas, waren wissenschaftlich fundierte Analyse-Möglichkeiten wie es sie in vielen anderen Sportarten gibt. Trainiert wurde und wird sozusagen im „Blindflug“ – üben und schauen, wie’s gut passt.

Das Quartett stattete im Rahmen ihrer gemeinsamen Diplomarbeit eine Frisbee-Scheibe mit einem Messgerät aus – Sensoren, Akku, Funk-Modul, das Daten an eine Bodenstation schickt, wo sie in einer App berechnet werden. So die Idee und die Praxis. Von Version zu Version der Prototypen wurde dieses Teil an der Unterseite der Scheibe, die sie nun SmartDisc nannten, kleiner und leichter. Schließlich muss die Scheibe sich ja vergleichbar zu Wettbewerbs-Frisbees verhalten. Was nicht nur das Teammitglied, sondern auch weitere Spielerinnen auf Praxistauglichkeit positiv überprüft haben.

Das Mess-Teil soll noch kleiner und kompakter werden, das Quartett hat auch vor, ein Unternehmen zu gründen, um aus einem Schulprojekt, das im 39. Finale von Jugend-Innovativ mit dem Sieg in der Kategorie Engineerin II belohnt wurde, möglichst vielen Ultimate-Frisbee-Spieler:innen zur Verfügung stellen zu können.
„Neben“ dem Kategorie-Sieg darf das Team auch zur MILSET Expo-Sciences Europe 2026 (ESE) im italienischen Mantua fahren und SmartDisc ort präsentieren.

„Fliegende“ Hütte

Was auf dem Tisch ihres Standes aussieht wie ein großes Spielzeughaus ist ein Modell einer Fertigteil-Berghütte für Regionen jenseits der 2000 Höhenmeter. Lucas Eberharter und Philipp Kaserer vom Holztechnikum Kuchl (Salzburg) sind Bergsportler. Weil sie selber feststellen mussten, dass Übernachtungsmöglichkeiten in unzugänglichen Gegenden – ohne Zufahrtsstraßen für Bauarbeiten – fehlen, kamen sie auf die Idee ihres Projekts „ModulAlp“.

Per Hubschrauber werden die Teile – jeweils unter 1500 Kilo – in mehreren (15 bis 20) Flügen vor Ort gebracht und zusammengebaut. Das Duo hat sich für eine asymmetrische Form, um Spitzen-Stürme abzuleiten, ebenso entschieden wie für offene Schichtbauweise, um die Holzwände (Lärche) nicht durch die Atemluft der bis zu vier Personen zu durchfeuchten.

Und wenn sie nicht (mehr) gebraucht wird, kann die Hütte abtransportiert werden – in die Landschaft wird nicht eingegriffen. Für ihr Modell haben die beiden eigenhändig Lärchen-Vollholz zu kleinen 5 x 2,15 cm Schindeln abgespalten.

Immer wieder Bienen

Projekte rund um Bienen und den sie bedrohenden Krankheiten spielen bei Jugend Innovativ immer wieder eine erfolgreiche Rolle – siehe unten am Ende verlinkte Beiträge über „SP50 statt Bienentod“, ein auch internationales Siegerprojekt aus der HLUW Yspertal (2022). Thomas Koppelstätter und Samuel Forstenpointner aus der HTL Braunau (Oberösterreich), selber auch Imker, entwickelten ein System zur automatischen Überprüfung, ob und wie viele Zellen eines Bienenstocks von der Varroamilbe befallen ist.
Dies muss bisher händisch erfolgen: jede Brutzelle öffnen, Larve entnehmen, unters Mikroskop bringen, schauen – und entsprechend handeln…

Das genannte Duo erfand mit „HiveScan“ für das sie sowohl die Mechanik samt Kamerasystem bauten und eine KI-Analyse samt userfreundlicher Benutzeroberfläche programmierten. Das System fährt Wabe für Wabe ab, ein Multifunktionskopf öffnet den Zelldeckel (Bienen lassen einen Millimeter Abstand), entnimmt die Larve und positioniert eine Kamera mit LED-Ringlicht für zwei standardisierte Aufnahmen. Die KI-Analyse erkennt Varroabefall sowie alle Entwicklungsstadien der Brut. Alle Ergebnisse speichert das System in einer Datenbank, die die Wabe virtuell abbildet.“

Der von den beiden Schülern gebaute und programmierte Prototyp ist bereits voll funktionsfähig und soll laufend mit weiteren Daten aus der Praxis erweitert werden.

SmartHomeVision

Smar Home – längst sein Begriff und Praxis in vielen Haushalten. Doch die Kommandos „Licht an!“ oder andere berücksichtigen nicht, was beispielsweise für einen de Schulwarte der HTL Braunau gilt. Gehörlose bzw. hörbeeinträchtigte Menschen kommunizieren mit Gebärden-(Sprache).

Genau das war für Matthias Wintersteller und Luca Pohn die Herausforderung für ihr Projekt, das sie SmartHomeVision nannten. Vision für sichtbare Gesten, aber nicht zufällig auch für die darüber hinausgehende Bedeutung der Zukunftsfähigkeit.

Die beiden tüftelten so lange, dass ungefähre Gesten schon reichen, um die entsprechenden Schalter für Licht, Heizung oder was auch immer in Gang zu setzen, zu modifizieren oder abzudrehen. Die Erkennungsrate liege bei mehr als 98 Prozent erklären sie dem Reporter. Der Schulwart hat’s jedenfalls auch getestet und war sehr zufrieden, so die „Visionäre“.
Die beiden planen, SmartHomeVision als Open-Source-Projekt zu veröffentlichen und es so zu erweitern, dass auch Menschen, die aufgrund motorischer Einschränkungen keine der Standardgesten ausführen, das System auf individuelle eigene Gesten trainieren können.

Strand-Safe

Der Titel des Projekts, mit dem Moritz Weißhaupt und Tobias Bacher aus der HTL Mössingerstraße (Klagenfurt, Kärnten) es ins Bundesfinale des 39. Jugend-Innovativ-Bewerbs schafften, spricht nicht für eine neuartige Sonnencreme. Eine solche wäre in der Kategorie Enginering II auch falsch aufgehoben. Wohin mit Geldbörse, Handy und ähnlichem, wenn du – entweder allein am Strand bist oder die ganze Gruppe ins Wasser will?

Eine Sicherheitsbox, in der alles verstaut wird und über PIN-Tastenfeld oder Smartphone-App via Bluetooth Low Energy bedient wird. Hast du das Handy drinnen verwahrt, kann du sie auch wie in radschloss oder einen Safe über Nummernschloss öffnen. Aber was, wenn jemand die ganze Box mitnimmt?

„SunSafe“ verfügt über einen Gyrosensor – bei Erschütterungen werden Alarm und Push-Benachrichtigungen ausgelöst. Ein GPS-Modul zeigt den jeweiligen Standort des Safes in Echtzeit auf einer Google-Maps-Karte an – was du dann gegebenenfalls später auch über deinen Laptop machen kannst.

Ein Solarmodul mit Akku macht SunSafe übrigens autark. Bis jetzt sind Platine und App fertig, die Spannungsversorgung nach einer Überarbeitung bereits in zweiter Version getestet. Als nächstes folgen 3D-Druck, Montage und der finale Feldtest am Wörthersee.

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Fotos aller fünf Engineering I-Finalist:innen

Holz als Carbon-Schutzmantel, automatischer Drohnen-Akku-Tausch, Techno-Schlange …

Ihre Erfindung gehörte zu jenen, die beim 39. Bundesfinale von Jugend Innovativ in der Expedithalle des Kulturgeländes Brotfabrik in Wien-Favoriten sofort ins Auge stachen: Ein Rennrad mit Holzrahmen. Passt zu ihrem Schultyp: Holztechnikum der HTL Imst (Tirol). Doch das Holz ist für Adrian Müller und Vincenz Sonderegger „nur“ die dünne Verkleidung für den darunter liegenden Karbonrahmen.

Carbon – gewebte Kohlenstofffasern – ist unter anderem DAS Material für Rennrad-Rahmen: Leicht und doch steif sowie stark belastbar. „Aber ein einziger Steinschlag kann einen Carbonrahmen unsichtbar zerstören“, stellen die beiden Schüler fest. Und begannen daran zu tüfteln, wie dieses kostbare Material (besser) geschützt werden könnte. Und griffen zum Material ihres Schulschwerpunktes. Viel Recherche, Experimente – sie bauten eigene Testvorrichtungen, die darauf einhämmerten, es verbogen… – führten sie zur Erkenntnis: Ahorn ist DAS Holz der Wahl. Es ist „feinporig und geht eine starke Verbindung zur Kohlefasermatrix ein“.

Eine 2 mm dünne Holzumrundung über dem Karbonrahmen „verdoppeln die Schlagfestigkeit. In Torsions-, Biege- und Drucktests erreichen die Prototypen das Niveau reiner Carbonteile“. Von denen es dann weniger braucht, was billiger kommt.

Für die Fertigung erfanden die beiden Jugendlichen, die aus Vorarlberg kommen und ihr Projekt deswegen woodberg.vbg nannten, ein eigenes Verfahren: Einen selbst gebauten Überdruckschlauch, der bis zu 3 Bar erreicht, „dreimal mehr als die ursprünglich geplante Vakuummethode“.

Ziel, so die beiden zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, wir wollen ein Unternehmen gründen, müssen davor aber noch Sicherheitstests für unser Rad durchführen lassen und es zertifizieren lassen“.

Die Jury befand es das beste der besten Projekte in der Kategorie Engineering I – und außerdem reist das Team – mit zwei anderen – zum internationalen Bewerb EUCYS (European Union Contest for Young Scientists).

PowerAirLoop

Kaum weniger auffallend als das holzverkleidete Rennrad war eine metallene nicht ganz kniehohe große Box mit Metallrohren auf dem Deckel. Und vor allem die manches Mal – etwa bei dem Gespräch mit der Jury – Drohne, die nach einem kleinen Rundflug dort landet. Das Flugobjekt parkt auf dem Deckel, die Metallrohre fahren heran, werden zu einer Art Schiene, zwischen der die Drohne fixiert wird, nach vor fährt. Bis zur Akku-Tausch-Station wo der (fast) leere Akku entnommen und durch einen vollgeladenen ersetzt wird. Die Drohne fährt zurück, die „Schiene“ entfernt sich, die Drohne ist „ready for Take-Off!“

Nino Wieland, Michael Erber, Mathias Waltner und Richard Pruckmair aus der HTL Rennweg haben ihr „PowerAirLoop“ baute dafür auf einem Vorgängerprojekt des Quartetts – „Zephyr, eine vollständig selbst gebaute Drohne mit eigenem Flightcontroller-Code“ – auf. In dem neuartigen System des automatischen Akku-Tausches stecken gut 300 bis 400 Arbeitsstunden – Hirnschmalz ebenso wie Programmier-, aber auch technische Handwerkskunst.

Dafür gab’s Platz 2 in der Kategorie Engineering I. UND den Preis des Publikums.

Natrix

Drohnen sind zwar fast allgegenwärtig. Aber überall kommen sie auch nicht hin. Klick gemacht hat es bei Clemens Saurugg, Dan Luong, Amritpal Padda und Alexander Janisch nach dem großen katastrophalen Erdbeben im Südosten der Türkei vor drei Jahren. Unter Trümmern eingeschlossene Menschen, enge Hohlräume. Da kann bestenfalls nur händisch auf Verdacht gegraben werden. Da kam das Quartett – ebenfalls aus der HTL Rennweg (Wien) – auf DIE Idee: Schlangen kommen durch engste Spalten.

Und so begannen sie zu überlegen, wie eine Art Techno-Schlange funktionieren könnte. Eine solche bauten sie aus mehreren – erweiterbaren – Modulen zusammen, die sich mit einer rotierenden Spiral-Umwindung auf verschiedensten Untergründen fortbewegen können und nicht wie Räder etwa im Sand durchdrehen. Im „Kopfteil“ bauten sie natürlich eine Kamera ein – mit Infrarot-LED, sodass sie auch im Finsteren Bilder liefern kann.

„Das ist nun schon unser vierter Prototyp“, verraten die vier Jugendlichen, die ihr Projekt „Natrix“ nannten – nach dem lateinischen Fachbegriff für Ringelnatter (natrix natrix).

Platz drei bei den „Ingeneur:innen“ fand die Jury.

SynthoBot

Fade Chemiestunden gaben für ein weiteres Team aus der HTL am Wiener Rennweg – die dieses Mal besonders erfolgreich war – den Anstoß. Langweilig, weil kaum bis keine Experimente durchgeführt werden durften. Grund: kein einziger Luftabzug funktionierte.

Tobias Weinhofer, Nedzhatin Remziev sowie die beiden beim Treffen mit KiJuKU.at verhinderten Mitschüler Eneş Bağ und Sebastian Schöngrundner haben dafür Abhilfe geschaffen. Ein fahrbarer Kasten mit Acryl-Glaswänden und pneumatische Türen mit mobilem Abzug.

Im Inneren des Oberteils finden die Experimente hinter geschlossenen, aber durchsichtigen Türen statt. Die Luft wird abgesogen und in einen Kübel darunter gleitet, wo sie gefiltert und völlig ungiftig ins Freie gelassen werden kann. Die Türen verriegeln übrigens automatisch und lassen sich erst wieder öffnen, wenn die Luft im Experimentierraum komplett sauber ist.

Dafür gab’s einen der beiden Anerkennungspreise, ebenso wie für

AthloRegain

Für die (Wieder-)Stärkung des Hüftbeuger-Muskels (Psoas major) dachte sich Nikolaus Melinz ein spezielles Gerät aus, das er im 3D-Modell demonstriert. Denn, so der Schüler der HTL Eisenstadt (Burgenland), es gibt praktisch kein Gerät, das gezielt diesen Muskel trainiert, „bei den meisten werden Oberschenkel-Muskel mit aktiviert“, erklärt er Kinder I Jugend I Kultur I und mehr…

Die Trainingsposition ist im Liegen, der Oberschenkel kommt in eine Textilschlaufe, wird damit entlastet. Eine austauschbare gelaserte Funktionskurvenscheibe aus Stahlblech dreht das Gerät. Je weiter der Hüftbeuger zusammengezogen wird, desto größer ist der Hebelarm, desto größer der Widerstand. So folgt das Gerät dem Muskel, statt ihm das Training aus der Hand zu nehmen.

Wird die Position auf der Trainingsbank umgedreht, kann der Gesäßmuskel gestärkt werden. Noch ist Melinz‘ Konstruktion „nur“ digital und im 3D-Druck-Kleinmodell, ein echter Prototyp soll in der Laufschule der HTL entstehen. Vergleichbare medizinische Kraftgeräte kosten zwischen 5.000 und 8.000 Euro; „AthloRegain“, wie er sein Projekt nannte, kommt auf rund 2.500 Euro.

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Elija Nicklaser, Ömer Karaaslan, Marina Tschofen und Paul Küng mit einem Vorführ-Fahrrad aus ihrer Schule sowie ihrer Eigenkonstruktion zur Helm-Sicherung

Kaum ist das Handy weg, piepst oder vibriert‘s

„Mich hat oft genervt, dass ich meinen Helm irgendwo vergessen habe“, nennt Paul Küng gleichsam die Geburtsstunde des Projekts „Safe2Ride“der HTL Dornbirn. Er fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zum Bahnhof. „Das war kein Einzelfall“, ergänzt Marina Tschofen „und so haben wir im Freifach Entrepreneurship angefangen, uns eine Lösung zu überlegen.


Nun präsentieren sie – gemeinsam mit Ömer Karaaslan und Elija Nicklaser – ein kleines Kästchen, das unter dem Fahrradsattel angebracht ist. An diesem ist ein Kevlar-Seil – schnitt- und feuerfest – angebracht. Mit diesem wird einfach der Helm am Rad fixier – ab- und entsperrt mittels einer RFID-Karte; samt gut gesichertem und gepolstertem Tag zum Wiederfinden bei Diebstahl, Verlust oder einfach wenn du nicht weißt, wo du dein Rad abgestellt hast.
Ins Absperrkastl haben die vier Schüler:innen aus Vorarlberg übrigens ein LED-Band eingebaut, das als Rücklicht dient. Zum JI-Finale haben sie auch vorherige Versionen ihrer „Safe2Ride“-Boxen mitgebracht, die alle in der Schule aus dem 3D-Drucker aus Polymilchsäure (PLA) hergestellt wurden. „Das ist allerdings nicht nachhaltig, aber es sind eben nur Prototypen.

Hallo, lass mich nicht liegen 😉

„Sch… ich hab mein Handy im Taxi liegen lassen!“ Während des Bezahlens der Rechnung noch den Bruchteil einer Sekunde dran gedacht, es ja nicht liegen zu lassen. Und dann doch. Und erste etliche Minuten später knapp vor dem Beginn des Workshops in der Schule bemerkt. Gut, nach Telefonaten in der Pause, kam die Taxlerin eine Stunde später und brachte es. Aber, das hätte sich der Schreiber dieser Zeilen – und der allermeisten Beiträge auf KiJuKU.at erspart, hätte er die Erfindung „Callback Echobuddy“ von Jugendlichen einer Junior Company aus der HTL Mödling gekannt und das kleine Teil erworben. Anders als „Airtags“ benachrichtigt es nicht irgendwann nachträglich, wo sich das verloren gegangene Teil befindet, sondern löst über einen niedrig-Energie-Bluetooth-Tracker sofort etwa bei einem Schlüsselanhänger starke Vibrationen oder lauter Piepser je nach Einstellung aus. Noch bevor in dem Fall die Taxitür zugeschlagen worden wäre, wäre der Alarm losgegangen.

Obwohl Benedikt Palmer, Benedikt Seidl, Matias Bokan und Emil Sagl eine dieser Schülerfirmen gegründet hatten, die mit echten Waren oder Dienstleistungen handeln, „haben wir nur sieben Stück hergestellt – die Gehäuse 3D gedruckt, die Platinen von einer externen Firma produzieren lassen. Wenn es Interesse oder einen Investor gibt, steigen wir schon in die Produktion ein, geplant haben wir’s aber nicht“, so schildern die drei erstgenannten Schüler, die beim Finale anwesend waren.

Plattform für Wettbewerbe

Viele der teilnehmenden Jugendlichen kannten den immerhin schon zum 37. Mal ausgetragenen Bewerb Jugend Innovativ ebenso wenig wie viele andere. Das deutsche Gegenstück „Jugend forscht“ ist wahrscheinlich sogar noch bekannter. So manche der mehrsprachigen Teilnehmer:innen erfuhren erst im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, dass es seit eineinhalb Jahrzehnten „Sag’s Multi“ gibt, einen Redebewerb für mehrsprachige Jugendliche. Und dann gibt es noch diesen und jenen Wettbewerb. Aber ein Überblick über alle fehlt – und das in Zeiten von Internet und Vernetzung. Selbst auf der Website des Bildungsministeriums mit dem Suchbegriff Wettbewerbe erscheinen nicht nur nicht alle, die oberste Meldung ist eine aus dem Juni 2023. Und sogar bei der Stichwortsuche mit Jugend Innovativ kommt eine zwei Jahre alte Meldung.

Das kann doch nicht wahr sein, dachten sich Maximilian Busch und Lars Votava von der HTBLVA (höhere technische Bundes-Lehr- und VersuchsAnstalt) Spengergasse (Wien). Sie wollen ein Start-Up gründen, mit dem sie eine Plattform für möglichst alle Wettbewerbe schaffen und nennen diese „Strive“ (streben). Dafür bündeln sie ihr Wissen aus Informatik sowie Betriebswirtschaft. „Das soll natürlich eine Website mit einer App sein, sozusagen ein Amazone für alle Bewerbe, die es gibt samt Suchfunktion nach Themen, Sprachen, Alter…“ in ihrem Businessplan sehen sie vor, dass sie schon im dritten Geschäftsjahr den sogenannten Break-even-Point (Erlöse decken die eigenen Kosten ab), ab dem fünften Jahr wollen Bewerbe aus anderen Ländern Eingang in die Plattform finden.

Spielerisch Gebärdensprache erlernen

Sophie Kammlander und Leonie Zinniel aus der Handelsakademie Bruck an der Leitha (Niederösterreich) kamen mit einem Brettspiel samt digitaler Erweiterung ins 37. Bundesfinale von Jugend Innovativ. Brett, Würfel, sechs Figuren und vor allem 150 Karten sind ein spielerisches Mittel, um Begriffe der Österreichischen Gebärdensprache lernen zu können.

Auf den Karten sind einerseits mit Pfeilen die Bewegungen der Hände für die jeweilige Gebärde zu sehen – und andererseits auch QR-Codes, die zu Videos führen, in denen eine der beiden das entsprechende Wort gebärdet.

Neben allen schulischen Aufgaben fürs heurige Maturajahr, haben die beiden wie sie KiJuKU zeigen schon eine neuere Version ihres ursprünglichen Spiele-Prototypen angefertigt. „Wir wollen weitermachen, auch eine Website programmieren, auf der dann nach Begriffen gesucht werden kann, um das passende Video zu finden. Und vor allem das Spiel selbst produzieren zu lassen.“

Hoffnung für öden Schulhof?

Ein besserer Schulhof Die Handelsakademie und -schule im Vorarlberger Feldkirch hat einen Hof. Der ist bei den Schüler:innen nicht sehr beliebt. Und wenn Tamara Kanz und Yalcın Yıldız die Fotos auf dem Laptop-Monitor herzeigen, nicken alle. Öd und leer. Ein paar Bäume stehen unmotiviert in der Mitte – und zwar solche, die keinen Schatten geben. Die gelb angemalten Betonquader laden auch nicht dazu ein wofür sie gedacht waren – zum Sitzen.
Schüler:innen des 4. Jahrgangs der HAK waren bei einem Workshop namens „Design Thinking“ der Uni Liechtenstein. Und danach dachte sich die erstgenannte Schülerin und ihre Kollegin Sophia Jung: Dan planen wir unseren öden Schulhof um. Mit Vorschlägen wie einer flexiblen Bühne aus leicht zu transportierenden Elementen könnten auftrittswilligen Jugendlichen aus der Schule und darüber hinaus ein Forum geboten werden. Bäume hätten sie sehr wohl gerne, aber solche, die Schatten spenden und eher an den Rändern… Und so solle der Hof auch für Partner:innen außerhalb der Schule geöffnet werden – und auf diesem Weg auch ein Teil des Geldes für die Umgestaltung aufgetrieben werden.

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Wird in den nächsten Tagen fortgesetzt – jeweils ein Teil für alle Finalprojekte der verschiedenen – oben schon genannten – Kategorien. Und letztlich noch einem Teil über die verliehenen Preise.

Die Zeichnung der Wiener Siegerin und ihre Volksschulklasse

Gute Luft und Stimmung in Klassenzimmern

9000 Kinder und Jugendliche hatten in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem Zeichnungen, manche auch Fotos von gebastelten Arbeiten zum Thema „Gute Laune, gute Luft“ eingeschickt. Damit nahmen sie teil am mittlerweile neunten Schulwettbewerb „Luftsprung“ der Plattform „MeineRaumluft“

Kürzlich ging der zu Ende, für jedes Bundesland wurden von einer Jury die nach deren Meinung besten Bilder ausgezeichnet, viele davon farbenfrohe, fröhliche Clowns und Clowninnen – kein Wunder, lautete die „Aufgabe“ doch einen „Luftclown“ zu gestalten, der für eine positive Stimmung im Klassenzimmer sorgen soll.

Marie Böhm, die Landessiegerin aus Wien
Marie Böhm, die Landessiegerin aus Wien

Die Plattform, die Lüften und damit eine gesündere Luft in den Klassenzimmern promoten möchte, hat sich für das oben genannte Motto für dieses Schuljahr entschieden, es „soll Lehrkräften dabei helfen, nach den herausfordernden Pandemie-Jahren wieder mehr Spaß und Freude in den Klassenraum zu bringen.

Mit dieser Bastelarbeit gewann Alexander Neuweg aus der Volksschule St. Aegidi den neunten
Mit dieser Bastelarbeit gewann Alexander Neuweg aus der Volksschule St. Aegidi den neunten „Luftsprung“-Bewerb in Oberösterreich

Lüüüüüüften!

Übrigens präsentierten vor ein paar Jahren Jugendliche in einem Finalprojekt des Schulwettbewerbs Jugend Innovativ – lange vor Corona – Messungen, wonach in einer durchschnittlich vollbesetzten Schulklasse pro Schulstunde ungefähr sechs bis sieben Mal gelüftet werden sollte/müsste!

Hier nun die Sieger:innen, viel mehr ihre Zeichnungen bzw. gebastelten Objekte, aus den acht teilnehmenden Bundesländern Burgenland, Kärnten, Nieder- und Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Wien. Hätte aus Vorarlberg auch wer mitgemacht hätte es heuer sozusagen mehrfach „alle 9e“ heißen können: Neunter Durchgang des Bewerbs, 9000 Teilnehmer:innen…

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Die „Luftsprung“-Gewinner:innen-Bilder aus den Bundesländern

Großgruppenfoto mit allen Finalredner:innen samt dem u.a. für Bildung zuständigen Wiener Stadtrat und Vizebürgermeister

Engagierte junge Reden für Umweltschutz und gegen Diskriminierungen

Die Volkshalle des Wiener Rathauses, und einer der Nebenräume wurden Ende April zur Tribüne junger, starker Redner:innen, teils – in der Kategorie „Sprachrohr“ – mit Performance-Einlagen. Die Themenpalette der engagierten Jugendlichen, die es schon durch Spitzenplatzierungen in der Vorrunde ins Landesfinale hierher geschafft hatten, war breit. Umweltschutz und Kampf gegen den Klimawandel einschließlich eigener, „kleiner“ Dinge, die große Beiträge liefern können, spielte in vielen Beiträge eine große Rolle; andere Themen – genauso leidenschaftlich angesprochen – waren Bildung, Konsumwahn am Beispiel von Mode, Rassismus, Sexismus und die davon ausgehenden Diskriminierungen sowie Tierschutz. Übrigens: Die 19 Finalist:innen – und vier Gastredner:innen aus Budapest – hatten – entsprechend den Jury-Votings – schon gewonnen – in den Vorrunden, bei denen insgesamt fast 130 Jugendliche angetreten waren.

Mental Health

Ein anderes Thema, das viele Jugendliche bewegt, von Politik und Medien aber noch immer nicht ausreichend aufgegriffen wird, sprach – und das sehr persönlich und damit äußerst mutig – Chelsey Pils von der FachMittelSchule Wien West im 18. Bezirk an: Psychische Gesundheit und den großen Mangel an Versorgung in diesem Bereich, eklatant verschlimmert durch die Pandemie und ihre Folgen, u.a. erzwungener Vereinsamung. Die Jugendliche schilderte von ihrem Absturz, aber auch dem Glück im Unglück, unterstützende Eltern und Lehrer:innen – in einer neuen, der jetzigen, Schule – (gehabt) zu haben, die ihr mitgeholfen haben, aus der Krise heraus zu einem – wieder – glücklichen Leben gefunden zu haben. Nicht nur wegen ihres Mutes und der Kraft, sich zu einem Neu-Anfang durchgerungen zu haben, sondern wegen der Qualität ihrer Rede gewann sie die Kategorie „klassische Rede“ in ihrer Schul-Kategorie.

Nicht vollständig

Da die Reden in den beiden unterschiedlichen Räumlichkeiten gleichzeitig stattgefunden haben, konnte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… als Ein-Personen-Blog/Website nicht alle Redner:innen verfolgen – alle Reden wird es, so die Ankündigung von wienXtra, das den Bewerb wie Hunderte andere Aktivitäten für die Stadt Wien veranstaltet, bald auf deren YouTube-Kanal zum nachsehen und -hören geben – Link in der Info-Box mit allen Ergebnissen des 70. Finales des Landesjugendrede-Wettbewerbs, dessen Sieger:innen – in den verschiedenen Kategorien – Anfang Juni auf die Kolleg:innen aus den anderen acht Bundesländern beim Bundesfinale, diesmal in Innsbruck, treffen.

Performance

Auf einige Beiträge wird hier aber schon noch extra eingegangen werden, ohne die Leistung anderer schmälern zu wollen, die besser abgeschnitten haben. In der Kategorie Sprachrohr ist mehr als „nur“ reden erlaubt und es können Themen auch in Teams zur Sprache gebracht werden. Dazu hatten sich unter anderem Constantin Gasser, Laurin Vierkens und Louis Kraft Kinz aus der Vienna European School entschlossen. Szenisch umgesetzt sprachen sie – in Reimform – über „Klima-Kleber-Chaos“. Der eine – nicht wirklich an den Rathausboden geklebt aber in dieser Position, ein anderer als wütender im Stau stehender Autofahrer, die Argumente sich gegenseitig an den Kopf werfend, zeigten sie die unterschiedlichen, nein gegensätzlichen Argumente auf.

Ähnlich agierten übrigens auch Alex Arok, Barnabas Legendi, Barbara Simon von der Europaschule Budapest, die in ihrem Gastbeitrag „Unsere Zukunft“ thematisierten. Die zuletzt Genannte in der Rolle der Pessimistin, ihre Kollegen als Optimist bzw. Realist – und entsprechend ganz in Schwarz bzw. in Weiß sowie Weiß und Schwarz gekleidet.

Apropos „aktionistisch“: Zwei Reden veranlassten kijuku.at dazu, in der Pause zwei Jugendliche zu einem kleinen Fotoshooting zu bitten, das vielleicht ein bisschen zum Nachdenken anregen könnte 😉

Kopftuch-Gedanken mal zwei

Doch bevor’s dazu geht, zuerst zu den Rednerinnen und ihren Inhalten: Elina Visanbieva von der Fachmittelschule in Wien-Donaustadt sprach über „Kopftuchgedanken“. Das Stück Stoff auf dem Kopf – das sie übrigens nicht trug -, verleite viele Menschen, Frauen und Mädchen die ihr Haar verhüllen, abzustempeln. Keine/r frage die Kopftuchträgerinnen danach, was sie im Kopf haben, schubladisieren sie aber und vielfach werden sie diskriminiert, ihre Chancen geschmälert…

Ela Hafaiedh aus der Berufsschule für Lebensmittel, Touristik und Zahntechnik sprach, wie schon in der Vorrunde, äußerst engagiert über „Rechte der Frauen im Iran und Islam“, über die seit Monaten andauernde Protestbewegung im Iran seit dem gewaltsamen Tod der jungen iranischen Kurdin Jîna Mahsa Amini nach ihrer Verhaftung im September 2022. Dabei kritisierte sie, dass viele im Westen nur darüber jubeln, dass sich protestierende Frauen Tücher vom Kopf reißen und/oder Haare abschneiden. Es gibt genauso Frauen mit Kopftuch, die gegen die Unterdrückung – nicht nur im Iran aufstehen. Jede sollte selber entscheiden dürfen, wie sie sich kleidet, weswegen Ela Hafaiedh gleichermaßen das Burkini-Verbot an französischen Stränden anprangerte und dass Kopftuch-Gegner:innen nicht dieses ebenso kritisieren.

Einmal mit und einmal ohne …

Und weil immer wieder sehr heftig über Mädchen und Frauen hergezogen wird, die ein Kopftuch tragen, sie auf dieses reduziert werden, bat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… die bebrillte Rednerin Elina und ein Mädchen ohne Brille, die aufmerksam zugehört hatte, zu gemeinsamen Fotos auf der Bühne in der Volkshalle – siehe über dem Zwischentitel.

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Weitere Final-Redner:innen

Ehrung der Top-Redner:innen

Auftritt des Chores „Royal Voices“

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Schnappschüsse

Preisverleihung an Jun Kathan - mit Jurior Thomas Perle und Moderatorin Jessica Beer

Es war ein kreativer Schub

Jun Kathan gewann mit dem Text „Als wir in Anwesenheit des Orangenbaums sprachen“ die Jugendkategorie der diesjährigen exil-Literaturpreise. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… führte mit ihr*ihm ein kurzes Gespräch dazu.

KiJuKU: Spielen Sie selbst Schach?
Jun Kathan: Ja, und ich hab auch „Das Damengambit“ (Netflix-Serie) gesehen und ich liebe Orangenbäume.

KiJuKU: Im Buch steht nach ihrem Text, dass Sie bisher immer nur ganz kurze Texte geschrieben haben, wie kam’s nun zu dieser längeren Geschichte?
Jun Kathan: Dafür war definitiv der Wettbewerb ausschlaggebend. Da war etwas da, worauf ich hinstreben konnte.

KiJuKU: Haben Sie jetzt vor, weiter zu schreiben?
Jun Kathan: Ich will selbst auch im Journalismus arbeiten. Seit ich schreiben gelernt habe, schreibe ich gerne.

Weg weiter verfolgen

KiJuKU: Journalismus und literarisches Schreiben sind aber doch zwei verschiedene Paar Schuhe…
Jun Kathan: … aber ich mag eben beides oder zum Beispiel auch im Deutschunterricht, wenn wir verschiedene Textsorten durchnehmen. Jedenfalls will ich meinen schreiberischen Weg weiter verfolgen, ich mag auch Poesie und Lyrik.

KiJuKU: Zurück zu Ihrem preisgekrönten Text: Hatten Sie zuerst die Grundgeschichte und die dann geschrieben?
Jun Kathan: Ich hatte anfangs nicht einmal eine Idee. Meistens ist es so, dass ich einen Schub von Kreativität habe und dann muss ich mich hinsetzen und das einfach ausleben – das kann schreiberisch sein, aber auch in der Musik oder bildnerisch. Dann such ich mir halt aus, in welche Richtung dieser Künste es gehen soll. Dann war’s halt Schreiben – für den Wettbewerb. Aber bei mir entwickeln sich Geschichten dann erst im Lauf des Entstehens. Ich hatte so im Kopf: Schach, Orangenbaum und eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen – das war’s dann auch schon wieder.

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