Die besten der besten ICT & Digital-Projekte; Teil 7 der Berichte über das Bundesfinale von „Jugend Innovativ“ 2026.
Sie war gleichsam die Abräumerin bei den Preisen im 39. Jugend-Innovativ-Finale: Alice Hristov mit ihrem digitalen Untersetzer eines Kaffee- oder Teehäferls. „Tremo-Cup“ war dabei für sie „nur“ ein eigenes zusätzliches Projekt zur Arbeit an der Diplomarbeit mit Mitschüler:innen in der HTL Spengergasse, verrät sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… so „nebenbei“.
Der Titel ihrer Tasse, vielmehr des unter ihr anzubringenden Zusatzes kann das Muskelzittern (Tremor) der Trinkenden messen – und damit erstmals genauer mögliche (beginnende) Parkinson-Phasen erkennen. In ein biegsames und doch festes 3D-gedrucktes Gehäuse hat die Schülerin einen Beschleunigungs-Sensor und einen Microcontroller eingebaut, der die Bewegung in Echtzeit auswertet.
Derzeit, so Hristov, könne das Zittern, selbst in Pflegeeinrichtungen, nicht regelmäßig und exakt überprüft werden, was sich auch auf die Dosierung von Medikamenten auswirkt.
Der Untersatz, der über den Boden der Tasse gestülpt wird, kann Tremor von „normalem“ Zittern bei Trinkbewegungen unterscheiden, indem ein Kalibrierungssystem zwei Referenzmuster misst. Dieses lernt ihr elektronischer und digitaler Untersatz anhand von sechs Sekunden Ruhe- und sechs Sekunden Trinkbewegung. In der Folge vergleicht der Algorithmus die Sensordaten live mit beiden Mustern und erkennt ob normale Bewegung, Ruhe-Tremor oder Aktions-Tremor.
Über Bluetooth landen die Messdaten in einer ebenfalls selbst entwickelten App, die den Verlauf als Diagramm zeigt. Ein Klick und schon kann daraus ein PDF-Bericht erstellt werden für das nächste ärztliche Treffen.
Der Prototyp läuft bereits, die Mustererkennung funktioniert. Erste Feldtests sind in Kooperation mit dem Wiener Gesundheitsverbund geplant.
Übrigens: Materialkosten liegen bei ca. 15 Euro.
Ach ja, Alice Hristov gewann damit die Kategorie ICT & Digital UND darf – wie zwei weitere Projektteams beim kommenden internationalen Bewerb EUCYS (European Contest for Young Scientists) antreten und wie ein anderes Projekt – siehe Award-Übersicht im ersten Teil der diesjährigen Jugend-Innovativ-Berichte, unten am Ende des Beitrages verlinkt – ihren Tremo-Cup bei der Taiwan International Science Fair im kommenden Jahr in der Hauptstadt Taipei vorstellen.
Mit zu den auffälligsten Stand-Installationen zählte das Modell eines – noch dazu funktionierenden – Liftes samt Spielfiguren eines der vielen Teams aus der HTL Rennweg (Wien). „Der Aufzug ist aber nur ein Beispiel, sicher ein besonders auffälliges, wie OT und IT vernetzt und damit anfällig für Hacker-Angriffe sind“, beginnen Layan Al-Basha, Julia Dam, Eduard Smola, Mohammad Danesh und Tamara Marl den Sinn und Zwecke der Präsentation ihres eigentlich ICT & Digital-Projekts zu erklären.
Mit „Ascend“ (aufsteigen) programmierten die fünf Schüler:innen ein Werkzeug, das vernetzte digitale und vormals „nur“ analoge Technologie, die aber sehr oft bis meistens längst elektronisch gesteuert wird, überwacht. Mögliche Hacker-Angriffe erkennt, aber noch viel wichtiger, idealerweise auch vor solchen schützt.
Sehr oft erfolgen Attacken eben über die sogenannte OT (Operational Technology) also Betriebstechnik, die aber eben… siehe vorigen Absatz. Jetzt könnte so ein Angriff beispielsweise dazu führen, dass sich Lifttüren lange oder gar nicht mehr öffnen lassen – Horror. Oder auch genau über deren Steuerung über die Vernetzung obendrein auf die IT etwa eines Krankenhauses zugegriffen wird…
Genau in diese Schnittstellen Sicherungen einzubauen ist eines der Ziele. Das Modell – der Lift und die Steuerung, Überwachung, Sicherung via erstelltem Computerprogramm – des Quintetts zeigt das so gut, dass es als Muster für den Unterricht in der eigenen Schule zum Einsatz kommen wird. So lernen die Schüler:innen der nächsten Jahrgänge, „was die EU-NIS2-Richtlinie von industriellen Betrieben verlangt: Cybersicherheit geht heute weit über Passwortrichtlinien hinaus“, wie es in der Projektbeschreibung heißt.
Die Jury vergab dafür sozusagen die Silbermedaille in dieser Kategorie.
Ausgangspunkt für „Allergen Guard“ – von der Jury mit „Bronze“ gewürdigt – von Lucas Lammer und Teoman Can Çivici war das Schock-Erlebnis eines Kollegen. Die beiden sind nicht nur Top-Schüler im Theresianum und somit eines der wenigen Projekte aus einer AHS, sondern auch Spitzensportler. Sie schwimmen knapp mehr als eine Woche nach dem Jugend-Innovativ-Finale bei den Österreichischen Meisterschaften 50 und 100-Meter Freistil, landläufig auch Kraulen genannt. Bei einem Trainingslager griff der erwähnte Kollege zu einem Müsli-Riegel mit Bananengeschmack. Allergische Reaktion, weil Spuren von Erdnüssen im Riegel sind. Zum Glück hatte er, Allergiker, einen EpiPen griffbereit.
Da müsste es doch was geben, das selbst Spuren eines Allergens schnell und verlässlich nachweisen könnte. Und so tüftelten und programmierten die beiden eine App. Mit dem Smartphone BarCode scannen, ebenso die kleinstgedruckte Zutatenliste über eine Foto-Text-Analyse und schon vorher das eigene persönliche Allergie-Profil eingeben. Egal worauf, in Sekundenschnelle, zeigt die App an, ob die betreffende Person das Lebensmittel gefahrlos essen kann oder lieber Hände weg davon.
Warnungen erfolgen in einer Art Ampel-System: Sicher / Vorsicht / Gefahr samt dazugehörender – kurzer – Begründung. Hinweise selbst auf Spuren des jeweiligne Allergens werden sicherheitshalber mit „Vorsicht“ angezeigt.
„Bei internen Tests erkannte die App bei fünf Produkten acht von acht Allergenen und Spurenhinweisen korrekt, darunter der Corny-Riegel, der den Anstoß gab“, heißt es in der Projektbeschreibung. Eine Beta-Version wird in der Allergie-Community getestet, mit Jahresende 2026 soll die App gekauft werden können.
Übrigens: So „nebenbei“ erwähnen die beiden Schüler, dass sie schon eine ganz andere App – gemeinsam mit Eltern – entwickelt haben, die es bereits – im Apple-Store (iPhone, iPad) gibt: learn2play. Der Streit um Bildschirmzeit soll dabei spielerisch gelöst werden. Absolvierte Lernaufgaben bringen sogenannte Credits für weitere Screen-Time, so das Prinzip dahinter. „Beim Einrichten entscheidest du genau, was eingeschränkt wird. Einzelne Apps, ganze Kategorien wie Spiele oder Social Media, oder beides. Alles ist hinter einer PIN geschützt, damit deine Regeln auch deine Regeln bleiben. Ein automatischer Tages-Reset sorgt dafür, dass dein Kind jeden Morgen von vorne beginnt – die Lernroutine bleibt bestehen…“, heißt es in der Beschreibung im App-Store.
Dieses Projekt wurde schon ausführlicher in einem anderen Beitrag gewürdgit, dem über Inklusion und Barrierefreiheit: „Alt Text Generator“ dreier Schüler:innen der HTL Mössingerstraße in Klagenfurt (Kärnten) überprüft die alternativen Bildtexte, die beschreiben (sollen), was auf Bildern oder Grafiken zu sehen ist, damit blinde und seh-beeinträchtigte Menschen diese vorgelesen bekommen können, auf ihre Aussagekräftigkeit statt allgemeiner Bezeichnungen wie bloß „Bild“.
Leopold Klocker, Stefan Ebner und Ana-Maria Frank haben in rund 600-stündiger Arbeit ein umfassendes, praxistaugliches Online-Werkzeug programmiert, das KI so nutzt und einbaut, dass es die alternativen Texte automatisch schafft. Solches machen große kommerziell Tools wie Google Gemini mit Bild-zu-Text-Modellen schon, aber das Werk des Kärntner Trios kann genauer beschreiben, die Texte direkt in die jeweilige Website einbauen. Und es können die bestehenden Texte auf ihre Aussagetauglichkeit und damit Barrierefreiheit mit Hilfe von KI überprüft werden. Übersichtlich wird dann ausgeworfen, wo es hapert und Bildtexte nachgebessert werden sollten. Ohne dass die Betreiber:innen selbst Bild für Bild einzeln durchforsten müssen.
Und der Generator kann die Bildtexte auch in verschiedenen Sprachen KI-gesteuert erstellen.
Auch dieses Projekt wurde – nachträglich und damit verspätet, sorry dafür – schon ausführlich im Beitrag über Inklusion und Barrierefreiheit vorgestellt. Leist- und brauchbare Hilfen für blinde und seh-beeinträchtigte Menschen, die Hindernisse abseits des Bodens erkennen und den Träger:innen in Echtzeit übermittelt gab und gibt es seit Jahrzehnten bei Jugend Innovativ, auch solche, die es ins Finale schaffen – mehr im erwähnten Beitrag, der natürlich unten verlinkt ist.
Nun aber zum aktuellen, mit einem der Anerkennungspreise ausgezeichneten Finalprojekt, das Fabian Lindbauer, Liam Vendel und Manuel Zauner aus der HTL Braunau (Oberösterreich) „Ascenta – Guiding your Vision“ nannten.
Trotz auch schon früherer Jugend-Projekte fanden sie kein wirklich für jederfrau und jedermann erschwingliches Assistenz-System für Hindernisse nicht auf Bodenhöhe. Ständiges herumfuchteln mit einem Blindenstock in alle Richtungen und Höhen wäre ja nicht praktikabel.
Bald war die Idee da, die technische Lösung in eine Brille zu packen – eine Kamera, einen Mini-Microcontroller und KI, die Bilder der Kamera „übersetzt“. „Doch der winzige Arbeitsspeicher von nur einem Megabyte reichte nicht für Objekterkennung und Bluetooth-Übertragung gleichzeitig“, heißt es in der Kurzbeschreibung des Projekts.
Da die Erkennung auf dem Smartphone gut zehnmal genauer ist, lassen die Entwickler nun die Kamerabrille nur mehr aufnehmen und es in kleine Datenpakete zerlegen und so über Niedrig-Energie-Bluetooth an ein Smartphone senden. Die vom Team entwickelte App analysiert es, wandelt die Bildinformation in Sprache um und sendet an die Trägerin / den Träger akustisch die Info, wo, in welcher Höhe sich welche Art von Hindernis befindet, das eben nicht vom Boden ausgeht – beispielsweise ein an der Hauswand offenstehendes Fenster oder was auch immer.
In die beiden Brillenbügel sind die Akkus eingebaut. Der – funktionstüchtige, „aber noch nicht marktreife“ (so das Trio zu KiJuKU.at) – Prototyp kommt bei derzeit rund 90-prozentiger Erkennung und einer etwa zwei- bis drei-sekündiger Latenzzeit (bis zur Sprachausgabe) auf rund 120 Euro Materialkosten. „Alles läuft offline, ohne Cloud, ohne Tracking. Die geplante Consumer-Edition soll rund 800 Euro kosten, ein Drittel des Marktstandards“, schreiben die Schüler in der Projekt-Info weiters. Und wollen – mit Hilfe des aws Incubater-Programms aus dem Schulprojekt ein Unternehmen gründen, um die „sprechende“ Brille zur Einsatztauglichkeit weiterzuentwickeln.
… wird im Auftrag der Bundesministerien für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET); Bildung (BMB) sowie Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) von der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) abgewickelt und von der Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative (nach einigen Jahren Absenz wieder Kategorie-Patin Sustainability) unterstützt.
Der Sonderpreis für das beste Lehrlingsprojekt wird ermöglicht durch die Kooperation mit der Austria Marshall Plan Foundation und dem AFS – Austauschprogramme für interkulturelles Lernen.
Seit 1987 haben mehr als 12.300 Projekt-Teams mit knapp 58.100 Schüler:innen am Wettbewerb teilgenommen. Der Wettbewerb wird laufend von Workshop-Angeboten sowie Qualifizierungsmaßnahmen (z. B. Beratungen zum Innovationsschutz, etc.) für Schüler:innen und Lehrer:innen begleitet.
Weitere Infos: jugendinnovativ.at
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