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Illustratorin Barbara Waldschütz an ihrem Arbeitsplatz
Illustratorin Barbara Waldschütz an ihrem Arbeitsplatz
03.09.2026

Fünf Meter langes Bild aus allen Seiten, viel ausprobiert

Aufgrund eines längeren Auslands-Aufenthalts der Künstlerin Interview per eMail mit der Illustratorin von Christine Nöstlingsers posthum (nach dem Tod) diesen Sommer (2026) erschienenen Bilderbuchs „Marie und die Wolke“ – Buchbesprechung am Ende verlinkt.

Barbara Waldschütz, geboren 1959, studierte Informatik und Medienkunst. Sie lebt in Wien und arbeitet als Mediengestalterin. Sie hat unter anderem acht Werke ihrer Mutter Christine Nöstlinger (13. Oktober 1936 – 28. Juni 2018), die mehr als 150 Bücher (nicht nur) für junge Leser:innen geschrieben hat, illustriert. Und bekam für einige davon Illustrationspreise der Stadt Wien sowie die BIB Plakette („Biennale der Illustrationen in Bratislava) für „Klicketick“, ihre erste Buch-Illustration.

KiJuKU: Ist Marie und die Wolke eines der acht Nöstlinger-Bücher, die Sie illustriert haben oder ein zusätzliches, das 9.?
Haben Sie auch andere (Kinder-)Bücher illustriert?
Barbara Waldschütz: Da muss ich nachzählen …. es ist das achte. Vor langer Zeit habe ich auch ein Sach- und Sagenbuch über den Stephansdom und vor zwei Jahren einen Gedichtband für Rolande Eibl illustriert.

Technik verändert

KiJuKU: Wie unterscheidet sich die jetzige, gedruckte Illustration von den ersten Entwürfen vor zehn Jahren mit denen Sie nicht (ganz) zufrieden waren?
Barbara Waldschütz: Also die Idee, dass alle Seiten, wenn man sie aneinanderreiht, eine fünf Meter lange Landschaft ergeben, die sich mit den Jahreszeiten ändert, hatte ich von allem Anfang an und bin auch dabei geblieben. Es war die Technik, die ich verändert habe. Zuerst habe ich Bäume, Flüsse, Blumen aus eingefärbten Tapetenstücken mit unterschiedlichen Strukturen geschnitten, also eine Collage gemacht. Das war eine lustige Arbeit. Dann waren mir aber die Ränder der einzelnen Teile zu scharf und zu hart.

In einem weiteren Versuch hab’ ich die bunten Tapeten eingescannt und im Computer zusammengesetzt, sodass ich auch weichere Übergänge schaffen konnte. Trotzdem war ich nicht hundertprozentig zufrieden. Ich habe dann längere Zeit die Dateien nicht angeschaut, oft hilft das ja. Danach hab’ ich verstanden, dass die Landschaften zu bunt sind, und dass die Figuren dadurch ganz unscheinbar werden.

Illustrationen von Barbara Waldschütz hängen zum Trockenen
Illustrationen von Barbara Waldschütz hängen zum Trockenen

Also bin ich wieder zum Aquarell zurückgekehrt und hab’ viel ausprobiert, bis ich dann überhaupt nur noch bunte Flächen gemalt habe. Das wichtige war ja, wie sich die Landschaft mit den Jahreszeiten ändert. Dazu braucht man nicht unbedingt einen Baum oder ein Blumenbeet, dazu reichen die Farben aus: Rosa und hellgrün für den Frühling, kräftige Farben für den Sommer ….

KiJuKU: Zum zentralen Thema – unerfüllte Wünsche von Kindern – wie ging’s Ihnen und Ihrer Schwester in Bezug auf eigene, mitunter vielleicht auch „wolkige“, fantas-tische Wünsche als Kinder? Können Sie sich an den einen oder anderen erinnern und würden Sie einen solchen verraten wollen?
Barbara Waldschütz: Wir hatten ja zum Glück eine sehr nette Familie und soweit sie konnten, haben sie unsere Wünsche erfüllt. An einen phantastischen, völlig unerfüllbaren Wunsch kann ich mich nicht erinnern.

KiJuKU: Sollte das Buch bewusst nun im Jahr mit etlichen Veranstaltungen um den leider nicht mehr erlebten – 90er Christine Nöstlingers erscheinen, weil ja oft das Wort-Bild „von da oben auf irgendeiner Wolke“ die Rede / Schreibe ist?
Barbara Waldschütz: Nein gar nicht. Ich habe einfach so lange gebraucht. Vielleicht wäre ich heute noch nicht fertig, wenn meine Schwester nicht ein bisschen Druck gemacht hätte.

KiJuKU: Nun zu Ihrem eigenen Werdegang, Sie beschreiben ja im Nachwort, weshalb Sie sich sozusagen bei der Kunstakademie umgedreht haben und von dannen zogen, war das aber bei Informatik so wirklich anders? Das war doch zu Ihrer Studien-Anfangszeit sicher noch männerdominierter als heute – übrigens im Gegensatz zu Ländern wie Türkei, Iran, Tunesien wo schon vor Jahrzehnten der Frauenanteil so um die 50% und darüber lag?
Barbara Waldschütz: Auf der Akademie war es nicht die Männerdominanz, die mich umdrehen ließ. Dort laufen (scheinbar) lauter selbstbewusste Individualisten herum, Männer wie Frauen und alles dazwischen. Das hat vermutlich damit zu tun, dass jede und jeder seine eigene Ausdrucksform und sein eigenes Thema finden muss.
Die Informatik war schon damals ein Massenstudium, mit 400 Studienanfängern. Da lernt man als Frau nicht unbedingt gerade die Frauenverächter kennen, obwohl es die sicher gab.

KiJuKU: Wie entstand Ihr frühes Interesse an Informatik?
Barbara Waldschütz: Ich hatte Talent und Freude am Zeichnen, das ich trotz der Lehrerin, mit der ich viele Auseinandersetzungen hatte, nie verlor. Ich hatte aber auch eine Begabung für logisches Denken, und das wurde durch eine ganz außergewöhnlich gute Lehrerin gefördert.

Illustratorin Barbara Waldschütz an ihrem Arbeitsplatz
Illustratorin Barbara Waldschütz an ihrem Arbeitsplatz

Verändert oder erklärende Fußnote

KiJuKU: Und, auch wenn Sie’s schon in mindestens einem anderen Interview beantwortet haben, aber natürlich würde das wahrscheinlich auch bei uns Leser:innen interessieren, weil ja das Insta-Video der deutschen Influencerin Gina Waibel, die ansonsten durchaus ernst zu nehmende Kritik am Schulsystem äußert, für die Verbannung des Gurkenkönigs aus Klassenzimmern aufrief, könnten Sie bitte auch hier sagen, pardon schreiben, was Sie ihr antworten würden und vlt. auch aus der guten Kenntnis Ihrer Mutter, wie diese reagiert hätte?
Barbara Waldschütz: Unsere Mutter hat das meistens so entschieden: Wenn sie es im Zusammenhang mit der gesamten Geschichte wichtig fand, dass die Figuren so sprechen, wie es eben damals üblich war, hat sie vorgeschlagen, eine Fußnote zu machen und die Zusammenhänge zu erklären. Wenn es für die Geschichte nicht so eine große Rolle spielte, hat sie bisweilen den Text direkt geändert. Eines jedoch hätte sie sicher abgelehnt: dass wir heute so tun, als ob schon vor 50 Jahren die aufgeklärteren Menschen das N-Wort nicht verwendet hätten.

Ich persönlich glaube nicht, dass ein Begriff allein das Bewusstsein bestimmt. Es gibt auch Diskriminierung per korrekter Wortwahl und es gibt Menschen, die sich nicht korrekt ausdrücken können, aber das Richtige meinen. Es kommt halt immer auf die konkrete Situation an. Und was die sogenannte erste Welt allen anderen Menschen auf dieser Erde seit Jahrhunderten angetan hat, wird auch nicht wieder gut gemacht, nur weil wir jetzt das N-Wort nicht mehr verwenden.

In einer Zeit, in der Autokraten und Antidemokraten überall an die Macht kommen, in der scheinbar einfache Lösungen so verführerisch wirken, finde ich den Gurkenkönig höchst aktuell. Aber man kann natürlich der Ansicht sein, dass die Realität weniger auf Kinder wirkt als ein Wort. Wer spricht eigentlich mit Kindern über das Wortungetüm „Remigration“?

kijuku_heinz

Hier unten geht’s zur Buchbesprechung von „Marie und die Wolke“