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KiJuKU-heinz interviewt Robet Klement, den vielfachen (Jugendbuch-)Autor
KiJuKU-heinz interviewt Robet Klement, den vielfachen (Jugendbuch-)Autor
06.11.2026

Dieses Schloss und die Nazi-Raubkunst haben mich interessiert

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… traf den Autor des Krimis rund um historisch-dokumentarische Fakten „Tote Krähen schreien nicht“ zum Interview; Transparenz-Hinweis: Der Autor und der Journalist kennen einander seit Jahrzehnten und duzen sich.

KiJuKU: Wie bist du auf diesen Stoff gekommen?
Robert Klement: Ich hab davon gehört und in einem Zeitungsartikel (KURIER) gelesen, dass ein alter Mann ganz allein in Schloss Thürnthal lebt und verzweifelt versucht, das Barockschloss, das immer wieder auch als die Hofburg Niederösterreichs bezeichnet wird, zu erhalten. Da wusste ich: Das wird mein nächstes Buch.

KiJuKU: Warum?
Robert Klement: Schlösser haben mich schon immer interessiert, mehrere meiner Bücher spielen in solchen, zum Beispiel in Irland, ein anderes in Schottland. Außerdem war Thürnthal das Hauptdepot für Raubkunst der Nazis. Ich bin wie du weißt ehemaliger Geschichtslehrer, war schon früh mit Schülerinnen und Schülern in der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Mauthausen. Und ich bin sehr kunstinteressiert. Diese Kombination hat dann letztlich den Ausschlag gegeben.

KiJuKU: Und wie bist du auf den Krimi-Plot gekommen?
Robert Klement: Drei Bilder galten, gelten noch immer als verschollen, Gemälde von Klimt. Sehr lange hat es geheißen, sie wären in Schloss Immendorf im Weinviertel 1945 verbrannt. Aber sie waren dort nie registriert worden.

Autor mit einem Ausdruck eines Fotos des "veschollenen" Klimt-Bildes "Malcesine am Gardasee"
Autor mit einem Ausdruck eines Fotos des „veschollenen“ Klimt-Bildes „Malcesine am Gardasee“

Hauptdepot

KiJuKU: Aber doch auch in Thürnthal nicht, oder?
Robert Klement: Gauleiter Hugo Jury hatte in Wien eine Klimt-Ausstellung organisiert, viela aus dem Besitz Lederer, den sie enteignet hatten; die Nazis liebten Klimt. Die übergroßen „Fakultätsbilder“ sind sicher nach Immendorf gekommen, wo sie definitv mitverbrannt sind. Andere kamen sicher nach Thürnthal, lange war dort ja auch das Beethovenfries, das heute längst ein Schmuckstück in der Wiener Secession ist.

Thürnthal war das Hauptdepot, das sogar Hitler selbst besuchen wollte, um Werke für sein geplantes Museum in Linz auszusuchen. Daher ist es sehr, sehr wahrscheinlich, dass auch die drei „verschollenen“ Bilder dort waren. Die sind sicher in Privatbesitz und werden möglicherweise irgendwann auftauchen, wie vor zwei Jahren „Bildnis Fräulein Lieser“.

Schon vor zehn Jahren machte die bekannte österreichisch-kroatische-US-amerikanische Kunsthistorikerin Tina Marie Storkovich auch öffentlich darauf aufmerksam, dass die besagten drei Bilder eben nicht auf der Liste der eingelagerten Bilder in Immendorf waren. Deshalb habe ich für die fiktive Krimi-Geschichte die Figur der Kunstexpertin erfunden, die sich auf die Suche nach den verschollenen Bildern begibt. und selbst „verschwindet“.

Einstiger Wassergraben
Einstiger Wassergraben

Laubrechen

KiJuKU: Du hast dann – wie für viele deiner Bücher – vor Ort recherchiert, warst im Schloss, hast mit dem einsamen Besitzer und Verwalter gesprochen, warst am Gardasee, wo Klimt 1913 das bekannte „verschollene“ Bild „Malcesine am Gardasee“ gemalt hat.
Robert Klement: Auf Schloss Thürnthal war ich mehrmals, beim ersten Mal hab ich eine der spannenden, interessanten Führungen mitgemacht, in denen Gerhard Zehethofer auch auf die Nazi-Raumkunst, die hier beherbergt war, hinweist. Ich wollte das Vertrauen des Mannes gewinnen, um möglichst viel zu sehen, zu erleben, um die Stimmung, das Ambiente gut beschreiben zu können. Jeden Herbst war ich zwei Mal dort und hab auch mitgeholfen, die Berge an Laub der Ahornbäume zu rechen. Der Mann ist 73.

KiJuKU: Er ist aber nicht Sohn eines Mannes, der schon in der Nazizeit Schloss und Kunstdepot verwaltet hat, oder?
Robert Klement: Nein, keineswegs. Die einzige Übereinstimmung mit meiner Romanfigur: Beide kämpfen idealistisch mit viel Herzblut um die Erhaltung des Schlosses. Er lebt seinen Traum, kämpft auch mit behördlichen Auflagen. Die einzigen Einnahmen kommen aus den – auch nicht zu zahlreichen – Führungen und aus Vermietungen, vor allem als Filmset und für Foto-Shootings.

KiJuKU: Und du warst auch, hast du mir erzählt, am Gardasee?
Robert Klement: Ja, ich hab mich umgeschaut und versucht den Ort zu finden, von dem aus Klimt Malcesine gemalt hat. Ich bin sicher, ich hab genau den Punkt gefunden – im heutigen Hotel San Lorenzo, damals die Villa Bauer. Gegenüber am anderen Ufer des Sees liegt die Scaligerburg (italienisch Castello Scaligero) in Sirmione, eine Wasserburg.

Sogar die Anordnung der Fenster ist die gleiche wie vor mehr als 100 Jahren, nur die Farben der Häuser sind in der Zwischenzeit anders.

KiJuKU-heinz interviewt Robet Klement, den vielfachen (Jugendbuch-)Autor
KiJuKU-heinz interviewt Robet Klement, den vielfachen (Jugendbuch-)Autor

Krimi-Bau

KiJuKU: Und rund um die Kunstkennerin, die sich auf die Suche nach den „verschollenen“ Bildern macht, hast du dann deinen Krimi gebaut?
Robert Klement: Die „musste“ natürlich verschwinden, ein Ermittler-Duo – ein Mann und eine Frau – machen sich auf die Suche nach ihr. Es braucht einige Verdächtige…
Aber nur diese Krimi-Story ist fiktionale, alle historischen und auch alle Kunstfakten stimmen. Ich würde es ja gern nicht einen Krimi nennen, sondern einen Roman mit zeitgeschichtlichem Hintergrund.

KiJuKU: Der Titel hat mich am Ende ein wenig verwirrt, es kommt ja nur eine einzige tote Krähe vor, um die die Artgenoss:innen trauern?
Robert Klement: Da hast du aber sehr genau gelesen. Der Verwalter Breuer fürchtet sich vor dem Krähen-Schwarm. Ich wollte eigentlich noch einen Bogen spannen zu dem großen Unfall in der Chemie-Fabrik im indischen Bhopal (1984) bei dem Unmengen an Tonnen giftiger Chemikalien ausgetreten sind, Tausende Menschen an den Folgen starben, aber auch Schwärme von Vögeln vom Himmel gefallen sind. Aber dieser Schlenker war dann doch zu viel.

KiJuKU: Gibt es nicht am Schluss, beim Show-Down ein bissl viel Tote und die – ohne jetzt Details zu verraten – plötzlich aufgetauchte Waffe, obwohl das Schloss vorher ja von der Polizei akribisch durchsucht wird?
Robert Klement: Da bin ich sicher an meine Grenzen gegangen, aber nicht darüber. Manche meinen, für einen Krimi fließt bei mir rechtwenig Blut. Im finalen Akt wollte ich einen spannenden Schluss, in dem auch die junge Kommissarin eine Rolle spielt.
Und dass der genau Ort, die Kapelle eine wichtige Rolle spielen muss – das wusste ich schon bei der ersten Führung im Schloss.

KiJuKU: Schade, dass die junge Kommissarin offenbar am Ende den Dienst quittiert, oder?
Robert Klement: Lass dich überraschen, sie taucht im nächsten Buch wieder auf.

KiJuKU-heinz interviewt Robet Klement, den vielfachen (Jugendbuch-)Autor
KiJuKU-heinz interviewt Robet Klement, den vielfachen (Jugendbuch-)Autor

Und das näcshte Buch?

KiJuKU: Worum dreht sich dein nächster Roman?
Robert Klement: Um das „Schuhläufer-Kommando“ im KZ Sachsenhausen. Dort mussten Gefangene täglich 40 Kilometer gehen, um Schuhe für die Wehrmacht, aber auch private Firmen zu testen. Das war praktisch immer ein Todesurteil, weil das kaum wer mehr als drei Wochen durchgehalten hat. 72 Unternehmen haben davon profitiert, in den 80er Jahren wurde ein Fonds gegründet, in den einige von ihnen, bei weitem nicht alle, und das aber nur freiwillig eingezahlt haben für Angehörige von Opfern.

KiJuKU: Muss gestehen, das ist für mich völlig neu, hab noch nie davon gehört oder gelesen. Wie bist du auf dieses Thema gekommen?
Robert Klement: Obwohl ich Geschichtslehrer war, mit Schulklassen wie schon gesagt Mauthausen besucht habe, selber auch in Auschwitz und Buchenwald war, bin ich auch erst vor wenigen Jahren über einen Artikel in der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ darauf gestoßen. In dem wird Margot Friedländers (die vor eineinhalb Jahren gestorben ist) „ich war Zwangsarbeiterin bei Salamander“ erwähnt. Darüber bin ich auf das rund 900-seitige Buch „Der Schuh im Nationalsozialismus“ gekommen und ein bisschen mehr über das sogenannte Schuhläufer-Kommando.
Aber auch da hab ich schon eine Idee, wie ich das in einen Krimi einbetten kann.                     

KiJuKU: Mehr wird hier aber jetzt sicher nicht verraten, danke, lieber Robert.

kijuku_heinz

Hier unten geht’s zur Besprechung des Buchs

Weitere Fotos vom Interview

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Text: Robert Klement
Tote Krähen schreien nicht
175 Seiten
Wieser Verlag / Založba Wieser
24 €

Homepage des Autors

Homepage von Schloss Thürnthal