Märchenhafte Geschichte – von Wolf Biermann, mit Bildern von Carlotta Marín Pérez – für menschliche Wärme in Zeiten von (Gefühls-)Kälte.
Ein älterer Herr mit wenig weißen Haaren auf dem Kopf, freundlich dreinschauend, zieht sich einen dunklen, langen Mantel nur über seine Unterwäsche an. Schlüpft in viel zu große Schuhe. Und erinnert damit sofort an einen Clown. Halt ohne rote Nase.
Ach ja, der gute Mann hat einen Namen, der auch im Titel dieses Bilderbuchs steckt: „Der kleine Herr Moritz“. Wie beschrieben bekleidet – und ausgestattet mit einem großen, ebenfalls recht dunklen Schirm geht er gern spazieren – auf Berlins Straßen, wo Autor und Illustratorin die Geschichte spielen lassen.
Dass die Handlung in einem Winter mit sehr viel Schnee spielt, hängt vielleicht damit zusammen, dass sich Wolf Biermann – ja, genau der bekannte deutsche immer kritische Liedermacher und Literat, der übrigens Mitte November 90 Jahre wird – die Geschichte vor mehr als 60 Jahren ausgedacht hat; für seinen Sohn Manuel, wie er im Nachwort schreibt.
Aber auch wenn die Winter schon lange, ob in Berlin oder auch Wien, eher schneearm bis -los sind, der Grant, das aufeinander schimpfen, einander verfluchen und so weiter nicht zuletzt wegen der – zwischenmenschlichen – Kälte ist vielleicht noch stärker zu spüren. Der Titelheld geht nun mit dunklem Hut spazieren und sinniert: „Wie böse die Menschen alle sind! Es wird höchste Zeit, dass wieder Sommer wird und Blumen wachsen.“
Und siehe da – Illustratorin Carlotta Marín Pérez lässt verschiedenen bunte Blumen aus Hut und Kopf von Moritz sprießen, „ganz schnell und ganz viele…“ wie es der Autor schreibt. Der kleine Herr kriegt das selbst erst mit, als ihn eine Frau darauf anspricht. Höflich fragt sie, ob sie eine kleine Rose pflücken dürfe. Danach kommt ein Mädchen und noch wer und noch und noch… – Und plötzlich wimmelt es auf zwei Doppelseiten von Menschen mit Lächeln in ihren Gesichtern…
So einfach könnt’s gehen.
Wäre aber nicht Wolf Biermann, wenn’s dabei bliebe. Er lässt einen „Ordnungshüter“, also einen Polizisten auf den Plan treten. „Wo gibt’s denn so was! Blumen auf dem Kopf…“ Ausweis her. Doch…, ja wo hat der Moritz denn seinen Ausweis?
Nun, das Ende sei nicht gespoilert, denn die wirkliche Botschaft ist ja längst verraten: Mit kleinen, freundlichen Gesten kann Menschen Lächeln ins Gesicht „gezaubert“ werden. Auch und gerade dann, wenn solche Taten nicht in welchen auch immer Ordnungsrahmen passen.
Text: Wolf Biermann
Illustration: Carlotta Marín Pérez
Der kleine Herr Moritz
22 Seiten
Ab 4 Jahren
Verlag Tulipan
16,50 €
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