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Die Autorin mit der deutschsprachigen Ausgabe ihres ersten Buches
Die Autorin mit der deutschsprachigen Ausgabe ihres ersten Buches
30.10.2026

„Teo“ war auf einmal da

Kurz vor den Totengedenktagen (2015) war die Autorin Lorenza Gentile für eine Lesung in der Buchhandlung Hartliebs (Wien, damals Porzellangasse). Der Kinder-KURIER, Vorläufer von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… konnte sie davor interviewen.

Kurz vor den Totengedenktagen (2015) war die Autorin Lorenza Gentile für eine Lesung in der Buchhandlung Hartliebs (Wien, damals Porzellangasse). Der Kinder-KURIE, Vorläufer von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… konnte sie davor interviewen.

Wie kommt eine so junge Autorin dazu, ein Buch zu schreiben, in dem sich ein achtjähriges Kind so intensiv mit dem Tod beschäftigt?
Lorenza Gentile: Teo war auf einmal da. Ich hab seine Stimme gehört, ihn vor mir gesehen, wie er sich bewegt, wie er agiert.

Haben Sie schon „immer“ geschrieben?
Lorenza Gentile: Als Jugendliche schon, da hab ich Kurzgeschichten geschrieben. Ich wollte aber eher Schauspielerin werden und vielleicht einmal im Alter, so mit 70, eine Familiensaga, einen Rückblick auf mein Leben und das meiner Familie verfassen.

Interview der Autorin Lorenza Gentile mit Heinz Wagner, damals Kinder-KURIER, heute KiJuKU.at
Interview der Autorin Lorenza Gentile mit Heinz Wagner, damals Kinder-KURIER, heute KiJuKU.at

Und dann war da Teo, das mussten Sie schreiben?
Lorenza Gentile: Ja, er war, wie schon kurz erwähnt da. Die Geschichte kam zu mir, sein Charakter war da. Ich hab es nicht gewählt. Seine Geschichte wollte ich niederschreiben und ich war besessen davon, große Themen, die ihn bewegen, zu schreiben: Leben und Tod, Freundschaft, Streit der Eltern… Und ich hab begonnen, tiefer ins Leben einzudringen. Und Teo gab mir die Gelegenheit, einen anderen Angelpunkt zu finden, diese Themen anzusprechen, sich damit auseinander zu setzen. Aber als er zu mir gekommen ist, war er sozusagen fertig. Ich hab ihn nicht nach und nach erfunden. Er war da, ich musste seine Geschichte nur mehr aufschreiben. Ich hatte keine Zweifel, was er sagt, woran er interessiert ist. Er war komplett geformt. Durch ihn konnte ich ein kleines bisschen verstehen, was ich fühle, woran ich interessiert war.

Und wieso kreist bei Teo alles zentral um Tod?
Lorenza Gentile: Als ich in London studierte, befassten wir uns mit dem Stoff der „Kameliendame“ (von Alexandre Dumas, dem Jüngeren), einem Stoff, den Giuseppe Verdi zur Oper La Traviata formte. Der junge Mann liebt die nicht standesgemäße Frau bis über ihren Tod hinaus. Seine Liebe lebt weiter. Das hat mich irgendwie geschockt. Dieser Konflikt hat mich interessiert, ich war richtig besessen davon. Ja, und so ist Teos Wunsch, Napoleon zu treffen, so etwas wie die Übersetzung dieser Frage.

Die Autorin mit der deutschsprachigen Ausgabe ihres ersten Buches
Die Autorin mit der deutschsprachigen Ausgabe ihres ersten Buches

Und wieso Napoleon?
Lorenza Gentile: Einen Helden braucht’s. Ich selber hab als Kind und Jugendliche auch immer eher ungewöhnliche Helden gehabt. Als alle meine Freundinnen und Klassenkolleginnen auf die Backstreet Boys gestanden sind, war mein Held Marco Columbro. Der war 55, ich war elf. Er spielte in einer Fernsehserie einen Lehrer. Aber einen großartigen, einen der seinen Schülerinnen und Schülern hilft, der sich engagiert. Und der auch viel Humor hat. Das mochte ich, ich war richtiggehend ein bisschen verliebt in ihn, so wie meine Kolleginnen in den einen oder anderen von den Backstreet Boys.
Später im Gymnasium waren die Futuristen meine Helden.

Ist Teo ein Teil von Ihnen?
Lorenza Gentile: Klar, immer wieder erkenne ich mich in Teo. Unter anderem darin, dass er eben auch ganz andere Helden hat – so wie ich.

Interview der Autorin Lorenza Gentile mit Heinz Wagner, damals Kinder-KURIER, heute KiJuKU.at
Interview der Autorin Lorenza Gentile mit Heinz Wagner, damals Kinder-KURIER, heute KiJuKU.at

Alle die mich kennen, sagen, sie können mich in Teo sehen. In der Art wie er redet, wie er seine Fragen stellt, die Art seines Humors… Er ist vielleicht das Kind, das noch immer in mir lebt.

Wussten Sie schon als Sie das Buch zu schreiben begonnen haben, dass es so faszinierend, überraschend endet?
Lorenza Gentile: Nein, das Ende kam spät, sehr spät. Nach Jahren, ich hab‘s geschrieben, es hatte kein Ende. Als ich es wieder hernahm, so nach zwei oder drei Jahren, begann ich über das Ende nachzudenken. Es war wirklich, wirklich schwer zu schreiben. Es sollte überraschend kommen, aber doch nicht aufgesetzt, sondern sich aus der Geschichte heraus entwickeln. Aber ich wusste, Teo würde keine einfache, billige Antwort akzeptieren, so hatte ich nicht so viele Optionen. Ich hätte einige gehabt, aber die wären zu schwach gewesen. Aber nach einiger Zeit hatte ich’s. Dann nahm ich das Manuskript wieder her, schrieb das Ende, aber musste schon davor einiges umbauen, damit dieser Schluss eben nicht aufgesetzt, unglaubhaft würde.

Transparenz-Hinweis 2: Die weiteren Fragen bezogen sich auf ein – damals (2015) weiteres Buch, an dem die Autorin schrieb, längst erschienen ist sowie noch weitere Bücher, die meisten aber „nur“ auf Italienisch.

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Zur Besprechung des Buches geht’s hier unten

Buchbesprechung und Interview erstveröffentlicht im Kinder-KURIER, Ende Oktober 2015

Interview der Autorin Lorenza Gentile mit Heinz Wagner, damals Kinder-KURIER, heute KiJuKU.at
Interview der Autorin Lorenza Gentile mit Heinz Wagner, damals Kinder-KURIER, heute KiJuKU.at
INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Text: Lorenza Gentile
Übersetzung aus dem Italienischen: Annette Kopetzki
Teo
190 Seiten
eBook: 110 Seiten
Deutscher Taschenbuch Verlag

Die deutschsprachige Ausgabe ist kaum mehr im Handel, am ehesten noch online und gebraucht; oder – ein Exemplar – auszuleihen bei den Büchereien Wien
buechereien.wien.gv.at –> teo

die Italienische sehr wohl: 10,45 €
feltrinellieditore.it –> teo

it.wikipedia.org –> Lorenza_Gentile