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Montage aus mehreren Fotos lesender Jugendlicher vor em Hintergrund eines Bücherregals
Montage aus mehreren Fotos lesender Jugendlicher vor em Hintergrund eines Bücherregals
16.06.2022

„Und es gibt uns doch – junge Buch- und Lese-Fans!“

Junge Leser:innen setzen sich für die Verbreitung von Büchern auf allen möglichen Wegen und (digitalen) Kanälen ein.

Er ist sozusagen der Star unter den heimischen jungen Buch-Präsentator:innen: Adam, mittlerweile 12, stellt Bücher vor, die er gelesen hat – auf YouTube, TikTok und Instagram. Und er ist Teil der „Literaturbagage“, die am 21. Juni im Wiener WuK (Werkstätten- und Kulturhaus) ihre – nach Diskussionen – ausgewählten Buch-Favoriten und warum diese das wurden, präsentieren – siehe dazu einen eigenen Artikel, Link hier unten.

Die Literaturbagage-Kids sind aber nicht die einzigen. Destina Deniz aus der Fachmittelschule in Wien-Donaustadt wurde mit ihrem sehr engagierten, pointierten Plädoyer fürs Bücher-Lesen beim Landesjugendredewettbewerb Zweite – Link zum Bericht über den Bewerb hier unten:

Erst spät Lese-Leidenschaft entdeckt

Dabei, so die Rednerin, gehöre sie gar nicht zu jenen, die schon von Klein auf gern und viel gelesen haben. Erst vor drei Jahren sei sie auf den Geschmack gekommen, erzählt sie nach der Preisverleihung des genannten Redebewerbs Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … „Da hab ich das Buch zum Film „Drei Schritte zu dir“ gelesen. Das hat mir viel besser gefallen als der Film. Ich fand es unglaublich gut. Dann hab ich begonnen Rezensionen auf Buchplattformen zu lesen oder anzuschauen – auf YouTube, Instagram und TikTok. Überall gibt es Buch-Communitys. Und so bin ich selber ins Bücherlesen reingekippt.“

In ihrer Rede gesteht sie, dass sie früher selber Menschen, die Bücher lasen, als „komisch und uncool abgewertet“ habe, „aber ich hab sie nie erniedrigt“. Heute fühle sie sich manchmal „angestarrt als wäre ich ein Geist“, wenn sie sagt, dass sie gern Bücher lese. Weiters führte sie aus, dass – wie bei anderen Hobbys – der Genuss oft erst durch einige Übung (Training) komme. Als wichtigste Regel nennt Destina Deniz in ihrer Rede: „Nur Bücher lesen, die wirklich interessieren!“

Dadurch „erlebe ich viel Action, Drama, Spannung, die ich im echten Leben gar nicht haben kann … ich habe viel gelernt … neue Welten betreten und mich in ungefähr 50 verschiedene Charaktere verliebt…“

Seit sie gerne liest und Bücher liebt, sei sie der Meinung „Die Kraft der Wörter ist die mächtigste Kraft überhaupt“.

Sie betreibt auch einen eigenen Bücher-Blog auf Instagram – Link hier

Zum Beitrag von Destina Deniz im Finale des Wiener Landesjugend-Redewettbewerbs:

Krieg und Frieden

Zu solchen, die gerne Bücher lesen und dazu erst später gekommen sind, gehört Theo. Bei einem Reportagenbesuch in der Mittelschule Hainburgerstraße, in der sich Jugendliche gemeinsam mit dem nahegelegenen Figurentheater Lilarum an einem Projekt beteiligen, das sich um Demokratie dreht (und am 27. Juni 2022 im Festsaal des Bezirksamts mit einer Uraufführung abgeschlossen wird), fällt Theo auf: Vertieft in ein dickes Taschenbuch – „Warten bis der Frieden kommt“ (von Judith Kerr, Band 2 der „Rosa Kaninchen“-Trilogie).

Theo kam erst spät auf den Geschmalc von Bücher-Lesen
Theo kam erst spät auf den Geschmalc von Bücher-Lesen

„Als ich klein war, fand ich Lesen langweilig“, meint Theo. „Das ist übrigens mein neuer Name, seit ich mich als non-binäre Person verstehe. Das akzeptieren auch fast alle. Fürs Lesen interessiere ich mich erst, seit wir in der Schule über Themen wie Krieg und Frieden sprechen und ich dabei auf spannende Bücher gekommen bin.“

Zu der Reportage über die Arbeit der Jugendlichen in diesem Projekt geht es hier unten:

Innovativstes Projekt einer Wiener HAK

Ende Mai wurden die „Mekure“, die gewichtigen Statuen für die besten Projekte, Schüler:innen und Lehrer:innen der privaten Handelsschulen und -akademien des Fonds der Wiener Kaufmannschaft (VBS – Vienna Business School) vergeben. Die sechs Schulsandorte nominierten ihre jeweils Besten in den verschiedenen Kategorien. In jener des innovativsten Projekts hatte die Schule am Hamerlingplatz (Josefstadt, 8. Bezirk) „BiB-Buddies“ nominiert.

Drei der Jugendlichen, die sich in der HAK Hamerlingplatz für Bücher ins Zeug legen: Kim Wiatr, Johanna Höllbacher und Gabriella Heitzer
Drei der Jugendlichen, die sich in der HAK Hamerlingplatz für Bücher ins Zeug legen: Kim Wiatr, Johanna Höllbacher und Gabriella Heitzer

Lisa-Marie Langer, Tuba Kaya, Denisa Grambličkova, Anita Nader, Marileen Bremer, Kim Wiatr, Johanna Höllbacher und Gabriella Heitzer im Team mit Lehrerin Magdalena Öllinger betreuen die Schulbibliothek, bespielen darüber hinaus eine eigene Instagram-Seite mit Buchtipps. Vor Weihnachten bespielten sie dort einen „Adventkalender“. Hinter den „Türchen“ versteckten sich eigene Buchtipps, aber auch solche oder Gespräche über Lektüre mit Promis aus dem Bezirk. Neben dem Bezirksvorsteher Martin Fabisch haben sie herausgefunden, dass zufällig die Direktorin der Österreichischen NationalBibliothek, Johanna Rachinger, in der Josefstadt wohnt.

„Wir wollten unseren Mitschülerinnen und Mitschülern, aber nicht nur ihnen, vor allem mit dem Insta-Auftritt zeigen und vermitteln, dass Lesen von Büchern auch ziemlich cool sein kann“, meinten Kim Wiatr, Johanna Höllbacher und Gabriella Heitzer vor der Merkur-Verleihung zu Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … Zu deren Insta-Account geht es hier

Die Statue ging letztlich an das Projekt einer anderen der sechs VBS – Link zum Bericht über die Merkure hier unten:

Screenshot der Lesemaus.at-Homepage
Screenshot der Lesemaus.at-Homepage

Vor fast 20 Jahren …

Schon vor fast 20 Jahren (2004) hat die damals 12-jährige Lilly Maier, heute Autorin mehrerer Bücher, eine eigene Homepage für Buchbesprechungen von ihr und anderen jungen Leser:innen gestartet – gegliedert nach verschiedenen Kategorien. Die wird zwar schon lange nicht mehr aktuell bespielt, aber gut 100 lesenswerte – und bei Kinder- und Jugendbüchern meist immer aktuelle – Buchbesprechungen finden sich ja noch immer auf „Lesemaus“ – dazu geht es hier

Link zum Interview mit der Autorin über ihr jüngstes Buch (aus dem Vorjahr) hier unten:

Leseforscherin: Der Geruch von Büchern …

Naomi Baron, emeritierte (pensionierte) Uni-Professorin aus der USA-Hauptstadt Washington D. C., ist Leseforscherin. Am Mittwoch (15. Juni 2022) erschien in der Zeitung „Der Standard“ ein Interview mit ihr. In diesem sagte sie unter anderem: „Drei Kollegen und ich haben an zwei internationalen Schulen in Norwegen und den Niederlanden Untersuchungen mit Schülern der Sekundarstufe durchgeführt. Wir haben gefragt, was ihnen am besten und was am wenigsten gefällt, wenn sie gedruckte Bücher lesen. Viele Schüler sagten, dass sie sich besser an das erinnern, was sie in gedruckter Form lesen. Die Frage ist nun: Warum ist das so? Ich denke, die Antwort hat viel mit der physischen Beschaffenheit von Büchern zu tun.“

Auf die Nachfrage der Redakteurin meinte die Forscherin: „Digitale Bücher sehen alle ziemlich gleich aus. Aber bei gedruckten Büchern erinnert man sich daran, wie groß das Buch war, wie die Titelschrift aussah. Man erinnert sich an die Beschaffenheit des Papiers. Was mich anfangs überraschte, war die Zahl der jungen Leute, die sagten: „Das, was ich am meisten an gedruckten Büchern mag, ist der Geruch des Buches.“ Das heißt, sie sind der Meinung, dass die Sinne ein Teil des Lesens sind. Oft erinnern wir uns an etwas nicht aufgrund der verwendeten Sprache, sondern aufgrund der Plattform, auf der wir es gelesen haben.“

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