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Aufnahme von Dialogen im Tonstudio
Aufnahme von Dialogen im Tonstudio
12.05.2022

Riesige Augen tauchen auf – und …

Lokalaugenschein in einer Wiener Mittelschule, die am internationalen Projekt „Demokratie und Figurentheater“ teilnimmt und sich Szenen dazu ausdenkt, Kulissen baut und einiges mehr.

Samet und Galip sortieren im Raum für Technisches Werken der Mittelschule Hainburgerstraße (Wien-Landstraße) Farbkopien vieler Augen und einiger riesengroßer Enten, schneiden sie aus und kleben die Zombie-Tierteile richtig überlappen zusammen. Dominik hat vor sich ein schon ausgeschnittenes sehr großes Auge aus einer dünnen Dämmplatte. Dort wo das Loch für die Linse ist, legt er ein feinmaschiges flaches Sieb darüber und fixiert es mit Hilfe einer Heißklebepistole. Ihm wird diese Aufgabe zugetraut. „Und trotzdem hab ich mich schon einmal verbrannt. Aber für das Projekt muss man auch Opfer bringen“, steckt er die Erinnerung an den Schmerz weg.

Währenddessen schneiden andere Schüler:innen aus ebensolchen Dämmplatten mit fetten Filzstiften aufgezeichnete Figuren mit kariaktur-ähnlichen Köpfen aus. Wieder andere bemalen schon ausgeschnittene Buchstaben für den Schriftzug Street-Work. Der kommt später auf einen Kleinbus.

Menschenrechte

Die genannten und noch viele weitere Teile gehören zu einem internationalen Projekt namens „Democracy & Puppetry“ (Demokratie und Figurentheater). Das von der EU geförderte Projekt (im Rahmen von Erasmus+ mit Theatern in Slowenien, Serbien und Ungarn) will, dass Puppentheater und Schulen gemeinsam Szenen zum Thema Demokratie, Menschenrechte und alles was vor allem Kindern und Jugendlichen dazu einfällt, erarbeiten. Und die szenische Umsetzung dazu – samt Aufführungen. Vor allem aber sollen die Erkenntnisse aus den Arbeitsstadien zu neuen Unterrichtsmaterialien zu diesen nicht immer leicht zu vermittelnden Inhalten ergeben. (Mehr dazu in der Info-Box am Ende des Beitrags.)

Im Tonstudio

Also zurück in die Werkstatt. Das heißt eigentlich in dem Fall einige Stockwerke drüber. In einem Raum ist eine Art kleines Tonstudio eingerichtet.  Elias, Samet, Elian und Adrian sprechen Dialoge zu einer der Szenen ein. Hier sind die Protagonisten erstaunt über plötzlich aufgetauchte Riesen-Augen, die aus dem Kanal aufgetaucht sind. Sie seien aus genau ihrer Schule gekommen, was der letzte Sprecher mit einem langgezogenen „Cooooool“ kommentiert. Mit freudigem Unterton. Denn die Augen, so erklärt Samet danach dem Reporter, „sind Beobachter, ob die menschenrechter überall gut eingehalten werden“.

Jeweils eine Stunde hätten jene Jugendlichen aus der 4a und der 4b, die am Projekt mit dem Figurentheater Lilarum – das in der Nähe sein Haus hat und auch das EU-Projekt leitet – „uns Themen für Szenen überlegt. Da geht’s darum, dass ein Spielplatz bedroht ist oder in einer anderen um Rassismus“.

Rassismus

Genauer schildern das später Alhaitam, Baran, Melanie und Dragan. Melanie schildert, dass „in Mädchen mit dünklerer Hautfarbe, die in ihr Handy vertieft ist und Kopfhörer aufhat, weil sie für die Schule lernt, einen älteren Mann nicht sieht. Der will ihren Sitzplatz haben und beginnt sie zu beschimpfen. Eine andere Frau hilft dem Mädchen und stellt sich auf ihre Seite.“ Solche oder ähnliche Situationen haben einige Schülerinnen und Schüler schon erlebt – das war die Basis für die dann ausgedachte Szene. Da, so Melanie, habe aber niemand geholfen, „was leider oft vorkommt“, stimmen einige der Jugendlichen ein. Andreas vom Lilarum ergänzt: Das ist eben auch der Sinn des Projekts: Erst die Situation so spielen, wie sie erlebt wird und dann noch einmal mit einem positiven Ende, einer Veränderung in Richtung Menschenrechte und Demokratie“.

Spielplatz bedroht

Alhaitam schildert jene Szene mit den großen Augen, wo dem ersten Jugendlichen, der sie bemerkt erst gar nicht geglaubt wird… und die schon oben bei der Passage über das Tonstudio genannt worden ist. Baran erzählt von jenem Einfall, dass Kinder in den Park auf den Spielplatz gehen sollen und sie auf einmal sehen, dass da eine Baustelle hinkommen soll. „Dann gehen die Kinder zum Bezirksamt und fordern, dass sie ihren Spielplatz weiter haben wollen. Was dann auch so kommt.“

Dragan berichtet von einer weiteren Szene – ein Konflikt zwischen Kindern und gewalttätigen Jugendlichen. „Die Kinder spielen im Park, drei große Jungs mit einem Hund wollen sie vertreiben. Dann kommt ein Bus mit Streetworkern, die den Streit schlichten“ – womit wir wieder anschließen bei den Buchstaben, die für die Beschriftung des Busses ausgeschnitten werden.

Was es mit den riesigen zombie-artigen Enten auf sich hat? Das soll noch ein Geheimnis bleiben – die Aufführungen finden gegen Ende Juni im Festsaal des Landstraßer Bezirksamtes statt – dazu folgen noch später Infos – und vielleicht ein weiterer Beitrag hier.

Die Szenen werden – unter tatkräftiger Lese-Mithilfe mehrerer Schüler und einer Lehrerin von Elijas in den Computer getippt – weil er derjenige ist, der am besten und schnellsten die Tastatur bedienen kann.

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INFOS: WAS? WER? WIE?

Democracy & Puppetry

Die Partner:innen aus Belgrad, Budapest, Ravne na Koroškem und Wien erarbeiten unter der wissenschaftlichen Leitung des Wiener Forums für Demokratie und Menschenrechte Methoden und Materialien, die Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Schulformen und -stufen ermöglichen sollen, sich im Unterricht auf kreative Weise mit Demokratie und Menschenrechte auseinanderzusetzen und ihr persönliches Umfeld dazu zu erforschen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden sie in Figurentheater-Performances verarbeiten, die sie im Frühling 2022 in Amtsgebäuden (Rathäusern, Bezirksvorstehungen) aufführen werden. Die künstlerischen Mittel des Puppentheaters sollen/können dabei helfen, vielleicht schwer Sagbares auszudrücken und Beziehungen in neue Zusammenhänge zu bringen.

Im Projekt dabei: das Wiener Figurentheaters Lilarum (Leitung) sowie die Partner:innen aus
Slowenien: Zadruga ZRaven/Gledališče DELA und Solski Center Ravne na Koroškem
Serbien: Malo pozorište „Duško Radović“ und Osnovna škola „Ilija Birčanin“ sowie
Ungarn: Interplay Hungary und Keleti István Alapfokú Művészetoktatási Intézmény

Zur Projekt-Homepage geht es hier

lilarum -> democracypuppetry

#DemPupp

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!