Erster Teil von Berichten über die 23 beim renommierten Prix Ars Electronica im Rahmen des Festivals in Linz ausgezeichneten Kinder- und Jugendprojekte.
Drei Mal Schule – da es ein Unding wäre, alle 23 Gewinner:innen-Projekte der Kinder- und Jugend-Kategorie (U19) des weltweit renommierten Prix Ars Electronica, die beim nun zu Ende gegangenen Festival in Linz ausgezeichnet wurden, in einem Beitrag vorzustellen, portioniert Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… diese. Nicht der Rangfolge nach – wobei die Auszeichnungen sowie Anerkennungen in den Alters-Untergruppierungen (U 10, U 12, U 14, sowie 14 bis 19) jeweils gleichwertiges sind, sondern in verschiedenen Themenblöcken.
Und weil gerade – nun in allen Bundesländern – das neue Schuljahr begonnen hat, kommen hier in Teil 1 einer losen Serie Arbeiten vor, die unmittelbar Aspekte von Schule aufgreifen, wenngleich manch andere auch in schulischem Zusammenhang entstanden sind.
Dass Varianten deformierter klassischer, seit Jahrzehnten bekannter Schulsessel, einen der Ausstellungsräume im neu für das Festival entdeckten Med-Campus der JKU (Johannes Kepler Universität) an der Krankenhausstraße dominiert, war gar nicht von Anfang an geplant, so Jannis Berner, Schüler der „Graphischen“ in Wien über „Reverse Rednering“. „Ich mach gern und oft mit dem Handy 3D-Scans und da sind mir beim Betrachten immer wieder „Fehler“ aufgefallen, sogenannte Glitches“, erzählt er zwischen den Stühlen stehend und in einer Hand die Goldene Nica für den U19-Kategorie-Sieg haltend Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Dieses „Ausfransen“, das aus verschiedenen Blickwinkeln aber unterschiedlich ausschaut – oft als Fehler auftaucht, aus mancher perspektive aber (fast) nicht, wollte er aus der digitalen in die analoge Welt übertragen. „Und da hab ich mir überlegt, welches Objekt könnte ich dafür nehmen, das mehr oder minder alle kennen und bin auf den klassischen Schulsessel gekommen, der seit Jahrzehnten praktisch gleich ist“.
Und so wurde die Arbeit des Jugendlichen, der schon mit einigen Kurzfilmen bei nationalen und internationalen Festivals, unter anderem den Video- und Filmtagen in der Wiener Urania, war, weit mehr als ein verspieltes Herangehen an die Transformation von Digitalem in Analoges. Wahrnehmung, Erinnerung, Perspektiv(wechsel), Fehler bzw. Hinwegsehen über Details und den Blick aufs große Ganze… können dadurch angestoßen werden. Nicht zuletzt dieses experimentelle Spiel überzeugte die Jury um für „Reverse Rendering“ Hauptpreis zu vergeben.
Noch keine 14 und dennoch ist der Linzer Schüler Leopold Kastler der vielleicht bisher erfolgreichste (junge) Prix-Ars-Electronica-Teilnehmer. Sechs Projekte hat er bisher eingereicht, „drei Hauptpreise – U10, U12, U14 -, zwei Anerkennungen, so wie heuer (U14), und einmal nix“, zählt er im Gespräch mit KiJuKu auf und „zerlegt“ sein (Architektur-)Modell aus Holz und 3D-gedruckten Teilen einer Schule der Zukunft. Großzügige, grüne Sportfläche einerseits, verschiedene themenzentrierte Lernorte auf mehreren Ebenen andererseits.
Für seine Präsentation bei der Preisverleihung startete er mit der Veränderung von Wohn- und Arbeitsräumen im Verlauf von Jahrzehnten – und als Gegensatz dazu eher gleichbleibenden Klassenzimmern.
„The Future School“ ist zwar ein be-greifbares Modell, aber lebt vor allem von der Idee dahinter. (Nicht nur) er findet es ziemlich blöd, dass alle nach Vorgaben lernen müssen, dass es Hausübungen gibt… und (zu) wenig Platz und Raum ist für selbstständiges Lernen nach Schwerpunkten entsprechend eigenen Interessen und Leidenschaften.
„Für mich ist am wichtigsten ein Raum für kreatives Gestalten und Arbeiten, dann gibt es auch Ebenen für Natur- und andere Wissenschaften. Er, der schon Erfahrungen in verschiedenen Schultypen – sowohl freie -, als auch Waldorf- und Regelschule hat, „möchte das Beste aus jedem der Systeme in eine Schule der Zukunft mit viel Freiräumen kombinieren. Natürlich müssen wichtige Dinge wie lesen, schreiben, rechnen und so weiter gelernt werden, aber am besten mit eigener Einteilung.“
Ein anderes „kleines“ und doch so großes Problem (nicht nur) ihres Schulhauses griffen Kinder der Klasse 1 b der Mittelschule Kettenbrücke in Innsbruck (Tirol) auf: Einerseits gibt es in ihrem Schulhof zu wenig Bewegungsmöglichkeiten. Und andererseits einen Parkplatz. In szenischem Spiel, das sie fotografierten und filmten, zeigten sie, was auf dieser Fläche von 12½ m² alles sonst möglich wäre: Von einer Chill- bis zu einer Spiel-Zone! lesen, Relaxen, campieren, Ball spielen, Trampolin springen…
Für „12,5 Quadratmeter – Platz für ein Auto, oder…“ verlieh die Jury – Sirikit Amann, Sophie Hochedlinger, Conny Lee (die auch die Award Ceremony kompetent und kurzweilig moderierte), Mary Mayrhofer (2022 Gewinnerin der U19-Goldenen Nica für „Schwarze Decke“) und Yasmo – den U12-Hauptpreis.
„12,5 Quadratmeter“ erinnert nicht zuletzt an die aktionistische Kunstinstallation „Cabrio-Beet“ von Christoph Schwarz. Ein altes, eben offenes Auto, befüllte er mit Erde und setzte Pflanzen ein. Da das Auto fahrtüchtig ist, darf er damit einen Parkplatz besetzen. Auf der gleichen Fläche auf dem Boden ein Pflanzenbeet anlegen nicht!
Oder auch an das schon 1975 vom damaligen Verkehrswissenschafter an der Wiener Technischen Uni erfundene „Gehzeug“, einen Holzlatten-Rahmen im Umfang eines PKW mit zwei Riemen. jeweils ein Mensch konnte sich so ein Gehzeug um die Schultern hängen – und kleine Demonstrationen zeigten, wie viel Platz 20 bis 30 Menschen mit Gehzeugen verbrauchen – säßen oder stünden sie alle in einer Straßenbahn oder einem Bus, würden sie viel weniger Platz verbrauchen. Im Übrigen sind insbesondere in Städten di meisten Fahrzeuge den Großteil des Tages Steh-Zeuge, verstellen also Platz, der – wie die Schüler:innen lustvoll dokumentierten – viel sinnvoller und gewinnbringender genutzt werden könnte.
Seit fast 40 Jahren (ab 1987) wird der weltweit renommierte Prix Ars Electronica in verschiedenen – angesichts der Jahrzehnte und der rasanten Entwicklungen in diesem Bereich wechselnden Kategorien vergeben. 1998 kam eine eigene Kategorie für Kinder und Jugendliche (U 19) dazu. Ursprünglich „nur“ digitaler Kunst gewidmet, hat sie ebenfalls Wandlungen durchlebt, trägt seit einigen Jahren den Begleit-Titel „create your world“ (gestalte deine Welt) und macht damit schon länger auch analoge Arbeiten einreichbar und preiswürdig.
674 Arbeiten wurden in diesem Jahr eingeschickt, drei Tage lang diskutierten fünf Jury-Mitglieder ausführlich, befanden schließlich 23 Arbeiten für preiswürdig und vergaben Anerkennungen, Auszeichnungen und Hauptpreise (U10, U 12, U14) sowie die goldene Nica, den über-drüber-Preis wie er auch in den erwachsenen Kategorien vergeben wird – eine glänzende, allerdings kopflose, Statue inspiriert von der griechischen Siegesgöttin Nike.
Weitere Berichte folgen
Seit 1987 gibt es den weltweit renommierte Prix Ars Electronica in verschiedenen – angesichts der Jahrzehnte und der rasanten Entwicklungen in diesem Bereich wechselnden Kategorien.
Ab 1998 kam eine eigene Kategorie für Kinder und Jugendliche (U 19) dazu. Ursprünglich „nur“ digitaler Kunst gewidmet (Titel: freestyle computing), hat sie ebenfalls Wandlungen durchlebt, trägt seit einigen Jahren den Begleit-Titel „create your world“ (gestalte deine Welt) und macht damit schon länger auch analoge Arbeiten einreichbar und preiswürdig.
674 Arbeiten wurden in diesem Jahr eingeschickt, drei Tage lang diskutierten fünf Jury-Mitglieder ausführlich, befanden schließlich 23 Arbeiten für preiswürdig und vergaben Anerkennungen, Auszeichnungen und Hauptpreise (U10, U 12, U14) sowie die goldene Nica, den über-drüber-Preis wie er auch in den erwachsenen Kategorien vergeben wird – eine glänzende, allerdings kopflose, Statue inspiriert von der griechischen Siegesgöttin Nike.
Goldene Nica
Reverse Rendering; Jannis Berner
Auszeichnungen
Textile Interpretationen ausgewählter Kunstwerke
Yves Lilian Franzen
Der Rückgang des Gletschers Pasterze
Romina Adler
Anerkennungen
0,003s
Adrian Heinz, Jonas Horvath, Niklas Ibi, Antal Rácz, Felix Steinbichler, Max Steinbichler, Valerio Tassi, Maximilian Weinfurter
Digital Intimacy
Yogi Fraisl, Philip Hübner
Gaussian Trip
Gabriel Berger, Valerian Hobel
Keep Looking
Felix Schiefer
Meine Hülle
Magda Pirzl
My Mistake
Mia Hadjwasiri, Emilia Werner
PowAirLoop – Der autonome Akkuwechsel für Drohnen
Michael Erber, Richard Pruckmair, Mathias Waltner, Nino Wieland
Verloren zwischen Rollen
Merjem Alekić, Arezu Dienmohammadi, Sarah Ismail
Wer bin ich
Klasse 5MMA, HTL1 Bau und Design Linz
Zusammen zurück ins Leben
Klasse P8 der Polytechnischen Schule Urfahr
U14 Hauptpreis
Instabiles Zuhause
Demian Ivanov
U14 Auszeichnungen
SIE
Integrative Lernwerkstatt Brigittenau
Heck Meck – Hass Weg
Selma Hofstett, Rosa Wachauer
U 14 Anerkennung
The Future School
Leopold Kastler
U 12 Hauptpreis
12,5 Quadratmeter – Platz für ein Auto, oder …
Klasse 1b, Mittelschule Kettenbrücke, Innsbruck (Tirol)
U 12 Auszeichnung
Plant City
Noah Finn Wichelhaus
U 12 Anerkennung
Wenn ein Planet erwacht
Levin Du, Mila Du, Chenming Wu, Shirley Wu
U 10 Hauptpreis
Halbgötter
Amalia Weisenhorn
U 10 Auszeichnung
einzigARTiges St. Andrä – unsere Stadt aus Sicht der Kinder
Kindergarten St. Andrä im Lavanttal (Kärnten)
U 10 Anerkennung
Save the World!
Suren Leo Paydar
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