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Julia Saidan (7) mit den - noch nciht fertigen - Stoff gewordenen Teilen ihres gezeichneten Designs
Julia Saidan (7) mit den - noch nciht fertigen - Stoff gewordenen Teilen ihres gezeichneten Designs
20.08.2026

Zu Besuch in der fantasievollen märchenhaften Stoff-Werkstatt

Wo die besten 63 Designs der rund 3000 eingeschickten Mode-Entwürfe von Kindern und Jugendlichen Wirklichkeit werden; Bericht von der Umsetzung der Einsendungen zu Kids in Fashion 2026 und Interviews mit zwei Siebenjährigen.

Seit vielen Jahren verwandelt sich das Jugendzentrum der großen Wohnhausanlage Am Muhrhoferweg (J.A.M.) nahe der Wiener Stadtgrenze nicht weit weg von Schwechat (Niederösterreich), unter der daneben liegenden Volksschule Hoefftgasse in eine kunterbunte, kreative fast magisch wirkende Schneider:innen-Werkstatt. Unter Anleitung von Profis aus dem Bereich künstlerisches Mode-Design schneiden, nähen, malen, binden, kleben, formen diese selbst – unterstützt von Jugendlichen der Modeschule Herbststraße. Abwechslungsreich, aber auch immer wieder ganz schön herausfordernd werken sie an der Umsetzung von 63 teils ziemlich komplexen, fantasievollen Zeichnungen und Collagen von Kindern und Jugendlichen.

Größter Mode-Nachwuchsbewerb

Regelmäßige Leser:innen werden’s schon wissen, es ist Phase 2 des sicher größten österreichischen Mode-Nachwuchsbewerbs, Kids in Fashion. Vor mehr als drei Jahrzehnten vom Modekünstler Leo Oswald, damals Mitarbeiter einer der Einrichtungen der Wiener Jugendzentren, erfunden, senden Jahr für Jahr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (in drei Altersgruppen 4 – 10, 11 – 15 und 16 – 21) rund 2000 Entwürfe ein. Heuer im 32. Jahr waren es sogar – wie auch schon im Vorjahr sogar rund 3000.

63 aus rund 3000

Eine Jury, der unter anderem eine Lehrerin der genannten Modeschule, eine Fotografin, eine kreative Spitzen-Friseurin und unter anderem der genannte „Vater“ des Bewerbs angehören, wählt jeweils rund fünf Dutzend der Entwürfe aus. 2026 warn es wieder – wie auch im Vorjahr 63. Kreativ, außergewöhnlich, ausgefallen sind wohl die wichtigsten Kriterien. Und das ist für die Umsetzung nicht immer einfach. Alle Beteiligten wollen den Entwürfen der jungen Modedesigner:innen möglichst nahekommen. Viele von den ausgewählten Vorlagen sind nicht nur gezeichnet oder gemalt, sondern bestehen aus aufgeklebten Stoffen und anderen Materialien wie Knöpfen, aber auch Stroh, (Alu-)Folien, Heißklebestreifen und -flächen und was auch immer.

Beim Eintreffen von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zur (fast) alljährlichen Reportage probieren gerade Leo und Sarah mit einer Lichterkette bei einem schwarzen Gewandstück mit dunklen bunten Elementen den gelb glänzenden Effekt herzustellen. Das findet Bernadett, seit dem Vorjahr Co-Leiter des Projekts, nicht so prickelnd, weil es nicht wirklich dem Entwurf entspricht.

Zwei Jüngst-Designer:innen

Der Journalisten-Lokalaugenschein ist immer auch gekoppelt mit dem Besuch von dem einen oder anderen Kind, von dem ein Entwurf zu den 63 Designs gehört, das dann in Phase 3 bei der großen Show von jugendlichen Models auf dem Laufsteg vorgeführt wird.

Anfangs ein wenig schüchtern und irgendwie auch überwältigt zeigen sich Julia Saidan und Abdullah Al Ibrahim. Sie sind mit Geschwistern, Freund:innen und Jugendzentrumsbetreuer:innen und Vater vom Letztgenannten gekommen. Dann vergleichen sie die Kopien ihrer Entwürfe, die als Arbeitsvorlage aus einer Mappe geholt werden, mit dem, was schon an Geschneidertem da ist.

Kein Bogen…

Das, was als großer Bogen dann von dem Model an einem Haar-Reifen auf dem Kopf getragen wird, „sind einfach ihre Haare“, erklärt die siebenjährige Designerin dem neugierigen Reporter. Noch ist dieser weit ausladende Bogen, den Julia dann selber aufgesetzt bekommt, nicht in der von ihr gemalten Farbe pink. „Das ist nicht meine Lieblingsfarbe“, zerstreut sie die KiJuKU-Annahme. „Aber ich find sie cool.“

Sie habe schon ein paar Minuten überlegt, welchen Entwurf sie zeichnen solle, als in ihrem Jugendzentrum (Come 2gether, 3. Bezirk) die Vorlageblätter mit den Figurinen ausgeteilt wurden. „Sonst zeichne ich auch manches Mal, aber am liebsten Häuser“, verrät sie zuletzt noch dem Interviewer. Und Julia Saidans Erklärung zum Bogen wird von Sarah, die gerade an einem urkomplexen Gewandstück mit Dutzenden eckig zu biegenden Drahtteilen arbeitet, aufgenommen – für die Gestaltung des Bogens eben nicht nur in Pink, sondern in haarigem Design.

Keine Augen

Irgendwo in der Fülle der verschiedenen teils märchenhaft wirkenden (halb-)fertigen Gewänder, die auf langen Kaufhaus-Kleiderständern oder an der einen oder anderen Wand hängen, entdeckt Abdullah, ebenfalls sieben Jahre, seine grüne Latzhose mit den vielen großen aufgenähten „Augen“ und dem gelben Oberteil. Und wieder kommt eine Richtigstellung vom Designer: „Das sind keine Augen, sondern Knöpfe. Ich mag gern Knöpfe! Aber eigentlich hatte mein kleiner Bruder Sain die Idee und ich hab sie dann gezeichnet“, gesteht junge Modeschöpfer.

Bei Knöpfen schüttelt eine der mitgekommenen Freundinnen, Najlaa, den Kopf und stöhnt „ich hab eine Jacke mit so 100, naja, jedenfalls zu vielen Knöpfen.“ Ein bisschen wehmütig schaut sie auf Abdullah und seine schon geschneiderten Kleidungsstücke. „Ich hab ein Sommerkleid gemalt, aber leider ist es nicht genommen worden“, lässt sie aber dennoch nicht den geringsten Anflug von Neid erkennen, sondern eher Freude mit dem einige Jahre jüngeren Freund. Der übrigens, wie er auf KiJuKU-Frage erzählt: „Ja, ich zeichne gerne, am liebsten Blumen und Häuser.“

Drei Modeschülerinnen aus der Herbststraße - Koy, Elena und Amina - arbeiten an Teilen für einzelne der Designs - im Rahmen ihres erforderlichen Ferial-Praktikums
Drei Modeschülerinnen aus der Herbststraße – Koy, Elena und Amina – arbeiten an Teilen für einzelne der Designs – im Rahmen ihres erforderlichen Ferial-Praktikums

„Grün genug?“

Während die jungen Besucher:innen neugierig viele andere der kopierten Zeichnungen betrachten, die Leo durchblättert, hin und wieder erklärt, wo was im Original aufgeklebt ist was vielleicht auch ganz schön schwer zu verwirklichen ist, werken drei Modschülerinnen im anderen Raum. Koy malt einen Kegel nach dem anderen an und erklärt KiJuKU: „Das kommt dann auf grellgrüne Strümpfe (Entwurf Lana Matošević). „Ist das schon grün genug?“, fragt sie später Sarah. Und die wiederum fragt bei Bernadett und Leo nach. Nicht ganz so einfach, denn es handelt sich um ein echt sehr dunkles Grün, das auf den ersten Blick fast schwarz wirkt.

Drei Modeschülerinnen aus der Herbststraße - Koy, Elena und Amina - arbeiten an Teilen für einzelne der Designs - im Rahmen ihres erforderlichen Ferial-Praktikums
Drei Modeschülerinnen aus der Herbststraße – Koy, Elena und Amina – arbeiten an Teilen für einzelne der Designs – im Rahmen ihres erforderlichen Ferial-Praktikums

Hut

Elena malt und malt bunte geschwungene breite Linien auf eine kopfförmige Art Halbkugel. „Das ist Teil von einer Art Hut.“ Da kommt noch ein großes weit ausladendes Drahtgestell dazu, ist auf dem Entwurf zu sehen. „Aus Pappmaschee über einem der Styroporköpfe hab ich die Form gemacht und jetzt mal ich sie so an wie die Designerin es eben gezeichnet hat.“

Drei Modeschülerinnen aus der Herbststraße - Koy, Elena und Amina - arbeiten an Teilen für einzelne der Designs - im Rahmen ihres erforderlichen Ferial-Praktikums
Drei Modeschülerinnen aus der Herbststraße – Koy, Elena und Amina – arbeiten an Teilen für einzelne der Designs – im Rahmen ihres erforderlichen Ferial-Praktikums

Stoff-Puzzle

Als dritte im Bunde flickt Amina Teile eines weißen flauschigen Stoffes zusammen. „Es gibt kein so großes Stück im Ganzen. Aber dass es zusammengenäht ist, sieht man dann ohnehin nicht“, erklärt die Modeschülerin und zeigt einen Teil dieses stofflichen Materials mit vielen gemusterten Löchern. „Außerdem verschwindet das Weiß und wird bunt angemalt.“

Phase 3 – Models gesucht

Wie schon erwähnt, findet die Show mit allen fertigen Modedesings am 10. oktober statt – Details in der Info-Box am Ende des Beitrages. Dafür werden übrigens – bis 11. September – jugendliche Models gesucht; auch dazu sind die Details in der Info-Box.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Kids in Fashion 2026

Show mit allen Designs – und Ausstellung aller 63 Entwürfe

Wann & wo?

10. Oktober 2026
WU-Mensa
1020, Welthandelsplatz 1

Models gesucht

Wer – zwischen 14 und 23 Jahre – bei der Show eines oder mehrere der kreativen Outfits am Laufsteg präsentieren will, kann sich bei den Wiener Jugendzentren melden; muss aber am 10. Oktober einiges an Zeit mitbringen, die Models werden von Profis Hair-gestylt, geschminkt… Und muss sich das Wochenende 26./27.September für die Anproben und 3./4. Oktober für die Proben der Show zeit nehmen.
* bis 11. September 2026
* Angabe von Vor- und Nachname, Alter, Größe, Konfektionsgröße, 2 bis 3 Fotos (idealerweise Ganzkörper und Porträt)
eMil: kidsinfashion@jugendzentren.at

oder per Post: Verein Wiener Jugendzentren
Kennwort Kids in Fashion
1210, Prager Straße 20

jugendzentren.at –> kids-in-fashion