Zum Welttierschutztag noch ein tierisches Bilderbuch: Friedlich-freundschaftliches Zusammenleben aller Tiere, wirklich aller?
Ob der Affe mit Fieber, das Krokodil mit Zahnschmerzen oder Elefanten- und Waschbärkind mit gebrochenem Herzen – stets ist der orange-schwarz gestreifte Retter im Ingwerwald zur Stelle, wenn „Hilfe, Tiger!“ gerufen wird. Den eben zitierten Hilferuf, im Original „Yetiş kaplan“ (Beeil dich, Tiger) machte Özge Bahar Sunar (Übersetzung aus dem Türkischen: Judith Braselmann-Aslantaş) zum Titel eines Bilderbuchs, die tierischen Zeichnungen steuerte Sezen Aksu Taşyürek bei.
Mit Arzneien aus seinem Köfferchen heilt der Tiger – alle Tiere tragen keine Namen, werden nur mit dem Art-Begriff genannt – sichtbare, mit Verständnis und Zuwendung unsichtbare Leiden. Den beiden genannten Tierkindern ging’s nicht gut, weil ihnen beim Ballspiel ein furchtbar grantiger Bär die Kugel weggenommen und kaputt gemacht hatte. Der Bär, neu zugewandert in den Wald, legte es sich mit allen anderen, friedlich zusammenlebenden, Tieren an.
Nashorn, Fuchs, Löwe und noch einige andere wanderten zur Bärenhöhle und versuchten ihm klarzumachen, dass er Kinder nicht grob behandeln und sich überhaupt an die Regeln des Waldes halten müsse. Was er dann gegen Ende einsah und machte, ja sogar Helfer des ärztlichen Tigers wurde.
So nett und empathisch ein Gutteil der Geschichte und Bilder sind, so gut die Regeln des Zusammenlebens – gegenseitiger Respekt, Hilfsbereitschaft, Miteinander -, so eigenartig ist doch, dass der einzig Böse ein Zugewanderter ist. Auch wenn’s fein ist, dass das einige Tiere sozusagen gegen gängige Klischees „gezeichnet“ sind – die Raubkatze als Helfer und der üblicherweise gemütliche, kuschelige Bär als Bösewicht.
Aber es gibt – trotz doch immerhin insgesamt 36 Seiten – keinen ansatzweisen Versuch, Gründe zu finden / suchen, warum der Bär so grob handelt. Außerdem fehlt eine schlüssige Erklärung für seine Haltungsänderung am Schluss. Nur die vielen Rügen der anderen und sein langer Winterschlaf – ist das wirklich so erklärbär, pardon -bar?
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