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Aktuelleste Instagram-Postings der "Hochschüler*innenschaft österreichischer Roma und Romnja" zum internationalen Romatag 2026
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09.04.2026

Fahnen und Worte – das Denkmal lässt noch immer auf sich warten

Zum internationalen Romatag 2026 hängen wieder Fahnen am Wiener Rathaus, die Kulturstadträtin findet das jahrelang – zunächst nur von der Comunity – geforderte Denkmal „längst überfällig“, aber…

Zumindest internationale Roma-Fahnen hingen kurzzeitig wieder in Wien – beim Eingang des Rathauses am 8. April, dem Internationalen Roma-Tag. Das Mahnmal für die rund halbe Million von den Nazis ermordeten Rom:nja und Sinti:zze („Porajmos“ – das Romanes-Pendant zur Shoah an Jüd:innen) lässt ja noch immer auf sich warten. Seit viiiiielen Jahren gefordert, auch schon vor einigen Jahren von politisch Verantwortlichen versprochen, müssen die Volksgruppen selbst und mit deren Anliegen verbundene zivilgesellschaftlich aktive Bürger:innen gegen Diskriminierung und für Menschenrechte immer und immer wieder danach verlangen, Aktionen setzen.

Denkmal wäre auch Signal an Gegenwart

„Wien lebt von seiner Vielfalt und von den Geschichten, die diese Stadt geprägt haben. Auch Rom*nja und Sinti*zze sind seit Jahrhunderten Teil dieser Geschichte, auch wenn ihre Beiträge lange zu wenig gesehen und anerkannt wurden“, schreibt die für Kultur und Wissenschaft zuständige Stadträtin Veronica Kaup-Hasler in einer Aussendung zum Gedenktag. Dieser sei „für uns ein Anlass, die Sichtbarkeit der Volksgruppe zu erhöhen… Antiziganismus ist keine abgeschlossene Vergangenheit, sondern zeigt sich bis heute in vielen Bereichen. Oft leise, manchmal offen, aber immer mit spürbaren Folgen. Umso wichtiger ist es, Räume zu schaffen, in denen Anerkennung und Teilhabe möglich sind.“

Rabie Perić (Obfrau von Romano Centro) und Marion Dworzack (Co-Gründerin & stellvertretende Obfrau von Voice of Diversity)
Roma-Flaggen beim Rathaus-Eingang und davor Rabie Perić (Obfrau von Romano Centro) und Marion Dworzack (Co-Gründerin & stellvertretende Obfrau von Voice of Diversity)

Die Stadträtin spricht darin auch die Denkmalfrage an: „Dieses soll auf Wunsch der Volksgruppenangehörigen in zentraler Lage umgesetzt werden. Als Stadt Wien unterstützen wir den Denkmalprozess, der vom Österreichischen Nationalfonds geleitet wird. Ein solches Mahnmal ist längst überfällig. Nicht nur als Zeichen des Gedenkens, sondern auch als klares Signal für die Gegenwart. Erinnerung bedeutet hier, Verantwortung zu übernehmen und Diskriminierung aktiv entgegenzutreten.“

Empowerment-Projekt

„Die Kultur der Rom*nja und Sinti*zze steht für Zusammenhalt, Anpassungsfähigkeit und Mehrsprachigkeit. Das sind Kompetenzen, die unsere Gesellschaft stärken. Vielfalt ist kein Nebenschauplatz, sondern eine zentrale Ressource für soziale Gerechtigkeit“, wird Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger in einer Aussendung dieser Organisation zitiert.

Screenshot der Homepage von
Screenshot der Homepage von „Voice of Diversity“ zum internationalen Romatag 2026

Die Volkshilfe setzt mit dem Arbeitsmarktprojekt Thara seit knapp mehr als zwei Jahrzehnten gezielt für die Stärkung von Rom*nja und Sinti*zze in Österreich ein praktisches Zeichen – mit Wirkung: „Wir sehen heute eine selbstbewusste junge Generation von Rom*nja und Sinti*zze, die in Österreich aufgewachsen ist, mehrere Sprachen spricht und ihren Platz in unterschiedlichsten Berufsfeldern einnimmt. Das zeigt, wie wichtig langfristige Unterstützung und strukturelle Öffnung sind“, erklärt Usnija Buligović, Thara-Beauftragte der Volkshilfe.

„Empowerment bedeutet, Räume zu schaffen, in denen Menschen ihre Potenziale entfalten können. Die Erfolge der letzten 20 Jahre zeigen klar: Wenn Barrieren abgebaut werden, profitieren einzelne Menschen ebenso, wie die gesamte Gesellschaft“, so Buligović.

Gleichberechtigung!

Trotz dieser Fortschritte bleibt viel zu tun. Es braucht weiterhin konsequente Maßnahmen gegen Antiromaismus sowie faire Chancen in Bildung, Beschäftigung, Wohnen und Gesundheit. Der Welt- Roma-Tag ist daher nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch ein Auftrag, Gleichberechtigung nachhaltig zu sichern.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Internationaler Roma-Tag

Am 8. April 1971 beschlossen 23 Vertreter*innen aus 9 Ländern bei der ersten internationalen Roma-Konferenz in London. Dabei sprachen sein sich gegen die Bezeichnungen Gipsy bzw. Zigeuner aus und setzten dem den Begriff Roma entgegen. 1990 bei der vierten Weltkonferenz in Serock (Polen) sprachen sich die Teilnehmer:innen dafür aus, den 8. April zum internationalen Aktionstag zu machen: „Opre Roma! Erhebt euch Roma!“

Hymne

Dabei beschlossen sie unter anderem eine gemeinsame Hymne: „Đelem, đelem“ bzw. „Gyelem gyelem“ und eine…

… Flagge

… oben: blauer Himmel, unten: grüne Erde sowie ein rotes diese beiden Flächen verbindendes Chakra bzw. Speichenrad

Internationaler Gedenktag an Porajmos

„Porajmos“ – das Romanes-Pendant zur Shoah an Jüd:innen – ist auch fast acht Jahrzehnte nach dem Ende der faschistischen Diktatur der Nazi fast so etwas wie ein unsichtbarer Völkermord, dem rund eine halbe Million Menschen dieser Volksgruppen zum Opfer gefallen sind.

Spät, aber immerhin im April 2015 beschloss das europäische Parlament, der 2. August sollte zum europaweiten Gedenktag werden. Anlass ist die sogenannte „Z-Nacht“, in der im Vernichtungslager Auschwitz vom 2. auf den 3. August 1944 auf einen Schlag etwa 4300 Angehörige der Roma und Sinti ermordet worden sind. In Wien wird seit 2015 auf dem Ceija-Stojka-Platz (Wien-Neubau) dieser Mordnacht und dem Völkermord gedacht, immer wieder unter dem Motto: „Dikh he na bister – Schau und vergiss nicht“.

2004 hatte das ukrainische Parlament einen Gedenktag für den Völkermord an Roma beschlossen. Heute gibt es ihn offiziell in einigen Ländern, etwa Polen, der Slowakei und sogar Ungarn, in dem Roma heftig diskriminiert werden, ist es ein amtlicher Gedenktag. Anfang Februar 2023 hat der österreichische Nationalrat einstimmig den 2. August als internationalen Gedenktag ratifiziert.

voiceofdiversity

hoer-info.at

romasintigenocide.eu/de

Einer der drei Hauptpreisträger: Kurt Engleder
21.03.2026

Seelenritter