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An und mit Seilen turnende Tänzerinnen
An und mit Seilen turnende Tänzerinnen
24.05.2021

Geschwestern der See: „Über Piratinnen“

Wer waren Dona Catalina de Erauso, Mary Reed, Grace O‘ Malley, Anne Bony und Zheng Yisao und was haben sie mit Emanzipation, Freiheitsliebe und heute etwa Carola Rakete oder Greta Thunberg zu tun.

Quer durch den Bühnenraum gespannte oder herabhängende starke Seile, eine Netzgitter-Hängematte, Stoffballen – erinnert – immerhin ist der Stücktitel „Über Piratinnen“ – an ein Segelschiff. Gäb’s den Stücktitel nicht, könnten wir uns auch in einem Zirkus befinden. Und auch das wäre nicht so falsch. Denn die fünf Künstlerinnen, die einer kurzweiligen, spannenden, manchmal atemberaubenden Stunde die Geschichte von fünf – zu wenig – bekannten Piratinnen erzählen, tun dies vor allem sehr körperlich. In einem Mix aus Tanz und Zirkusakrobatik, schildern Nina Dafert, Mia Ferreira, Maja Karolina Franke, Gat Goodvitch und Maarteje Pasman die Heldinnentaten von Dona Catalina de Erauso, Mary Reed, Grace O‘ Malley, Anne Bony und Zheng Yisao, genannt Witwe Cheng.

Geschwestern

„Geschwestern der See“, so der Untertitel des Stücks (Frei nach Texten von Effe U Knust; Regie: Nico Wind, Choreografie: Ariane Oechsner) ist ein Loblied an Piraterie als Freiheitskampf und holt jenen von Piratinnen aus dem Dunkel des Verschweigens, das über Frauen in vielen Bereichen offizieller Geschichtsschreibung kennzeichnet. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … durfte die „Geister“-Premiere besuchen.

Eine Entdeckerin. Eine, die etwas wagt. Eine, die trotz ihrer Angst ihren Weg geht.

Nico Wind, Regisseurin

Auf Seile kletternd, daran ebenso artistische turnend wie mit der Netz-Hängematte in luftiger Höhe, die auch ein Fischernetz sein könnte, stellen sich die genannten Piratinnen vor, die teils erst verkleidet als Männer agieren mussten, bevor sie sich ihre Anerkennung erkämpften. Ständig in wilder Bewegung, tanzend oder/und turnend, leidet ein wenig die Verständlichkeit des Textes.

Lange Recherche

Das ausschließlich weibliche Team von „Töchter der Kunst & Radical Kitsch Ensemble“ hat sich zwei Jahre lange mit Piraterie und vor allem Piratinnen intensiv beschäftigt. Das geht aus dem Begleitmaterial hervor, das in diesem Fall besonders empfehlenswert ist, weil – wie gerade erwähnt – so manche Sätze in der Action untergehen. Und die genannten Figuren eben nicht so bekannt sind wie berühmte männliche Piraten, deren Geschichten vielen Besucher_innen wenigstens ansatzweise im Hinterkopf herumschwirren.

Eine, die sich nichts sagen lässt und so wild und frei lebt, wie sie möchte…

Nina Dafert, Darstellerin der Dona Catalina de Erauso

Vielleicht ein wenig zu verklärt fällt das Loblied auf den Freiheitskampf auch von Piratinnen – der immerhin auch Solidaritätsmaßnahmen beinhaltete wie eine Art Sozialversicherung – aus, wenn Zheng Yisao praktisch alles niedermetzelt und letztlich auch einem Leichenhaufen steht. Deren Darstellerin Maartje Pasman war anfangs als sie das Stück gelesen hat durchaus darüber schockiert.

Freiheitsliebe und Emanzipation

Zentral transportiert wird aber „Piratin“ durchaus als Symbol für freiheitsliebende, durchaus wilde, unangepasste Frauen. „Eine Piratin ist für mich eine emanzipierte Frau. Eine Frau, die ihren Wert, ihre Stärken und ihre Schwächen kennt. Sie ist tief verwurzelt in dem Glauben an Gerechtigkeit, und sie hat keine Angst vor dem Verlassen der Komfortzone, oder davor Grenzen zu überschreiten. Sie kämpft gegen das Patriarchat. Sie ist ein Freigeist, eine Kriegerin und hat keine Angst davor, ihrer inneren Stimme freien Lauf zu lassen“, (Pasman im schon erwähnten Begleitheft – Link in der Info-Box).

Ein Flüchtling aus dem System und dadurch die Schöpferin anderer möglicher Realitäten…

Mia Ferreira, Darstellerin der Mary Reed

Und heute?!

Interessant ist auch der Bogen der von historischen Piratinnen rund ums 18. Jahrhundert zu heutigen „Geschwestern“ gespannt wird: Von Kämpferinnen auf See – der Flüchtlings-Rettungsschiff-Kapitänin Carola Rakete und Öko-Piratinnen der Sea Shepherd Crew, die radikal Wale, Haie, Robben und Schildkröten vor den Abschlachtern schützen bis zu Greta Thunberg, die an Land gegen den Klimawandel kämpft und die Fridays For Future-Bewegung initiierte.

Follow@kiJuKUheinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Über Piratinnen
Geschwestern der See
Töchter der Kunst & Radical Kitsch Ensemble
Zirzensische Theaterperformance
Eine Stunde; ab 10 Jahren

Frei nach Texten von Effe U Knust

Regie: Nico Wind
Choreografie: Ariane Oechsner

Dona Catalina de Erauso: Nina Dafert
Mary Reed: Mia Ferreira
Grace O‘ Malley: Maja Karolina Franke
Anne Bony: Gat Goodovitch
Zheng Yisao, genannt Witwe Cheng: Maartje Pasman

Bühnenbild: Tanja Peinsipp
Musik: Steffi Neuhuber
Assistenz: Marianne Huber
Hospitanz: Marleen Zeirzer

Produktion: Natalja Kreil

Aufführungsrechte: rua. Kooperative für Text und Regie, Berlin

Wann & wo?
26. bis 29. Mai 2021
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
dschungelwien.at -> Übr Piratinnen

Begelitmaterial zu Über Piratinnen

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!