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Szenenfoto aus einer früheren Aufführung von "Geh nicht in den Wald ..."
Szenenfoto aus einer früheren Aufführung von "Geh nicht in den Wald ..."
20.02.2022

Schräge, witzige, verspielte Tanz-Performance rund um Ausgrenzung

„Geh nicht in den Wald, im Wald ist der Wald“: Rasante Szenenwechsel, energiegeladenes, spielfreudiges Stück zu ernsten Themen. Gastspiel gegen Ende März im Dschungel Wien.

Eine schwarze uralt Schultafel dominiert den ersten Blick au die Bühne, dahinter vier aus senkrecht gehängten Stoffbahnen stilisierte Bäume (Bühne: Veronika Mutalová). Letzteres ist zu vermuten, heißt das Stück doch „Geh nicht in den Wald, im Wald ist der Wald“ (Koproduktion der Tabea-Martin-Compagnie mit dem Jungspund-Festival u.a.). In der guten Stunde läuft eine völlig schräge, intensive, bewegungsreiche mit viel Witz und Humor gespickte tänzerische Performance mit Live-Musik ab (Choreografie: Tabea Martin; Live- Musik: Donath Weyeneth). Selten wurden mega-ernste Themen wie Ausgrenzung, gegenseitige Schuldzuweisungen, Vorurteile so spaßig, locker, verspielt dargestellt – ohne diese Probleme je zu verharmlosen oder gar verniedlichen. Das Stück gastiert am 25. und 26. März 2022 im Dschungel Wien – siehe Info-Box.

Szenenfoto aus einer früheren Aufführung von
Szenenfoto aus einer früheren Aufführung des Stücks

Rollenklischees durchbrochen

Schon der Start mit Stanley Ollivier als Drag-Lehrerin mit überlangem Rohrstaberl und Calvin Ngan als seinem/ihrem Co vor der Tafel stellt Rollenklischees in Frage (Kostüme: Yasmin Attar). Doch dann dozieren – immer mit einem Schuss Augenzwinkern, die beiden von Regeln, stellen Dutzende Verbote auf. Um sie dann letztlich doch in Frage zu stellen.

Szenenfoto aus einer früheren Aufführung von
Szenenfoto aus einer früheren Aufführung des Stücks

Zu dem – wandlungsfähigen- Duo gesellt sich Tänzerin Léa Vinette und der schon genannte Live-Musiker mit fahrbarem, flexiblem Synthesizer samt Megaphon-Lautsprecher hinzu. (Ein vierter Tänzer, der das Stück mitgeprobt und schon bei Aufführungen dabei war, Georges Hann, fiel fürs Festival kurzfristig aus – Brexit lässt grüßen.) Verstecken- und Fangenspielen folgen Szenen der Liebe eines Prinzen und einer Prinzessin und viele andere – jeweils in rasantem Wechsel. Und fast immer ergeben sich Konstellationen die einen gegen andere. Du bist schuld! Nein, sie war’s. Oder er. Oder hin und wieder auch Fingerzeige auf die eine oder den anderen im Publikum. Womit mögliches schadenfrohes Lachen mit dem Geschehen auf der Bühne schon im Keim erstickt wird.

Spielfreude, urviel Energie

Obendrein lässt die Performance, in der die Tänzer:innen und der Musiker riesige Spielfreude ebenso vermitteln wie fast Unmengen an positiver Energie, gegen Ende das Publikum noch direkt Ausgrenzung erleben. Eine Zuckerwatte-Maschine taucht hinter einem frisch aufgehängten Vorhang – aus den „Baum“-Stoffbahnen – auf. Zuschauer:innen werden gefragt, wer welche möchte. Natürlich zeigen etliche Besucher:innen auf. Und dann stopfen Akteur:innen auf der Bühne diese in sich, zerfetzen sie, spielen schneien und alles Mögliche damit. Womit es den Moment des selbst Erlebens des „ätsch, du/ihr nicht!“ gibt, der dennoch durch das witzige Spiel mit den gesponnenen Zuckerfäden aufgelöst wird.

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Compliance-Hinweis: Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil das Festival „Jungspund“ Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … für vier Tage nach St. Gallen eingeladen hat.

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Geh nicht in den Wald, im Wald ist der Wald

Cie. Tabea Martin Basel
Ab 8 Jahre; rund eine Stunde

Choreografie: Tabea Martin
Tanz Léa Vinette, Stanley Ollivier, Calvin Ngan, (Georges Hann – wurde kurzfristig verhindert)
Musik: Donath Weyeneth
Kostüme: Yasmin Attar
Bühne: Veronika Mutalova
Bühnenbild- und Kostümassistenz: Myriam Müller
Dramaturgie: Moos van den Broek
Choreographische Assistenz und Vermittlung: Dominique Cardito
Oeil Exterieur (dramaturgische Beratung): Sebastian Nübling
Produktionsleitung: Franziska Ruoss

Koproduktion Kaserne Basel, jungspund – Theaterfestival für junges Publikum St.Gallen, im Rahmen des Fonds Junges Publikum von Reso – Tanznetzwerk Schweiz

jungspund – geh nicht in den wald …

Wann & wo?

Gastspiel in Wien
25./26. März 2022
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien -> Geh nicht in den Wald…

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!