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Szenenfoto aus dem Kinofilm "Ministranci" / "The Altar Boys"

Ministranten als „himmlische“ Gerechtigkeitskämpfer

Polnischer Kinofilm – mit deutschen bzw. englischen Untertiteln – demaskiert kirchliche Scheinheiligkeit und feiert rappende Jungs, die Fairness herstellen wollen; In der Reihe zentral- und osteuropäischer Filme im Wiener Urania-Kino.

Erste Ungerechtigkeit erfahren die vier jungen Freunde Filip, Gucci sowie die Brüder Kurczak schon in einer der ersten Szenen des fast zweistündigen, dennoch kurzweiligen Kinofilms „Ministranci“ (Ministranten / The Altar Boys). Dieser polnische Film (Regie: Piotr Domaleski) läuft im Rahmen von Uranie CEE NEMA, der zentral- und osteuropäischen Filmreihe im Wiener Urania-Kino (nahe dem innerstädtischen Schwedenplatz).

Szenenfoto aus dem Kinofilm "Ministranci" / "The Altar Boys"
Szenenfoto aus dem Kinofilm „Ministranci“ / „The Altar Boys“

In der Kirche findet ein Wettbewerb von Ministranten verschiedener Pfarren statt. Bibelstellen-Wissen, ebenso wie praktische Kenntnis verschiedener Messgewänder bzw. Techniken wie Weihrauchgefäße schwingen, werden als Aufgaben gestellt. Die vier genannten „Altar Boys“ wie sie im Englischen genannt werden – der Film wird an manchen Abenden mit englischen, an anderen mit deutschen Untertiteln gezeigt – lösten ihre Aufgaben schneller. Feierten den Sieg für ihre Pfarre St. Jospeh. Wenige Augenblicke später: Die Jury erkennt den Ministranten der Pfarre St. Nicholas den Sieg zu – „Extrapunkte“ für ihre dem Anlass entsprechende würdigere Kleidung.

Szenenfoto aus dem Kinofilm "Ministranci" / "The Altar Boys"
Szenenfoto aus dem Kinofilm „Ministranci“ / „The Altar Boys“

„Das Leben ist nicht fair“

Bei der Rückfahrt im Bus werden sie obendrein von ihrem Pfarrer zusammengesch… als Käferhirne beschimpft. Der immer eher zurückhaltende, nachdenkliche oft fast verschlossene und dennoch letztlich zur führenden Figur werdende Filip (großartig gespielt von Tobiasz Wajda) wagt es zu widersprechen: „Das war unfair!“

Was der Soutanen-Träger mit „Nur Gott ist fair. Das Leben nicht!“ kontert.

Unlautere Mittel?

Als dann obendrein nach der nächsten Messe Spendengelder, die sie in ihren Büchsen gesammelt haben, vom überregionalen Vikar, der die salbungsvolle Predigt hält, eingesackt werden, reicht es ihnen. Die vier Jungs wollen der Fairness im Leben auf die Sprünge helfen. Geld aus dem Tresor nehmen und unter Armen der Gemeinde verteilen. Wer als Beschenkte in Frage käme, ermitteln sie über heimliche Film- und Tonaufnahmen aus dem Beichtstuhl.

Sie wissen – und diskutieren auch heftig -, dass sie illegal handeln. Aber entscheiden sich zur ungesetzlichen Handlung, um das Unrecht auszugleichen, Gerechtigkeit und Fairness im Leben herstellen zu wollen.

Szenenfoto aus dem Kinofilm "Ministranci" / "The Altar Boys"
Szenenfoto aus dem Kinofilm „Ministranci“ / „The Altar Boys“

Humor

So ernst und heftig die Story, so bricht der Regisseur die Handlung immer wieder humorvoll mit einzelnen Szenen einer- und fast durchgängig mit einer Art Schwerelosigkeit in Ton und Bildern andererseits die Story. Und hat dazu einen idealen jungen Cast. Neben dem schon genannten Tobiasz Wajda (übrigens war der berühmte Regisseur Andrzej Wajda – 1926 – 2026 – Bruder seines Großvaters) sind dies Bruno Błach Baar als Gucci, der Sohn reicher auswanderungswilliger Eltern) sowie Kurczak (Nikołaj Juszczyk) und sein Bruder, Mały (klein) Kurczak (Filip Juszcyk).

Szenenfoto aus dem Kinofilm "Ministranci" / "The Altar Boys"
Szenenfoto aus dem Kinofilm „Ministranci“ / „The Altar Boys“

Himmlische Krieger

Die vier bilden auch ein Rap-Quartett (diese sowie die immer wieder die jeweiligen Stimmungen untermalende Musik: Woijciech Urbański), drehen Videos mit Texten unter anderem gegen die Klimaerwärmung und treten dabei – und bei den Aktionen der Geld-Verteilung in Kuverts mit Strickmasken mit Löchern für Augen und Mund à la „Pussy Riot“ (russisches oppositionelles weibliches Punk-Rock-Kollektiv) auf. Nur in blau – „nicht wie Schlümpfe, sondern wie Himmelskrieger“.

Szenenfoto aus dem Kinofilm "Ministranci" / "The Altar Boys"
Szenenfoto aus dem Kinofilm „Ministranci“ / „The Altar Boys“

Nach hinten losgegangen

Dass sich da natürlich Armuts- und Elends-Geschichten häufen, ergibt sich aus der Sache, wollen die Ministranten ja für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen. Was mitunter aber auch schief geht. So erkennt Dominika (Daria Kalinchuk) nicht nur trotz Strickhauben-Maske ihren Gönner Filip, nimmt nur widerwillig das Geld, das er ihr für Turnschuhe mit weißer Sohle gibt. Weil sie keine hatte, wurde sie von der Sportlehrerin aus der Halle geworfen. Dominikas Vater entdeckt die Kohle, nimmt sie ihr ab und verprügelt sie – wieder einmal. Und dennoch kann und will sie nichts gegen ihren Vater unternehmen – außer sich mehr oder minder selbst im Beichtstuhl anklage, dass sie ihn immer wieder ärgerlich mache. Und das ist so unrealistisch nicht, wie schon vor fast 40 Jahren die großartige österreichische Autorin Mira Lobe in ihrem Jugendbuch „Die Sache mit dem Heinrich“ beschrieben hat.

Szenenfoto aus dem Kinofilm "Ministranci" / "The Altar Boys"
Szenenfoto aus dem Kinofilm „Ministranci“ / „The Altar Boys“: Dominikas prügelnder Vater (Artur Paczesny)

Opfer

In Phase 2 beschenkten die Gerechtigkeits-Rächer nicht nur Arme, sondern wollen Säufer, Prügler und andere Missetäter:innen bestrafen, um sie zur Ein-und Umkehr, sozusagen auf den richtigen Weg (zurück) zu führen. Wobei sie ihre (Selbst-)Gerechtigkeit auch hin und wieder in Frage stellen.

In einer Art Show-Down opfert sich Filip, um Videobeweise für die Gewalttätigkeit von Dominikas Vater zu schaffen – was zu einer fast Jesus-Szene gegen Ende führt. Und dennoch schließt ihn der Pfarrer vom Ministranten-Dasein aus – das Leben ist nicht fair. Auch wenn keiner seiner drei Freunde dem Pfarrer widerspricht, lässt Regisseur Piotr Domalewski, der auch das Drehbuch geschrieben hat, den enttäuschten, aber starken Filip nicht allein – in einer Art „You’ll Never Walk Alone“-Szene, ein Song aus dem Broadway-Musical „Carousel“ (1945) mit unzähligen Coverversionen, weltberühmt geworden als DER Fangesang des englischen Fußballklubs FC Liverpool.

Auch wenn jetzt vielleicht zu viel verraten ist, lohnt es sich den Film mit seinen berührenden Stimmungen zu erleben. Mitzufiebern, wie sich die Jungs bemühen, Gerechtigkeit herzustellen, oder die Scheinheiligkeit der Kirchenmänner demaskiert wird. Vor allem lässt sich das großartige Schauspiel der jungen Darsteller:innen – in erster Linie der vier „himmlischen Krieger“ und der Dominika-Schauspielerin – bestaunen.

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Doppelseite aus "Alexander"

Ein 11-Jähriger auf der Suche nach guten Gesetzen und Frieden

Bukephalos, das sagenumwobenen Pferd von Alexander dem Großen hatte es einem 11-jährigen Buben im Archäologiemuseum Neapel (Italien) besonders angetan. Er entdeckte auf dem großen Mosaik, das in Pompeji ausgegraben worden war, „dass es auf dem Mosaik die gleichen Haare wie Alexander habe und ein wenig traurig aussehe. Das war mir nie aufgefallen, Kinder sehen die Welt ganz anders als Erwachsene.“ So erzählte es der bekannte Autor Ferdinand von Schirach dem Verlag (Penguin Junior). Diese Begebenheit ist letztlich „schuld“ daran, dass der Anwalt und Schriftsteller, Pate des damals 11-Jährigen, nach vielen anderen – auch verfilmten – Büchern, nun sein erstes (nicht nur) für Kinder eben druckfrisch bzw. als eBook und als Hörbuch (sowohl CD als auch Downloads) veröffentlicht hat.

Lehrstück

Die geschilderte Episode liegt 30 Jahre zurück, die Betrachtungen seines Patenkindes, hätten ihn damals veranlasst, dem Buben mehr über Alexander – wohl Historisches sowie Legenden – zu erzählen. Bei einem Familientreffen vor einem Jahr erzählte der längst erwachsene und in New York verheiratete Patensohn, dass er sich noch immer an die Geschichten erinnere, sie gern seiner zehnjährigen Tochter vorlesen wolle. Dafür aber müsse dieser sie erst aufschreiben 😉

Nun liegt sie druckfrisch vor – und könnte vielleicht kaum aktueller sein. Denn Schirach baute nicht nur die Legende ein, dass der Alexander aus seiner Erzählung so manches Abenteuer des Großen Alexander erlebte, sondern auch ein Lehrstück in Sachen Demokratie und Friedenswillen – und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

„Schon genug Tote“

In dem erfundenen Ort Kaliste sitzt der Bub am liebsten ganz weit draußen auf einer kleinen Mauer am Meer, hält eine Angel ins Wasser. Ohne wirklich zu fischen, aber damit er hier in Ruhe sitzen und in die Ferne blicken kann. Und er wolle keine Fische töten. Es gäbe schon genug Tote durch den Krieg, den der Tyrann von Kaliste gegen die Nachbarregion führte. Auch Alexanders Vater wurde dabei das Leben genommen.

Ein neuer Krieg droht, sollte die Stadt nicht dauerhaft Tyrannen-frei bleiben. Es brauche gute Gesetze, um eine solche künftige Schreckensherrschaft zu verhindern. Und dazu solle jemanden aus Kaliste durch die Welt ziehen, um sich nach solchen Gesetzen umzuhören.

Sphinx vor einer der Pyramiden in Kairo (Ägypten)
Sphinx vor einer der Pyramiden in Kairo (Ägypten)

Rätsel der Sphinx

Dass dies letztlich Alexander werden würde, liegt bald auf der Hand. Schirach lässt ihn dazu als einzigen des Städtchens das bekannte Rätsel der Sphinx (Löwenkörper, Flügel, Menschenkopf) lösen: Was geht morgens auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei Beinen? Aus der Beobachtung eines Babies, von Erwachsenen und einem alten Mann mit Stock wusste der junge „Angler“ Bescheid.

Bukephalos-Legende

Und so zieht der Junge los, trifft auf der Reise die unterschiedlichsten interessanten Menschen, erfragt deren Ansichten über „gute Gesetze“ – von der Gleichheit bis zur Meinungsfreiheit, wird hin und wieder auch vor fast unlösbare Rätsel gestellt und …

Alexander & Bucephalus-Bronze-Denkmal von John Steel in Edinburgh (Schottland)
Alexander & Bucephalus-Bronze-Denkmal von John Steel in Edinburgh (Schottland)

Die Zeit wird knapp, erst sollte nach sieben Tagen zurück sein. Da trifft er auf Bukephalos – die einzige Rettung, doch noch rechtzeitig zurückzukommen. Aber keine und keiner kann dieses Pferd reiten, so wild ist es. Und weil diese Legende sehr bekannt ist, kann sie hier auch – ohne allzu viel zu spoilern, ist doch ohnehin klar, dass Alexander rechtzeitig wieder in Kaliste ist – jenen verraten werden, für die es noch ein Geheimnis ist: Der Bub beobachtet wie es so seine Art ist genau und checkt: Das große Pferd hat Angst vor seinem Schatten, so redet er gut auf Bukephalos ein, der Hengst bewegt sich so, dass der Schatten hinter ihm liegt – und los geht’s.

Probleme tauchen sozusagen in letzter Minute ohnehin noch mit einem Ober-Militär auf, bevor…

Schaumschläger

Ferdinand von Schirach hat mit eineinhalb Dutzend Zeichnungen die leicht und locker geschriebenen fast 150 Seiten auch illustriert; leider darf hier aus rechtlichen Gründen seitens des Verlages nur eine einzige – außer der auf der Titelseite – veröffentlicht werden. Vielleicht sind die weltpolitischen Krisen, die „Zeitenwende“ in Richtung Militarisierung und Bedrohung von Demokratien der Anlass gewesen, es jetzt zu veröffentlichen. Immerhin erfindet er für eine Begegnung Alexanders wohl in Delphi, denn hier sucht er nach dem Orakel, den „Schaumschläger“ (mit gelbem Haarschopf). Dies ist ein ehemaliger Tyrann, den sie in eine riesige Badewanne mitten auf dem Marktplatz setzten. „Jetzt muss er dort den ganzen Tag Schaum schlagen… damit man nicht sieht, dass er nackig ist…. Schaumschlagen kann er wirklich gut… Er mag es, wenn man ihm zusieht… jetzt ist er harmlos in seiner Badewanne. Er kann uns nicht mehr gefährlich werden.“

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Titelseite von "Alexander"
Titelseite von „Alexander“
Ehemalige erfolgreiche Sag's Multi-Teilnehmer:innen waren auch heuer wieder Juror:innen - Interviews mit ORF-Moderatorin

„Wohin willst du?“ statt „Woher kommst du?“

„Zusammenhalt beginnt mit einem Lächeln“, meinte unter anderem Qianxan Han (AHS Maria Regina) beim Speech Off, dem neu konzipierten Regionalfinale des mehrsprachigen Redebewerbs Sag’s Multi im ORF-Zentrum am Küniglberg (Wien). Die besten der 384 Jugendlichen, die ihre Reden per Video im Herbst eingereicht hatten, halten seit Mitte Februar – bis Mitte März – in den ORF-Landesstudio live und analog (digital gestreamt) ihre Reden vor den Jurys. Die Jüngeren (7. und 8. Schulstufe) in der Kategorie YoungStars, die älteren (9. bis 13. Schulstufe) eben der Speech Masters. An jedem der Tage werden Sieger:innen gekürt – mehr Wettbewerb als bisher. Die Landessieger:innen (neuen Bundesländer plus Südtirol) der Älteren halten dann beim Abschluss-Finale im Wiener Rathaus (17. April) eine neue Rede; eine Jury wählt die beste aus.

Hier nun der vierte und letzte Teil – die anderen sind am Ende des Beitrages verlinkt – über die 30 Reden der Speech Masters aus Wiener Schulen, bewusst heue 821. Februar) veröffentlicht, dem internationalen Tag der Muttersprachen – dazu ein eigener, ebenfalls unten verlinkter Beitrag.

Und damit zurück zu Qianxan Han, die Chinesisch (Mandarin) und – wie alle anderen – auch Deutsch sprach (Bewerbsregel). Das erwähnte Lächeln sei Basis für den Aufbau von Vertrauen, so die Schülerin. Zusammenhalt sieht sie übrigens wie in einem schönen Bild in vielen bunten Farben, der Vielfalt. Denn Unterschiede sollten nicht Grund für den Bau von Mauern zwischen einander sein, sondern für Fenster die es ermöglichen raus-, aber auch rein zu schauen, sich kennen zu lernen… „Denn Zusammenhalt in Vielfalt ist die Hoffnung, dass aus dem DU und Ich ein WIR wird.“

Scrollen oder leben

Es sei Zeit, „uns selbst wieder zu finden“, denn alle seien mehr als ihre Likes, geposteten gefilterten Fotos, appellierte Liran Shabtai (Vienna European School) auf Hebräisch und natürlich Deutsch (Bewerbsregel, siehe oben, die ab nun nicht mehr in jedem Abschnitt extra erwähnt wird) an die live anwesenden vor allem Jugendlichen und jene, die via Live-Stream zuschauten – und nicht zuletzt auch sich selbst.

Die Selbstdarstellung in den Netzwerken hätte dazu geführt, nur Bilder von sich zu „verkaufen“. Vergessen werde zu lachen, zu fühlen… Doch jede und jeder habe die Wahl, weiterhin nur zu scrollen oder echt zu leben mit allen Fehlern, Unsicherheiten, Narben. Sie, die es liebe, auf der Bühne zu stehen (vor allem als Tänzerin), rief abschließend auf, es sei Zeit, „Masken fallen zu lassen“.

Jede Sprache ist gleich wertvoll

„Fairness nicht gefunden, Fehler 404“ konstatierte Viola Kaltenberger (Hertha Firnberg Schulen für Wirtschaft und Tourismus, Französisch), wenn – wie es oft passiert, Sprachen in wertvolle und weniger wertvolle auseinanderdividiert würden / werden. Während Englisch, Französisch, Spanisch auch – öffentlich verwendet – vielfach geschätzt werden, heißt es bei Türkisch, Arabisch oder Somali nicht selten „die sprechen ja zu Hause kein Deutsch“.

Damit werden Menschen dieser Sprachen strukturell diskriminiert, ausgegrenzt, ausgeschlossen. Jede Sprache und jede Kultur ist aber gleich viel wert und Vielfalt nicht nur dann super, wenn sie bequem ist, sondern nur echt, wenn alle Stimmen zu hören sind. Und wenn nicht nur davon geredet, sondern erst wenn sie gelebt wird. Sonst bleibe am Bildschirm: Fehler 404.

Menschlichkeit soll mehr zählen

„Wer Hoffnung sät, erntet Licht!“, so optimistisch und tatbereit beendete Enesa Qorri (GRG 21; Albanisch) ihre Rede. In der hatte sie zuvor die von außen auf ihre, die junge, Generation aufgebürdeten Erwartungshaltungen einer- und die großen Krisen, der sie und ihre Altersgenoss:innen ausgesetzt sehen, andererseits aufgezählt: Sorgen über die Zukunft, Klimawandel, Druck, perfekt sein zu müssen oder wenigstens sollen, „das Gefühl, nie genug zu sein.

Gleichzeitig aber sei dies eine Generation, die viele Fragen und vieles in Frage stelle und sich eine Welt wünsche, in der Menschlichkeit mehr zähle als Leistung.

Werden (noch?) zu wenig gehört

Schlagzeilen über Kriege und Kämpfe, dann wieder Tanzvideos – solche und andere werden tagtäglich wild durcheinandergemixt in Timelines sozialer Netzwerke gespült, schilderte Kumru-Xezal Merey (VBS – Vienna Business School, private Handelsakademie – Floridsdorf; Englisch) eingangs. Das trage mit dazu bei, mentale Gesundheit zu beeinträchtigen.

Sie versuchte in ihrem Speech-Masters-Beitrag einen Weg aus der Misere aufzuzeigen: Aufhören, einander zu beschuldigen; anfangen an einem Strang zu ziehen; miteinander kreativ sein, statt übereinander zu urteilen. Immerhin werde heute viel über mentale Gesundheit geredet, etwas, worüber früher geschwiegen wurde.

Sie rief letztlich zu einem Austausch für einen Prioritäten-Wechsel in Richtung mit- statt gegeneinander auf: Ex-Change!

Und an die Erwachsenen gerichtet, meinte sie: „Wir sind das Ergebnis eurer Fehler und Erfolge! Aber, wir werden nicht so sehr gehört, wie es sein sollte!“

Gerechtigkeit muss man leben, jeden Tag

Auch wenn sie und andere Mädchen und junge Frauen hier und heute ihre Reden halten und dies vor etwas mehr als 100 Jahren hier – und heute in vielen anderen Ländern noch nicht möglich (gewesen) wäre, sei es nicht genug, sich auf Erreichtem auszuruhen. Darüber sprach Hana Cunaku (GRG 21; Albanisch).

Gleichberechtigung sei auch bei uns oft nur auf dem Papier gegeben. Exemplarisch schilderte sie drei Mädchen, allesamt in Österreich geboren, aufgewachsen, hier lebend und Schulen besuchend und doch würden sie nicht gleichwertig wie viele andere behandelt: (Nach-)Name, Hautfarbe oder Kopftuch würden nicht selten „ausreichen“, um verletzende Kommentare abzukriegen, die seelische Wunden hinterlassen. „Niemand sollte sich an Ungerechtigkeit gewöhnen müssen! Gerechtigkeit muss man leben, jeden Tag im Unterricht, auf der Straße… Ich wünsche mir ein Österreich, ein Land, das nicht fragt, woher kommst du, sondern wohin willst du?!“

Und weil sie Realität menschlicher Gesellschaften mit einem bunten statt eintönigem Gemälde verglich, hatte sie ein – von ihrem Vater gemaltes – Bild einer farbenfrohen Landschaft mit zum Redepult genommen.

Beide Kulturen leben

Sie liebe bulgarische Volkstänze gleichermaßen wie Kaiserschmarren – mit diesem plastischen Wortbild stieg Viktoria Boucheva (AHS Maria Regina; Bulgarisch) in ihre Rede. Sie besuche zwei Schulen, neben dem österreichischen Gymnasium am Wochenende noch die bulgarische, wo sie Sprache und vieles über die Kultur des Herkunftslandes ihrer Eltern lerne. „Was manchmal anstrengend, aber meistens wunderschön ist.“

Was sie nerve: Wenn sie in ihrer Tracht zu Auftritten in der U-Bahn fahre und manche Menschen heimlich Fotos machen, andere die Kleidung angreifen – alles ohne zu fragen oder sich zu interessieren; dann fühle sie sich „wie etwas Fremdes, obwohl ich hier geboren bin, hier lebe und träume“.

Vielfalt bedeute doch, sich eben nicht entscheiden zu müssen für die eine oder andere Seiten, sondern beides leben zu dürfen, ohne sich schämen zu müssen. Sie wünsche sich mehr Schulprojekte, in denen wir gegenseitig voneinander lernen, statt übereinander zu reden, nicht um zu vergleichen, sondern um zu teilen. Unterschiede sollen uns nicht voneinander trennen, sondern verbinden, denn nur gemeinsam sind wir wirklich stark.

Hinsehen und aufstehen gegen Ungerechtigkeiten

Irgendwo anders auf der Welt gibt es – nicht nur – ein 15-jähriges Mädchen, das nichts zu essen hat, hungrig aufwacht und ebenso abends schlafen gehen muss, während sie und ihresgleichen sich hier sorgen, was es zu Mittag gebe oder der Unterricht auch spannend werden würde. Mit diesem plastischen Bild von Ungerechtigkeit begann Victoria Peña (AHS Wien West; Spanisch) ihren Beitrag, einen der letzten am Wien-Tag der Speech Masters wie nun die ältere Kategorie bei Sag’s Multi reloaded heißt.

Diese Ungerechtigkeit widerspreche dem Grundsatz, dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren werden, wie sie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte gleich in Artikel 1 festhält.

Und weil es so ist, heiße das aber, bereits in kleinstem Rahmen sich für Menschen einzusetzen, wenn sie unfair behandelt werden. Nur durch Hinsehen und aufzeigen können Veränderungen angestoßen werden. Und wenn sich viele, möglichst alle zusammentun und mithelfen, dann kann auch Großes verändert werden!

Kopftuchverbot ist genauso wie Zwangsverschleierung

Gerechtigkeit wählte auch Asya Sen (HTL Rennweg; Türkisch) als Inhalt ihrer Rede. Und dennoch wird 2026 noch immer von Frauen- und Männerberuf gesprochen, wird Frauen vorgeschrieben, wie sie sein sollen. Sie selbst habe – gemeinsam mit ihrer Mutter – wie zwei Polizisten ein arabisches Ehepaar aufforderten, die Ausweise zu zeigen und die Frau anherrschten, sie möge ihr Tuch abnehmen, um ihre Identität überprüfen zu können. Erst die Mutter der Sag’s-Multi-Rednerin habe die Polizisten dann aufgefordert, diese Frau nicht öffentlich zu entblößen.

Das Kopftuchverbot werde verkauft als gleiche Chance für alle, doch das Verbot sei nichts anderes wie auf der anderen Seite der Zwang zur Verschleierung. In beiden Fällen werden Frauen zu Objekten degradiert und nicht wie denkende Subjekte behandelt. „Eine Frau ist kein Projekt, sondern ein Mensch mit Verstand und Würde!“

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Diese Trophäen winken den drei Erstplatzierten beim Finale im April im Wiener Rathaus

Lesen, checken, Quellen prüfen, dann erst teilen

Für den Themenbereich „Online. Offline. Echt?“ hatte sich Katharina Meizer vom privaten ORG (OberstufenRealGymnasium) Vienna European School entschieden. Die Grenzen verschwinden zwischen beiden Welten begann sie ihren Englisch-Deutschen Beitrag beim mehrsprachigen Redebewerb Sag’s Multi im Wiener ORF-Zentrum. Und wies darauf hin, dass – und das schon lange – Menschen sich auch im „echten“ Leben verstellen (können).

In beiden Welten, in der digitalen vielleicht noch mehr, weil dort Filter eingesetzt werden, gehe es zu sehr ums Äußere, wie Körper ausschauen. Und dabei die Seele ignoriert werde. Dies sei ein Element des ständigen Drucks.

Ihr Rat als Gegenmittel: Selbstliebe und Echt-Sein und zwar dies nicht nur zu zeigen, sondern auch zu spüren bzw. spüren zu lassen. „Echt sein ist wichtiger als perfekt zu sein!“

Psychotherapeutische groooße Lücke

Monatelange Wartezeit auf einen Kassen-Therapieplatz rechnet Sarah Schermaier (VBS – Vienna Business School, private Handelsakademie, Schönborngasse) in Sekunden um. So begann sie Englisch und setzte Deutsch fort über den Mangel an psychotherapeutischer und psychologischer Versorgung für Jugendliche zu sprechen, immer wieder zwischen beiden Sprachen wechselnd – ein Charakteristikum von Sag’s Multi.

Krass die Zahl, die sie für einige Momente raten ließ, um die Antwort gleich zu geben: Den 1,1 Millionen Schüler:innen in 5936 Schulen stehen ganze 190 Schulpsycholog:innen „zur Verfügung“. Ihr selbst konnten die Eltern private, teure Psychotherapie bezahlen, weshalb es ihr heute wieder gut gehe. Und genau deswegen wollte sie dieses Thema offen ansprechen, weil es auch noch immer schambehaftet sei.

Rede an ihr mögliches künftiges Kind

Zu einer sehr außergewöhnlichen Form griff Olivia Kampmüller (AHS Wien West, in Penzing, 14. Bezirk). Auf Schwedisch – und selbstverständlich Deutsch (Wettbewerbsregel, die ab nun auch in diesem Beitrag nicht mehr jedes Mal erwähnt wird) – führte sie ein Gespräch mit ihrem möglichen künftigen Kind.

Sie fühle sich angesichts der Krisen diese Welt, nicht zuletzt der Sorge, ob die Klimaziele erreichbar wären, hilflos. Und je mehr sie die Welt verstehe, desto eher halte sie es für egoistisch, ein süßes Baby in diese zu setzen. Noch dazu wo Millionen von Kindern in totaler Armut aufwachsen.

Aber sie versprach diesem – vielleicht nie geborenen – Kind, weiterhin für eine bessere Zukunft dieser Welt zu kämpfen.

Ungleiche Waagschalen

Ihre Hände verwendete Kaya Lehmann (AHS Maria Regina) als zwei Waagschalen. Damit illustrierte sie optisch eindrucksvoll die noch immer vorhandenen Ungerechtigkeiten zwischen Frauen und Männern – von Löhnen und Gehältern bis zur unbezahlten Care-Arbeit in Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege meist älterer Angehöriger.

Auf die Idee zu dieser (Englisch-Deutschen) Rede sei ihr gekommen, als sie zum ersten Mal vom Equal Pay Day gehört habe, der Tag bis zu dem Frauen, wenn ihre Arbeits-Einkommen mit dem von Männern verglichen werden, sozusagen gratis gearbeitet haben.

Wie könne es sein, dass im 21. Jahrhundert diese längst bekannte Tatsache noch immer bestehe?! Auf Worte müssten endlich Taten folgen – einerseits gesamtgesellschaftlich, andererseits aber auch in Partnerschaften.

Auf der Suche nach Wahrheiten

Wie so manch andere Teilnehmer:innen des mehrsprachigen Redebewerbs Sag’s Multi bringt auch die beim Wiener Speech-Masters angetretene Amira Zaina Celina Talab (RG /WRG Real- bzw. Wirtschaftliches RealGymnasium Feldgasse, Wien-Josefstadt, 8. Bezirk) schon verschiedene kulturelle und sprachliche Schätze mit. Sie, die Englisch als Erstsprache für ihren Beitrag wählte, nannte syrische, kroatische, slowenische und österreichische Wurzeln. Ihr Thema: On- und offline und die Frage nach der Echtheit, dem Echt-Sein.

Vor allem durch Social Media würden sich Lügen oft schneller verbreiten als ein Waldbrand. Es trage jedoch jede und jeder selber auch Verantwortung, nicht alles zu glauben, Nachrichten, Meldungen usw. zu überprüfen, auch wenn es zeitintensiv sein möge.

Die gute Nachricht, sagte sie: Du bist nicht alleine auf der Suche nach der Wahrheit. Wir können lernen, Lügen zu durchschauen, denn Wahrheit ist wertvoller als Gold!

Gerechtigkeitsfan

Aufgewachsen in Washington D. C. (Hauptstadt der USA) mit einem US-amerikanischen Vater und einer irischen Mutter, nun in Wien lebend, fühle sie sich im Herzen als Europäerin, so Nerys McInterney Lankford (Lycée français de Vienne). Sie musste sich, wie viele andere, für eine ihrer Sprachen neben Deutsch entscheiden und wählte Englisch, obwohl es genauso gut Französisch (siehe ihre Schule) oder aber auch Spanisch sein hätte können.

Gerechtigkeit machte sie zu ihrem Thema – gerade in den USA, wo sie lebte als George Floyd, der im Todeskampf dem auf ihm knieenden Polizisten vielfach zurief, dass er nicht mehr atmen könne, ziehe sich diese Diskriminierung Schwarzer Menschen lange hindurch. Sie erinnerte an Rosa Parks und Martin Luthe King. In Nordirland sei immerhin nach jahrzehntelangen erbitterten tödlichen Kämpfen 1998 ein Friedensabkommen erreicht worden – Feinde fanden Frieden, statt gegenseitige Rache weiter zu verüben.

Nun lebe sie in Wien, aber auch das sei „wahre Gerechtigkeit oft leise“. Ihre Wege zu mehr Gerechtigkeit: Menschen, die hören, sehen, empathisch sind, den Mut haben, Stimmen hörbar zu machen, auch wenn ringsum Schweigen herrscht.

Gegen das Sterben von Wahrheit

Aus der selben Schule wie seine Vorrednerin kommt Renátus Kollar. Er sprach Slowakisch zum Thema Zukunft Europas und verknüpfte dies mit der Frage zur Suche nach der Wahrheit. Sogenannte soziale Netzwerke würden nicht nur psychische Gesundheit von Menschen stören, sondern auch die Gesundheit der Demokratie beeinträchtigen. Denn diese beruhe auf Wahrheit.

Vor drei Jahren sei er die 60 Kilometer aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava nach Wien gezogen, um hier die französische Schule zu besuchen. Eine kurze geografische Distanz der beiden Städte seines Herzens, aber eine ganze Welt liegt zwischen ihnen.
Kollar erinnerte an die Ermordung des Aufdecker-Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová vor fast genau acht Jahren (21. Februar 2018) „auf dem Altar der Wahrheit“.

Er habe aber selber dann im Lockdown in historischen Online-Rollenspielen erlebt, wie schnell sich rassistische, antisemitische Lügen verbreiten können. Deshalb sei es umso wichtiger, dass –  nicht zuletzt über Initiativen wie Lie Detectors – schon früh in Sachen Fake News, Verdrehungen der Wahrheit …. Sensibilisiert werde.

Denn die Freiheit stirbt im Schweigen derer die aufhören zu denken, nicht im Lärm der Kriege.

Mensch-Sein statt Konkurrenz

Bezug auf die aktuell in Italien stattfindenden Winterspielen nahem Amelie Kröpfl (AHS Wien West, Englisch) mit dem zweiten Olympischen Motto (neben Dabei sein ist alles): Höher, schneller, weiter.

Der ständige Wettkampf, das dauernde Vergleichen, sei aber ein harmlos klingender Virus, der den Zusammenhalt gefährde. Und dazu führe, dass eine fiktive Andrea ständig das Gefühl habe „nicht gut genug zu sein“ und Ängste entwickle, dass andere auch diese Meinung teilten.

Daher brauche das Schulsystem dringend ein Update. Und zwar jetzt! Feedbacksystem statt Noten mit dem Ziel, niemandem das Gefühl zu geben, schlecht zu sein: Menschen, nicht Konkurrent:innen!

Leider setzt übrigens auch der neue Modus von Sag’s Multi reloaded mehr auf den Wettbewerb

Vor dem Teilen: lesen, checken, prüfen

Nicht zuletzt Elon Musk habe mit Algorithmen mit dazu beigetragen, dass Fake News spannender geworden sind als reale, echte, wahr Informationen, meinte Fabian Christ (HTL Rennweg, Englisch). Der 16-Jährige, der schon vor zwei Jahren eine Agentur gegründet hat, um für Kund:innen Videos zu gestalten, rief auf, erst Dinge zu lesen und zu checken, Quellen zu prüfen, bevor jemand sie teilt. Denn Fake News zerstören Vertrauen.

Medienkompetenz früh lernen

Natürlich sei es schwierig und nicht selten auch anstrengend, Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, Quellen zu checken, rauszufinden, was ist Wahrheit und was Lüge. Aber dafür brauche es – mehr! – Medienkompetenz-Unterricht und das möglichst früh, forderte Haya Al-Taie (GRG 10, Arabisch). Dazu zähle übrigens auch unterscheiden zu lernen, was von künstlicher Intelligenz erstellt wurde und was nicht.

Am Ende liegt es an uns allen, unterscheiden zu lernen zwischen Wahrheit und Lüge, denn die Wahrheit ist etwas Seltenes, Wertvolles.

kijuku_heinz

Wird fortgesetzt mit weiteren Beiträgen über die Wiener Speech-Masters-Reden.

Gespannt warten jugendliche Zuhörer:innen auf die erste der 30 mehrsprachigen Reden bei Sag's Multi im Atrium des ORF-Zentrums auf dem Wiener Küniglberg

Erst viele unterschiedliche Mosaikstein ergeben ein schönes, buntes Bild

Kleinen Kindern ist es noch egal, welche Sprache die anderen Kinder sprechen, ob wer Türke, Jude oder Araber ist, sie spielen, gemeinsam. So begann Flavio Carmignani von der AHS Rahlgasse in Wien-Mariahilf (6. Bezirk) seine Ree auf Englisch und Deutsch beim Wiener Speech-Masters-Tag von Sag’s Multi im ORF-Zentrum auf dem Küniglberg. So wie nach ihm 29 Jugendliche äußerte auch er live und analog seine Gedanken beim mehrsprachige Redebewerb, nunmehr im 17. Schuljahr vor vielen anderen Jugendlichen im Atrium – und noch mehr Zuschauer:innen / Zuhörer:innen im Live-Stream (der übrigens in der TV-Thek nachgeschaut werden kann, siehe Link in der Info-Box am Ende dieses Beitrages). Dies ist übrigens – wie im Untertitel angemerkt – Teil 2 der Beiträge über diesen Wien-Tag, dem ähnliche in allen ORF-Landestudios folgen; Teil 1 unten am Ende verlinkt, weiter folgen, um alle 30 Reden vorzustellen.

Englisch ist für den nach eigener Definition halb serbischen, halb italienischen Österreicher mit US-amerikanischer Stiefmutter eine erlernte Sprache. Menschen werden nicht mit Vorurteilen geboren, doch irgendwann ändere sich das, so Carmignani: Beeinflusst nicht zuletzt durch Medien. Mit Mut und Zivilcourage gelte es, Unrecht zu erkennen und aktiv dagegen anzukämpfen. Das könnten auch schon sogenannte kleine Dinge sein, die aber Großes bewirken: Der betroffenen Person zeigen, dass sie nicht allein ist, ihr zuhören. Denn das Gefühl von Unterstützung hilft mehr als alles andere (meistens). Es gelte, andere Menschen zu respektieren, auch wenn sie anders sind, nicht die gleiche Sprache sprechen, keine hohe Bildung oder eine andere politische Meinung hätten.

Wenn du am „falschen“ Ort geboren wurdest

Gerechtigkeit ist jenes Thema, das viele der Redner:innen zum Inhalt ihrer Rede machten – übrigens in derart ausgezeichneter Form, dass ORF-Redakteurin Judith Weissenböck, Vorsitzende der Jury, mehrfach betonte, fast am Rande der Verzweiflung zu sein, denn Entscheidungen fallen da mehr als schwer.

Auch Wajd Badran vom TGM, der Schule für Technik, wo sie den Zweig Biomedizin in der zweiten Klasse besucht, machte es ihr und ihren Mit-Juror:innen nicht leichter. Sie könne hier wie eben viele Schulen besuchen und dürfe lernen. Vielleicht gar nicht so weit weg gibt es viele, vor allem Mädchen, die keine schule besuchen können oder gar dürfen, weil sie am „falschen“ Ort geboren worden sind. Mit der Empathie, sich das vorzustellen, könnte das Eintreten gegen diese Ungerechtigkeiten beginnen. Denn jedes Leben ist gleich viel wert. Wenn genug Stimmen dies fordern, dann könne sich etwas ändern. Damit diese Mädchen nicht nur von Bildung träumen müssen, sondern sie erleben dürfen, meinte sie engagiert auf Arabisch (und natürlich ebenfalls Deutsch – das ist die Regel des mehrsprachigen Redebewerbs).

On- / Offline

Das Pendeln, nein viel mehr für diese Generation übliche Verbinden der On- und der Offline-Welten nahmen viele der Jugendlichen für ihre Rede her, so auch Alisha Kamilova (privates ORG – OberstufenRealGymnasium – der Vienna European School) auf Russisch (die Ergänzung und auf Deutsch wird ab nun nicht mehr jedes Mal erwähnt!).

Trotz dem „Zuhause“-Sein in beiden Welten, verhalte auch sie sich wie viele andere nicht in beiden gleich. Agiere sie in der Schule eher verhalten, so im digitalen Raum eher offen. „Hey Bro“, würde sie dort oft einsteigen, „Online kann ich leichter ich sein, beste Gespräche habe ich oft, wenn ich auf einen Bildschirm starre… Aber, wo Licht ist, gibt es oft auch Schatten: Druck, Likes zu zählen, auf Kommentare zu achten oder zu schauen, ob man auf Fotos auch „schön genug“ sei… Irgendwann misst man seinen Wert nur noch in Zahlen und verschweigt, wie es einem wirklich geht.“

Als Schlussfolgerung plädierte sie dafür, in beiden Welten lieber echt zu sein.

Zusammenhalt in Vielfalt

So wie erst viele kleine, bunte, unterschiedliche Mosaiksteinchen ein wunderschönes Bild ergeben, so sei eben Vielfalt keine Schwäche, sondern eine Stärke, illustrierte Nahla ElSayed (GRG 10, Ettenreichgasse, Arabisch) ihr Wortbild, das damit in den Köpfen der Zuhörer:innen entstand.

Die Wienerin hat familiäre Wurzeln in Ägypten. Man kann eben mehrere Identitäten haben. Sie kann eben Arabisch und Deutsch auch Englisch, Türkisch, das si zufällig durch Schauen türkischer Serien erst mit Übersetzungen und Untertiteln und dann unter Verzicht auf diese gelernt habe und Italienisch. Sprachen sind nicht nur Worte, sondern Brücken zwischen den Menschen. Man lerne, die Welt mit den Augen anderer zu sehen.

Natürlich gebe es auch Herausforderungen, weil sich manchmal Menschen ausgeschlossen fühlen, wenn sie nichts verstehen oder nicht verstanden werden. Da gelte es eben gemeinsame Lösung zu finden: Zugehörigkeit entsteht durch Begegnung nicht durch Herkunft, Diskriminierung ist Gift für den Zusammenhalt, und da können schon „kleine“ Dinge können große Wunden hinterlassen. Eine gute Strategie dagegen: Solidarität, nicht still sein, es braucht Nein, denn Schweigen stützt immer nur die Täter.

Stärke liege nicht in Uniformität, sondern im Miteinander, darum nicht fragen, was uns trennt, sondern was uns verbindet!“

Mutige Offenheit

Sehr mutig offen gewährte Aya Farhat (BAfEP – Bildungsanstalt für Elementarpädagogik Wien-Strebersdorf, Englisch als erlernte Sprache) höchst persönliche Einblicke in Angstzustände, die sie ab 13 Jahren entwickelte. Angefangen davon, wie sie online aussehen sollte bis zu Selbstzweifeln, dass alles falsch sei, was sie sage oder mache. Was andere über sie sagen und denken sei ihr wichtiger gewesen als eigene Gedanken.

Und sie haben sich zu dieser Offenheit entschlossen, um die Chance zu nutzen auf diesen gesellschaftlichen Erwartungsdruck aufmerksam zu machen und darauf, was dieser ja nicht nur für sie, sondern für viele Jugendliche bedeute.

Nach sehr viel Selbstreflexionen könne sie sagen, es bringe nichts, ewig anderer Erwartungen zu erfüllen. Glücklich werde man nur, wenn man auf das eigene Herz höre. Und sie wollte eben diese Rede nutzen, um mit ihrer Stimme offen jene eine Stimme zu geben, die (noch) keine haben.

Mediale Beeinflussung…

… machte Catinca Militaru (Vienna European School) mit einer – „erstmals auf Rumänisch (Erstsprache) gehaltenen Rede (Deutsch lernt sie überigens erst seit 2½  Jahren) zu ihrem Thema. Wenn man oft genug die selben Meinungen höre und lese, die Algorithmen einspielen, könne man diese leicht für Wahrheiten halten.

Viele Menschen übernehmen Meinungen aus dem Netz, statt sich eigene Gedanken zu machen. Wie viele Ideen haben wir übernommen, ohne sie zu hinterfragen, sondern halten sie für wahr?

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Wird fortgesetzt mit weiteren Beiträgen über die Wiener Speech-Masters-Reden.

3bk der HAK (Handeslakademie) des bfi Wien

Berührende und bewegende junge Redetalente

„Merhaba, Nasılsın“, startete Niklas Sieberer von den Hertha-Firnberg Schulen für Wirtschaft und Tourismus in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) seine Rede bei „Sag’s Multi!“ im ORF-Zentrum am Küniglberg am Faschingsdienstag (17. Februar 2026). Und setzte gleich verschmitzt fort: „Ich hoffe, zwei Wörter in einer dritten Sprache verstoßen nicht gegen die Regeln.“

Trotz einiger Neuerungen im 17. Durchgang des mehrsprachigen Redebewerbs, die nun mehr Wert auf Wettbewerb legt – siehe Info-Box – bleibt nach wie vor: Die Rede muss in einer anderen – ob mitgebrachter oder erlernter – Sprache und in Deutsch gehalten werden. Und Sieberer hatte sich für Französisch (erlernt) entschieden. Obwohl, wie er in der Rede ausführte, er auch Türkisch lernt – aus eigenem Antrieb, auf eigene Faust und privat, weil dies im österreichischen Bildungssystem in praktisch kaum einer Schule angeboten wird.

Und genau dies kritisierte er auch, dass die Sprachen, die unterrichtet werden, alle sehr verwandt sind – von Latein über Französisch bis Spanisch oder Italienisch und nicht zuletzt Latein. Er vermisse, gerade, wenn immer wieder von Vielfalt und Diversität gesprochen werde, diese in der schulischen Sprachen-Praxis- Sprachen eben aus ganz anderen Sprachfamilien, ob eben Türkisch, Arabisch, Serbisch beispielsweise.

Die Jury nahm ihm offensichtlich weder die beiden türkischen noch eingeflochtene spanische und lateinische Wörter übel und kürte ihn zum Dritten des Wiener Tages der nunmehr Speech Masters genannten älteren Kategorie (9. bis 13. Schulstufe).

Sehr viele Sprachen…

…. Bringen Schüler:innen, aber auch Lehrer:innen der kaufmännischen Schulen des bfi (Bildung. Freude Inklusive, vormals Berufsförderungsinstitut) Wien mit. Die 3bk begleitete eine Mitschülerin, Meryem Çetinkaya, die es als eine von 30 aus Wiener Schulen zu den Speech Masters dieses Bundeslandes geschafft hatte. Und versprachen, zumindest dem Journalisten von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… beim Gruppenfoto hinter dem Redepult in der Pause: „Nächstes Jahr treten sicher mehrere von uns an. Albanisch, Bosnisch, Pashto, Polnisch, Punjabi, Russisch, Slowakisch, Spanisch, Tschetschenisch, Türkisch“, nennen sie als mögliche Antrittssprachen neben Deutsch sowieso.

Türkisch ist übrigens auch die Sprache, in der ihre Mitschülerin über ihre Generation sprach – zwischen Hoffnungsträger:innen und Sorgenkindern. Wie auch einige anderer Redner:innen dieses Tages widmete sie sich den Erwartungen an heutige Jugendliche mit dem daraus sich ergebenden Druck und den vielfältigen Krisen, die vorherige Generationen den heute jungen Leuten noch dazu aufbürden. „Unsere Last ist eine andere, aber nicht weniger ernste.“

Diese Generation fordere und wolle Gerechtigkeit und Veränderung einerseits und andererseits spreche sie als erste so offen mentale Ängste an- und aus, was von Stärke zeige. „Wir sind keine verlorene Generation, wir stellen Fragen… Wir sind Hoffnungsträger:innen mit Sorgen, keine Sorgenkinder.“

Sie selber wolle Lehrerin – für wirtschaftliche Fächer an einer Handelsakademie werden, um selber auch Vorbild für künftige Jugendliche sein zu können.

Damit kein Kind mehr Angst haben muss, nicht dazu zu gehören

Aus der selben Schule, aber einer anderen Klasse, kommt Yazan Fran, der Stunden später an der Reihe war – KiJuKU.at wird alle 30 Redner:innen hier zu Wort und Bild kommen lassen, aber in mehreren Beiträgen, verstreut über mehrere Tage, da erfahrungsgemäß nur wenige uuuurlange Beiträge bis weit hinunter-scrollen.

Dieser Jugendliche, der bereits öfter bei Sag’s Multi angetreten ist, verwendete neben Deutsch seine Erstsprache Arabisch.

Und er verpackte seine Botschaft gegen Hass und für ein Miteinander in (s)eine Geschichte. Als Zehnjähriger musste er mit seiner Familie das eigene Zuhause in Syrien verlassen.an seinem ersten Schultag in Österreich verstand er kein Wort, fühlte sich ausgeschlossen. Doch wenige Tage später fragte ihn eine Mitschülerin, ob er Hilfe bei der Hausübung brauche. Anfangs sei er misstrauisch gewesen, doch dann fühlte er, dass sie es ehrlich meinte. Und so half sie ihm, nicht nur mehr zu verstehen, sondern auch das Gefühl der Ausgrenzung zu überwinden.

Zuhören, statt urteilen, helfen, statt verletzen, versuchen zu verstehen, statt wegzuschauen – das seien die Mittel und Wege, damit kein Kind mehr in der letzten Reihe Angst haben müsse, nicht dazu zu gehören, denn Vielfalt ist keine Schwäche, sondern die größte Stärke.

Seine Rede begeisterte die Jury noch mehr als dies alle anderen auch schon taten, was sie alle vor große Herausforderungen stellte. Und obwohl Yazan Fran mehrmals – auch in der Pause zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… meinte, „es geht nicht ums Gewinnen, mir ist wichtig, den Zuhörerinnen und Zuhörern meine Botschaft sagen zu dürfen“- muss bzw. darf er als Wien-Sieger der Speech-Masters beim Finale im Wiener Rathaus eine neue Rede vorbereiten.

Bomben übertönten das Lachen der Kinder

Weil es thematisch – leider – gut passt, sei hier gleich auch noch Sham Alhamdani (BORG 15, Arabisch) mit ihrer Rede vorgestellt. Sie und ihre Familie lebte in Damaskus (Hauptstadt von Syrien) in einem großen Haus. „Mitten im Unterricht kamen Männer mit schwarzen Masken, schossen, töten einige Mitschüler:innen… die Stadt war voller Rauch, Straßen rochen nach Angst, Bomben haben das Lachen der Kinder übertönt.“

Wie Millionen andere Menschen mussten auch sie fliehen. All das stehe im Gegensatz zu dem, was die Kinderrechtskonvention besage, dass jedes Kind das Recht auf Schutz vor Krieg und Gewalt habe. Und warum dann? Daher sei für sie das Wichtigste um zu Gerechtigkeit auf der Welt zu kommen, dass es nie wieder irgendwo Krieg geben dürfe.

Freund- statt Feindschaft

„Gerechtigkeit gibt es nicht!“ Mit diesem ersten Satz in ihrer Rede verblüffte Vesna Tegeltija aus dem Gymnasium am Laaerberg (Wien-Favoriten, 10. Bezirk) zunächst. Sie, die Gerechtigkeit, sei wie Schwarze Löcher – unbekannt und unerreicht. Auf Deutsch und Serbisch kam sie eben auf die Realität, die Ungleichheiten zu sprechen.

Und das obwohl die Menschen zu 99% in ihrer DNA gleich sind, doch dieses kleine eine Prozent und das in den Vordergrundstellen der unterschiede führe zu Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten bis hin zu Unterdrückung, Folter und Mord. „Alle Tiere sind gleich, manche aber gleicher“ nahm sie Bezug auf George Orwells „Farm der Tiere“.

Ihre neben Deutsch verwendete Sprache Serbisch, die sie in diesem Zusammenhang jugoslawisch nannte, nutzte sie um das Wort Drushdo zu erläutern. Das habe zwei Bedeutungen – Gesellschaft im Sinne einer sozialen Gemeinschaft und zweitens Freunde bzw. Freundesgruppe; also Freundschaft statt Feindschaft.

Sie und ihre Rede wurde von den Juror:innen mit Platz 2 des Wiener Speech-Masters-Tages belohnt.

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Wird fortgesetzt mit weiteren Beiträgen über die Wiener Speech-Masters-Reden.

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Bérénice Hebenstreit und Aslı Kışlal im Gespräch mit KiJuKU, Heinz Wagner

Diversität auf, hinter und rund um Bühnen leben

Zeiten ändern sich, die Stadtgesellschaft hat sich geändert, damit haben das auch die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen getan. Deshalb brauchen sie auch andere, neue Geschichten. Mit diesen Ausgangsüberlegungen will die neue Leitung des Theaters der Jugend ab der übernächsten Saison den Spielplan für das junge Publikum gestalten. Das erzählen neben Aslı Kışlal, über die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schon hier berichtet hat, auch ihre künftige Stellvertreterin Bérénice Hebenstreit im Interview einige Stunden nach der Bekanntgabe in einer Presskonferenz mit Vizekanzler und u.a. Kulturminister Andreas Babler und Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

Sie war es, die die neue Direktorin „ermutigt und unterstützt hat, mich zu bewerben, und mit der ich nun als Team die Leitung übernehmen werde“, wie Aslı Kışlal bei der besagten Medienkonferenz sagte.

Weiterführen und weiter-entwickeln

Damit wollen die beiden aber alles andere als alles über Bord werfen. „Das Theater der Jugend ist eine traditionsreiche Institution. Wir möchten ihre Qualitäten und Stärken bewahren und gleichzeitig ihr Potential weiterentwickeln und neue Impulse setzen“, wiederholt die ab übernächste Saison neue Direktorin einen Satz aus dem Statement bei der medialen Vorstellung.
„Aber wir wollen einiges ergänzen und ändern“, so die beiden.

Auf die Nachfrage was, meinen Hebenstreit und Kışlal einerseits eine kooperativere Haltung anderen Einrichtungen der Stadt, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – von der freien Szene bis hin zu Jugendzentren und andererseits, dass sich mehr Kinder und Jugendliche dieser multikulturellen, pluralistischen, vielfältigen Stadt auch auf der Bühne und in Stücken widergespiegelt erleben können.

Bérénice Hebenstreit und Aslı Kışlal im Gespräch mit KiJuKU, Heinz Wagner
Bérénice Hebenstreit und Aslı Kışlal im Gespräch mit KiJuKU, Heinz Wagner

Fantasie, Empathie, Humor

Das große Haus, Renaissancetheater, dessen Name Kışlal durchaus in Frage stellt, „das ist aber sicher nicht vorrangig“ soll wie bisher vor allem für Kinder da sein. „Für die Jüngsten ab sechs Jahre gibt es aber zu wenig gute Stücke, wobei da deutsche Stadt- und Staatstheater einiges haben. Da sollten wir mehr zusammenarbeiten, uns austauschen, auch Stücke in Auftrage geben. Fantasie anregen, Empathie verbreiten und das alles mit Humor, da sollten wir junge Autorinnen und Autoren heranziehen, die Stücke für diese große Bühne schreiben können. Diese sollten die hiesigen Lebensrealitäten beinhalten. Wir wollen über Diversität nicht reden, sondern sie leben“, postuliert Aslı Kışlal, die das in ihrer bisherigen jahrzehntelangen Arbeit nicht nur, aber vor allem in Wien, auch praktiziert hat. „Das wofür ich jahrzehntelang gearbeitet und gekämpft habe, können wir nun in einem großen Haus umsetzen!“, freut sie sich – und wird beim Interview in einem großen Gastgarten in der Neubaugasse wenige Meter vom Renaissancetheater entfernt, immer wieder von Gäst:innen unterbrochen, um sie zu beglückwünschen.

Offen aufgenommen, gute Übergabe

Das designierte neue Leitungsduo will an Vielem dieser großen, traditionellen Kinderkultur-Einrichtung anknüpfen und betont, „dass wir hier mit offenen Armen aufgenommen worden sind. Obwohl wir erst ab der übernächsten Saison die Verantwortung haben, wurde uns gleich ein Büro eingerichtet, in dem wir arbeiten können.

Viele Mitarbeiter:innen waren auch bei der Pressekonferenz, treffen konnten wir sie vorher leider noch nicht, es sollte ja alles bis dahin geheim bleiben, nur mit dem Leitungsteam hatten wir direkten Kontakt. Aber damit die Mitarbeiter:innen nicht erst aus den Medien informiert werden, haben wir eine Videobotschaft aufgenommen, die alle bekommen haben. Anfang der kommenden Woche haben wir dann noch einen eigenen Termin mit allen.

Direktor Thomas Birkmeir und sein Stellvertreter, der Chefdramaturg Gerald Maria Bauer, haben uns herzlich und kollegial aufgenommen – so sollte s ja auch sein.“ Ist es leider in vielen Häusern nicht wirklich, da gibt es solche, deren Mitarbeiter:innen erst aus Medien von ihrer neuen künstlerischen Leitung erfahren oder wo Übergaben nicht wirklich stattfinden können…

Szenenfoto aus "Vevi" im Vorarlberger Landestheater; Inszenierung: Bérénice Hebenstreit
Szenenfoto aus „Vevi“ im Vorarlberger Landestheater; Inszenierung: Bérénice Hebenstreit

„Arbeit für Kinder hat mich extrem verändert“

Doch nun, da in einem vorigen Beitrag sowie schon öfter über ihre Arbeit auf dieser Seite Aslı Kışlal vorgekommen ist, eeendlich zu Bérénice Hebenstreit. „Seit 2017 arbeite ich als Regisseurin, hauptsächlich im Erwachsenentheater, aber schon auch für Kinder. Das erste Mal als ich für Kinder inszeniert habe, hat mich selber stark verändert. 2019 wurde ich vonm Landestheater Vorarlberg in Bregenz gefragt, ob ich „Vevi“ nach dem Roman von Erica Lillegg inszenieren möchte. Das ist eine österreichische Kinderbuchautorin (1907 – 1988), die erst wieder entdeckt werden muss. Ich würde ihre Vevi die österreichische Pippi Langstrumpf nennen. Anfangs hatte ich Zweifel, ich hab ja noch nie für Kinder ein Stück gemacht.“

KiJuKU will wissen, inwiefern diese Arbeit die Regisseurin verändert hat, noch dazu stark. „Ich hab mir davor dann Vieles angeschaut in verschiedenen Theatern und unter anderem beim Schäxpir-Festival und war extrem beeindruckt vom Niveau und wie ernst das junge Publikum genommen wird. Aber auch davon, dass da vieles für den Dialog mit dem Publikum inszeniert wird, das viel stärker und unmittelbarer reagiert. Diese Arbeit für das große Haus mit 500 bis 600 Kindern hat mich dann eben sehr verändert.“

Szenenfoto aus "Der Nebel von Dybern" von Maria Lazar; Regie: Bérénice Hebenstreit
Szenenfoto aus „Der Nebel von Dybern“ von Maria Lazar; Regie: Bérénice Hebenstreit

Wiederentdeckungen

Hebenstreit erzählt, dass sie so wie sie Erica Lillegg wieder ausgegraben hat – übrigens hat das Kinder- und Jugendtheater Next Liberty in Graz, wo sie selbst die Kunstschule Ortwein besuchte, Vevi in einer eigenen Inszenierung auf die Bühne gebracht – auch Maia Lazar wieder entdeckte und „Die Nebel von Dybern“ für das Theater Nestroyhof / Hamakom inszenierte.

Für ihre Regie von Urfaust/FaustIn and out (Goethe und Elfriede Jelinke) Im Volx Margarethen bekam sie einen Nestroy und war 2021 für den „zerbrochenen Krug“ von Heinrich Kleist“ für einen weiteren nominiert, „das war mein erster Klassiker“.

Im Herbst des Vorjahres inszenierte sie im Theater Erlangen (Deutschland) ihr zweites Kinderstück, Christine Nöstlingers viel zu wenig bekannten Roman „Hugo, das Kind in den besten Jahren“ und nennt den Roman „einen der anarchistischesten von Nöstlinger“.

So wie Aslı Kışlal „Mini-Horror“ von Barbi Marković so inszenierte Hebenstreit „Superheldinnen“ dieser österreichischen Erfolgsautorin.

„Wir kennen uns aber vor allem aus der aktivistischen Arbeit“, meinen die beidem im Gespräch mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… und da vor allem in Sachen „Aufbrechen patriarchaler Strukturen und generell von Machtgefällen leider auch in der Kulturbranche, die oft ja auch andere Ansprüche formuliert.“ So haben sie mit angestoßen, dass es Reports in Sachen Gender und Diversität für Theater geben sollte, „immerhin ist im September des Vorjahres der erste Bericht – für den gesamten Kulturbereich – erschienen“.

Bérénice Hebenstreit und Aslı Kışlal im Gespräch mit KiJuKU, Heinz Wagner
Bérénice Hebenstreit und Aslı Kışlal im Gespräch mit KiJuKU, Heinz Wagner

Aktivistisch für mehr Gerechtigkeit

Gemeinsam mit Angela Heide, Julia Franz Richter, Johanna Rosenleitner, Birgit Schachner und Barbara Wolfram gründeten und betreiben die beiden die Plattform „Kill the Trauerspiel“ – „Für eine lebendige und progressive Kulturarbeit braucht es dringend Geschlechtergerechtigkeit und Diversität auf und hinter den Bühnen… ist eine Initiative, die sich für dieses Ziel einsetzt, indem sie konkrete Schritte initiiert, Allianzen aufbaut und eine Plattform für Austausch bietet“, heißt es auf der entsprechenden Website einleitend – Link am Ende des Beitrages.

Jugendtheater – Jugendarbeit – Theater

„Und das wollen wir natürlich im Theater der Jugend dann auch umsetzen – gendergerechte Aufteilung in Besetzungen, Regie…“, bringt sich nun wieder Aslı Kışlal ins Gespräch ein. „Übrigens, für Jugendliche bezeichnen wir das Theater im Zentrum als verlängertes Wohnzimmer“.

Dort hatte Aslı Kışlal ihre ersten schauspielerischen Erfahrungen nach der Übersiedlung aus der Türkei nach Wien. „Ich hab in Christa Stippingers „wiener blut – keine operette“, einem modernen Romeo-und Julia-Stück gespielt. Da ging’s um Jugendbanden Anfang der 90er Jahre in Wien. Wir hatten Probenbesuche von Streetworkern mit Skinheads ebenso wie von türkischen Jugendbanden. Während ich noch auf meinen Auftritt gewartet habe stand eine Szene im Fokus, wo ein Skinhead einen türkischen Jungen mit dem Kopf in eine Klomuschel taucht, es ertönen Wassergeräusche. Im Publikum saßen zwei ältere Schauspieler:innen, die haben begonnen provokativ zu applaudieren, um die Reaktionen der Zuschauer:innen herauszufordern. Das wurde heftig, 20 bis 30 türkische Jugendliche wollten die beiden, die dann verschwanden, suchen und schlagen. Ich hab die beiden umarmt, geknuddelt und die Szene beruhigt, den Jugendlichen erklärt, dass das eben Schauspieler:innen sind. Das war der Moment, wo ich wusste, ich will Jugendarbeiterin werden.

Bérénice Hebenstreit und Aslı Kışlal im Gespräch mit KiJuKU, Heinz Wagner
Bérénice Hebenstreit und Aslı Kışlal im Gespräch mit KiJuKU, Heinz Wagner

Zuvor aber spielte sie noch in weiteren Jugendstücken, unter anderem „Trainspotting“ (Roman von Irvine Welsh, 1993). „Da gab es viele kritische Stellungnahmen. Der damalige Theater-der-Jugend-Direktor, Reinhard Urbach, hat gesagt: „Wenn die Kirche so laut schreit, dann haben wir was richtig gemacht!“

Aslı Kışlal ging dann in die Jugendarbeit, aber nie weg von Theater und Kultur. Im Verein echo konnten sich Jugendliche vor allem der zweiten Generation von Migrant:innen kulturell betätigen, mit dieser Crew inszenierte sie dann die gesellschaftspolitischen Satiren „Dirty Dishes“ und „Oma frisst“ – siehe den unten verlinkten Bericht…

Bérénice Hebenstreit und Aslı Kışlal im Gespräch mit KiJuKU, Heinz Wagner
Bérénice Hebenstreit und Aslı Kışlal im Gespräch mit KiJuKU, Heinz Wagner

Gegenseitige Kontrolle

„Eigentlich wollten wir uns ja als Team bewerben“, so Hebenstreit zu KiJuKU.at – unter den 40 Bewerbungen gab es auch sieben in Teams. „Doch dann wurde uns gesagt, es sei eine Hauptverantwortliche gewünscht“, fügt die künftige stellvertretende künstlerische Leiterin an. „Wir verstehen das auch als gegenseitige Kontrolle, nicht abzuheben“, so Aslı Kışlal (55) abschließend. „Außerdem vertreten wir auch zwei Generationen“, ergänzt Bérénice Hebenstreit (37)

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Künftige Theater-der-Jugend-Direktorin Aslı Kışlal

Aslı Kışlal: Publikum und Künstler:innen ernst nehmen, Vielfalt leben

„Das Theater der Jugend ist eine traditionsreiche Institution. Ich möchte ihre Qualitäten und Stärken bewahren und gleichzeitig ihr Potential weiterentwickeln und neue Impulse setzen. Kulturelle Teilhabe ist die Voraussetzung für ein soziales und verständnisvolles Miteinander. Kulturelle Bildung ist politische Bildung, die das Demokratieverständnis fördert – beides ist entscheidend für eine funktionierende Stadtgesellschaft. Das lustvolle (Er)leben kultureller Vielfalt auf und hinter der Bühne ist ein Schlüssel, damit sich viele unterschiedliche Menschen angesprochen fühlen und das Theater als das annehmen, was es sein kann: ein Ort, an dem spielerisch, intelligent und sinnlich Erinnerungen geteilt, Erfahrungen gemacht und Ideen für verschiedene Zukünfte eröffnet werden.

Kinderrecht

Ich wünsche mir, dass jedes Kind das Recht hat, Theater zu erleben – unabhängig vom Bezirk, der Schule oder der Familie, aus der es kommt. Das schönste Geräusch ist das Kinderlachen. Noch schöner ist es, wenn tausend Kinder gleichzeitig schreien, weil sie so aufgeregt sind, so berührt, dass sie das Leben feiern. Und es ist kein abstraktes Bild – es passiert im Theater für junges Publikum. Es ist mir selbst passiert bei meinem ersten Familienstück mit 1000 Sechsjährigen, und ich habe geweint.

Ernst nehmen

Zugänge schaffen bedeutet auch, Zugänge für eine junge Generation an Künstlerinnen zu schaffen, sie für Theater für junges Publikum zu begeistern und Talente zu fördern. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Theater für junges Publikum als eine ernstzunehmende Kunstbranche etabliert wird – mit den Institutionen, die dafür zuständig sind: Theaterwissenschaften für Dramaturgie, Konservatorien und Universitäten für Schauspiel und Regie, bildende Kunst für Bühnenbild und Kostüme. Auch für junge Autorinnen werde ich Rahmenbedingungen schaffen, damit sie große Stücke für kleine Zuschauer*innen schreiben können. Damit diese überall gespielt werden können, wollen wir andere Häuser ins Boot holen – mit Koproduktionen, Kooperationen und Netzwerken. Es ist eine große Aufgabe.

Künftige Theater-der-Jugend-Direktorin Aslı Kışlal
Künftige Theater-der-Jugend-Direktorin Aslı Kışlal

Gelebte Diversität

Ich habe eine Vision von einem Theater, das die gelebte Diversität der Kinder auf die Bühne bringt. Wer erzählt welche Geschichten für wen? Das, was ich seit vielen Jahren hinterfrage, wird hier Realität. Wir werden die Jugendlichen mit ihren Geschichten abholen, damit sie sich nicht allein fühlen. Und dabei werden wir den Humor nicht vergessen, denn er ist die beste Medizin.

Die Institution soll eine lernende Institution werden, und ich eine lernende Leiterin.

Mit Respekt und Freude sage ich: Ja, ich will!“

Doppelseite aus "Finja und der Riese"

Finja und der „kleine“ sowie der große Riese und noch viel mehr

Finja hat einen liebevollen Vater. Auch wenn er König ist, nimmt er sich täglich Zeit fürs gemeinsame Frühstück und am Ende des Tages, um der Tochter vorzulesen.

Allerdings macht er sich so große Sorgen um die Sicherheit – des Landes und seiner Tochter -, dass er sie in ihrem Zimmer nachts einsperrt und die Fenster vergittert sind. Da hilft auch der Humor von Finja nichts: „Papa, ich hole gleich ein Bügeleisen und bügle deine Sorgenfalten glatt.“

Doppelseite aus "Finja und der Riese"
Doppelseite aus „Finja und der Riese“

Gefangene Geheimnisse

Überhaupt ist dem Autor (auch Puppenspieler und Sonderpädagoge) Stefan Karch, der sein Buch „Finja und der Riese“ auf fast jeder Seite mit einer meist feingliedrigen Zeichnung versah, in praktisch jedem der kurzen, leicht lesbaren 19 Kapitel mindestens eine spannende, oft blumige Formulierung eingefallen. Beispiele gefällig?

„Der Kummer windet sich um seinen Hals wie ein Schal. Der wird sich noch verknoten! …“
Unten (im Keller, Anmerkung der Redaktion) angekommen, fühlt sich die Luft schwer an. „Voller gefangener Geheimnisse“, flüstert Finja. Hier ist der Sohn des Riesen in einem Käfig eingesperrt.

Angst vor Fremden

Die Riesen im Wald würden das Land bedrohen – geht das Gerücht um. Und um das Land und sein Volk zu schützen hat der König den genannten jungen Riesen gefangen nehmen und einsperren lassen. Denn dann, so der Sicherheitsglaube…

Doch das geht Finja gegen den Strich. Noch dazu, wo sie es geschafft hat, mit dem gefangenen Buben zu reden. Eben ein Kind einzusperren, das ist nicht fair, nicht gerecht – (emp-)findet sie und so ersinnt sie einen Trick, um aus ihrem Hochsicherheits-Zimmer zu entkommen, macht sich auf in den Wald und … – nein, das große Spannungsmoment sei hier nicht verraten.

Doppelseite aus "Finja und der Riese"
Doppelseite aus „Finja und der Riese“

Listig gegen Vorurteile

Nur so viel, sie hat sich eine List ausgedacht, ihren Vater dazu zu bewegen, umzudenken. Auch wenn ihm das nicht leicht fällt, weil viele seiner Untertan:innen gar nicht einverstanden sind, dass er dem Rat seiner Tochter folgt, und den jungen Riesen menschlich behandelt… „Kuckuckskind“, „Riesenbalg“ oder gar „dreckige Kakerlake“ beschimpfen sie ihn.

Märchen mit ernstem Hintergrund

Märchenhaft angelegt, erzählt und sehr szenisch geschrieben (schreit fast nach einer Theaterversion!), verpackt der Autor und Illustrator durchaus aus dem (gesellschafts-)politischen Alltag bekannte Phänomene – ohne dass diese aufgesetzt oder gar überstülpend wirken.  

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Titelseite des Buches "Finja und der Riese"
Titelseite des Buches „Finja und der Riese“
Szenenfoto aus "Robin Hood" im Linzer Theater des Kindes

Mit Pfeil und Bogen gegen jene, die in Goldmünzen baden

Gezwitscher, Pfeifen und fast Gesänge unterschiedlichster Vögel ertönen im Theater des Kindes. Noch sind die drei Schauspieler:innen nicht zu sehen, aber ihre kunstvollen Stimmen, die Geräusche des Waldes auf die Bühne und in den Publikumsraum zaubern zu hören. Der Wald, genauer Sherwood Forest im englischen Nottinghamshire, ist das Zuhause des berühmtesten Umverteilers der Literatur, des legendären Robin Hood.

Szenenfoto aus "Robin Hood" im Linzer Theater des Kindes
Szenenfoto aus „Robin Hood“ im Linzer Theater des Kindes

Dagobert-Duck-Bad

Seit Kurzem läuft in diesem Linzer Theater „Die Geschichte des Königs der Diebe neu erzählt“ (Stück und Regie: Christian Himmelbauer). Neu ist jedenfalls, dass mit Lena Matthews-Noske eine Frau in die Rolle Robin Hoods schlüpft. Locker und leichtfüßig wird die Geschichte mit dem habgierigen Möchtgern-König John, dem Bruder des abwesenden Königs Richard Löwenherz, dessen fast noch hartherzigeren Unterläufels, dem Sheriff von Nottingham, gespielt.

Hin und wieder mit so manchem Augenzwinkern. Etwa wenn John eine von mehreren Holzkisten, die im Wesentlichen das Bühnenbild ergeben (Ausstattung: Isabella Reder) zu einer Wanne umfunktioniert und er in Dagobert-Duck-Manier in Goldmünzen badet.

Szenenfoto aus "Robin Hood" im Linzer Theater des Kindes
Szenenfoto aus „Robin Hood“ im Linzer Theater des Kindes

Zwei in vielen verschiedenen Rollen

Während Lena Matthews-Noske ausschließlich Robin Hood charmant, sympathisch, zielstrebig und kämpferisch spielt, schlüpfen ihre beiden Kolleg:innen in viele Rollen. Katharina Schraml ist nicht nur der böse Sheriff, sondern gibt auch einige der bekannteren Mitglieder von Hoods Bande, den kirchlichen Bruder Tuck, die feine Will Scarlett, den ganz jungen Müllersohn, aber auch Lady Marian. Zwischen ihr und Robin liegt ein Knistern in der Luft, auch wenn beide jeweils heftig abstreiten, aneinander Gefallen zu finden. Wenngleich schon dabei immer mit Spielraum, dass da doch was sein oder werden könnte, was mehr ist, als gemeinsam Reiche zu überfallen, um geraubtes Geld an Arme zu verteilen.

Dritter im Bunde ist Christian Lemperle, der einerseits den dümmlich, machtgierigen Prinz John spielt, der sich gekonnt ein bisserl tollpatschig die Königskrone aufsetzt. Andererseits ist er einer der ersten und treuesten Hood-mitkämpfer Little John und obendrein noch Alan von Dale, der so gerne Liebeslieder auf einer Laute spielen würde. Zum Leidwesen aller anderen aus der Bande. Hin und wieder gibt es dann allerdings schon Musik (David Wanger) und Gesang des Trios.

Szenenfoto aus "Robin Hood" im Linzer Theater des Kindes
Szenenfoto aus „Robin Hood“ im Linzer Theater des Kindes

„Nebenbei“ große Fragen

Fast nebenbei und doch zentral schwingen in dieser rund einstündigen locker-leichten Inszenierung so schwere Fragen mit wie das ist mit großen Gräben zwischen Reich und Arm. Die einen, die in Goldmünzen baden, von goldenem Klopapier träumen. Letzteres erinnert an die Legende von König Midas, bei dem alles Gold wird, was er angreift. Bis er schmerzhaft draufkommt, dass er dann auch nichts mehr essen oder trinken kann. Auf der anderen Seite die verarmte Bevölkerung, die für diesen Reichtum unter immer neuen Steuerlasten leidet und selber sozusagen nur mehr zum viel zum Sterben, aber zu wenig zum Leben hat.

Aber, so thematisieren die drei Schauspieler:innen auch in der Rolle ihrer Figuren im Stück, ist es dennoch überhaupt okay, dass jemand wie Robin Hood mit seiner Crew auf eigene Faust durch Überfälle und Diebstahl versucht, so etwas wie eine Art ausgleichende Gerechtigkeit herzustellen? Wer bestimmt überhaupt, was gerecht ist? Und wer legt Steuern und deren Höhe fest…

Szenenfoto aus "Robin Hood" im Linzer Theater des Kindes
Szenenfoto aus „Robin Hood“ im Linzer Theater des Kindes

Ungleichverteilung in Österreich besonders krass

Recht krass – aber „nur“ im Hintergrundmaterial des Theaters allerdings mit mehr als zehn Jahre alten Zahlen für Österreich, jüngere, etwa übersichtlich beim Momentum-Institut zeigen, in Österreich ist sind Vermögen besonders ungleich verteilt:

„Im Eurozonen-Vergleich liegt Österreich auf Platz 1 der Ungleichverteilung. Die reichsten fünf Prozent der Haushalte besitzen hierzulande mit 55 Prozent mehr als die Hälfte des privaten Nettovermögens. Das ist der höchste Anteil unter den zwanzig Ländern der Eurozone und 12 Prozentpunkte mehr als der Eurozonen-Durchschnitt.

Beim Unternehmensvermögen liegen ganze 95 Prozent in den Händen des reichsten Zehntels. Das zeigt eine Auswertung des Momentum Instituts der neuesten Datenaktualisierung der Distributional Wealth Accounts (Vermögensverteilungs-Konten) der Europäischen Zentralbank…

Während die reichsten 5 Prozent in Österreich überdurchschnittlich viel besitzen, haben die ärmsten 50 Prozent der Haushalte unterdurchschnittlich wenig Vermögen. Der Anteil der ärmeren Hälfte der Haushalte beläuft sich auf nicht einmal 4 Prozent und liegt damit unter dem Durchschnitt der Eurozone (5 Prozent). Nur in Deutschland besitzt die ärmere Hälfte noch weniger (2 Prozent).

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momentum-institut -> oesterreich-hat-hoechste-vermoegensungleichheit-im-euroraum

Freidensatlas - Landkarte mit Markierungen für Initiativen in Sachen Frieden in vielfältiger Form

Österreich hat einen Friedensatlas

Weihnachten wird – nicht mehr so – oft als „Fest des Friedens“ bezeichnet. Die meisten Menschen wollen wohl in Frieden leben. Und doch gibt es immer irgendwo Kriege auf der Welt. Gefühlt hat sich Kriegsgefahr in den vergangenen Jahren erhöht, zumindest ist sei Europa (wieder) näher gerückt. Angesichts des von Putin angeordneten Überfalls auf das Nachbarland Ukraine einer- und der militärischen Eskalation im Nahen Osten –Hamas-Terror-Überfall in Israel; Tötung zehntausender Palästinenser:innen im Gaza-Streifen scheinen Friedensbewegte so etwas wie ohnmächtig.

Und dennoch gibt es sie – unterschiedliche und gar nicht so wenige Friedensinitiativen auf verschiedenster Ebene.

Landkarte mit Markierungen

Kaum, oder zumindest zu wenig, bemerkt von der Öffentlichkeit startete im August die Homepage Friedensatlas – Link am Ende des Beitrages.

Die Landkarte markiert Initiativen und Persönlichkeiten, die sich verschiedensten Feldern zivilgesellschaftlich für friedliches Zusammenleben einsetzen, dazu gehören

Homepage des Aktionsbündnisses für Frieden, aktive Neutralität und Gewaltfreiheit
Homepage des Aktionsbündnisses für Frieden, aktive Neutralität und Gewaltfreiheit

Aktionen, Projekte, Bildungseinrichtungen, Konferenzen usw. Und dokumentiert eine Breite, weil Friede auch soziale Gerechtigkeit braucht, Umwelt ebenso umfassen muss wie Genderfragen. „Der erste Friedensatlas Österreichs ist schließlich auch ein Verzeichnis der „Best Practices of Peace“. Der Atlas verortet österreichweit mutige Friedenshandlung, Friedenszeichen, Friedensgemeinden sowie friedensfördernde Handlungen, wie gewaltfreier Widerstand gegen Unrecht und Gewalt, Bildungsprojekte, wegweisende Gesetzesänderungen und vieles mehr“, heißt es auf der Homepage.

Support für Initiativen

Dort sind auch die Ziele u.a. so beschrieben: „Der Friedensatlas soll dazu beitragen, mutige Friedenshandlung, Friedenszeichen, Friedensgemeinden sowie friedensfördernde Handlungen, wie gewaltfreier Widerstand gegen Unrecht und Gewalt, Bildungsprojekte, wegweisende Gesetzesänderungen und viele mehr zu verorten.

Der Atlas soll die Benutzerinnen und Benutzer ermutigen, selbst friedensfördernde Handlungen bewusst in ihrem Alltag einzubauen, selbst zu recherchieren und schließlich auch eigene (Friedens)Projekte zu gestalten. AbFaNG und andere Friedensorganisationen bieten dabei Unterstützung… und endet mit wohl DER Hymne – von John Lennon und Yoko Ono: „Give Peace a Chance!“

kijuku_heinz

friedensatlas.at

abfang.org -> friedenskalender/

Szenenfoto aus "Rosa Riedl, Schutzgespenst" nach dem Buch von Christine Nöstlinger im Dschungel Wien

Heimliche Helferin gegen Ängste und für Gerechtigkeit

In der Bühnenversion von „Rosa Riedl Schutzgespenst“ von Christine Nöstlinger, die bis Ende des Jahres 2024 im Dschungel Wien gespielt wird, lebt Anstasia, genannt Nasti, allein mit ihrem Vater; im Gegensatz zum vor 45 Jahren mit dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichneten rund 200-seitigen Buch der preisgekrönten Autorin (1936 – 2018).

Kern der Geschichte ist und bleibt aber: Die rund 11-Jährige – gespielt von Pippa Fee Rupperti – hat sehr viel Angst – im Gegensatz zu ihrer Freundin Tina (Pilar Borower, die gegen Ende noch in die Rolle von Berta, der Haushälterin von Ing. Filzmeier schlüpft). Vielleicht liegt’s daran, dass Tina um ihren Hals ein Ketterl mit Schutzengel hat. Ein solches hätte Nasti auch gern. Eines Tages aber taucht bei ihr – vom Dachboden – ein Schutzgespenst auf.

Szenenfoto aus "Rosa Riedl, Schutzgespenst" nach dem Buch von Christine Nöstlinger im Dschungel Wien
Szenenfoto aus „Rosa Riedl, Schutzgespenst“ nach dem Buch von Christine Nöstlinger im Dschungel Wien

Helferin

Rosa Riedl, die einst hier lebte, wurde von einer Straßenbahn tot gefahren, als sie die Straße überqueren wollte. Das war 1938. Rosa Riedl wollte schnell über die Straße laufen, um einzuschreiten. Zwei Nazis von der SA (Sturmabteilung) hatten den jüdischen Uhrmacher Fischl getreten und beschimpft. Alle Leute rundum haben nur zugeschaut, schlimmstenfalls die Schläger noch angefeuert.

Titelseite des Buches bzw. eBooks von Christine Nöstlinger "Rosa Riedl Schutzgespenst"
Titelseite des Buches bzw. eBooks von Christine Nöstlinger „Rosa Riedl Schutzgespenst“

Aus dem Buch

„Da ist in mir die Wut und der Zorn und die Empörung ganz heiß und rot und wild aufgestiegen. Ich wollt hinüber über die Straße. Ich wollt dem Fischl helfen. Ich wollt denen, die keine Nazis waren, sagen, dass wir was tun müssen, dass es so was nicht geben darf. Und da bin ich über die Straße hinüber, ohne zu schauen. Die Straßenbahn hat leider nicht so schnell bremsen können. ›Herr Fischl‹, hab ich noch gerufen, ›Herr Fischl, ich komm ja schon!‹ Aber ›So helfts ihm doch!‹ hab ich nimmer rufen können“, steht darüber in Nöstlingers Buch.

Szenenfoto aus "Rosa Riedl, Schutzgespenst" nach dem Buch von Christine Nöstlinger im Dschungel Wien
Szenenfoto aus „Rosa Riedl, Schutzgespenst“ nach dem Buch von Christine Nöstlinger im Dschungel Wien

Gespenst

Die tote Frau wurde zu einem guten Geist, lebte auf dem Dachboden – und Jahrzehnte später verspürte Rosa Riedl wieder das dringende Bedürfnis, zu helfen. Dieses Mal der Nasti gegen verschiedene ihrer Ängste. Ihr gibt sie sich zu erkennen. Im Buch kann sie sich höchstens für einige Momente „materialisieren“, in der Bühnenversion (Regie: Anna Horn) gelingt ihr das viel länger und öfter, aber nur gegenüber von Kinder– was fürs Schauspiel natürlich einfacher ist als unsichtbar in den Szenen zu agieren. Dieses Schutzgespenst spielt Caroline Koczan in einer herzlichen Art mit einem Schuss Nöstlinger’scher Herbheit „Ja, Madl…“

Den Vater, einen Beamten im (Unterrichts-)Ministerium gibt Wolfram Rupperti, der später auch den Ing. Filzmeier spielt, der ein Truhe kauft, in der sich die Rosa Riedl wegen des Patschuli-Geruchs gelegt hat.

Szenenfoto aus "Rosa Riedl, Schutzgespenst" nach dem Buch von Christine Nöstlinger im Dschungel Wien
Szenenfoto aus „Rosa Riedl, Schutzgespenst“ nach dem Buch von Christine Nöstlinger im Dschungel Wien

Komplikationen

Natürlich ist das nicht so einfach mit dem Angst-Abbau Nastis. Das Auftauchen des Schutzgespensts sorgt für so manche Verwirrung – was zu köstlichen Szenen samt vielen Lachern im Publikum sorgt. Und es kommt zur dramatischen Situation, wie oben angedeutet, dass die Truhe weit weg ans andere Ende der Stadt verfrachtet wird. Rosa Riedl, das weiß Nasti, hat zudem Platzangst.

Außerdem kommt’s zum heftigen Streit zwischen Nasti und ihrer besten Freundin, weil erstere nun viel Zeit mit Rosa Riedl verbringen will, was natürlich lange ihr Geheimnis bleiben muss… Aber natürlich Happy End. Nun aber, wo Nasti die meisten ihrer Ängste los ist, findet Rosa Riedl, dass sie woanders mehr gebraucht würde. Und da keimt in der Jugendlichen ganz schön viel Eifersucht und Egoismus auf, aber auch das… Immerhin gibt ja Nasti selbst der Rosa Riedl den Tipp, dass ihre Mitschüler Hannes, der offenbar zu Hause nicht liebevoll behandelt wird, dringend Hilfe benötigen würde.

Szenenfoto aus "Rosa Riedl, Schutzgespenst" nach dem Buch von Christine Nöstlinger im Dschungel Wien
Szenenfoto aus „Rosa Riedl, Schutzgespenst“ nach dem Buch von Christine Nöstlinger im Dschungel Wien

Miniatur-Zimmer werden groß

Die Inszenierung im Dschungel spielt auf zwei Ebenen. Neben dem Schauspiel wird so manches mit Miniatur-Figuren – Ebenbilder der Bühnenakteur:innen und liebevolle Detail-Utensilien – in Kasteln und Laden gespielt, gefilmt und live groß projiziert (Ausstattung: Petra Schnakenberg; Mitarbeit: Ida Bekić). Die Filmer:innen sind die Schauspieler:innen selbst – immer, wer grad nicht zentral in der jeweiligen Szene dran ist.

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Szenenfoto aus "Der König, der alles hatte"

Der Alles-haben-Woller und die Gerechtigkeit

Die ganze Bühne eine schräge Bettfläche weiß mit dünnen roten Strichen, die ein groß-kariertes Muster ergeben. Mittendrin ein üppiger König mit kleiner roter Krone. Der zählt Pölster – „61, 62, 63, 61, 64, 65“. Zeigt sich verwundert. Zählt noch einmal und noch einmal. Ist verärgert. Er hatte doch 66 Kissen, irgendwer hat wohl eines geklaut. Der König trägt einen außergewöhnlichen Namen, der schon den Kern der Geschichte aussagt: „Die Schachtel, die alles hat, alles darf und nichts muss“.
Und alles heißt, wenn er 66 Pölster hatte, dann will er genau die haben und nicht einen weniger.

Folgerichtig schreit er herrschsüchtig nach dem Diener. Auch der heißt nicht alltäglich: Törtchen, stets zu Diensten. Natürlich kommt der für des Königs Geschmack zu langsam – und darf nicht wirklich die Wahrheit sagen, dass sich sein und aller Herren verzählt hat. Muss also los, um ein 66. Kissen aufzutreiben.

Szenenfoto aus "Der König, der alles hatte"
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Schachteldrama

Soweit der Beginn des Stücks „Der König, der alles hatte“ im Grazer Jugendtheater Next Liberty. Verena Richter, Kabarettistin, Musikerin und Autorin hat es geschrieben unter dem Titel „Schachteldrama“ – vor drei Jahren im Rahmen des Retzhofer Dramapreises, in einer Kombination aus Workshops und Wettbewerb. Und ihr Text ist mit Wortwitz(en) gespickt, nicht wenige eher für erwachsenes (Begleit-)Publikum.

Szenenfoto aus "Der König, der alles hatte"
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Dir fehlt was

Zurück zur nunmehrigen Inszenierung (Regie: Anja Michaela Wohlfahrt). Während also der König (Martin Niederbrunner), der alles für sich haben will, dabei aber nicht nur beim Zählen ein bisschen dümmlich wirkt und sein Diener (Helmut Pucher), der nie an den Aufträgen verzweifelt und heiter bleibt, um den 66. Polster eilen will, läutet es an der Tür (EU-Hymne). Eine Gästin von weit her – jenseits der Schuldenberge, hinter den Gierschluchten aus einem Land, wo die Menschen (fast) nichts haben. Darauf weist Cassandra Schütt die „Schachtel, …“ hin. Dieses Ungleichgewicht von Reichtum und Armut führt aber auch dazu, so die Gästin, dass dem König doch etwas fehle: Gerechtigkeit.

Hoppla, das kann doch nicht sein, dass der Herrscher nicht alles hat. Hat er doch nicht nur 66 Pölster, 12 luxuriöse Badewannen, einen vorderasiatischen Rückenkratzer, sondern sogar königsblaue Eierschalen-Sollbruchstellen-Verursacher… Aber tatsächlich, auf der Liste seines Hab und Gutes gebe es kein Gereuchtigbumms. Also müsse er auch das haben.

Szenenfoto aus "Der König, der alles hatte"
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Verkäufer für alles …

Da trifft es sich gut, dass wieder die Europa-Hymne erklingt; ein Paket wird geliefert. Überzeugender Überzeuger (Simone Leski) mit Jacqueline, der Krawatte der Überzeugung um den Hals, üppig kostümiert (Ausstattung: Helene Payrhuber), trifft ein.
Endlich Gerechtighummsdipummsdi?
Naja, doch irgendwie nicht.

Szenenfoto aus "Der König, der alles hatte"
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Einen Bewunderer braucht er mindestens

Die Figur tritt in der Folge noch zwei Mal auf – immer anders, ziemlich schräg kostümiert, um angeblich so ein Gerecht-, Gereucht, also so was zu bringen, das die Schachtel noch nicht hat. Und verlangt dafür immer mehr. Beim zweiten Mal den Diener – den will der König nicht hergeben. Dann bliebe ja gar keiner mehr, der ihn bewundern und bedienen könne – wobei da schon ein bisschen mitschwingt, dass er auch nicht ganz allein bleiben will.

Zuletzt ist der König bereit zu zahlen „koste es, was es wolle“. Bühne wird leer geräumt. Doch nicht ganz, einen Polster hält er noch in Händen – und den teilt er sich nun als Sitzgelegenheit mit Törtchen, stets zu Diensten.
Happy End, Vorhang zu. Applaus.

Szenenfoto aus "Der König, der alles hatte"
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Ansatzlose Veränderung

Ob zuvor die einkassierten Kissen als Symbol für alles, überhaupt an die Armen im Land der Gästin jenseits der Gierschluchten gehen oder erst recht nur an einen anderen Gier-Raffer, den überzeugenderen Überzeuger? Und wie der König sich überhaupt veränderte? In der Stunde, oder vielleicht auch nur den 55 bis 58 Minuten vor dem geteilten Polster, ist keine wirkliche Entwicklung erlebbar. Mehr oder minder bleibt die Schachtel in ihrer alles haben wollen-Mentalität. Da braucht’s eben auch das Gerechtigkeitsdings. Womit die drei Aufritte der fantasievoll ausgestatteten Überzeugenderen Überzeuger dennoch more of the same (mehr vom Gleichen) bleiben – und in etwa ab der Hälfte des Stücks ein Gutteil des Kinderpublikums unruhig zu werden beginnt.

Außerdem schwebt über dem Polster-Teilen nicht nur ein neues Königs-Gefühl, sondern vielleicht eher noch das alte: Ich will wenigstens einen Bewunderer und Diener.

Szenenfoto aus "Der König, der alles hatte"
Szenenfoto aus „Der König, der alles hatte“

Live-Musiker

Neben dem Wortwitz aus dem Text und dem Spielwitz der Schauspieler:innen ist unbedingt noch der Live-Musiker Reinhard Ziegerhofer zu erwähnen. Mit Gitarre, Kontrabass, den er an passenden Stellen zum Percussion-Instrument umfunktioniert und Melodica ist er ständig auf der Bühne präsent. Als „Teil des Ganzen“ kriegt er manches Mal vom König Anweisungen, dass er schneller oder anders zu spielen habe. Und dennoch vermittelt er eine gewisse Unabhängigkeit.

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Reaktion der Autorin

Etliche Tage nachdem diese Stückbesprechung erschienen ist, meldete sich Autorin Verena Richter und meinte in einer eMail: „Ich teile in vielen Punkten deine Ansicht. Auch ich finde u.a., dass keine Entwicklung stattfindet und das Stück ab der Hälfte stagniert. Ich habe das Bedürfnis dir zu schreiben, dass an meinem Text ohne mein Wissen Änderungen vorgenommen wurden, Teile gestrichen und an anderen Stellen Text hinzugefügt wurde, der nicht von mir stammt.“

Compliance-Hinweis: Das Dramatiker:innen-Festival in Graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… zur Berichterstattung eingeladen.

Zwei der hier beschriebenen Kurz-Versionen sind beim Festival am Freitagvormittag im taO! zu sehen

Die jugendlichen Interviewpartner:innen von KiJuKU posen im Schulhof für Fotos

Mehr Bildungs-Chancen durch kostenlose Kurse und Workshops

Ein Tanz-Workshop wäre super, oder ein Experimentierkurs, oder der Besuch eines Theaterstücks mit anschließendem Schauspiel-Workshop oder ein Kurs mit einem BeatBoxer oder einer Rapperin; vielleicht auch ein spannender Ausflug, eine interessante Exkursion…

Nicht zuletzt angesichts der Teuerung, sondern schon seit vielen Jahren scheitern – für viele Klassen – solche Angebote an der Kohle. Nicht alle Eltern haben neben den üblichen Kosten noch dazu zu Schulbeginn noch da mal zehn, dort gar 20 Euro für Extras, von externen Anbieter:innen, die wiederum ihre Mitarbeiter:innen anständig zahlen wollen.

655 Euro pro Klasse

Unter dem Titel „Mehr Chancengerechtigkeiten für Wiens Pflichtschulen“ gibt es nun ein Sonderbudget der Stadt Wien für solche Aktivitäten (4 Millionen Euro). Jede Schule bekommt ein Budget, das sie selbst verwalten kann. Dieses sieht 655 € pro Klasse und Schuljahr vor, das schulintern auch umgeschichtet werden kann. WienXtra hat eine Plattform erstellt, auf der aus Angeboten ausgewählt werden kann. Alle Anbieter:innen wurden zuvor fachlich geprüft – und sie müssen ein eigenes Kinderschutzkonzept haben.

Schüler:innen bestimmen im Klassenrat mit

Vorgestellt wurde dieses Programm am Montag um die Mittagszeit im Hof der Mittelschule mit Dual-Language-Programm in der Pazmanitengasse (Wien-Leopoldstadt). Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte schon vor dem Medientermin mit den bei dieser Gelegenheit anwesenden Schüler:innen sprechen.

Soraya Filca aus der 3b konnte berichten: „Wir hatten schon am Freitag Klassenrat, wo wir das begonnen haben zu besprechen, welche Kurse wir machen wollen. Bei Boxen haben fast alle aufgezeigt, bei anderen wie #Love gab’s viel peinliches Gelächter. Aber ich fände das auch wichtig. Boxen selber mag ich, ich boxe schon seit einiger Zeit immer zu Hause in Kissen, wenn ich wütend bin.

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Breite Palette

Das Trio aus der 4 a – David und Marko Lecjaks – „wir sind Zwillinge, nein eigentlich Drillinge, weil den und Omar Hmouni haben wir adoptiert“ – hatten zu diesem Zeitpunkt den Klassenrat noch vor sich. Diese schulparlamentarische Einrichtung gibt es seit diesem Herbst in dieser Schule nun in jeder Klasse, davor noch nicht in allen. Schon bei den drei Jungs ist die Bandbreite der Interessen groß – zwei nennen Sport als Wunsch-Kurse, einer „lieber naturwissenschaftliche Experimente.“ Und alle drei könnten auch einem Graffiti-Workshop einiges abgewinnen oder irgendwas mit 3D-Druck…

Für Jessica Lemoshe aus der 2b ist alles noch neu – „wir haben jetzt erst zum ersten Mal einen Klassenrat und es daher noch nicht besprochen. Ich selber zeichne sehr gerne und viel, egal ob mit Blei- oder Bunt- und Filzstiften oder Malfarben. Aber ich möchte auch gern Sport machen.

Als sich die Jugendlichen – samt Direktorin Gabriele Ernst und die künfitge mindestens interimistische Leiterin Jana Zemann – im Hof, umgeben von Tomaten- und anderen Pflanzen für den Pressetermin – und entsprechende Fotos – bereitmachen, meint Soraya Filca zum Journalisten noch, „ich spiel auch gern Klavier“, und schon verschwinden wir zur Schulwartin, die den Festsaal aufsperrt, wo die 13-Jährige die Tasten zum Klingen bringt. „Ich spiel noch nicht lange und nicht nach Noten, ich schau’s und hör’s im Internet an, lern es und spiel’s dann auswendig.“

Mehr Bildungs-Chancen

Bildungsstadtrat und Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr sowie wienXtra-Geschäftsführer Vucko Schüchner stellten dann einige Details des Programms für mehr Chancengerechtigkeit an Wiener Schulen vor, die Kindern und Jugendlichen ermöglichen an externen Angeboten teilzuhaben, die Anbieter:innen krieg ihr Geld, die Schüler:innen – bzw. ihre Eltern ersparen sich die Kosten.

„Die Wiener Bildungschancen sind eine entscheidende Säule der Bildungsoffensive in Wien und ergänzen den regulären Schulbetrieb durch einen umfangreichen Warenkorb, der qualitätsvolle Angebote für Schulen und Eltern kostenlos macht. Neben dem interschulischen Know-How ist die außerschulische Expertise eine ganz wesentliche Ressource, um Schulen positiv zu gestalten, Lerninhalte erlebbar zu machen und jungen Menschen damit mehr Chancen zu ermöglichen. Durch diese kostenfreien Workshops schaffen wir mehr Chancengerechtigkeit – denn sie stehen allen Schülerinnen und Schülern an Wiens allgemeinbildenden Pflichtschulen ab sofort zur Verfügung.“

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