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Szenenfoto aus "Maria und die Fledermaus" im Theater am Werk, Meidling
Szenenfoto aus "Maria und die Fledermaus" im Theater am Werk, Meidling
02.10.2026

Musikalisch, tänzerisch, spielfreudiger Aufstand der Tiere

„Artenübergreifendes“ Singspiel „Maria und die Fledermaus“ begeistert mit viel Spielwitz und lässt doch Lachen mitunter im Hals stecken.

Seit gut 4½ Jahrzehnten tummeln sich singenden und tanzende Katzen auf Musicalbühnen Mitteleuropas und der USA mit riesigem Publikums-Zuspruch. „Cats“ von Andrew Lloyd Webber mit Texten aus T. S. Eliots Gedichten aus „Old Posum’s Book Of Practical Cats und dort noch nicht veröffentlichten Reimen lief im New London Theatre mehr als 20 Jahre mit 9000 Vorstellungen und nicht viel weniger lang am New Yorker Broadway. Und auch in Wien war es erst im Theater an der Wien, dann im Ronacher viele Jahre ein von Publikumsmassen gestürmter Renner.

2020 in der Phase zwischen den Lockdowns erblickte im Wiener Off-Theater „Cows – das Musical“ das Bühnenlicht. Und zwei Jahre nach tanzenden und singenden Kühen, ließ ein ebenfalls in Wien arbeitendes freies Produktionsteam Pferde in einem „Anti-Musical“ als Hauptfiguren auftreten – natürlich in allen Fällen nicht wirklich Tiere, sondern Darsteller:innen in deren Rollen schlüpfen.

Szenenfoto aus "Maria und die Fledermaus" im Theater am Werk, Meidling
Szenenfoto aus „Maria und die Fledermaus“ im Theater am Werk, Meidling

„Horses“-Team

Ungefähr in derselben (Corona-)Zeit als Splitscreen Entertainment (Text: Johannes Schrettle, Musik und Inszenierung: Imre Lichtenberger Bozoki an der schrägen „Horses“-Story arbeiteten, tauchten beim selben Team erste Ideen eines noch viel abgefahreneren „Singspiels“ – zwischen Musical und Operette“ rund um eine Fledermaus auf. DAS angebliche Bösewicht-Tier, das den Virus, der weltweite Lockdowns auslöste, aus einem Labor über einen Tiermarkt im chinesischen Wuhan auf Menschen übertragen haben soll.

Nun läuft Maria und die Fledermaus im Meidlinger Haus von Theater am Werk. Maria ist Tierärztin (Michaela Bilgeri) mit sprechender, eigenwilliger Hündin namens Zuki, als Abkürzung für Zukunft (Martin Hemmer, der auch – gemeinsam mit Imre Lichtenberger Bozoki für Kompositionen und musikalische Leitung sorgt).

Szenenfoto aus "Maria und die Fledermaus" im Theater am Werk, Meidling
Szenenfoto aus „Maria und die Fledermaus“ im Theater am Werk, Meidling

Kranke Tiere

Wie das so ist in und rund um eine tierärztliche Praxis zieht sie unterschiedlichste erkrankte Tiere an – Schildkröte Camilla und Igel Sam (Suse Lichtenberger), Meerschweinchen Merino (Alice Peterhans, die auch noch zwei verschiedene Fraue(rl)n spielt). Zum Inventar gehört aber auch eine wandernde, sprechende Stehlampe (Sebastian „Cosbo“ Hiti). Und natürlich darf die titelgebende Fledermaus nicht fehlen –  Rocky, ein Flug- und Fledermaus-Hybrid (Lucia Miorin). Ursprünglich war geplant, dass Barbi Marković auch eine Rolle übernehmen sollte. Da sie keine Zeit hatte, verfasste sie aber einen Brief an ihr Zwillings-Meerschwein-Geschwisterchen, der nach der Pause verlesen wird.

Und dann ist da noch Rocky. Schlägt ein wie eine Rakete die Aufstand und Rebellion ankündigt. Im Idealfall, so der Plan, wenden sich alle Tiere der Welt gegen die Herrschaft der Menschen. Immerhin haben die mit der von ihnen erzeugten Klimakrise und anderen Umweltzerstörungen, das Gleichgewicht des Planeten zerstört.

Szenenfoto aus "Maria und die Fledermaus" im Theater am Werk, Meidling
Szenenfoto aus „Maria und die Fledermaus“ im Theater am Werk, Meidling

Spielfreude

So ernst das Thema, so witzig, schräg, überdreht spielen, singen, tanzen, musizieren die Mitwirkenden, wenngleich trotz Kurzweiligkeit und vielen Lachmomenten mit 2½ Stunden (eine Pause) ein bisschen zu lang. Aber andererseits, vieles würde man nicht missen wollen, was die Genannten spielen – und dazu Live-Musik – Hammond-Orgel: Valeria Lanner, Klavier: Anna Maria Schnabl (Premiere und noch am 10. Oktober 2026) bei den anderen Vorstellungen: Bernhard Höchtel.

Konzept & Idee hatten Johannes Schrettle, der auch die Texte schrieb und Imre Lichtenberger Bozoki, der nicht nur wie schon erwähnt mit Martin Hemmer die musikalische Leitung innehatte, sondern auch die gesamt-künstlerische. Hin und wieder spricht er vom anderen Ende des Saals – als Vorgänger der Tierärztin Maria, die gegen Ende einen ziemlich fiesen Plan der Selbstverteidigung verfolgt, aber Genaueres wird hier nicht verraten.

Die Spielfreude des Bühnen-Ensembles überträgt sich auf die Tribünenreihen der Zuchauer:innen, die auch ihren Spaß haben. Wenngleich doch angesichts der angesprochenen Themen das Lachen manchmal schon im Hals stecken bleibt. Was sicher nicht unbeabsichtigt ist.

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cows-musical <—damals noch im Kinder-KURIER

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Maria und die Fledermaus

Ein artenübergreifendes Singspiel
Produktion: Splitscreen Entertainment In Koproduktion mit Theater am Werk und Musiktheatertage Wien; 2 ½ Stunden (eine Pause)

Konzept & Idee: Johannes Schrettle & Imre Lichtenberger Bozoki
Künstlerische Leitung: Imre Lichtenberger Bozoki
Text: Johannes Schrettle
Komposition & musikalische Leitung: Martin Hemmer & Imre Lichtenberger Bozoki Special contribution: Barbi Marković

Von und mit
Tierärztin Maria: Michaela Bilgeri
Zuki (Zukunft), ihr Hund: Martin Hemmer
Rocky, ein Flug- und Fledermaus-Hybrid / René:  Lucia Miorin
Schildkröte Camilla / Igel Sam: Suse Lichtenberger
Meerschweinchen Merino / Frau Hofer / Frau Jović: Alice Peterhans

Stehlampe: Sebastian „Cosbo“ Hiti

Hammond-Orgel: Valeria Lanner
Klavier: Anna Maria Schnabl (25./ 26. September; 10. Oktober 2026) bei den anderen Vorstellungen: Bernhard Höchtel

Dramaturgie: Veronika Maurer

Bühne & Licht: Monika Kovačević
Kostümbild: Aleksandra Kica
Sounddesign: Ulrich Schleicher
Video: Monika Kovačević & Moritz Wallmüller

Künstlerische Mitarbeit / Regieassistenz: Gréta Lichtenberger
Outside eye & ear (dramaturgische Beratung): Moritz Wallmüller
Produktionsleitung: Magdalena Stolhofer & Nina Samadi / dieKulturtanten

Wann & wo?

Bis 10. Oktober 2026
Theater am Werk, Meidling
1120, Oswaldgasse 35A (Nähe U 6 Tscherttegasse)
Theater amWerk –> Maria und die Fledermaus