Lecture-Performance des Investigativ-magazins Dossier über den „Fall Fellner“ und Boulevardmedien hatte Premiere im Wiener Rabenhoftheater.
Die Show beginnt. Die Bühne, der Saal – komplettes Black. Ganz dunkel. Zwei Taschenlampen leuchten auf. Wie in einem (TV-)Krimi. Suche! Wonach? Licht ins Dunkel zu bringen. In einem Mix aus Schauspiel und szenischer Lesung, genannt „Lecture Performance“, präsentieren die beiden Schauspieler:innen Zeynep Alan und Okan Cömert hier zunächst als Ermittler:innen, später in unterschiedlichen Rollen gemeinsam mit Florian Skrabal, Herausgeber und Geschäftsführer des Investigativ-Magazins Dossier einen Teil der Inhalte des neuen rund 160 starken Heftes „Der Fall Fellner – Krawall und Korruption in Österreich“.
„Dossier live / Fellner live“ hatte am Halloween-Abend Premiere im Wiener Rabenhof-Theater, weitere Aufführungen sind geplant, aber noch nicht fixiert.
Wie Fellner – vormals „Basta“ und „News“, heute „Österreich“ als Tageszeitung, Website und TV-Format – im Wechselspiel mit Politikern (bei den konkreten Beispielen erübrigt sich Gendern) Inserate dealt, mehr oder minder erpresst oder „erbettelt“ (dazu später) wird in verschiedenen Szenen nachgestellt (Konzept / Skript: Martina Grohmann, Tobias Herzberg, Florian Skrabal; Regie: Teresa Uhr; Ausstattung: Mirjam Ruschka).
Okan Cömert gibt mehrmals – einmal stöhnt er „ned scho wieder!“ den Protagonisten Wolfgang Fellner, Zeynep Alan unter anderem von diesem belästigte Mitarbeiterinnen. Die beiden – mit urviel Gel, das sie sich live in die Haare schmieren – werden aber auch zu „Prätorianern“ des vormaligen Kanzlers Sebastian Kurz, die das „Projekt Ballhausplatz“ aushecken oder mit Fellner das „Österreich-Beinschab-Tool“ entwickeln.
Obwohl auf Fellner konzentriert, demaskiert die Performance generell die Methoden von Boulevardmedien, vor allem Österreich, Krone und Heute, die die größten Stücke des Inseratenkuchens abgreifen.
Als eingeblendete Illustrationen im Hintergrund gibt es nicht nur Schlagzeilen der genannten Medien und die eine oder andere Fakten-Grafik, sondern vor allem Zeichnungen des bekannten Karikaturisten Gerhard Haderer – aus dem genannten Heft, das auf der Titelseite ohne Titel, sondern nur mit dem gezeichneten Porträt des besagten Medienmachers auskommt.
In einer Szene wird eine Episode der karikierenden Version dessen TV-Formats „Fellner Live“ in der ORF-Sendung „Willkommen Österreich“ projiziert. Christoph Grissemann, der „die molligste Versuchung seit’s Boulevardfernsehen gibt“ spielt, hat als Gast den jungen Journalisten Florian Skrabal, dessen Namen er generell verballhornt, unter anderem als „Krawall“.
Nach der 1¼-stündigen Performance schließt sich eine Gesprächsrunde an, in der das Publikum zu Wort kommt, bei der Premiere übrigens auch im Podium der Zeichner Gerhard Haderer. Als „Zugabe“ wird das vor fast zehn Jahren aufgenommene, nichts von seiner Gültigkeit verlorene 6½-minütige Video „Bettelmafia“ (!) von Christoph & Lollo eingespielt. Wie Boulevardmedien gegen Straßen-Bettler:innen hetzen und selber Millionen öffentlicher Gelder abgreifen; Link zu diesem weiter unten.
Lecture Performance der Investigativ-Redaktion
Konzept / Skript: Martina Grohmann, Tobias Herzberg, Florian Skrabal
Performance: Zeynep Alan, Okan Cömert, Florian Skrabal
Regie: Teresa Uhr
Ausstattung: Mirjam Ruschka
Produktion: Schauspielhaus Wien in Kooperation mit Dossier und dem Rabenhof Theater
dossier.at –> der-fall-fellner
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