Interview mit dem Regisseur des Eröffnungsstücks „Alle Kinder nach Kinderstadt“ für die Jüngeren (ab 6 Jahren) im neuen Theater Der Jugend in Wien.
KiJuKU: Als du für die Regie von „Alle Kinder nach Kinderstadt“ gefragt wurdest, kanntest du das Buch von der Renate Welsh?
Simon Windisch: Ich hab’s erst dann gelesen. Das „Vamperl“ (das übrigens im Jänner im Dschungel Wien von der Gruppe Make Make gespielt wird) von ihr hab ich gekannt. Aber der Roman, der doch schon rund 50 Jahre alt ist, hat mir dann sofort extrem getaugt. Dass es so eine Plastikkuppelwelt gibt, die da aufgezogen wird. Also mir hat dieses Motiv gefallen, dass alle so in Blasen abgetrennt werden. Das ist so wunderbar aktuell. Und auch dieses retro-futuristische mit der totalen Plastik-Kuppelwelt hab ich super gefunden.
KiJuKU: War von vornherein der Einstieg schon beim Eingang klar, dass die Schauspieler:innen auf die Kinder treffen und die auch gleich in verschiedene Gruppen eingeteilt werden oder entstand das erst während der Proben?
Simon Windisch: Das war schon relativ schnell klar. Wir wollten, auch wenn das bei so einem großen Haus schwierig ist, dass die Kinder von Anfang an eine Nähe spüren, die Spielerinnen und Spieler nah sehen und spüren.
KiJuKU: Wird das auch bei vollem Haus mit rund 600 Kindern funktionieren?
Simon Windisch: Ich glaub, ja. Natürlich wird es dann wahrscheinlich weniger Dialog mit den einzelnen geben. Es wird auch verschieden gestaltete groß gerahmte Eingänge für die einzelnen Gruppen geben – fünf, drei unten, zwei oben. Bei der „Stadt der Müden“ muss man sich irgendwie durchzwängen, durch was Flauschiges.
Und alle – Publikumsdienst und Schauspieler:innen – gehen ein bisschen mit dem Impetus rein, dass sie nicht nur Karten kontrollieren.
KiJuKU: Aber die sitzen ja dann trotzdem nicht alle zusammen?
Simon Windisch: Klar, es gibt keine frei Sitzplatzwahl. Aber es soll zumindest funktionieren, dass man die Idee am Anfang mitkriegt, in Gruppen eingeteilt zu werden, wenn ich nur kurz gefragt werde.
KiJuKU: Es zieht sich ja dann ein bisschen durch, Kinder immer wieder einzubinden. Es war nur ein bisschen schwierig, als Eva gegen Ende fragt, wer hat eine Idee? Und dann sagen Kinder „ich“, „ich“, „ich“ und es wird keines der Kinder gefragt. Aber es wurde dann gut aufgefangen vom „sechsten Sinn“, sie ins gemeinsam laute Singen einzubinden.
Simon Windisch: Insofern war diese probe zum ersten Mal mit Kindern super wertvoll. Dass man das ausprobieren kann und wir jetzt daran arbeiten, wie wir das dann letztlich machen. Entweder tatsächlich Ideen sammeln oder man stellt die Fragen nicht. Man muss dann nur schauen, wie man es dirigiert. Aber yeah, ich find das schon gut, wenn man im Theater 700 Kinder hat die alle miteinander laut schreien.
KiJuKU: Wie kamst du auf die Idee mit dem Roboter, den gibt’s ja im Roman nicht?
Simon Windisch: Im Roman ist es der Stadtrat. Der Roboter ist es so etwas wie ein altes Auto mit Lautsprechern, das durch die Stadt fährt und Verordnungen verkündet. Unser Roboterfahrer ist auch der Musiker, der auch live die elektronische Musik macht.
KiJuKU: War von Anfang an klar, dass die Kuppel-Städte senkrecht zu sehen sind?
Simon Windisch: Wir wollten auch die anderen Städte sehen und die Leute drinnen – als Figuren sehen.
KiJuKU: War die Grabungsgeschichte mit den Röhren-Tunnels quer durchs Theater von Anfang an klar mit diesen Schläuchen – samt Umziehen der Schauspieler:innen und auf schmutzig von der Erde schminken?
Simon Windisch: Das ist eine komplexe Organisationaufgabe, weil da ganz viel Sicherheitsfragen auch mitspielen. Das müssen wir auch noch ein bisschen bearbeiten und entwickeln und vielleicht kürzer machen. Aber die Idee war schon, dass man das durch den Theaterraum zieht.
KiJuKU: Du führst ja zum ersten Mal hier im Theater der Jugend Regie, ist es das größte Haus, wo du gearbeitet hast?
Simon Windisch: Nicht das größte, hab auch schon in großen Theatern in Deutschland inszeniert, aber es ist das erste Mal ein so großes Haus, wo alles auf junges Publikum konzentriert ist und nicht nur nebenher. Und alle das wollen. Das ist super, in so einer Umgebung zu arbeiten, wo alle das wichtig finden für Kinder und Jugendliche zu spielen und alles dafür zu tun.
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