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Szenenfotos aus "Titanic - Das Brot ist voll"
Szenenfotos aus "Titanic - Das Brot ist voll"
13.09.2026

Viele Lach- und so manche berührenden Tränen zur Auflösung

Das vielleicht innovativste, jedenfalls pionierhafte Projekt darstellender Kunst, diverCityLab, spielt mit Absolvent:innen ihrer Theater-Akademie-Jahrgänge ein Festival an vier Wiener Spielorten – bis 20. September 2026.


Gegen und am Ende des ersten Abends fließen Tränen. Einige wegen der Schärfe von Pfefferoni, die live auf der Bühne bei „titanic – Das Brot ist voll“ verzehrt werden. Andere bei der Verbeugung der Künstler:innen und der Würdigung ihrer Arbeit in knappen, punktgenauen Worten durch die künstlerische Leiterin des Theaters am Werk im Meidlinger Haus Kabelwerk (Esther Holland-Merten).

Die zuletzt angesprochenen berührenden Tränen paaren sich aus Freude über die erfolgreichen letzten Premieren und die Trauer, dass nun eines der innovativsten, bewegendsten, umfassendsten Projekte theatraler, vielseitiger, mehrsprachiger darstellender Kunst Wiens zu Ende geht.

Mit „åbgspüt“…

… der Wiener Dialekt-Version von abgespielt und gleichzeitig abgespült beschließt diverCity-Lab seine rund 13-jährige Aufbau-, Pionier- und Vorbild-Arbeit mit einem Festival an mehreren Spielorten. Absolvent:innen der Schauspiel- und Regie-Akademien, in deren mehrjährigen Curricula aus verborgenen, zu wenig wahrgenommenen Talenten Profis wurden, spielen neue Szenen und Stücke. Mit ihrer humorvollen, satirischen, nicht selten auch selbstironischen Spielfreude aktivieren sie beim Publikum immer wieder Lachmuskeln ebenso wie Gehirnzellen. Und bei jenen Besucher:innen, die die Arbeit dieses „Labors“ schon länger verfolgen, rufen sie die eine oder andere Erinnerung an frühere Performances wach oder knüpfen daran an.

„Postmigrantisch“

Vielfältig Theaterformen, auch spannende Filmprojekte und das nicht nur, aber vor allem jungen, engagierten, leidenschaftlichen (angehenden) Künstler:innen, die mehrere Sprachen und Kulturen mitbringen. Solchen, die viel zu oft auf Bühnen bzw. in Filmen (noch) nicht oder zu wenig sichtbar waren. Oder wenn, dann klischeehafte Rollen übernehmen mussten Stichworte: Putzfrauen oder Kriminelle. Dem hatte schon vor dem DiverCity Lab der Verein „Das Kunst“ ebenfalls rund um Aslı Kışlal, konkrete Stücke und Projekte, Diskussionen entgegengesetzt – oft als „postmigrantisch“ ge-labelt. Was jene, auf die das von außen zugeschrieben wird, unerträglich finden.

Vorreiter:innen, Wegbereiter:innen

Einerseits ist es durch diese Initiativen gelungen, zumindest in Teile des offiziellen, Mainstream-Kulturbetriebs auszustrahlen, zu „diffundieren“, sich auszubreiten. Und andererseits wurden aber – nach dem Abgang der zuvor genannten Initiatorin als nunmehrige künstlerische Leiterin des Theaters der Jugend – eingereichte Projekte aus dem Kreis von diverCityLab trotz mehrmaliger Einreichungen – nicht gefördert. Beide Elemente ließen die Idee des „åbgspüt“ High Performance Festivals entstehen. Das nun im Theater am Werk begann, im Areal der ehemaligen Semmelweis-Klinik, im Schikaneder Kino sowie im Kosmos Theater fortgesetzt wird – bis 20. September 2026 – Details, siehe Info-Box.

Ent-spannende Ouvertüre

Der Auftakt war relaxt, ge-chillt. Kleine Seifenblasen aus einer Maschine, (riesen-)große händisch mit Schnüren an Stöcken in den Himmel vor und über dem Theaterhaus ins Schweben gebracht, entspannende Musik „Calm & tender“ (ruhig und zärtlich) des „Stamm“-Musikers Uwe Felchle, der parallel noch einen Hund, den er zuvor nie gesehen hatte, sanft nur durch zuwendende Bewegungen coachte…

Erdgeschoß ganz oben

Weiter ging’s im obersten Stockwerk des Theaters mit „Utopie im Erdgeschoß“. An die Wand projiziert das Logo von Wiener Wohnen und die Aufschrift eines Gemeindebaus aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Eine Bewohnerin ist auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe, wer anderer weiß davon nichts, aber von einem Theater-Workshop. Beide – und noch andere Typ:innen finden sich – natürlich – in der gleichen Gruppe. Mehr oder minder bekannten Aufwärmübungen von Theatergruppen eröffnen erste gemeinsame und doch wieder trennende Begegnungen. Entstehung ebenso wie Umgang mit Konflikten ergeben sich aus dem (Schau-)Spiel von Asin Alev, Berk Kristal, Chiara Schmölz, Deborah Gzesh, Elif Bilici, Ines Miro, Kari Rakkola und Leni Plöchl (Regie: Johnny Mhanna; Mitarbeit Regie: Cintia Sepp) ebenso wie die Darstellung unterschiedlichster Charaktere. Dominieren Wollende, Schüchterne, sich erhaben Fühlende, Diskriminierte… – wie aus dem echten Leben gegriffen. Und trotz der vielen ernsten Kerne, die angespielt werden in der Umsetzung äußerst witzig – aber nie lachhaft. Wäre vielleicht was für eine Theater-Tour mit den Wohnpartner:innen 😉

Untergang?

Nicht nur der Titel, sondern DER Song des filmisch in Szene gesetzten Untergangs des als „unsinkbar“ gepriesenen Luxus-Dampfers stimmen auf einen gefühlvollen Abschied ein. Barča Baxant stimmt „My Heart will go on“ (mein Herz wird weiterschlagen) an, den berühmt gewordenen Popsong – übrigens erst im Abspann des Oscar-überhäuften Films von Celine Dion gesungen, die das angeblich ursprünglich genauso wenig wollte wie Regisseur James Cameron. „Titanic – das Brot ist voll“ hat eine der Absolvent:innen der drei Theater-Akademie-Jahrgänge, Charlotte „Charly“ Zorell, geschrieben und Aslı Kışlal inszeniert.

Das Stück wird als Art offene probe gespielt – mit hin und wieder von der Regisseurin reingerufenen Hinweisen, Anregungen… Neben der schon genannten Top-Sängerin, nein nicht Celine Dion, sondern Barča Baxant, die natürlich auch spielt, agieren die benfalls bereits erwähnte Autorin sowie Anillo Sürün, Onur Poyraz, Zeynep Alan und Özge DayanMair. Von einer schrägen Rolle wechseln die Schauspieler:innen in die nächste, mit heftigem gewandwechselndem Aufwand (Kostüme: Nadine Abena Cobbina, Bühne & Ausstattung: Markus Liszt). Und futtern zwischendurch die schon zu Beginn erwähnten scharfen Gemüse-Teile.

(Selbst-)ironisch thematisieren sie (nicht nur) ihre gemeinschaftliche Arbeit, Diversität, kulturelle Aneignung („Döner ist Streetfood mit einer Identitätskrise“) sowie gesellschaftliche Entwicklungen und künstlerische Arbeit. Beobachtend begleitet vom Musiker Uwe Felchle am Rande des Geschehens – mit dieses Mal wenigen instrumentalen Einsätzen (Blockflöte und Ukulele).

kijuku_heinz

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

åbgspüt

high performance festival
Bis 20. September 2026
divercitylab

Calm & tender
Entschleunigendes Klang-Event zur kollektiven Beruhigung von Mensch und Tier.
von: Uwe Felchle

Utopie im Erdgeschoß
Dreiteiliges Live-Sitcom-Experiment im Gemeindebau über Reibung, Macht und eine kleine Hoffnung – ohne Garantie.
Regie: Johnny Mhanna
Mitarbeit Regie: Cintia Sepp
Performance: Asin Alev, Berk Kristal, Chiara Schmölz, Deborah Gzesh, Elif Bilici, Ines Miro, Kari Rakkola, Leni Plöchl
Bühne & Ausstattung: Markus Liszt

Titanic – Das Brot ist voll
Communitybuildingsversuchsanordnung, Peacemaking-Coaching, emotionales Selbstdarstellungs-Feuerwerk.
Regie: Aslı Kışlal
Text: Charlotte Zorell
Musik: Uwe Felchle
Performance: Anillo Sürün, Barča Baxant, Onur Poyraz, Zeynep Alan, Özge DayanMair, Charlotte Zorell
Künstlerische Mitarbeit: Dario Zorell
Kostüm: Nadine Abena Cobbina
Bühne & Ausstattung: Markus Liszt
Letzteres noch am 13. Sptember im Theater am Werk, Meidling: 1120, Oswaldgasse 35A (nahe U6 Tscherttegasse).
theater-am-werk –> das-brot-ist-voll

Abpumpsystem
Tag der Selbstauflösung(en) / Utopie Now & Paradoxe Interventionen
17. bis 19. September 2026
Kosmos Theater
divercitylab –> der-tag-der-selbstaufloesungen-utopie-now

Einspülkammer – Semmelweisklinik
Rien ne va plus & Wahrscheinlich sind diese Ind***er noch gar nicht erfunden worden

18. / 19. September 2026
divercitylab. –> einspülkammer

Sag Ja! die österreichische Lösung für den Weltfrieden
18. / 19. September 2026
divercitylab –> sag-ja

Trockner – Schikaneder Kino
Restfeuchte
inklusive „Auktion seltener Exponate der postmigrantischen Epoche Anfang des 21then Jahrhunderts in Wien“
divercitylab –> restfeuchte