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Szenenfoto aus "Romeo & Julia / Projekt Verona"
Szenenfoto aus "Romeo & Julia / Projekt Verona"
01.10.2026

Energie-geladene Punk-Version des bekanntesten Dramas verbotener Liebe

Theater Wozek rockt den üppigen, palastartigen Stadtsaal von Korneuburg (Niederösterreich) mit „Romeo & Julia“ in Verona im Ausnahmezsutand.

Hinter der eher unscheinbaren kleinen grünen Tür auf einer Seite des Korneuburger Hauptplatzes (Niederösterreich) geht’s – durch Plakate geleitet, hinauf in den ersten Stock. Ein schon aufs Erste beeindruckende Front von Glastüren gibt den Blick frei auf einen wuchtigen, fast pompösen Festsaal mit Balkon und Galerie.

An den Wänden hängen aber auch kopierte Flugzettel, teil abgerissen, innen im Saal große gesprayte Transparente mit dem vier-buchstabigen Fluchwort, das mit F beginnt und mit CK endet – siehe auch Fotos;) gemünzt auf den Fürsten von Verona, Escalus.

Und Verona, das ist DIE Stadt von „Romeo und Julia“ (1597). Wobei William Shakespeare bei dieser seiner vielleicht berühmtesten Bühnen-Tragödie wie bei anderen Werken auch sich bei literarischen Vorbildern bedient hatte, allen voran Arthur Brookes „The Tragicall Historye of Romeus and Iuliet“ (1562): Die verfeindeten Familien der Liebenden Montague (Romeo) und Capulet (Julia) hat er sich höchstwahrscheinlich von Dante Alighieris (1265 – 1321) „Göttlicher Komödie“ (ca. 1306) „Montecchi e Cappelletti“ ausgeborgt.

Szenenfoto aus "Romeo & Julia / Projekt Verona"
Szenenfoto aus „Romeo & Julia / Projekt Verona“

Bekanntes plus Ausnahmezustand

Zurück nach Korneuburg und dem doch verfremdeten, ja widersprüchlichen Ambiente. Im feinen Festsaal mit jugendkulturellen Accessoires. „Romeo & Julia / Projekt Verona“ nennt sich die Version von Theater Wozek mit einer sehr jungen Crew auf der Bühne und vor allem, aber nicht nur, für junges Publikum gedacht. Neben der Feindschaft der beiden genannten Familien und natürlich der – verbotenen – Liebe der beiden noch dazu einzigen Kinder ihrer Familien, den damit erforderlichen Heimlichkeiten und dem tragischen Tod der Titelheld:innen bettet diese Version die Story in einen noch größeren Konflikt ein.

In der Stadt herrscht Ausnahmezustand. Eine tödliche Seuche ist ausgebrochen. Erinnerungen an die gar nicht so lange zurückliegende Corona-Zeit werden wach. Und dann setzt Theater Wozek noch eins drauf: In der Stadt sind offenbar vermehrt Reptiloide, Echsenmenschen unterwegs. In der Fantasy-Literatur schon vor rund 100 Jahren ausgedacht, tummeln sie sich in so mancher Verschwörungstheorie eher erst seit nicht einmal einem Jahrzehnt herum und sollen diesen zufolge Politik und Weltgeschehen beeinflussen.

Und öffnet damit die größere Dimension gespaltener Gesellschaften, verschärft die Feindschaft der beiden Familien über diese hinaus: Wer darf / will mit wem noch reden oder bricht alle Brücken ab? Gibt es überhaupt (noch) gemeinsame Gesprächsbasen?

Szenenfoto aus "Romeo & Julia / Projekt Verona"
Szenenfoto aus „Romeo & Julia / Projekt Verona“

Volle Power

Rasant und voller mitreißender Energie düsen die fünf jungen Schauspieler:innen vor allem durch den Saal zwischen den V-förmig aufgestellten Sitzreihen, über den Balkon, die Galerie und die eher kleine Bühne rund um einen als DJ-Pult arrangierten Tisch. Und ziehen ihre Szenen ab, die den Großteil des Premierenpublikums begeisterte.

Julia Wozek, die sicher nicht nur des Vornamens wegen die Julia spielt, und die seit jugendlichen Jahren leidenschaftlich und professionell schauspielt, ist ohnehin in ihren Auftritten fast eine Naturgewalt. Kann aber auch die stillen, fast schüchternen Momente bei der ersten Begegnung mit Romeo (Nicolas Hoser). In diesem Stück – nächste öffentlich Aufführung erst in drei Wochen, Schulafführungen ab sofort; siehe Info-Box – führte sie aber auch, gemeinsam mit ihrem und dem Vater der Theatergruppe, Karl, Regie.

Klischees und deren Brechung

Georg Müller-Angerer gibt glaubwürdig den fast durchgängigen toxischen Tybalt, der unbedingt Julia besitzen will, Helene Hütter eine selber sehr lebenslustige „Amme“ Amalia. Marvin Weidinger vereint als Mercutio auch die Szenen von Bruder Lorenzo. und spielt eine Art DJ, für den Soundtrack zuständig samt fast ein bissl klischeeartig dafür Dealer diverser flüssiger Substanzen in kleinen Fläschchen. Dafür bricht er mit genderfluiden Anklängen und am stärksten von allen im Punk-Style wiederum auf andere Art aus Klischees aus. Und verstärkt damit die rebellische Botschaft gegen das Liebesverbot der verfeindeten Häuser.
Nach der öffentlichen Vorstellung – knapp mehr als 1½ Stunden (Vollversion; kürzere Fassung bei Schulvorstellungen ohne Rave) legt DJ Colido auf.

Szenenfoto aus "Romeo & Julia / Projekt Verona"
Szenenfoto aus „Romeo & Julia / Projekt Verona“

Handys?

Auch wenn Romeo selber nie ein solches benützt, kommen Smartphones in einer frühen Szene ins Spiel und als Romeo flüchten muss, weil er Tybalt (angeblich) getötet hat und Julia verspricht ständig zu schreiben, taucht sofort im Kopf auf, warum schreibt sie ihm dann nicht, dass sie aufgrund des Tranks nur scheintot sein wird?

Dass das Spiel– wie die meisten Stücke und Verfilmungen mit dem Tod aller schließt und auf Shakespeares Ende verzichte – Treffen der Familien zum Versöhnungsessen, bei dem sie beklagen, wegen ihrer Feindschaft ihre beiden Kinder verloren zu haben – ist doch ein Wermutstropfen.

Szenenfoto aus "Romeo & Julia / Projekt Verona"
Szenenfoto aus „Romeo & Julia / Projekt Verona“

Viele andere eigene Varianten

Übrigens war vor knapp mehr als zehn Jahren die Regisseurin von „Romeo & Julia freestyle“ (im Dschungel Wien, 2014; Link zur Besprechung, damals noch im Kinder-KURIER, unten am Ende des Beitrages) mit drei Romeos und drei Julias aus verschiedensten Herkunftskulturen verblüfft, als ihr afghanische Jugendliche eröffneten, eine ganz ähnliche Geschichte aus ihrer Heimat zu kennen – „Mem û Zîn“. Und das ist nicht die einzige Variante, die sich nicht von Shakespeare ableitet, sondern teils sogar älter ist, als da unter anderem sind „Leila mecnun“ / „Madschnūn Lailā“, „Kherim Aslı“ oder „Laila w kais“ (Transparenzhinweis: Dieser Absatz ist aus der Besprechung einer anderen Romeo & Julia-Version kopiert, die aber auch von mir verfasst worden ist.)

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Romeo & Julia freestyle <— damals noch im Kinder-KURIER

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Romeo & Julia / Projekt Verona

Regie: Karl Wozek, Julia Wozek

Darsteller*innen
Julia: Julia Wozek
Romeo: Nicolas Hoser
„Amme“ Amalia: Helene Hütter
Mercutio: Marvin Weidinger
Tybalt: Georg Müller-Angerer

Kostüm: Fahima Rakhmatova
Ton und Licht: Jan Manuel Grillmeier

Nach der Vorstellung legt DJ Colido für den anschließenden Rave auf.

Wann & wo?

24. Oktober 2026
20 Uhr
Stadtsaal Korneuburg
2100, Hauptplatz 31-33 (ca. 10 Gehminuten von der gleichnamigen S-Bahnstation, ab Praterstern fährt sie – trotz Sperre eines Großteils der Wiener Stammstrecke)

Schulvorstellungen

Freiraum St. Pölten
6. Oktober 2026; 11 Uhr
5. November 2026; 10 Uhr
18. November2026; 11 Uhr

BG Wieselburg
22. Oktober 2026; 11 Uhr

Stadtsaal Hollabrunn
12. November 2026; 11 Uhr

Stadtsaal Zwettl
15. Dezember 2026; 11 Uhr

theater-wozek.at –> romeo-julia

Reservierungen:
office@theater-wozek.at

Telefon: 0 660 867 24 46