Schau- und Puppenspiel im Wiener Schubert Theater über Meister-Gauner Victor/Viktor Lustig.
Die Gitter, hinter denen der Gentleman-Gangster heftig hustend erwacht, ziemlich Tod geweiht aus den Klappmaul-Puppen-Augen schaut und in seinen letzten Tagen auf sein doch großteils nobles, kriminelles aber fast bewundertes Leben zurückblickt, werden später – um 90 Grad gedreht – zur Reling eines Ozeandampfers. In knapp 1¼ Stunden lässt der Solo-Schau- und Puppenspieler Angelo Konzett „Die (fast) wahre Geschichte des Viktor Lustig“ auf und teils vor der Bühne des Wiener Schubert Theaters ablaufen. Schlüpft ebenso in dessen Rolle wie die so mancher Geschäftspartner, einmal auch der misstrauischen Ehefrau eines solche und bald nach Beginn auch in die der – erfundenen (?) – Oma des kleinen Victor oder wie immer er damals geheißen haben mag.
Als Victor Lustig mit dem davor gesetzten niedrigen Adelstitel Graf erlangte er einige Berühmtheit. Und auch dieser Name – mit c geschrieben – dürfte nur einer der rund vier Dutzend gewesen sein mit denen der in Arnau (Böhmen in der Habsburger-Monarchie 1890 geborene und 1947 im US-amerikanischen Springfield in Haft gestorbene Hochstapler und Trickbetrüger in Erscheinung getreten ist.
Auf den Schiffspassgen über den Atlantik zockte er – oft im Bündnis mit einem Kompagnon reiche Fahrgäste beim Kartenspiel ab, vor allem mit seinem Spürsinn für Schwächen wie Gier seiner Gegenspieler. Die half ihm auch bei der sogenannten rumänischen Box, die vorgeblich aus weißen Papierstreifen Geldschein herstellen konnte. Welcher Betrogene würde damit zur Polizei gehen und sich als Geldfälscher selber outen?
Sein größter – und berühmtester – Coup aber war der Verkauf des Pariser Eiffelturms. Vielmehr der 7000 Tonnen Stahl, die angeblich abgetragen werden mussten, weil Rost an ihnen fraß und neues Lackieren zu teuer gewesen wäre. Außerdem war das für die Weltausstellung 1889 errichtete technische Meisterwerk ohnehin nur als temporärer Turm gedacht. Als fiktiver führender Beamter des Postministeriums lud Lustig – natürlich unter anderem Namen – fünf Schrotthändler zu einem geheimen Treffen in ein in der Diplomatie bekanntes Nobelhotel, in anderen Berichten war von sechs die Rede. Den provinziellsten und aufstrebungswilligsten wickelte er mit einem dezenten Hinweis auf eigene Bestechlichkeit um den Finger; nach dem Motto, das muss ein echter Beamter sein 😉
Der Schau- und Puppenspieler, der von der Rolle des Erzählers in die seiner Haupt- und anderen Figuren – mitunter im Dialog miteinander und damit in Sekundenschnelle Sprachfärbung, eigene bzw. Puppen-Körperhaltung verändernd – wechselt, hat gemeinsam mit Manuela Linshal, die auch Regie führte, und Simon Meusburgers den Text geschrieben. Die unterschiedlichen Puppen – und deren sowie die Kostüme des Schauspielers stammen – im wie im Schubert Theater meistes – von Soffi Povo.
Ausgangspunkt, so Angelo Konzett zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… auf die entsprechende Frage „war eine TV-Doku, die ich vor ein paar Jahren gesehen habe. Daraus wollte ich unbedingt ein Stück machen!“
Und obwohl die Geschichte so bizarr ist, teilweise auch in Wien spielt und in ihr sogar der berühmte Mafia-Boss Al Capone vorkommt – eine Zeitlang Mithäftling auf der berüchtigten Gefängnisinsel Alcatraz – und (angeblich) eines der Betrugsopfer von Victor Lustig, die Theaterversion schreibt ihn mit k, ist seine Story gar nicht so besonders bekannt. Vor mehr als 45 Jahren gab’s eine Spielfilm- und Hörspielfassung, vor eineinhalb Jahrzehnten eine Hörbuchversion und der bekannte „Geschichten aus der Geschichte“-Podcast widmete gegen Ende 2020 eine seiner Folgen diesem Hochstapler – mit Hinweis darauf, dass so manche der Episoden nicht wirklich belegt sind, etwa, ob er Al Capone wirklich reingelegt und den Eiffelturm ein zweites Mal verkauft habe – Hinweise ebenso wie Spieltermine und -ort in der Info-Box.
Wobei ja auch der Theaterabend selbst damit unterschwellig, manchmal auch offen angesprochen damit spielt, offen zu lassen, ob das Erzählte / Gespielte nun wahr sei oder eben… „Die (fast) wahre Geschichte des Viktor Lustig“ 😉
Text: Angelo Konzett, Simon Meusburger, Manuela Linshalm
Regie: Manuela Linshalm
Schau- und Puppenspiel: Angelo Konzett
Puppenbau & Kostüm: Soffi Povo
Bühnenbild: Angelo Konzett
Assistenz: Marie Theissing und Julia Braunegger
„Betrugsberatung“: Philipp Tawfik
Musik/Projektionen: Simon Meusburger, erstellt mit Mureka, Udio und Google Gemini flow
10., 11. Oktober 2026
14. Dezember 2026
Schubert Theater: 1090, Währinger Straße 46
schuberttheater –> viktor-lustig
Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte – Graf Victor Lustig
aus der Serie: Die größten Gentleman-Gangster aller zeiten, 1
Buch und Regie: Michael Esser
Erzählerin Anne Weber
Erzähler: Andreas Fröhlich
Sounddesign: Volker Zeigermann
Geräusche: Martin Langenbach
Musik: Ben Esser
Produktion: Zeigermann/ Schmal
Campfire Media Verlag
62 Minuten
7,99 €
goodreads.com –> graf-victor-lustig
GAG – Geschichte aus der Geschichte, Folge 275
Victor Lustig – Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte
Geschichten aus der Geschichte –> 275, Victor Lustigpodcast/gag275/
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