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Die beiden Figurenspieler:innen lassen Mika und Sasha schaukeln
Die beiden Figurenspieler:innen lassen Mika und Sasha schaukeln
09.09.2026

Will nicht mehr dein Schatten sein…

Probenbesuch beim jüngsten Stück im Wiener Figurentheater Lilarum „Schattenparty“, das in Zusammenarbeit mit Kunst-Studierenden entstanden ist.

„Immer du möchten, immer du, immer du. Entscheiden. Ich bin jetzt beleidigt“, sagt die lila Figur, eine Art dunkles Spiegelbild der orangefarbenen zotteligen Figur von Mika. Der Streit drehte sich um Rutsche oder Schaukel. Und mit dem Namen „Schattenmika“ ist das Wesen natürlich noch weniger zufrieden. „Ich heiße ab jetzt Wolke!“

Ähnlich, doch eher mit vertauschten Rollen, hat sich Schalk aus dem Staub gemacht – und zuvor sein farbiges, grünes Ebenbild, Sasha-nicht-Schatten genannt.

In wenigen Tagen feiert „Schattenparty“ Premiere im Figurentheater Lilarum (Wien). Wenige Tage davor durfte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… eine Probe mehrerer Szenen besuchen. Und sowohl aus Publikumssicht als auch Backstage fotografieren und filmen.

Wie tief einatmen

Silence Conrad und Jo Demian Proksch setzten die beiden zentralen Figuren – Mika und Sasha an den langen Stäben auf Schaukeln, die von zwei Kolleg:innen von oben ins Bühnenbild runter gekurbelt werden. „Das ist wie tief einatmen…“, rät Regisseurin Andrea Gergely den beiden für den Bewegungsablauf beim Schaukeln ihrer Figuren. Auch sie steht in diesem Fall im Bereich der Spieler:innen zwischen Schaukeln und Rutsche auf fahrbaren Gestellen.

Die meisten Szenen beobachtete sie aus dem Zuschauer:innen-Raum, wo sie vom Laptop auch die – voraufgenommene eigens dafür komponierte – Musik (Stephie Hacker) sowie den – eingesprochenen – Text (Dorothee Hartinger, Sven Kaschte, Stefan Rosenthal, Alice Schneider) abspielt. Einen Tisch weiter sitzt Florian Scholz und steuert über sein Mischpult die Lichtstimmungen.

Hin und wieder rät die Regisseurin, eine der Figuren einmal höher zu spielen, ein anderes Mal eine andere in eine bestimmte Richtung schauen zu lassen, das eine oder andere der großen Spielgeräte-Kulissen – Schaukel und Rutsche – früher ins Bild zu schieben…

Andersen, Chamisso…

Den Stücktext hat Theresa Luise Gindlstrasser geschrieben. Studierende der Akademie der bildenden Künste Abteilung für Bühnengestaltung (Kilian „Tiffy“ Chyba, Hulda Graichen, Hanna Masznyik, Anna Schreiber; Leitung: Nina von Mechow; Projektleitung: Jasmin Hammer,) haben die Figuren gebaut und sich eine Story um Charaktere und deren Schatten, die sich selbstständig machen, gewünscht. Was an Hans Christian Andersens (1805 – 1875) Märchen „Der Schatten“ (1847) erinnert. Wobei dieser bekannte Dichter selbst Bezug genommen hat auf Adelbert von Chamisso „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ (1813), der seine Titelfigur den eigenen Schatten verkaufen lässt – an den Teufel.

Gar nicht düster

„Schattenparty“ ist natürlich nicht so düster wie Andersens Märchen, sondern fröhlich verspielt, ja selbst die beiden Schattenfiguren sind, wie schon erwähnt, lila. Irgendwann machen sich nicht nur Mika und Sasha auf die – gemeinsame – Suche nach ihren Schatten, pardon nach Wolke und Schalk. Sondern auch diese beiden vermissen ihre „Nicht-Schatten“.

Kinderphilosophie plus Meta-Ebene

Die Figuren philosophieren im Dialog wie Kinder fragen, ob es Schatten auch dort geben kann, wo kein Licht ist. „Aber Schatten ist ja dort, wo Licht ist. Nicht wo Licht nicht ist … ohne Licht, dann ist alles ohne Schatten.“ (Schalk)

Licht- und Schatten-Seiten

Darüber hinaus spricht das knapp mehr als halbstündige Stück (plus einer Pause) auf einer zweiten, einer Art Meta-Ebene, eher erwachsene Begleitpersonen der jungen Theater-Besucher:innen an. Zwischen den Zeilen schimmert das Grundmotiv Andersens zwiespältiger Persönlichkeiten – als Menschen aus Licht und Schattenseiten – durch wie es vielleicht am Berühmtesten Robert Louis Stevenson in „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ dramatisiert hat.

Theater

Neben dem roten Vorhang des Lilarum, tritt in einigen Szenen ein eigener, hell-lila Vorhang (ebenfalls von den Studierenden angefertigt und bemalt) im wahrsten Sinn des Wortes auf. Er bekommt Stimme und erklärt Mika und Sasha, dass er hier arbeite. Unter anderem öffne er sich. Und gibt dann einmal den Blick frei auf einen großen Spiegel und damit… – das kannst du dir nun sicherlich denken.

In der Pause diskutieren die Spieler:innen übrigens, ob sie ihre Figuren in dieser Szene in den Spiegel oder ins Publikum schauen lassen sollen … – wie’s ausgeht, wird hier nicht verraten. Überraschung!

Scheinwerfer spielt mit

So wie der Vorhang kommt auch – neben den fix montierten Lichtern – ein eigener von Figurenspieler:innen quer durchs Bühnengeschehen bewegter Scheinwerfer ins Spiel. Wobei durch das Faltenspiel des Vorhangs dann hin und wieder der runde Kreis auszufransen beginnt und an ein wolkenähnliches Gebilde erinnert.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Schattenparty

Ab 4 Jahren; 35 Minuten + Pause

Text: Theresa Luise Gindlstrasser
Regie: Andrea Gergely
Puppen & Bühnenbild: Kilian „Tiffy“ Chyba, Hulda Graichen, Hanna Masznyik, Anna Schreiber (Studierende der Akademie der bildenden Künste)
Figurenspiel: Paula Belická, Silence Conrad, Carlos Delgado-Betancourt, Jo Demian Proksch, Julia Reichmayr, Evgenia Stavropoulou-Traska
Musik: Stephie Hacker
Klavier, Akkordeon, Glockenspiel, Cello, Sounds : Stephie Hacker
Percussion: Christian Salfellner
Stimmen: Dorothee Hartinger, Sven Kaschte, Stefan Rosenthal, Alice Schneider
Licht: Florian Scholz
Werkstattleitung: Andrea Gergely
Produktionsleitung: Paul Kossatz;

Eine Kooperation mit Studierenden der Akademie der bildenden Künste Wien; Abteilung für Bühnengestaltung / Leitung: Nina von Mechow; Projektleitung: Jasmin Hammer.

Wann & wo?

12. bis 27. September 2026
Figurentheater Lilarum: 1030, Göllnergasse 8
Telefon: 01 710 26 66
lilarum.at –> schattenparty