Werner Schwabs wortgewaltig-deftige „Die Präsidentinnen“ noch einige Tage im Theater Forum Schwechat.
Das Schauspiel beginnt schon bevor der Vorhang die Sicht auf die sehr schräge Bühne freigibt. Die eine, Manuela Seidl als Grete aufgetakelt und mit Klunker behangen, wischt den Bereich vor der Bühne nochmals sauber. Natürlich müssen Besucher:innen vorbei und damit ins Feuchte treten. Na, diese Blicke. Da fühlst dich richtig schuldig.
Eine zweite, Petra Strasser in der Rolle der sehr gottgläubigen Erna, hantiert poliert mit einem Putzfetzen eine Brüstung über der Eingangstreppe in den Publikumsraum. Und die dritte, Elisabeth Spiwak als Mariedl, die Jüngste des Trios, haben nur Besucherinnen vielleicht gesehen, sie hat, so wurde dem Rezensenten erzählt, auf dem Frauen-WC geputzt.
Das Trio spielt die sehr bitterböse, deftig-satirisch-wortgewaltige, Komödie „Die Präsidentinnen“ des sehr früh (1994 mit nicht einmal 36 Jahren) verstorbenen Dramatikers Werner Schwab. Drei Frauen, drei Typinnen, die nicht gerade auf die Butterseite des Lebens gefallen sind, aber ihre Frau stellen. Trotz so mancher Schicksalsschläge. Sie sorgen für ihren jeweils eigenen Lebensunterhalt in dienenden von vielen verachteten und doch so – wie Jahrzehnte später in der Pandemie es kurzzeitig hieß systemrelevanter Berufe. Wo Hygiene und Sauberkeit einen ganz neu geachteten Stellenwert erhielt. Der – wie andere solcher damals hochgelobter Jobs – seine Bedeutung in der breiten Öffentlichkeit aber rasch wieder verlor.
Ach ja, dann weicht der rote Samtvorhang und gibt unter den ersten Lachern des Publikums den Blick frei: Auf einen Lagerraum für Paletten voller Klopapier – rund 7000 Rollen wird KiJuKU auf Nachfrage berichtet – und dazwischen drei Klomuscheln (Raum sowie Regie: Christian Graf, Bühnenbau: Daniel Truttmann, Werner Ramschak). Immer wieder Sitzgelegenheiten für die drei Schauspielerinnen, mitunter auch mehr – für den Griff ins Klo.
Denn Mariedl ist DIE Heldin eines geschilderten Festes, bei dem der Abortus verstopft ist. Und sie ist die Expertin, die handfest und ungeniert in den Dreck greift und den Abfluss freilegt. Immer und immer wieder hat sie das schon getan und erzählt stolz, dass sie sogar schon von feinen Leuten im Auto abgeholt wurde, um…
Und während des – knapp mehr als 1½-stündigen Stücks – hat sie drei Mal die Gelegenheit – und wird jeweils belohnt, weil ihr, der sehr „heiligen“ ein Pfarrer des Dorffestes sozusagen Geschenke versteckt hat, die sie freilegt, beispielsweise eine Dose Gulasch.
Schilderungen, die den beiden anderen – naja, nicht so behagen. Aber sind deren Schilderungen über Ernas Sohn Hermann, der keinen Verkehr haben will, damit seiner Mutter Enkl-Wunsch unerfüllt lässt und säuft oder Gretes Ex-Storys samt ihrer ausgewanderte Tochter Hannelore, die von einem der Ex vergewaltigt worden war… nicht noch viel ärgerer Dreck?
Und trotz der ausgebreiteten Schilderung schafft es sowohl Schwabs durchaus deftig-fäkaler Text als auch die Inszenierung und das Spiel des genannten Trios weder in ekelhaften Voyeurismus abzudriften noch sich über die Typinnen zu erhöhen. Petra Strasser, Manuela Seidl und Elisabeth Spiwak erzeugen mit ihrem Schauspiel aber auch keine Momente des Mitleids. Sie sind trotz allem gestandene, starke Frauen und zumindest „Präsidentinnen“ ihrer (Lebens-)Träume. Und sie sorgen auch für so manch humorvolle Momente und Szenen. Aber auch für das vom Text vorgesehene sehr bitterböse Ende. Wo der wohlverdiente Applaus fast verzögert kommen muss …
Bitterböse Komödie von Werner Schwab
Regie und Raum: Christian Graf
Schauspiel
Erna: Petra Strasser
Grete: Manuela Seidl
Mariedl: Elisabeth Spiwak
Regieassistenz: Amy Parteli
Bühnenbau: Daniel Truttmann, Werner Ramschak
Musik: Katharina Sittler
Kostüme: Andrea Költringer
Technische Leitung: Werner Ramschak
Rechte: Deutscher Theaterverlag GmbH
Bis 9. Oktober 2026
Theater Forum Schwechat
2320 Ehrenbrunngasse 24
Theater Forum Schwechat –> Die Präsidentinnen
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